Pawan Bhattarai ist Mitgründer von Spade Himalaya einer Trekking- und Tourfirma in Kathmandu. Er berichtet, was in der Bergregion Rasuwa tatsächlich passiert ist, wie der aktuelle Stand ist, welche Routen jetzt funktionieren – und was das konkret für Trekkingpläne in Nepal bedeutet.
Das Wichtigste zuerst: Das Tal ist okay – die Zufahrt ist zerstört
In internationalen Medien liest man ständig: "Langtang ist geschlossen." Das ist viel zu pauschal.
LangtangEine beliebte Bergregion im Norden Nepals, nur 70 km von Kathmandu entfernt. Der Trek dorthin dauert normalerweise 7-10 Tage und gilt als relativ einfach für Anfänger – weshalb tausende Menschen jedes Jahr dorthin fahren. Im August kam aus Tibet (nördlich von Langtang) eine massive Wassermenge – ausgelöst durch einen Gletscherbruch oder intensive Regenfälle – den Berg hinunter. Diese Flut zerstörte die einzige Straße nach Syabrubesi, dem Startpunkt aller Wanderungen in Langtang. Die Route führt durch den Bergdistrikt Rasuwa und hat keine Umfahrung. Damit war nicht nur Langtang, sondern auch die Tamang Heritage Route und Gosaikunda blockiert.
Das Nepal Tourism Board hat am 11. September ein Update veröffentlicht, das auf Berichten der TAAN (Trekking Agencies' Association of Nepal) beruht – dem Dachverband aller Trekking-Unternehmen im Land. Darin steht Langtang in der Kategorie "Alternative access" – erreichbar also, aber nicht auf dem normalen Weg. Gesperrt ist der Straßenabschnitt von Battar bis Syabrubesi.
Die Wege im Tal sind nicht das Problem. Das Problem ist die Zufahrt – eine einzige Straße bis zum Startpunkt. Die Fotos von zerstörten Uferstraßen zeigen diese Zufahrt. Nicht das Tal, durch das Trekker später wandern.
Es gibt eine Alternative
Das TAAN-Update nennt eine konkrete Ausweichroute – komplett zu Fuß:
Kathmandu Sundarijal/Helambu Thadepati Ghopte Gosaikunda Langtang Kyanjin
Das ist jedoch eine komplett andere Tour. Man startet am Stadtrand von Kathmandu und läuft über die Höhenwege von Helambu nach Gosaikunda. Statt bis Syabrubesi zu fahren und nach zwei Stunden bereits im Wald zu stehen.
Praktisch bedeutet das:
- Deutlich mehr Tage unterwegs
- Deutlich mehr Höhenmeter
- Völlig andere Akklimatisierungsplanung, weil Gosaikunda auf dem Weg liegt, nicht am Ende
Ein Detail, das nicht übersehen werden sollte: Die klassische Route bleibt knapp unter 3.900 Metern. Die Ausweichroute führt über den Laurebina La bei etwa 4.610 Metern. Das bedeutet: Aus einer Tour unter 4.000 Metern wird eine Tour mit einem Pass über 4.500 Metern.
Die Regierung nennt eine Wiedereröffnung vor dem Dashain-Fest (zweite Oktoberwoche) als Ziel. Ein bestätigtes Datum ist das nicht. Bis das Nepal Tourism Board sein Update ändert, gilt der Stand vom 11. September.
Wohin die Herbstsaison ausweicht
Der Großteil der Umbuchungen ist auf den Manaslu Circuit gegangen. Das Update führt die Region als "Open with caution" – also sicher.
Dass zwei handgebaute Holzbrücken von Anwohnern eine ganze Saison für eine ganze Region retten, sagt mehr über Nepals Trekking-Infrastruktur aus als jede offizielle Statusmeldung.
Wichtig: Manaslu ist Restricted Area. Die Permits werden in Kathmandu ausgestellt und brauchen Vorlauf.
Permits: Das WichtigsteTIMS-Karte (Trekking Information Management System)
- Ohne TIMS-Karte darfst du nicht los – jeder Guide wird dich danach fragen
- NPR 2.000 für Nicht-SAARC-Staatsangehörige
- NPR 1.000 für SAARC-Staatsangehörige
- Für die Ausweichroute: zwei TIMS-Regionen (Helambu und Langtang)
NPR= Nepalesische Rupie
SAARC=South Asian Association for Regional Cooperation
Manaslu Restricted-Area-Genehmigung
- September bis November: USD 100 pro Woche / USD 15 pro Tag
- Dezember bis August: USD 75 pro Woche / USD 10 pro Tag
Der Rest des Landes ist nicht betroffen
Nicht betroffen: Kanchenjunga, Makalu, Everest, Rolwaling, Helambu, Dhaulagiri, Dolpo und der komplette Westen.
Aber es gibt zwei Einschränkungen:
- Pokhara/Annapurna: Sicher gemeldet, aber die Fahrt von Kathmandu ist durch Rutschungen beeinträchtigt (Ausweichrouten und Flug möglich)
- Upper Mustang: Ein Erdbeben hat Häuser und Klöster beschädigt; die touristische Infrastruktur funktioniert aber
Was das für deine Buchung bedeutet
Für diesen Herbst:
- Langtang: Machbar, aber nur zu Fuß über Helambu – mit mehr Tagen und anderem Höhenprofil
- Manaslu: Funktioniert, mit Permit-Vorlauf und längerer Anfahrt
- Everest und Annapurna: Unverändert
Für das Frühjahr: Das hängt an der Straßeninstandsetzung. Langtang für März und April ist nicht auszuschließen, sollte aber nicht als sicher eingeplant werden.
Wichtig: Checke den Stand kurz vor Abreise
Wetter, Straßen und Wege ändern sich schnell. Prüf den aktuellen Stand kurz vor deiner Abreise bei einer offiziellen Stelle.












