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Wandern auf der Murgleiter im Schwarzwald

Deutschlands Traumpfade: Murgleiter Wandern auf der Murgleiter im Schwarzwald

Die Murg fließt aus den Höhen des Nordschwarzwaldes bis hinab in den Rhein. Wer ihrem wilden Lauf folgt, wird Stille finden und die Schönheit der Natur neu entdecken. Und er wird begreifen, warum der Schwarzwald so heißt, wie er heißt.

Lage & Charakter der Tour

Der Startort zur Murgleiter, Gernsbach, liegt vierzig Kilometer südlich von Karlsruhe und zehn Kilometer von Baden-Baden. Die Murgleiter folgt dem Lauf der Murg entgegen der Fließrichtung von Gernsbach bis Baiersbronn. Bizarre Felsforma­tio­nen mit weiten Aussichten; stille Karseen und versteckte Heuhüttentäler zeigen den Schwarzwald von seiner unbekannten Seite. Mittlerweile führt der Weg im Norden bis nach Gaggenau, im Süden bis zu den Quellen der Murg am Schliffkopf (1056m). Beste Zeit für eine Murgleiter-Wanderung: Mai bis Oktober.

Wie komme ich zur "Murgleiter"?

Mit dem Auto auf der A5 Ausfahrt Rastatt, danach auf der B 462 Richtung Gaggenau/Gernsbach/Freudenstadt. Mit dem Zug über Karlsruhe, dann mit der Stadtbahnlinie S 41 weiter.

Einkehren & Übernachten

  • Zahlreiche Möglichkeiten zur Einkehr und Übernachtung am Weg – Infos im Netz auf baiersbronn.de, gernsbach.de und forbach.de

Karten

  • Wanderkarte Murgtal, GPS-geeignet, 1:25.000, (Bestellung auf verlag-wegweiser.de, 6,50 Euro) – auch erhältlich an den Tourist-Infos, dem Wander-Informationszentrum Baiersbronn sowie im Buchhandel
  • Infos zum Weg auch auf komoot.de (siehe Online-Karte oben)

Die Murgleiter-Tour in drei Etappen

1. Etappe:
Gernsbach – Forbach
23 km, 7 h, 1000 Hm

Bizarre Felsen, Almwiesen und gran­dio­se Ausblicke charakterisieren die erste Etappe der Murgleiter. Von Gernsbach geht es durch Weinberge zum Schloss Eberstein und hinauf in die bizarre Felsenwelt des Rockert. Von der Elsbethhütte und vom Dachsstein bieten sich dort grandiose Blicke hinab ins Murgtal. Über einen schmalen Pfad und vorbei an der Fatimakapelle hinunter in das Fachwerkdorf Reichental. Von dort führt die Etappe durch das Brunnwiesental hinauf zu den Beckenfelsen und über die malerischen Hohmisswiesen. Über das Kausersbachtal zurück zur Murg nach Forbach.

2. Etappe:
Forbach – Schönmünzach
18 km, 4,5 h, 650 Hm

Die zweite Etappe führt zur schmalsten und wildesten Passage der Murg. Vom Bahnhof Forbach auf der historischen Holzbrücke über die Murg und Richtung Stadtmitte. Gemeinsam mit dem Westweg führt die Murgleiter nun steil hinauf zur Schwarzenbachtalsperre. Entlang dem Schwarzenbach zur wilden Murg. Bergauf und bergab durch waldreiche Hänge entlang der ehemaligen Grenze von Baden und Württemberg, dann angenehm bergab nach Schönmünzach.

3. Etappe:
Schönmunzach – Baiersbronn
25 km, 7h, 855 Hm

Von Schönmünzach nach Schwarzenberg. Auf naturbelassenen Pfaden und durch tiefe Wälder zum Huzenbacher See, dem am tiefsten gelegenen der sieben Karseen im Nordschwarzwald. Über den Seltenbach-Wasserfall (der nur selten Wasser hat) auf steilem, felsigem Weg hinauf zum Seeblick. Auf sanften Pfaden über das Hochmoor Kleemiss und den Hinteren Plon zum Überzwercher Berg. Nun auf schmalen Wegen ins Tonbachtal absteigen und weiter zum Endpunkt Baiersbronn.

Die Murgleiter-Tour in fünf Etappen

2011 ist die Murgleiter-Tour auf 5 Etappen erweitert worden:

1) Von Gaggenau nach Gernsbach
2) Von Gernsbach nach Forbach
3) Von Forbach nach Schönmünzach
4) Von Schönmünzach nach Baiersbronn
5) Von Baiersbronn zum Schliffkopf

siehe Karte:

Warm schimmert die Morgensonne auf den Fachwerkhäusern von Gernsbach, golden leuchten die verwinkelten Gassen der alten Flößerstadt im ersten Licht. Der Ort blickt auf eine lange Tradition zurück: Schon im 13. Jahrhundert schlossen sich hier im Nordschwarzwald, rund zehn Kilometer östlich der Kur- und Casino-Stadt Baden-Baden, die Waldbesitzer zu einer Sozietät zusammen, um gemeinsam Sägewerke zu nutzen und das Flößergeschäft zu betreiben. Die daraus hervorgegangene »Murgschifferschaft« besteht heute noch und verwaltet gemeinsam den Wald.

Jedes dritte Septemberwochenende findet in der Altstadt ein Fest statt, für das auch eines der traditionellen Flöße gebaut wird, mit denen die Flößer die Murg befuhren – ein immens gefährlicher Weg, denn auf ihren 72 Kilometern in den Rhein rauscht die Murg durch einige Schluchten. In Gernsbach sieht man ihr das nicht an – friedlich fließt sie Richtung Nordwesten. Und noch etwas sieht man ihr nicht an: An ihrem Ufer beginnt einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands, die 68 Kilometer lange Murgleiter. Fast könnte man die kleine Steintreppe übersehen, die steil hinaufführt auf den Rumpelstein zum Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Mit jedem Meter aufwärts bleiben das Städtchen und die träge Murg ein Stück mehr zurück, und schließlich lösen das Plätschern eines Bergbaches und Vogelgezwitscher die letzten Zivilisationsgeräusche ab: Die Natur empfängt Wanderer mit offenen Armen.

»Seltsam schöne Hügelfluchten/dunkle Berge, helle Matten/rote Felsen, braune Schluchten/überflort von Tannenschatten!« – so beschrieb Hermann Hesse den Zauber seiner Heimat Schwarzwald. Auf der Murgleiter erleben Wanderer die mitunter furiosen Kontraste von Licht und Schatten, Höhe und Tiefe besonders intensiv: Mal rechter Hand, mal linker Hand des Flusses schlängelt sich der Weg über wurzelige Pfade durch tiefe Wälder, vorbei an schroffen Felsen und über üppiges Grün. Eben noch eingesponnen in eine Traumwelt, öffnet er sich plötzlich auf das tief eingeschnittene, wildromantische Tal.

Unterwegs auf den drei Etappen zwischen Gernsbach und Baiersbronn

Leichtfüßig streift man hier über sonnenbeschienene Wiesen, nimmt steile Höhen und kehrt in den Ortschaften am Weg ein. Nur eines wird man auf der Murgleiter nicht erleben: Langeweile. Im Gegenzug fordert der Steig etwas Kondition. Immerhin 2500 Höhenmeter im Anstieg sind auf ihm zu bewältigen. Die Flößerei im Schwarzwald wurde im Jahr 1911 eingestellt, verdrängt vom Bahnverkehr. Doch bis heute stellt das Holz ein wichtiges Kapital dar, das direkt vor der Haustür wächst. Orte wie Reichental auf halbem Weg der ersten Murgleiter-Etappe sind fast vollständig von Wald umgeben.

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Björn Hänssler
Aus dem Dunkel der Tannen tritt man immer wieder hinaus auf lichtüberflutete Wiesen.

Brennholzstapel säumen den Weg hinab nach Reichental, alle auf den Zentimeter genau geschichtet. Im Mittelalter brachten die Flößer die stolzen Tannen von hier bis nach Holland. Rotterdam wurde auf Eichenstämmen gegründet, die zum Teil aus dem Murgtal stammen. Hinter Reichental öffnet sich der dichte Wald plötzlich zu einer Lichtung: den auf 700 Metern gelegenen Hohmisswiesen. Still liegen sie in der Sonne, als gehörten sie zu Tolkiens Auenland.

Heuhütten stehen wie hingestreut auf dem saftigen Grün. Einwanderer aus Tirol brachten vor 250 Jahren ihre Bauweise mit ins Murgtal, sonst findet man sie nirgends im Schwarzwald. Darin lagerte das Futter für die Tiere, das im Winter mit Schlitten ins Dorf transportiert wurde. Dem Wanderer kommt eine Rast im Schatten der Hütten gelegen. Ein Brunnen fördert klares Wasser zutage, und im Idyll ist der Gedanke, dass noch zehn Kilometer bis zum Etappenziel Forbach fehlen, schnell verdrängt.

Am Forbacher Bahnhof stößt die Murgleiter wieder auf den stillen Lauf des Flusses. Überspannt wird er von einer überdachten Holzbrücke, die seit 200 Jahren das Ortsbild prägt. Vierzig Meter misst die Brücke, und mit ihrer Bauweise ohne Mittelpfeiler ist sie einzigartig in Deutschland.

Auf den Spuren des Westwegs

Ab Forbach folgt die Route dem Verlauf des legendären Schwarzwald-Westwegs. Wie ein über 200 Kilometer langer Fernwanderweg sieht er gar nicht aus: Schmal windet sich der Pfad talwärts bis ins Kauersbachtal, eines der wenigen noch verbliebenen Heuhüttentäler, das sich die Natur nicht zurückerobert hat. Heuhüttentäler entstanden, weil das Murgtal zu eng für eine wirtschaftliche Nutzung war.

So begannen die Bewohner vor etwa 350 Jahren, den Wald in den steilen Seitentälern zu roden. Die Wiesen wurden als Heuwiesen genutzt, für eine Beweidung waren sie zu steil und zu feucht. Außerdem bringen Fallwinde im Sommer kühlere Luft aus den höher gelegenen Wäldern ins Tal. Und dann kommt er, der Wald.

Schritt für Schritt steigt man hinein, wie in eine Kathedrale aus gewaltigen Tannen, die sich himmelwärts strecken, so dicht, so still, so dunkel, dass kaum Licht auf den Waldboden fällt. Der Schatten ist ein Segen: Auf diesem Abschnitt zerrt jeder Höhenmeter der Murgleiter an den Muskeln. Bis zur Schwarzenbach-Talsperre klettert der Weg hinauf, und der Schwarzenbach führt zurück zur Murg. Das soll der gleiche stille Fluss von gestern sein? Wild, zornig, voller Urgewalt presst er sein Wasser durch die Waldschluchten zwischen Schlossfelsen und Rappenrissfelsen.

Das andere Gesicht der Murg

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Wer Zeitüberschuss hat, kann einen Abstecher ins idyllische Weisenbach unternehmen.

Eine Sage erzählt, dass hier im Schmalzmaienloch Waldgeister ahnungslosen Reisenden auflauern. Im tiefen Grund meint man sie hinter sich flüstern zu hören. Auch in Schwarzenberg, dem einsam gelegenen Bergdorf zu Beginn der dritten Etappe, muss es Waldgeister geben: Man sagt, der Dichter Wilhelm Hauff habe sich hier zu seinem Märchen »Das kalte Herz« inspirieren lassen. Ein bisschen unheimlich, selbst an sonnigen Tagen, schimmern auch die »dunklen Augen« des Schwarzwalds aus den dichten Tannen: Karseen.

Sie entstanden in der Eiszeit, als sich Hängegletscher in den Buntsandstein schoben. Nachdem sie abschmolzen, blieben die Karseen am Boden der jäh abfallenden Wände zurück. Einst gab es über 60 von ihnen, bis auf sieben sind sie inzwischen verkarstet. Im Sommer zeigen sie sich von ihrer freundlichen Seite: Der steile, felsige Pfad, der vom Huzenbacher See hinaufführt, zählt zu den schönsten Abschnitten der Murgleiter, die einmal mehr zur Höchstform aufläuft.

Im Juni und Juli lassen blühende Teichrosen den See als ein einziges Blütenfeld leuchten. Und doch kommt Wehmut auf, denn langsam heißt es Abschied nehmen: Nur noch hinab ins lichte Tonbachtal führt der Pfad, dann erreicht man bald Baiersbronn, den Endpunkt der Tour. Kurz vor dem Ende lädt die Satteleihütte zur Einkehr: Bei Schwäbischem Schäufele oder einer Bauernbratwurst schweifen die Gedanken zu den vergangenen drei Tagen.

Auf und ab ist man dem Fluss gefolgt und hat den Schwarzwald neu kennengelernt. Still, gewaltig und voller Zauber und jetzt doch irgendwie vertraut. Hermann Hesse hat auch jetzt die richtigen Worte parat: »Dann ergreift wie eine Sage, nächtlich am Kamin gelesen, das Gedächtnis mich der Tage, da ich hier zu Haus gewesen.«

Informationen zum Weg, aktuelle Sperrungen etc.
www.murgleiter.de, allgemeine touristische Informationen zum Schwarzwald gibt es auf schwarzwald-tourismus.info

Deutschlands Traumpfade: Murgleiter

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