Wer kennt ihn nicht, den Wunsch, direkt am Trail das Zelt aufzuschlagen und einfach draußen zu sein? Ein paar Packtaschen ans Rad, das Nötigste dabei – und los geht’s. Kein Hotel, kein Zeitplan, kein Alltag.
Bikepacking ist mehr als ein Trend. Es ist die vielleicht einfachste Art, dem Alltag zu entkommen – und dabei nicht nur Strecke zu machen, sondern Erfahrungen zu sammeln. Doch Bikepacking ist nicht gleich Bikepacking. Je nach Zeit, Anspruch und Komfort gibt es unterschiedliche Formen:
Overnighter
Kurz die Bikepacking-Taschen ans Rad montieren – und schon geht’s los. Der "Übernachter" ist die einfachste und zugleich beliebteste Bikepacking-Form. Gepäck brauchst du nur wenig: Ein Schlafsack, trockene Kleidung für abseits des Sattels – und schon bist du startklar. Varianten gibt es auch hier: Die einen schlafen im Biwaksack unter freiem Himmel, die anderen nächtigen auf legalen Campingplätzen.
Micro-Adventure
Während der Overnighter nur eine Nacht lang dauert, kann das Micro-Adventure schon einmal ein ganzes Wochenende gehen. Dabei gibt es zwei Vorteile: Bei zwei oder drei Übernachtungen spürst du bereits richtiges Reiseflair – und natürlich kommst du auch weiter. Aufgrund der längeren Zeitdauer wird das Micro-Adventure gerne auch mit Zugstrecken kombiniert. In Sachen Gepäck solltest du etwas mehr Gewicht einplanen als beim Overnighter.
Bikepacking-Abenteuer
Der Klassiker. Eine Woche mit Bike und Schlafsack quer durch Deutschland? Oder mit dem Rad über die Alpen? Beim echten Bikepacking bist du mehrere Tage unterwegs, setzt aber dennoch auf minimalistisches Gepäck. Beste Voraussetzungen also, um pure Abenteuerluft zu atmen. In Sachen Gepäck solltest du genügend dabeihaben, um mehrere Tage autark zu sein. Je nach Vorliebe und Strecke bietet sich ein Mix aus Camping- und Pensionsübernachtungen an.
Bikepacking XXL
Jetzt aber richtig. Auch große Radreisen können im Bikepacking-Stil gemeistert werden. Das beste Beispiel ist der bekannte Triathlet Jonas Deichmann, der die Welt auf diese Art und Weise umrundete. Wir empfehlen Rad(welt)reisen mit leichtem Bikepacking-Equipment aber nur Profis, die genau wissen, welches Gepäck sie für welche Situation benötigen – und die gerne absolut minimalistisch und damit außerhalb jeglicher Komfortzone unterwegs sind. Der Abenteuerfaktor ist bei einer womöglich exotischen Radreise dafür sicherlich am größten.
Bike-Glamping
Du hast keine Lust auf Schlafsack, Isomatte und Zelt? Natürlich kannst du auch in Unterkünften am Wegesrand schlafen und somit etwas Luxus genießen. Der Vorteil bei der Luxusvariante des Bikepackings: Du brauchst kein Zelt, keine Isomatte und keinen Schlafsack – und hast in deinen Bikepacking-Taschen mehr Platz für anderes Gepäck wie Ersatzkleidung. Nicht ganz so schlecht ist auch die Tatsache, am Abend nach der Tour heiß duschen zu können ...
Was du wirklich brauchst: Die Basics
Beim Bikepacking gilt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig:
- Schlafsack und Isomatte
- Wetterschutz (Zelt oder Tarp)
- Wechselkleidung
- Verpflegung und Kocher
- Licht und Notfallausrüstung
Alles wird direkt am Bike befestigt – meist mit speziellen Taschen für Lenker, Rahmen und Sattel.
Planung: Weniger ist mehr
Gerade am Anfang gilt:
- Starte mit kurzen Distanzen (30–70 km pro Tag)
- Plane flexibel statt perfekt
- Behalte Wetter und Gelände im Blick
Rundkurse sind einfacher zu organisieren, während Einwegstrecken oft die schöneren Erlebnisse bieten.
Übernachten & Wildcampen
Wildcampen ist in Deutschland grundsätzlich verboten, wird aber oft in Grauzonen praktiziert – solange du dich respektvoll verhältst:
- keine Spuren hinterlassen
- keine offenen Feuer
- sensible Gebiete meiden
Im Zweifel: lieber offizielle Campingplätze nutzen.
FAQs zum Thema Bikepacking
Um den "Spirit" des Bikepacking zu erleben, ist jedes Bike mit grob profilierten Reifen geeignet. Ob Tourenfully, Enduro, Hardtail, oder Fatbike – Hauptsache, das Bike kann mit mehreren Taschen bestückt werden, um die Campingausrüstung darin zu verstauen. Fullsuspension-Bikes haben den Vorteil, dass die Taschen – an Lenker, Sattelstütze und Rahmen befestigt – zur gefederten Masse des Bikes gehören. Immer mehr Radfans nutzen auch ein Gravelbike (offroadtaugliches Rennrad) als Bikepacking-Bike.
Wenig, denn Bikepacking-Taschen werden ohne Schraubverbindungen oder Gepäckträger, sondern meist per Klettverschluss oder mit Zurrgurten montiert. Probleme treten an den Schaltzügen bei Anbringung der Lenkerrolle auf, da diese vor und über den Griffen von Schaltung und Bremse am Cockpit sitzt - hier muss man eventuell nachjustieren. Beim Bikepacking verzichten viele auf eine technisch anfällige Vario-Stütze und ersetzen diese durch eine klassische. Vorteil: Daran könnt ihr eine groß dimensionierte Satteltasche montieren. Außerdem ist die Montage von Plattformpedalen sinnvoll, da auch bei akkurater Streckenplanung etwa durch Wetterumschwünge der schönste Trail zur glitschigen Schiebepassage werden kann.
Wer keinen Gepäckträger am Fahrrad hat, greift zur Bikepacking-Satteltasche, die an der Sattelstange befestigt werden kann. Diese gibt es oft auch im Set mit zugehöriger Rahmen- und Lenkertasche.
Bikepacking bedeutet Verzicht – auf Stress, Termine und überflüssiges Gewicht. Zur Bike-Ausrüstung fürs Bikepacking-Abenteuer empfehlen wir euch Leichtmatte, (Leicht-)Schlafsack, Tarp oder ein leichtes Solozelt, Kocher, Stirnlampe, Tütennahrung und weitere Camping-Helfer wie
- Heringe aus Aluminium (diese wiegen nur wenige Gramm und garantieren die sichere Befestigung von Tarp und Zelt).
- Löffel: Wer sich mit Trekkingmahlzeiten verpflegt, benötigt nur einen Löffel. Extrem leichte Modelle wiegen nur wenige Gramm.
- Zahnpasta und Co.: Tuben in Reisegrößen für etwa eine Woche Anwendung kaufen.
- Mückenmittel: Wer in Schutzhütten oder unterm Tarp nächtigt, sollte sich vor Blutsaugern schützen.
- Löslicher Kaffee: Manch einer kommt ohne die Koffeinspritze am Morgen einfach nicht aus den Daunen.
- Ohrenstöpsel nehmen Schnarchern und anderen Störgeräuschen ihre schlafraubende Wirkung.
- Merino-Unterwäsche: Wenn dein Schlafsack im Herbst an seine Grenzen kommt, wirkt lange Unterwäsche als Wärmespender.
- Bike-Ausrüstung: Deine gewohnte Ausrüstung für Mehrtagestouren gehört ebenso in den Rucksack.
Die wichtigste Frage lautet: Rundkurs oder Einfachstrecke? Bei Touren durch echte Wildnis bietet sich ein Rundkurs an, da Bike und Equipment sonst vom Ziel zum Startpunkt transportiert werden müssen, was je nach Infrastruktur sehr aufwendig sein kann. Einfachstrecken sind meist landschaftlich reizvoller, da größere Gebiete durchquert werden können. Plane deine Route möglichst entlang einer Reihe von Schutzhütten, denn bei Starkregen schützt auch das beste Tarp nicht vor der Nässe von unten. Je nach Geländebeschaffenheit und zu bewältigenden Höhenmetern sollte das Tagespensum zwischen 20 und 80 km bzw. 1000 und 2000 Höhenmetern liegen.
In Deutschland ist wildes Campen verboten. Da ein Tarp jedoch nicht als Zelt gilt, bewegt man sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Tabu sind Gebiete, in denen Campen ausdrücklich verboten ist, etwa Naturschutzgebiete, Nationalparks, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Jagdreviere. Zum Kochen kein Feuer machen, sondern den Gaskocher nutzen und etwas Löschwasser für den Notfall parat halten. Feuerstellen vor Schutzhütten können aber bedenkenlos verwendet werden. Nicht in größeren Gruppen campen, nichts hinterlassen und nach einer Nacht weiterziehen. Wer außerhalb Deutschlands wild campen will, sollte zuvor die Regelungen des Landes studieren. In Schweden, Norwegen, Irland und dem Balkan etwa ist wildes Campen fast überall erlaubt.
Die tägliche Distanz für Radreisen sollte der eigenen Fitness und der Beschaffenheit der Tagesetappe angepasst werden. Eventuell sollte man auch wetterabhängige Änderungen in Betracht ziehen. Fährt man über einen Alpenpass, sind vielleicht 40-50 km pro Tag schon genug. Hat man eine flache Asphaltstrecke vor sich, kann man auch 80-100 km planen.
50-200 km am Tag, abhängig von der Strecke (Höhenprofil), dem Wetter, dem Fitnesslevel und dem möglichen Gepäck. Bei sehr untrainierten und ungeübten Radfahrern kann man mit rund 20 – 30 Kilometer am Tag rechnen. Bei einer normalen Fitness lassen sich rund 50-70 Kilometer am Tag radeln. Bei durchgehend gerader Strecke schafft man dann auch schon mal zwischen 70 und 100 Kilometer. Wer sportlich unterwegs ist oder an einem Event teilnimmt, kann auch 120-150 km zurücklegen. Extremfahrer schaffen auch über 200 km am Tag.
Wenn man im Schnitt 20 km/h fährt braucht man für 100 km nur 5 Stunden. Mit Gepäck und auf unebenen Terrain dauern 100km jedoch wahrscheinlich mehr als 8- 10 Stunden.
Die Muskeln, die beim Radfahren am meisten arbeiten müssen, sind natürlich die Beine. Darunter der Gluteus Maximus (Gesäßmuskel), der für die meiste Trittkraft aber auch für Gleichgewicht und Stabilität sorgt. Die Muskelgruppe der Hamstrings (hinterer Bereich der Oberschenkel) werden ebenfalls trainiert. Die zweite wesentliche Kraftquelle bilden die Muskeln Vastus Medialis, Rectus Femoris und Vastus Lateralis, die den Quadrizeps (Muskelbündel des Oberschenkels) bilden. Mit für die Trittkraft verantwortlich ist drüber hinaus die Wadenmuskulatur, der Seoleus (Schlüsselmuskel für Gehen und Laufen) und der Tibialis Anterior, der für das Gleichgewicht in Knien und Fußgelenk verantwortlich ist. Neben den Beinen sind weitere Muskeln beim Radfahren wichtig und aktiv, darunter Bauch- und Lendenmuskeln, Schulter und Arme.

























