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Wandern in Bayern: Über acht Gipfel auf den Großen Arber im Bayerwald

Bayerns Achttausender

Sepp Hoffmann ist ein Bayerwald-Original. Genauso einzigartig: seine Tour über acht Tausender - vom Mühlriegel bis auf den Großen Arber (1456 m).

Flaschensauerstoff, Hirnödem, Trägerstreik: Alles kein Thema, wenn man statt im fernen Himalaja in Bayern auf Achttausender-Expedition geht. Freilich muss es richtigerweise »Acht-Tausender-Expedition« heißen. Wanderer, die auf dem Goldsteig unterwegs sind, überschreiten zwischen Bad Kötzting und Großem Arber zwölf Gipfel, die höher als tausend Meter sind.

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Andreas Kern
70 Jahre und kein bisschen müde: Sepp Hoffmann alias »Wanderer-Sepp«.

»Acht Tausender hört sich aber spannender an«, sagt Sepp Hoffmann und lacht. Der 70-Jährige hat in Zusammenarbeit mit seiner Heimatgemeinde Arnbruck im Zellertal und dem Lamer Winkel jenseits des Bergkamms die »Acht-Tausender-Tour« ins Leben gerufen, eine tagesfüllende Kammwanderung über acht Gipfel, die höher sind als tausend Meter. End- und Höhepunkt der »Sammelaktion«: der Große Arber.

Los geht’s am Berggasthof Eck auf 843 Meter über dem Meer. Der liegt exakt auf der Passhöhe der Bergstraße zwischen Arnbruck und Arrach. Bald schon führt der perfekt ausgeschilderte Wanderweg – immer der Markierung »Europäischer Fernwanderweg E6" folgend - steil durch Mischwald hinauf zum ersten Tausender, dem Mühlriegel (1080 m). Nebenbei Arnbrucks und damit Wanderer-Sepps Hausberg.

Wanderer-Sepp

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Andreas Kern
Als Wegewart war Sepp für rund 4500 Kilometer verantwortlich

So kennt ihn Gott und der Bayerische Wald. Den Spitznamen hat ihm eine Berliner Clique als Dank für fünf gemeinsame Wanderurlaube auf ein T-Shirt drucken lassen. Seither kennen ihn nur noch die wenigsten mit Nachnamen. Zum Wandern kam der Sepp schicksalshaft. Als gelernter Schlosser hatte er einen Meisterbetrieb mit 15 Mitarbeitern. »Bis ich im November 1994 bei Spenglerarbeiten vom Dach gefallen bin«, erzählt er. In einer Sekunde von hundert auf null. Schwerverletzt. Aufwendige Reha. Zwei Jahre außer Gefecht. Schluss mit der Dachdeckerei. Dann aber kam der Bürgermeister von Arnbruck zu ihm und sagte: »Sepp, du bist zwar vom Dach, aber nicht auf den Mund gefallen. Du musst mir helfen, unsere Gemeinde touristisch weiterzubringen.« »Also machte ich zweieinhalb Jahre nach meinem Unfall die erste Entdeckungstour rund um Arnbruck«, erzählt Sepp. Zahl der Teilnehmer: zwei. Eine Woche später, bei der zweiten Tour, waren es dann schon 30. Sepp hatte seine Berufung gefunden: mit Menschen wandern und ihnen die Schönheiten des Bayerischen Waldes zeigen.

»Aber wenn schon, dann g’scheid!«

Also machte er an der Akademie in Laufen den »Gesellenbrief« in Natur- und Landschaftsführung, wurde später oberster Wanderwegewart des immerhin 20 000 Mitglieder zählenden Bayerischen-Wald-Vereins und war somit jahrelang verantwortlich für rund 4500 Kilometer Wanderwege. 20 Jahre nach seinem Dachsturz und 17 Jahre nach seiner Wanderberufung ist der heute 70-Jährige ein »bunter Hund«. Nicht nur zwischen Arnbruck und Arber, sondern bayerwaldweit. Er bildete ein gutes Dutzend Wanderführer aus. Die Wanderzukunft rund um den Arber ist also gesichert. Mit Ministerpräsident Seehofer stieß er beim Neujahrsempfang an, mit Landwirtschaftsminister Brunner daheim auf der Eckbank. Natürlich mit dem »Zellertaler Wanderergeist«, einem Beerenschnaps, der von einer Brennerei in der Nachbarschaft extra für Sepp gebrannt wird. Hochprozentige PR.

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Die Gewalttour im Bayerwald: immer den Hauptkamm entlang!

Hochprozentig sind die acht Tausender wahrlich nicht, dennoch fällt das Abknipsen der »Riegel« – so heißen viele Berge auf »waldlerisch« – schon in die Kategorie Gewalttour. Immerhin wollen gut 14 Kilometer bewältigt werden. Und da es erst nach sieben Tausendern eine Übernachtungsmöglichkeit gibt, zieht man die Tour besser an einem langen Tag durch. Weiter geht’s vom Mühlriegel zum Ödriegel (1156 m).

Wie Riesenfinger recken sich skurrile Felsformationen zwischen den Bäumen in den Himmel der Bayern. Wer nach drei Tausendern schon genug hat, kann am Waldwiesmarterl (1139 m) übers »Steinerne Gassl« nach Arnbruck zurückkehren. Der Steig aber führt am Kamm lang zum Schwarzeck (1238 m) und zum kaum als Gipfel wahrnehmbaren Reischflecksattel (1140 m). »Hier stürzte im Zweiten Weltkrieg ein Militärflugzeug ab«, erzählt Sepp. Der quarzhaltige Bergkamm hatte wohl sein Radar durcheinander gebracht. In den Fünfzigern wurde das Flugzeug dann abgewrackt und zu Kochgeschirr gemacht. Zum Heugstatt (1261 m) ist es wiederum nur ein Katzensprung, danach kommt man auf dem Gratrücken zum Enzian (1285 m) und schließlich zum »Siebentausender«, dem Kleinen Arber (1384 m). Hier versteckt sich die Chamer Hütte. Von ihrer Terrasse hat man beste Aussichten zum großen Bruder und hinüber in den Böhmerwald. Wer den acht Tausendern nicht ganz gewachsen ist, der kann hier auch übernachten. Nicht so der Sepp! Nach einer ausgiebigen Einkehr treibt er seine Gäste zum Endspurt hinauf zum höchsten Berg des Bayerischen Waldes an.

Das Ziel: der Große Arber

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Zeitenwende am Arber: Früher spähte man per Radar gen Osten, heute mit dem Fernglas.

Auf dem gewaltigen Gipfelplateau des Großen Arber (1456 m) eröffnet sich dann zur Belohnung ein grandioses 360-Grad-Panorama über den Bayerischen und Böhmerwald. Und an klaren Tagen reicht der Blick vom Bayerwaldkönig zu einem anderen Blaublütigen: dem Wilden Kaiser.

Der Wanderer-Sepp führt »seine« Acht-Tausender-Tour seit mittlerweile zehn Jahren. Normalerweise lässt er seine Gäste und sich mit dem Wanderbus von daheim in Arnbruck hoch zum Berggasthof Eck chauffieren, um die »Haute Route« zum Großen Arber anzugehen. Wer sich am Ende die gut drei Kilometer und 300 Höhenmeter Abstieg zur Bushaltestelle Brennes schenken will, fährt bequem mit dem Lift gen Tal. Aber Obacht: Die letzte Gondel fährt um 16.30 Uhr! Aber der Sepp ist der Sepp und findet auch in so einem Fall der Fälle irgendwie eine Lösung ...

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