Im Sommer (v.a. Juni bis August) ist die Gewittergefahr im Gebirge oft am größten. Vor allem in den Alpen werden immer wieder Wanderer und Bergsteiger von Blitzen verletzt oder getötet. Um gar nicht erst in ein Gewitter zu geraten, sollte man vor der Tour den örtlichen Wetterbericht abrufen – und bei Gewitterneigung lieber gleich im Tal bleiben.
Vor allem für Outdoorsportler im Gebirge erhöht sich die Gefahr, in ein Gewitter zu kommen. Ein Blitzschlag kann zu Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand, Atemstillstand, neurologischen Ausfällen und Verbrennungen führen.
Tipps vom Bergführer

So dramatisch die Folgen eines Blitzschlags sind, so gut kann man es vermeiden, in ein Gewitter zu geraten. Hier ein paar Tipps dazu von Christian Hessing (bergfuehrer.com):
Ich empfehle den Wetterbericht des Deutschen Alpenvereins (alpenverein.de/bergwetter). Auf dem Handy schwöre ich auf die sehr präzise, allerdings auch komplexe App meteoblue.
Früh starten und eine Strecke wählen, von der sie mindestens zwei Stunden vor dem angekündigten Wolkenbruch zurück sind. Klettersteige sind ein absolutes No-Go. Auch einen Plan B sollte man haben: Wo bieten Hütten, Biwaks mit Blitzableiter oder auch große Höhlen Schutz? Besteht die Möglichkeit, die Tour frühzeitig abzubrechen? Diese Fragen müssen im Vorfeld geklärt sein.
Wenn sich die Wolken ambossförmig auftürmen, kündigt das ein Wärmegewitter an. Sieht man Blitze und hört nach weniger als dreißig Sekunden Donner, wird es kritisch. Liegen nur noch drei Sekunden dazwischen, besteht akute Blitzschlaggefahr. Im Zweifel gilt: Die defensive Entscheidung – also der Rückzug – ist immer die richtige.
Dann hast du die Tour höchstwahrscheinlich nicht gewissenhaft geplant, denn Gewitter kommen in den seltensten Fällen überraschend. Passiert es doch: weg von exponierten Stellen, Drahtseilen, wasserführenden beziehungsweise nassen Bereichen, einzelnen Bäumen und dem Waldrand. Gibt es keine Schutzoption, bloß nicht auf den Boden legen, wie es oft empfohlen wird. Stattdessen auf einer kleinflächig isolierenden Unterlage wie dem Rucksack hinkauern.
Wenn du es also nicht mehr rechtzeitig ins Tal oder zu einer Hütte schaffst, ergreife sofort folgende Maßnahmen:
1. Gefahrenzonen sofort verlassen
- Runter von Gipfel und Grat: Verlasse exponierte Stellen wie Gipfel, Grate, Felsköpfe und Anhöhen so schnell wie möglich.
- Weg von Metall: Meide Klettersteige, Drahtseilversicherungen, Liftstützen, Weidezäune und Gipfelkreuze. Metall leitet Blitze.
- Wasser meiden: Halte Abstand zu Bächen, Seen und nassen Felsrinnen.
- Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden liegen, ist das Gewitter nah. Spätestens bei unter 10 Sekunden (≈3 km) musst du sofort in den ‚Gewittermodus‘ wechseln.
2. Schutz im Gelände suchen
- Sichere Orte: Am sichersten bist du in einer Hütte mit Blitzableiter oder im Inneren eines Waldes mit gleichmäßig hohem Baumbestand (nicht an den Waldrändern oder unter einzelnen, hohen Bäumen).
- Ungeschützte Orte: Meide einzelne oder freistehende Bäume, Felsüberhänge, kleine Höhlen und Zelte, da diese keinen sicheren Schutz bieten. Halte in Höhlen oder an Felswänden mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand zur Felswand.
3. Die richtige Körperhaltung einnehmen (wenn kein Schutz da ist)
- Hingehen und Kauern: Suche dir eine möglichst freie Fläche, idealerweise eine Mulde im Gelände.
- Isolierende Unterlage: Setz dich auf deinen (trockenen) Rucksack oder ein Kletterseil.
- Kauerstellung: Gehe mit geschlossenen, angezogenen Beinen in die Hocke, um die Kontaktfläche zum Boden so gering wie möglich zu halten. Dies reduziert die Gefahr durch Kriechströme. Lege dich auf keinen Fall flach auf den Boden.
4. Weitere wichtige Verhaltensregeln
- Metall ablegen: Lege metallische Ausrüstungsgegenstände wie Wanderstöcke, Eispickel oder ähnliches in sicherer Entfernung ab.
- Gruppe aufteilen: Wenn du in einer Gruppe unterwegs bist, haltet Abstand voneinander, um das Risiko zu minimieren, dass mehrere Personen gleichzeitig von einem Blitz getroffen werden.
- Bei Blitzunfall: Notruf, Wiederbelebung beginnen – Blitzopfer sind nicht ‚geladen‘ und können sofort angefasst werden.
- Regenschutz anziehen: Schütze dich vor Nässe und Auskühlung, indem du rechtzeitig deine Regenkleidung anziehst.Einige empfehlenswerte Regenjacken aus unserem aktuellen Test hier:
Noch ein paar Tipps für Kletterer und BouldererAls Kletterer oder Boulderer bist du besonders exponiert. Die oberste Regel lautet: Beim ersten Anzeichen eines Gewitters die Aktivität sofort beenden und den Rückzug antreten, idealerweise durch Abseilen. Wenn so ein sicherer Rückzug schnell möglich ist, sofort raus aus der Wand. Wenn das nicht mehr geht: Standplatz sichern und das Gewitter dort abwettern. Setze dich wenn möglich auf deinen Rucksack oder ein trockenes Seilknäuel, halte so viel Abstand wie möglich zur Felswand und nimm die Kauerstellung mit geschlossenen Beinen ein. Deine metallische Ausrüstung legst du, wenn möglich, etwas entfernt ab, bleibst aber selbstverständlich sicher am Standplatz eingebunden. Der Standplatz in der Wand sollte zwingend so gewählt werden, dass er sich außerhalb von Sturzbächen, Wasserfällen und potenziellen Steinschlagrinnen befindet. Abrupter Starkregen kann innerhalb weniger Minuten Steinschlag und Sturzbäche auslösen! Für Boulderer gilt: Ist der Rückzug unmöglich, nutze dein Crashpad als isolierende Unterlage und kauere dich darauf in einer Geländemulde.
Bleib ruhig und warte, bis das Gewitter vollständig vorübergezogen ist. Das bedeutet, dass du mindestens 30 Minuten lang keinen Donner mehr hörst, bevor du deinen Weg fortsetzt.





