Komoot SH 04/2021; Weitwanderwege Deutschland Björn Hänssler

Deutschlands schönste Fernwanderwege

Weitwandern in Deutschland Deutschlands schönste Fernwanderwege

Weitwandern boomt in Deutschland. Immer mehr Routen werden eingerichtet, vor allem in den Mittelgebirgen. Hier präsentieren wir euch einige der schönsten Fernwanderwege Deutschlands und geben hilfreiche Tipps für die nächste Mehrtagestour.

Auf Weitwanderungen lässt man den Alltag Schritt für Schritt hinter sich. Diese acht Mehrtagestouren zählen zu den schönsten Deutschlands – mit dabei so klangvolle Namen wie Malerweg, Goldsteig oder Maximiliansweg. Weiter unten im Artikel bieten wir euch noch ein paar spezielle Ausrüstungstipps fürs Weitwandern sowie Tipps zur Planung eurer Trekkingtour. Wir wünschen euch jetzt schon eine tolle Auszeit auf Deutschlands schönsten Weitwanderwegen!

Unsere persönliche Top-Liste der Weitwanderwege in Deutschland findet ihr hier – mit Links zu weiteren Bildern, Infos und GPS-Daten:

Der Unbekannte – der Hochrhöner

Es gibt ihn schon seit vielen Jahren, und doch fristet dieser Fernwanderweg im Herzen Deutschlands ein Mauerblümchendasein – was mich immer wieder erstaunt. Denn es ist wunderschön, wie der Hochrhöner sich auf 180 Kilometern durch die Bundesländer Hessen, Bayern und Thüringen schlängelt, 150 Kilometer davon im Biosphärenreservat Rhön. Vom unterfränkischen Kurort Bad Kissingen leitet er auf naturnahen Wegen nordwärts in das thüringische Kurstädtchen Bad Salzungen, oben auf den Bergen der Rhön dann bietet er traumhafte Rundumblicke, vor allem vom Kreuzberg und der Wasserkuppe. An den ehemaligen Grenzanlagen der DDR erlaubt er Einblicke in die deutsche Geschichte, und mitunter begegnet man unterwegs auch den netten Rhönschafen – die wolligen Landschaftspfleger erinnern an die Heidschnucken im Norden.

Fakten: 180 Kilometer, 6-10 Tage

Der erste seiner Art – der Westweg im Schwarzwald

Der älteste Fernwanderweg Deutschlands, bereits 1900 vom Schwarzwaldverein ins Leben gerufen, zieht von Norden nach Süden längs durch den Schwarzwald und nimmt dabei viele bekannte Gipfel wie Hornisgrinde, Brend und natürlich den Feldberg (1493 m) mit. Er startet in Pforzheim und gabelt sich am Titisee in eine westliche und eine östliche Route mit dem gemeinsamen Ziel Basel. Was nach Kirschtorte und Kuckucksuhren klingt, entpuppt sich beim Wandern als Naturparadies. Mich haben vor allem die höheren Lagen begeistert. Hier sind Flora und Fauna alpin geprägt: Alpenglöckchen und Enzian wachsen hier, sogar Gämsen-Sichtungen sind möglich. Und vom Feldberg blickt man bis zu den Alpen. Angenehm: Der Westweg beginnt im Norden sanft und wird nach Süden hin steiler und schroffer

Fakten: 288 Kilometer, 12/13 Tage

Komoot SH 04/2021; Weitwanderwege Deutschland
Björn Hänssler
Wen es in den Schwarzwald zieht wird in puncto Weitwanderwege beim Westweg fündig.

Einfach fantastisch – der Saar-Hunsrück-Steig

Manchmal kommt man sich auf dem Saar-Hunsrück-Steig vor wie in einem Fantasy-Roman. Auf 410 Kilometern führt er durch die Nationalparke Hunsrück-Hochwald und Saar-Hunsrück und damit durch eine Natur, wie sie wilder in Deutschland kaum sein kann. Sogar 100 Wildkatzen schleichen hier wieder umher – schätzt man jedenfalls, die Tiere sind extrem scheu. Stolze 70 Prozent des Wegs zwischen Perl und Boppard (bei Koblenz) verlaufen auf naturnahen Pfaden, vorbei an Felsen und sich dahinwindenden Bächen. Sind diese überdimensionalen Pilze an den Baumstämmen vielleicht eine Leiter für Elfen? Und sieht dieser umgekippte Stamm mit den Moospolstern nicht wie ein schlafender Drache aus? Ja, dieser Weg regt die Fantasie an. saar-hunsrueck-steig.de

Fakten: 410 Kilometer, 20-27 Tage

Für Alpinisten – am Watzmann auf Tour

Die Watzmanntour im Herzen des Nationalparks Berchtesgaden bietet alles, was ich an den Alpen liebe: anspruchsvolle Pfade, Nächte auf Hütten in Panoramalage und atemberaubende Blicke wie den über das Steinerne Meer und ins Alpenvorland. Und dann ist da natürlich noch der Watzmann selbst, für mich einer der schönsten Berge der Alpen. Den Nebengipfel Watzmann- Hocheck (2651 m) schafft man mit guter Kondition schon, und was für ein Gegensatz: Der Schnee, der hier oben in manchen Sommern noch liegt, wirkt nach der Sonne im Tal doppelt so kalt. Danach geht es wieder hinab und per Schiff von Sankt Bartholomä über den Königssee zurück. Unvergesslich: der Blick vom Watzmann über die gleichnamige Hütte, die Berge im Hintergrund, umhüllt vom Nebelmeer.

Fakten: 53 Kilometer, 4 Tage

Für Weinliebhaber – der Moselsteig

Vom Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Luxemburg über Trier nach Koblenz verläuft der Moselsteig: mal direkt am Fluss, mal hoch hinauf in die Weinberge und über federnde Waldböden. Er bietet neben Naturerlebnissen auch kulinarische Genüsse und historische Highlights wie Burgen und Schlösser. Immer wieder verzücken mich an Aussichtspunkten die vielen Schleifen, die sich die Mosel durch Schiefer und Fels gebahnt hat. Weinreben säumen das Ufer. Mit etwas Glück findet man an den Rebstöcken der vielfach prämierten Weingüter im Herbst noch eine süße Traube. Aber in den Mund darf nur, was in eine Hand passt! Der Wein wird vielerorts zur Probe und zum Kauf angeboten – und mit dem Geschmack von Riesling auf der Zunge wandert es sich beschwingt zum Etappenziel.

Fakten: 365 Kilometer, 14-24 Tage

Sanft durch die Heide – der Heidschnuckenweg

Wenn die Lüneburger Heide im August und September bis zum Horizont in voller, tief-violetter Blüte steht, lohnt sich eine Mehrtageswanderung durch diese spektakuläre Landschaft im Norden Deutschlands besonders. Der Heidschnuckenweg leitet ohne nennenswerte Steigungen durch 16 große und unzählige kleine Heidegebiete von Hamburg nach Celle. Aber auch Mischwälder, Moore, Seen und Flüsse liegen auf und an der Route. Mein Highlight: Heidschnucken bei der Arbeit beobachten. Die gehörnten Schafe mit schwarzem Kopf sind die Hüter der Heide, denn ohne ihre scharfen Zähne wäre sie bald überwuchert. Keine Schafe, keine Heideblüte. Niedlich sind sie obendrein.

Fakten: 223 km, 10-13 Tage

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Bernd Jokmanns
Auf dem Heidschuckenweg begegnen einem auch die ein oder anderen Schafe.

Für Waldmenschen – der Rothaarsteig

Die Wanderschuhe laufen wie auf Watte über federnde Waldböden, rücken auf Pfaden dichter zusammen, gleiten raschelnd durch Laub und stolpern hier und dort über eine Wurzel – wer den Wald liebt, hat am Rothaarsteig seine Freude. Der siebentägige Grenzgang zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen führt überwiegend durch naturbelassene Wälder von Brilon im Sauerland über das Siegerland nach Dillenburg. Bei mir heißt der Rothaarsteig jedoch »Weg der Quellen«, denn immerhin 14 von ihnen sprudeln direkt am Weg, darunter die der bekannten Ströme Ruhr, Sieg, Lahn und Dill. Auch wenn der Blick vom höchsten Berg Nordrhein-Westfalens, dem Langenberg (843 m), im Wald stecken bleibt – Weitsichten gibt es auch auf dem Rothaarsteig. Und mit etwas Glück erspäht man sogar wiederangesiedelte, freilaufende Wisente.

Fakten: 156 km, 6-9 Tage

Für Dichter, Denker – und Hexen – der Harzer Hexensteig

Goethe, Heine, Fontane oder Löns – alle haben das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands besucht. Kein Wunder, denn es präsentiert sich extrem vielseitig, vor allem, wenn man es zu Fuß von Osterode nach Thale durchquert – auf dem Hexenstieg. Auf ihm fühle ich mich wie Goethe als Forschungsreisende. Steile Klippen, aussichtsreiche Berge, rauschende Wasserfälle und historische Bewässerungskanäle sorgen für Kurzweil, und natürlich die Hexen, die dem Weg den Namen gaben: Immer wieder begegnen sie einem als so liebevoll gestaltete wie sagenhafte Wesen. Wenn auf dem Goetheweg zum Brocken dann die berühmte Harzer Schmalspurbahn geheimnisvoll wie Harry Potters Hogwarts-Express aus dickem Nebel auftaucht, ist die mystische Harz-Stimmung perfekt. Übrigens: Der Harz ist auch im Winter eine Reise wert.

Fakten: 97 km, 6-8 Tage

Für Gipfelstürmer mit viel Zeit – der Goldsteig

Wo einst Goldminen und goldführende Bäche das Leben bestimmten, finden Outdoorer heute beste Wanderwege. Auf 660 Kilometern leitet die Nordvariante des Goldsteigs zwischen Bayerischem Wald und Tschechien als l.nderübergreifender Fernwanderweg durch wilde Natur. Moore, Bäche, Flüsse und Seen sowie unscheinbare Pfade, Steige und Wege werden gekrönt mit vielen weiten Blicken über bergiges Land. Gipfelstürmer kommen vor allem auf der Königsetappe des Goldsteigs auf ihre Kosten: Acht Tausender-Gipfel an einem Tag nimmt die Etappe N13 mit. Das bayerische Everest-Feeling gipfelt am höchsten Punkt des Bayerischen Walds, dem Großer Arber (1453 m). Der Weg passiert den Nationalpark Bayerischer Wald und fünf weitere Naturparks und erfordert einiges an Kondition und Ausdauer.

Fakten: 660 km, 38 Tage

Komoot SH 04/2021; Weitwanderwege Deutschland
Goldsteig/Woildlife
Wer einiges an Zeit mitbringt sollte sich unbedingt den Goldsteig vornehmen.

Wilder Osten, wilder Weg – der Forststeig

Der erst drei Jahre alte Trek durch die sächsisch-böhmische Schweiz ist etwas für echte Abenteurer. Während der berühmte »Malerweg« Wanderer zu den touristischen Hotspots des Elbsandsteingebirges bringt und zu den meistbegangenen Wegen zählt, punktet der Forststeig mit Wildheit, Einsamkeit und Herausforderungen. Fernab von Siedlungen leitet er trittsichere und gut ausgerüstete Wanderer grenzüberschreitend durch die Wälder Sachsens und der Tschechischen Republik. Natürlich nicht, ohne den für diese Region so typischen bizarren Felstürmen und 13 mächtigen Tafelbergen einen Besuch abzustatten. Deren steile Aufstiege bringen so manchen geübten Wanderer zum Fluchen. Übernachtet wird auf luftigen Biwakplätzen. Hier sitzt man am Abend unterm Sternenhimmel am prasselnden Feuer – unvergesslich.

Fakten: 150 km, 7 Tage

Nützliche Tipps für Weitwanderer

  • Wer vorher gut plant, hat später nicht das Nachsehen. Topografische Karten, Reiseführer, Internet und Google Earth machen nicht nur Lust auf die Tour, sondern helfen auch unterwegs, unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
  • Wer krank und angeschlagen startet, wird noch kränker zurückkommen. Eventuell muss er die Wanderung sogar frühzeitig abbrechen
  • Wer regelmäßige Pausen einlegt, geht ermüdungsfreier und hat mehr von der Landschaft. Essen und Trinken erhalten die Leistungsfähigkeit und Konzentration.
  • Die Route sollte an das Können des schwächsten Wanderers angepasst werden und nicht umgekehrt. Trittsicherheit ist immer von Vorteil, auch auf Strecken, wo sie nicht gesondert angegeben ist. Ein zu schnelles Tempo und Müdigkeit beeinträchtigen die Sicherheit.
  • Kleine Gruppen gewährleisten Flexibilität, ermöglichen gegenseitige Hilfe und machen einfach mehr Spaß.
  • Die Ausrüstung sollte gut auf die Tour abgestimmt sein. Immer in den Rucksack gehören Regen-, Kälte- und Sonnenschutz, Erste-Hilfe-Set, Karte und Handy (Tel. 112).

Im Portrait: Weitwander-Liebhaberin Romy Robst

Per Zufall kam die »Etappenwanderin« Romy Robst überhaupt dazu, zu Fuß Berge und Täler, Felder und Wälder zu erkunden. Vor acht Jahren war die selbständige Beraterin für medizinische Unternehmen in Österreich und hatte plötzlich einen Tag Freizeit zur Verfügung. Sie beschloss, auf den nächsten Berg zu wandern, und machte sich in Jeans auf den Weg. Stolze 1000 Höhenmeter im Aufstieg lagen vor ihr. Als Untertrainierte ein ambitioniertes Unterfangen, das Romy auch schon nach zehn Minuten bitter bereute, als ihr die Puste ausging. Hartnäckig biss sie sich trotzdem nach oben durch – und stand fast schon ergriffen vor einem Bergsee wie aus dem Bilderbuch. Jetzt war sie angefixt, von den Höhen, von den Aussichten, von den Bergen. Vom Wandern an sich.

Heute wohnt die 39-Jährige in einem Dorf bei Hannover und fährt so oft in die Berge, wie sie nur kann. Seit 2018 schreibt sie auf ihrem Wanderblog www.etappen-wandern.de vor allem über ihre Erlebnisse auf Weitwanderwegen. Sie ist lieber »auf Strecke« unterwegs, statt auf Tagesrunden. »So wanderst du in ganz andere Regionen. Dorthin, wo es dann vielleicht nur noch eine Berghütte gibt und sonst nichts.« 2020 veröffentlichte Romy einen Wanderführer zum »Sentiero della Pace«, eine Herzensangelegenheit, wie sie sagt. Denn die achtwöchige Route war knifflig zu finden, auf Deutsch gab es keine vollständige Streckenbeschreibung. Was sie vor allem reizte: »Du kommst da in Täler, in denen niemand unterwegs ist, die aber ruhig ein bisschen mehr Tourismus vertragen könnten.« Romy sucht eigentlich immer die Herausforderung – kein Wunder, dass ihr neustes Buch zwar ein Wanderführer im Harz wird, aber eben mit Wintertouren. Der Harz ist ihr »Hausgebirge«, dort trainiert sie für ihre Alpenabenteuer, schätzt aber gerade den Winter in dem Mittelgebirge auch für Tagestouren: »Bei einem halben Meter Schnee steigt der Anspruch, und du findest ruhigere Ecken als im Sommer.«

Komoot SH 04/2021; Weitwanderwege Deutschland
Romy Robst
Romy Robst liebt Weitwanderwege und schreibt in ihrem Blog etappen-wandern.de darüber. Hier verrät sie, was ihre Lieblingswege in Deutschland ausmacht.

Meist allein, aber immer mit Lotte

An zwei Merkmalen kann man Romy auf Tour sicher erkennen: An ihrer Seite läuft ihre braunweiße Hündin Lotte, ein Münsterl.nder Jagdhund. Und unter ihrer Jacke schaut immer, immer ihr Wanderrock hervor, bei kühleren Temperaturen mit Leggins. »Auch im Winter im Harz hatte ich den an«, sagt Romy und lacht. »Dann halt mit einer Thermo-Leggins. Ohne Rock wirst du mich wahrscheinlich nie beim Wandern sehen.« Was noch auffällt: das geringe Gepäck. Die Etappenwanderin liebt den Minimalismus. »Am liebsten wäre mir ein Acht-Kilo-Rucksack, Hundefutter inklusive.« Sie kommt mit wenig aus, aber selbst ihr Rucksack bleibt über dieser Marke. Die Hälfte ihrer Touren unternimmt Romy nur in Begleitung von Lotte, die andere Hälfte wandert ihre Freundin mit. Alleine unterwegs zu sein macht ihr aber nichts aus, weil »man da sein eigenes Tempo hat und einem keiner in die Gedanken quatscht.« Bei Komoot teilt sie ihre Erlebnisse. Ihr Account: komoot.de/user/1003063831313.

Das nächste große Projekt schwebt Romy auch schon vor: eine Tour über die Alpen, »aber längs, nicht quer«, und das auf keiner der bekannten Routen. Alle Gebirge zwischen Wien und Nizza müssen dabei sein, den gesamten Alpenhauptkamm will sie gehen, auch die Hohen Tauern – laut Romy weniger bewandert, als man denkt. »Und meine Route wird die schönste sein und doppelt so viele Höhenmeter haben wie die rote Via Alpina von Monaco nach Triest.« Nicht schlecht für eine aus der Gegend von Hannover, die fast an ihrer ersten Bergtour gescheitert wäre.

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