Sargkabine in den Dolomiten: Die Forcella Sassolungo erleben

Forcella Sassolungo
Mit dem Sarglift in die Dolomiten

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.04.2026
Als Favorit speichern
Forcella Sassolungo / Dolomiten
Foto: GanzTwins via Getty Images

Der Gondellift Forcella Sassolungo befördert ein oder zwei Personen in den berühmt-berüchtigten sargförmigen Stehkabinen aufrecht hinauf auf die Langkofelgruppe. Die Gondelbahn führt dich als Wanderer auf fast 2.700 Meter (genauer: 2.681 Meter) und verbindet das Langkofelmassiv mit der Umgebung des Sellajoch. Neben der spektakulären Aussicht auf die umliegenden Gipfel, darunter Langkofel, Plattkofel und Sellagruppe – gilt die Fahrt selbst als echtes Erlebnis, da du ungesichert in der engen Kabine nach oben gleitest.

Technische Daten und Geschichte

Die Seilbahn wurde bereits 1950 erbaut und ist damit eine der ältesten noch in Betrieb befindlichen Bergbahnen der Dolomiten. Sie ist seitdem – mit kleineren Modernisierungen, nahezu unverändert in Betrieb und gilt als technisches Kulturdenkmal. Die charakteristischen schmalen Einzelkabinen bieten Platz für maximal zwei Personen, die während der Fahrt stehen müssen. Mit einer Länge von etwa 800 Metern und einem Höhenunterschied von rund 400 Metern überwindet die Bahn beeindruckende Felswände. Die stehende Fahrt auf den Gipfel dauert nur etwa 5-7 Minuten – das kann dir auch schon mal länger vorkommen, wenn du nicht schwindelfrei bist.

Nostalgie trifft Abenteuer

Was die Forcella del Sassolungo Cabinovia Gondelbahn so besonders macht, ist ihre Ursprünglichkeit: Während moderne Seilbahnen mit Komfort und Sicherheitsstandards punkten, erlebst du hier alpinen Fahrspaß wie in den 1950er-Jahren. Die minimalistischen Kabinen haben keine Sitze, keine Polsterung – nur eine kleine Metallkonstruktion, in der du dich festhältst. Durch die großen Fenster hast du einen unverkürzten Blick in die Tiefe, was für zusätzlichen Nervenkitzel sorgt. Für viele Bergfans ist genau diese Authentizität der Grund, die Fahrt zu wagen.

Anreise zur Talstation

Die Anreise zur Talstation führt über das Sellajoch (Passo Sella), die legendäre Passstraße zwischen Gröden und dem Fassatal, dort gibt es Parkmöglichkeiten direkt an der Talstation auf etwa 2.250 Metern. Von Orten wie St. Ulrich in Gröden (Ortisei), St. Christina oder Canazei fahren während der Hauptsaison Linienbusse direkt zum Sellajoch.

Wandern, Klettern, Bergsteigen & mehr

Am besten baust du eine Fahrt mit der Seilbahn natürlich in eine Wanderung rund um das Langkofelmassiv ein – entweder vom Sellajoch oder von den umliegenden Hütten aus. Beliebte Touren sind:

  • Umrundung der Langkofelgruppe: Die klassische Rundwanderung (ca. 4-5 Stunden) führt vom Sellajoch über die Forcella Sassolungo zur Langkofelhütte und zurück – spektakuläre Ausblicke garantiert.
  • Verbindung zur Toni-Demetz-Hütte oder Langkofelhütte: Beides ideale Wanderziele mit Übernachtungsmöglichkeit in dieser grandiosen Bergwelt.

Die Bergstation bei der Toni-Demetz-Hütte ist natürlich auch ein idealer Ausgangspunkt für zahlreiche klassische alpine Klettertouren. Du stehst praktisch schon am Einstieg. Hier sind die bekanntesten Möglichkeiten, die du direkt von dort aus hast:

1. Fünffingerspitze (Cinqu Dita) Die markanten Türme der Fünffingerspitze sind das naheliegendste und wohl beliebteste Kletterziel von der Scharte aus.

  • Der Klassiker: Die Überschreitung der Fünffingerspitze oder die Besteigung des Daumens (die höchste der Fünf Spitzen) über die berühmte Daumenkante. Das ist eine absolute Genusskletterei im III. bis IV. Schwierigkeitsgrad (UIAA). Ein Traum in festem Fels mit fantastischer Aussicht.

2. Langkofel (Sassolungo) Direkt auf der anderen Seite der Scharte ragt der gewaltige Langkofel auf.

  • Der Normalweg: Von der Hütte aus kannst du in den Normalweg auf den Hauptgipfel des Langkofels einsteigen. Diese Tour ist lang und erfordert vor allem alpines Gespür, Orientierungsvermögen und Ausdauer. Die Kletterschwierigkeiten liegen meist im II. und III. Grad, aber die Route ist komplex und darf nicht unterschätzt werden.

Wichtige Hinweise für dein Kletter-Abenteuer:

  • Anspruch: Das ist kein Klettergarten! Du befindest dich im hochalpinen Gelände. Alpine Klettererfahrung, sicherer Umgang mit Seil und mobilen Sicherungsgeräten sowie Orientierungsvermögen sind absolute Voraussetzung.
  • Ausrüstung: Eine komplette alpine Kletterausrüstung ist notwendig (Helm, Gurt, Seil, Sicherungsgeräte, Bandschlingen, etc.). Auch wetterfeste Kleidung ist Pflicht, das Wetter kann in dieser Höhe blitzschnell umschlagen.
  • Bergführer: Wenn du dir bei der Routenfindung oder deinem Können unsicher bist, ist ein lokaler Bergführer die beste Wahl für eine sichere Tour.
  • Hütte: Die Toni-Demetz-Hütte ist der perfekte Stützpunkt für eine Rast vor oder nach der Tour.

Allgemeine Infos

Fahrplan

Von 8:15 bis 17:00 Uhr

Preise 2026

Bergfahrt € 30,00

Berg-und Talfahrt € 45,00