Ultraleicht-Trekking wirkt heute auf viele wie ein brandneuer Trend. Tatsächlich reicht die Idee aber schon einige Jahrzehnte zurück. Um zu verstehen, wie die Ultraleicht-Philosophie entstanden ist, müssen wir in die USA der späten Achtzigerjahre schauen:
Einer der wichtigsten Vordenker: Ray Jardine
Er gilt bis heute als einer der wichtigsten Vordenker in diesem Bereich. Ray Jardine hatte schlicht keine Lust mehr, sich mit schwerem Gepäck durch die Berge zu quälen. Also begann er, fast alles an klassischer Trekkingausrüstung infrage zu stellen. Er nutzte leichtere Rucksäcke, ersetzte das schwere Zelt durch ein Tarp und lief lieber in leichten Schuhen als in massiven Wanderstiefeln. Seine Ideen verbreitete er über Bücher, die vor allem bei Weitwander-Fans auf großes Interesse stießen.
So fand Ultraleicht-Trekking über die Jahre auf den großen amerikanischen Fernwanderwegen, der sogenannten Triple Crown of Hiking, immer mehr Verbreitung und schließlich auch seinen Durchbruch.
Dazu gehören:
- der Pacific Crest Trail
- der Appalachian Trail
- und der Continental Divide Trail
Diese Wege führen Tausende Kilometer durch unterschiedlichste Landschaften von Mexiko bis nach Kanada. Wer dort über Monate unterwegs ist, merkt schnell, dass jedes unnötige Gramm Kraft kostet. Genau dort wurde Ultraleicht vom ungewöhnlichen Experiment zur praktischen Notwendigkeit. Wanderer begannen, ihre Ausrüstung immer weiter zu vereinfachen und ihre Systeme bis ins letzte Detail zu optimieren.
Mittlerweile ein fester Teil der Outdoorwelt
Nach Deutschland kam der Trend vor allem über Menschen, die selbst auf den großen US-Trails unterwegs waren. Sie brachten nicht nur tolle Geschichten mit, sondern auch eine ganz neue Sicht auf die Ausrüstung und generelle Herangehensweise an eine Weitwanderung. In Blogs, Foren und später in sozialen Medien wurde dieses Wissen immer breiter geteilt. Gleichzeitig entstanden auch in Europa kleine Hersteller, die sich auf leichte Ausrüstung spezialisierten, weil es hier lange Zeit kaum Möglichkeiten gab, spezielle Ultraleicht-Ausrüstung zu kaufen, und der Import aus den USA mit hohen Kosten verbunden war. Irgendwann zogen auch die großen Marken nach.
So wurde aus einer zunächst belächelten Idee amerikanischer Langstreckenwanderer ein fester Teil der Outdoorwelt. Heute sieht man leichte Rucksäcke und minimalistische Setups längst nicht mehr nur auf großen US-Trails, sondern auch regelmäßig auf den "Top Trails of Germany".
Wie kann ich auf Tour Gewicht sparen?
Dazu noch 10 Tipps der outdoor-Redaktion:
Nur das Nötigste!
"Die wichtigste Grundregel beim Abspecken lautet: weglassen! Bei jedem Ausrüstungsteil muss man abwägen, ob man es wirklich braucht", erklärt outdoor-Redakteur Boris Gnielka, der selbst oft mit Minimalgepäck unterwegs ist. "Mit der Zeit weiß man genau, was mit sollte – und was nicht."
Wer mit anderen auf Tour geht, teilt sich z.B. ein Erste-Hilfe-Set, Taschenmesser, GPS-Gerät, Karte, Kompass, Kocher, Brennstoff, Zahnpasta oder die Verpflegung auf.
Bekleidungsschichten gut kombinieren
Je besser sich Bekleidungsteile ergänzen, desto weniger braucht man. Mit einem T-Shirt und Langarmshirt aus Funktionsmaterial sowie einer dünnen Softshell oder Weste ist man in unseren Breiten in Kombination mit einer wasserdichten Funktionsjacke/-Hose selbst auf Mehrtagestouren gut angezogen. Nur wer schnell friert, sollte noch eine leichte Daunen- oder Kunstfaserjacke einpacken. Trägt man die Sachen auch nachts im Schlafsack, muss dieser nicht so warm sein. Das reduziert Gewicht und Packmaß. Auch die Isomatte kann dann leichter sein.
Zelt, Isomatte und Schlafsack
Wenn du bei der Trekkingausrüstung auf Diät setzen willst, fang mit den schwersten Sachen an. Vor allem beim Zelt purzeln die Pfunde.
Erfahrene Trekkingfans schwören beim Schlafsack auf hochwertige Daune. Kein Wunder, bietet sie doch das mit Abstand beste Wärme-Gewichts-Verhältnis und ein erstaunlich kleines Packmaß. Extrem leistungsfähig, aber teuer ist der Daunenschlafsack Western Mountaineering Summerlite: Er bringt nur 560 Gramm auf die Waage und bietet einen outdoor-Temperaturbereich von 8/0°C – das ist Weltklasse. Kostenfaktor: ab 466 Euro. Einer der leichtesten Kunstfaserschlafsäcke auf dem Markt (für Sommertouren) ist der Nordisk Oscar 10 Mummy mit einem Gewicht von nur knapp 300 Gramm. Preis: 299,95 € (UVP)
"Im Mattensegment hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan: Manche Isomatten wiegen nur noch ein Drittel der alten Matten", lobt Reiseredakteur Gunnar Homann, der gerne mit minimalem Gepäck und flottem Schritt auf Tour ist. Die Therma-Rest Neoair X-Therm NXT (439g, 370€) ist so ein leichter Klassiker, der selbst bei Bodenfrost noch warm hält und ein winziges Packmaß hat. Auch die Big Agnes Zoom UL Insulated (395g / 200€) überzeugte im aktuellen Test. Keine andere Isomatte im Feld vereint minimales Gewicht und Packmaß mit hoher Isolation und bequemer, rechteckiger Liegefläche so gekonnt wie diese.
Einsparpotenzial am Fuß
Ob Tagestour oder Mehrtagestrek, weniger Gepäck bedeutet, du kannst auf leichtere Schuhe umsteigen. Das lohnt sich: Bei der Planung von Sir Edmund Hillarys Everest-Expedition fanden britische Forscher heraus, dass ein Gramm am Fuß dem fünffachen Gewicht im Rucksack entspricht. Die realistischen 500 bis 700 Gramm Einsparung bei einem Paar Schuhe wirken sich also ähnlich aus wie 2,5 bis 3,5 Kilo weniger auf dem Rücken. Trotzdem sollten Gelegenheitswanderer und Leute, die schnell umknicken auf einen guten Knöchelhalt achten und im Zweifelsfall einen etwas schwereren, stabileren Wanderstiefel wählen.
Daunen- oder Kunstfaserjacken statt Fleece
Benötigst du für Bergtouren oder Wanderungen in kühleren Umgebungen eine Isolationsjacke für die Pausen sowie abends im Camp, greifst du lieber zu einer Daunen- oder Kunstfaserjacke, statt zu Fleece. "Topjacken wiegen zwischen 300 und 400 Gramm, trotzen aber dennoch leichtem Frost. Das schafft kein Fleece", erklärt Ausrüstungsexperte Boris Gnielka. Außerdem braucht eine Fleecejacke deutlich mehr Platz im Rucksack. Achte auf eine Kapuze: Sie erhöht das Gewicht minimal, verbessert die Wärmeleistung aber spürbar, weil der kälteempfindliche Kopf besser geschützt wird als nur mit einer Mütze. "Auch sollte man die Jackengröße so wählen, dass sich die Füllung ganz entfalten kann", so Gnielka. Manch Outdoorer kauft eine Nummer kleiner, um einige Gramm zu sparen. Das bringt aber nichts. Wärmstens zu empfehlen sind die Haglöfs L.I.M Down II Hood (Daune, 330 Euro). Letztere ist gerade mal 245 Gramm leicht und glänzte im outdoor-Test mit starken Isolationswerten. Auch das winzige Packmaß begeisterte uns.
Nach und nach einkaufen
"Der Umstieg auf Leichtausrüstung kann nach und nach erfolgen. Das schont den Geldbeutel und lässt Zeit, um in Ruhe auszuwählen", rät Ultraleicht-Experte Carsten Jost. Als Erstes investiert man in einen neuen, kleineren Rucksack. Er bewahrt einen davor, zu viel einzupacken. So reicht für Tagestouren ein Rucksack mit 20 Liter Volumen, etwa der Deuter Speedlight 21 (75 Euro, 470 g). Im Vergleich zum klassischen Wanderrucksack reduziert er das Gepäck um rund ein Kilo. Trotzdem kommen die Trageeigenschaften nicht zu kurz: Er sitzt sicher am Rücken und ist angenehm flexibel. Die Belüftung geht für ein Körperkontaktmodell in Ordnung, erreicht aber nicht das Niveau eines Netzrückens. „Alternativ bietet sich eine Hüfttasche an“, sagt Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka. Beispielsweise die Osprey Talon 6 (430 g, 79 Euro). Sie besitzt genügend Volumen für eine leichte Windjacke und ein paar Riegel. Der Vorteil liegt nicht nur im geringen Gewicht, sondern auch im luftigen Tragegefühl, weil der komplette Rücken frei bleibt. Der ideale Leichttrekkingrucksack fasst 40 bis 50 Liter und wiegt etwas über ein Kilo – 50 bis 60 Prozent weniger als Standardmodelle.
Positive Gewichtsspirale in Schwung bringen
Je konsequenter du sparst, desto stärker kommt ein Effekt zum Tragen, den wir in Leichtgewichtskreisen positive Gewichtsspirale nennen. Mit leichterem Gepäck bist du schneller unterwegs, legst größere Distanzen zurück und benötigst für festgelegte Treks nicht nur weniger Zeit, sondern auch weniger Verpflegung!
Darauf solltest du bei der Verpflegung achten
"Die ideale Trekkingnahrung ist leicht, kompakt und bietet einen hohen Nährwert", erklärt outdoor-Redakteur Ralf Bücheler. Zum Frühstück gibt es Müsli, tagsüber Riegel, Kekse, Schokolade, Nüsse und Trockenobst. Als Abendessen empfiehlt sich gefriergetrocknete Trekkingnahrung aus der Tüte (z.B. von Trek'n Eat oder Firepot). Sie muss nur mit kochendem Wasser übergossen werden – das spart Zeit und Brennstoff. "Auf unserem Trek durch den Sarek kamen wir bei einem Bedarf von 2500 Kilokalorien nur auf 0,6 Kilo Nahrung pro Tag und Person“, verrät Ausrüstungsredakteur Boris Gnielka.
Unterwegs einkehren oder einkaufen
Einer der dicksten Brocken im Gepäck von Wanderern und Trekkern ist die Verpflegung. "Wenn ich nicht gerade in der Wildnis bin, verlaufen meine Routen so, dass ich unterwegs in Hütten essen oder zumindest etwas nachkaufen kann", ergänzt Online-Redakteur Philip Geiger. Ganz ohne Nachschub im Rucksack zieht man aber besser nicht los, falls die Tour doch einmal länger dauert als gedacht. Ideal sind Energieriegel oder Powergels, aber auch Schokolade und Nüsse eignen sich als Notration. Wasser sollte man unterwegs so oft als möglich nachfüllen, anstatt es den ganzen Tag mit sich herumzuschleppen. In den Alpen kann man in der Regel über 2000 Meter problemlos aus Bächen trinken – außer es weiden Tiere im Umfeld oder es befindet sich eine Berghütte oberhalb des Wasserlaufes. Mit einem Filter oder einer Filterflasche (z.B. von LifeStraw) kann man nahezu aus allen Gewässern.
Achte auf ein niedriges Basisgewicht
Grundsätzlich geht es also beim Ultraleicht-Konzept nicht um einzelne Produkte, sondern um das vollständige Setup aus Rucksack, Schlafsystem, Kocher, Kleidung und vor allem: um den ganzen Kleinkram. Zur Orientierung dient dabei das sogenannte Basisgewicht. Damit bezeichnet man das Gesamtgwicht des Rucksacks ohne Verbrauchsgüter wie Wasser, Essen und Brennstoff. Ultraleicht-Trekking beginnt bei einem Basisgewicht von unter fünf Kilogramm. Wer an seine letzte Tour mit 15 Kilo denkt, hält das im ersten Moment vielleicht für unrealistisch. Doch inzwischen lässt es sich ganz einfach umsetzen, hat die Industrie in den letzten Jahren doch extrem nachgezogen.












