Während die einen zwischen sanften Almwiesen und steilen Anstiegen die Alpen durchqueren, lieben andere die Weite und das unberechenbare Wetter entlang des schottischen West Highland Ways – wieder andere staunen auf dem Dolomitenhöhenweg Alta Via über die wild zerklüfteten Felswände im Herzen des UNESCO-Weltkulturerbes. So unterschiedlich die Vorlieben auch sind, eines haben alle gemeinsam: der beste Begleiter für Fernwanderinnen und Trekker ist ein gut sitzender Rucksack, der selbst nach vielen Tagen auf den Beinen nicht zur Belastung wird. Leicht genug, um nicht zu ermüden, stabil genug, um Halt zu geben, komfortabel, ohne zu drücken – und mit genau den notwendigen Funktionen ohne überflüssigen Schnickschnack.
Doch welches Modell ist das passende für mich und worin unterscheiden sich ultraleichte Modelle von stabileren Trekkingrucksäcken? Jakob Zumbühl ist einer der Produktentwickler beim Schweizer Ausrüstungshersteller EXPED und erklärt Features und Details, die am Ende entscheidend sind.

Produktmanager Jakob Zumbühl hat mehrere Jahre an dem System gearbeitet.
Mehr ist nicht immer besser: Das Packvolumen muss zum Einsatz passen
Welche Größe ein Trekkingrucksack haben sollte, hängt von Art und Dauer der Tour ab. Wer mehrere Tage autark mit Zelt und eigener Verpflegung in der finnischen Wildnis unterwegs ist, benötigt eher einen stabilen 60-Liter-Rucksack als jemand, der in den Dolomiten von Hütte zu Hütte wandert und neben der Bekleidung lediglich Erste-Hilfe-Set, Hüttenschlafsack und Kulturbeutel braucht.
Konkret bedeutet das: "Für Tagestouren reichen in der Regel rund 20 Liter, für Mehrtagestouren mit Hüttenübernachtungen etwa 30 bis maximal 45 Liter, für eine zweiwöchige Durchquerung mit Zelt und Verpflegung 50 bis 60 Liter", empfiehlt EXPED-Produktmanager Jakob Zumbühl.
Gute Lastenverteilung: Worauf es bei großen Abenteuern ankommt
Zelt, Schlafsack, Verpflegung, Kochutensilien und zusätzliche Bekleidung bringen auf mehrtägigen, autarken Touren schnell einiges an Gewicht zusammen. "Für größere Trekkingtouren mit viel Equipment und einem gewissen Komfortanspruch sind Rucksäcke wie der Ridgeline 55 oder Ridgeline 65 ideal – vor allem wegen des Tragesystems und den vielen Fächern", so der EXPED-Experte.
Wer schwer trägt, sollte nämlich auf ein hochwertiges, verstellbares Tragesystem achten. Anders als Tagesrucksäcke verfügen Trekkingmodelle in der Regel über einen festen Rahmen aus Metall, der das Gewicht effizient auf die Hüften überträgt. Für den EXPED Ridgeline wurde deshalb ein Tragesystem mit Air-Flow-Rücken entwickelt, dessen Rückenlänge, Schulterträger und Hüftgurt individuell anpassbar sind. "Jeder Körper ist anders, deswegen sind verstellbare Systeme ausschlaggebend, um eine optimale Gewichtsverteilung von Schultern auf Rücken und Hüfte zu gewährleisten", so Zumbühl. Dazu kommen ergonomisch geformte und gut gepolsterte Hüftgurte, die auch nach langen Tagen mit viel Gewicht für hohen Tragekomfort sorgen.
Ultraleichte Touren: Wenn jedes Gramm sitzen muss
Wer sehr lange Distanzen zu Fuß zurücklegt oder gerne reduzierter unterwegs ist – oder grundsätzlich auf geringes Gewicht achtet – für den sind moderne ultraleichte Trekkingrucksäcke ideal. Mit bewusst reduzierten Features sowie besonders leichten, zugleich abriebfesten Materialien richten sie sich an alle, die ein Volumen von 40 bis 60 Litern benötigen, dabei aber ein möglichst geringes Eigengewicht bevorzugen und trotzdem nicht auf Tragekomfort verzichten möchten.
"Während der Ridgeline ein Minimalgewicht von etwa 1.700 Gramm hat, kommt der Lightning – unser Ultraleicht-Modell – gerade mal auf 1.150 Gramm", sagt der Produktentwickler. Dennoch sollte ein hochwertiges Tragesystem ein zentrales Kaufkriterium bleiben, rät Zumbühl: "Wir haben beim Lightning deswegen ein T-förmiges Tragesystem mit reduzierten Kontaktpunkten entwickelt, das nicht nur für gute Belüftung und hohe Bewegungsfreiheit sorgt, sondern sich auch präzise in der Rückenlänge einstellen lässt. So wird die Last selbst bei höherem Packgewicht stabil und komfortabel auf die Hüfte übertragen."

Die Deckeltasche des Ridgeline Rucksacks kann man abnehmen und als Hüft- oder Umhängetasche tragen.
Bloß nicht ins Wanken kommen: Körpernaher Sitz
Unabhängig vom Volumen oder Gewicht sollte ein Trekkingrucksack außerdem körpernah sitzen. Andernfalls kann er beim Gehen auf unebenem Untergrund ins Schwingen geraten – und einen aus dem Gleichgewicht und zum Stolpern bringen. Einziges Manko: Durch einen körpernahen Sitz ist die Luftzirkulation natürlich geringer. Rücken und Schultern sind dann schon nach wenigen Stunden nass. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann bei Pausen oder widrigen Bedingungen schnell zum Auskühlen führen. "Das EXPED Air-Flow-Rückensystem vom Ridgeline ist deshalb so konzipiert, dass der Rucksack nah am Körper anliegt und gleichzeitig strömungsoptimierte Luftkanäle für die notwendige Belüftung sorgen", erklärt Zumbühl, der mehrere Jahre an dem System gearbeitet hat.
Die wichtigsten Features: Von Organisation bis Flexibilität
Wo war noch die Cap, und wo die Sonnencreme? Je größer der Rucksack, desto wichtiger ist eine durchdachte Organisation.

"Um stets den Überblick zu behalten, sind ein abgetrenntes Schlafsack-Fach sowie mehrere Innentaschen und ein großer, U-förmiger Frontzugriff ins Hauptfach wie beim Ridgeline, ideal", erklärt Zumbühl. So bleibt die Ausrüstung geordnet und schnell erreichbar.
Leichte Modelle wie der Lightning verzichten bewusst auf zusätzliche Innentaschen – zugunsten des geringeren Gewichts und höherer Flexibilität. Diese Nutzer haben oft mehr Erfahrung beim Packen und Organisieren Ihres Inhaltes mit eigenen, oft wasserdichten Packsäcken. Dazu bietet EXPED ein großes Sortiment, damit einer persönlichen Lösung nichts im Wege steht. Also weniger, aber dafür gezielte Features: "So lässt sich beispielsweise durch die Zick-Zack-Kompressionsriemen das Volumen sehr variabel anpassen und kontrollieren." Dadurch wird zugleich der Einsatzbereich größer: von kürzeren Trips bis hin zu Unternehmungen mit Isomatte oder Zelt ist alles möglich. Zunehmend verbreitet sind außerdem Rolltop-Verschlüsse: "Was man vor allem von kleineren Rucksäcken kennt, bewährt sich ebenso beim Trekking", bestätigt der EXPED-Produktentwickler. Sowohl Ridgeline als auch Lightning lassen sich dadurch selbst bei geringer Beladung kompakt verschließen. Das durchdachte Tragesystem und die flexiblen Organisationsmöglichkeiten trotz minimalistischem Design überzeugten 2026 auch die Redaktion des outdoor-Magazins, die den Lightning mit dem Editor’s Choice-Award auszeichnete.
Praktisch sind zudem Mesh-Außentaschen, in denen Trinkflaschen oder schnell benötigte Gegenstände griffbereit verstaut werden können, ohne unnötig Gewicht oder Volumen zu erzeugen. Auch abnehmbare Deckeltaschen wie beim Ridgeline sind vielseitig einsetzbar – nicht nur zur Gewichtsreduktion, sondern ebenso als Hüfttasche. Weitere Features wie eine Trinksystemvorbereitung sollte zur Grundausstattung gehören, eine Regenhülle ist je nach Einsatz eine sinnvolle Ergänzung.
Richtig gepackt: Körperschwerpunkt beachten
Unabhängig davon, ob klassisch mit mehr Komfort oder ultraleicht unterwegs: Beim Packen sollte der Schwerpunkt stets nah am Rücken liegen. Schwere Ausrüstung gehört körpernah ins Hauptfach, leichte und häufig benötigte Gegenstände wie Sonnencreme oder Erste-Hilfe-Set nach oben oder in die kleineren Außentaschen. Packsäcke wie der EXPED Drybag Ultra oder Drybag Versa Compression sorgen im Hauptfach nicht nur für Ordnung, sondern schützen den Inhalt vor Nässe und helfen beim platzsparenden Verstauen von Schlafsäcken oder Bekleidung, indem überschüssige Luft über ein Ventil abgelassen werden kann.

Ein durchdachtes Packvolumenmanagement ermöglicht flexible Anpassungen auf Trekkings und Reisen. Der Rolltop-Verschluss und die Zick-Zack-Kompressionsriemen des EXPED Lightning ermöglichen eine variable Volumenkontrolle.
Material: abriebfest muss es sein
Beim Material gilt für klassische wie für ultraleichte Trekkingrucksäcke dasselbe: Es muss robust und abriebfest sein. Ein Rucksack wird häufig abgesetzt und über viele Jahre bei Sonne und Regen beansprucht – entsprechend widerstandsfähig und langlebig sollte das Hauptmaterial sein. "Der Ridgeline besteht aus strapazierfähigem Polyester", erklärt Zumbühl. "Wer stärker auf Gewicht achtet, findet mit dem Lightning eine leichtere Alternative aus UHMWPE-Ripstop-Nylon mit verstärktem Boden. Alle unsere Hauptstoffe sind Bluesign-zertifiziert und werden ausführlich getestet, bevor diese bei EXPED zum Einsatz kommen."





