6 Zelte für harte Touren im Test

Basislager - sturmfeste Zelte für alle Jahreszeiten

Ob Wintertour oder Wildnistrek: Sturmfeste Zelte für alle Jahreszeiten müssen jede Tour bestehen. Ob sie das schaffen, klärt der Test.
Zu den getesteten Produkten
Foto: Boris Gnielka

Zelten im Gebirge - die Königsdisziplin für mobile Nachtlager.

Der sichere Stützpunkt: Extremzelte sind teurer und schwerer als normale Trekkingzelte. Dafür sind sie strapazierfähiger und halten starken Winden stand. Dadurch eignen sie sich für Wintertouren und lange Trekkingtrips durch Lappland, Patagonien oder Grönland. Auch für die Alpen sind sie eine top Wahl, vor allem wenn man gerne in exponier­ten Lagen zeltet, zum Beispiel auf Bergkämmen.
Sturmumtoste Berggipfel und unberührte Wildnis üben auf viele Outdoorer eine magische Anziehungskraft aus. Ob Patagonien, Grönland oder Kanada, Lappland oder Tasmanien – wer solche Regionen hautnah erleben möchte, muss mit dem Zelt losziehen. Aber mit einem guten, regendichten, schneefesten und vor allem sturmstabilen. Denn fällt in entlege­nen Regionen ohne Schutzhütten und Handynetz das Zelt im Sturm zusammen, kann es schnell gefährlich werden.

Hier im outdoor-Test befinden sich deshalb nur die Spitzenmodelle der Hersteller. Es sind Zelte, bei denen sich drei bis fünf Gestängebögen mindestens einmal kreuzen und dadurch ein widerstandsfähiges, selbsttragendes Gerüst bilden. Abenteurerinnen wie Karin Sattur oder Bergsteiger wie Ralf Gantz­horn beispielsweise, die regelmäßig mit dem Zelt nach Grönland, Feuerland und Patagonien reisen, schwören schon lange auf Modelle dieser sturmstabilen Bauweise.

Doch was halten solche Sturmzelte wirklich aus? Sechs Zweipersonenmodelle hat outdoor durch ein hartes Prüfprogramm geschickt (s. Kasten rechts). In den Test kamen nur Modelle, die nicht viel mehr als vier Kilo wiegen, sich also auf Trekkingtouren noch gut tragen lassen. Die Kombination aus hoher Sturmfestigkeit und geringem Gewicht erfordert jedoch den Einsatz besonders hochwertiger, zäher und damit teurer Materialien wie mehrfach silikonbeschichtete Nylonstoffe und Gestänge aus bestem Aluminium. Zwischen 480 und 800 Euro kosten die Testkandidaten daher. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, nicht nur in puncto Wetterschutz.

Denn ein gutes Extremzelt muss auch Komfort bieten, also ausreichend Platz und Kopffreiheit im Innenraum zum Liegen und bequemen Aussitzen von Sturmtagen, außerdem mindestens eine geräumige Apsis für das Gepäck und zum Kochen. Effektive Lüfter, die sich im Schneesturm von innen verschließen lassen und geöffnet für ein trockenes Zeltklima sorgen, stehen ebenso auf der Prüflis­te der Tester wie eine leichtgängige Bedienung aller Reißverschlüsse und eine unkomplizierte Auf- und Abbauprozedur der Zelte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, gibt aber keinen Anlass zum Feiern. Nur zwei Zelte überzeugen auf ganzer Linie, drei sind immerhin mit kleinen Einschränkungen eine gute Wahl. Zumindest halten sie Stürme von 100 Stundenkilometern und mehr aus – bei Zelten dieser Klasse eigentlich Standard. Nur das Hielo 2 von Mountain Equipment ging schon bei 80 km/h Windgeschwindigkeit zu Boden – mit gebrochenem Gestänge und durchbohrtem Außenzelt. Bei ihm löste sich unter Winddruck die unsachgemäße Verknotung der Abspannschlaufen – ein leicht zu behebendes Problem.

03.11.2009
Autor: Boris Gnielka
© outdoor
Ausgabe 12, 10/2009, 2009