GPS-Geräte zum Wandern und Biken sind heute fast schon Nischenprodukte, längst abgelöst von Smartphones. Haben Klappkarte und Kompass also ausgedient? Braucht man ein GPS-Gerät überhaupt noch oder reicht das Handy aus? Und was können aktuelle Multisportuhren? – Diese und andere Fragen beantwortet Uli Benker, Autor des Standardwerks "GPS auf outdoor-Touren" und Mitglied in unserem Testteam, in der aktuellen Folge unseres Podcasts:
FAQ: GPS-Geräte für Wander- und Outdoortouren
Einsteiger und Outdoorer, die das Gerät nur zur Positionsbestimmung benötigen, können sich für unter 200 Euro einfache GPS-Geräte mit den wichtigsten Funktionen kaufen: Navigation von Wegpunkt zu Wegpunkt, Anzeige des Längen- und Breitengrades und Aufzeichnen der Tour. Für diesen Preis setzen Hersteller allerdings meist auf weniger detaillierte Karten wie die von OpenStreetMaps.
Für 200 bis 400 Euro bekommen komfortbewusste Biker und Wanderer Geräte mit genaueren und oft auch routingfähigen Karten, die auf die jeweilige Outdoor-Aktivität zugeschnitten sind. Die automatische Wegfindung sowie Turn-by-Turn-Navigation gehören hier meist zum Standard – das GPS bietet damit ähnliche Funktionen wie das Navigationsgerät im Auto: Abbiegehinweise auf Waldwegen, automatische Streckenfindung und sehenswerte Punkte entlang der Route: Der Komfort von Auto-Navis hat auch in der Bike- und Wandernavigation Einzug gehalt
Ab 400 Euro beginnt die Profi-Liga: Die Topmodelle bieten vor allem mehr Extras, vom Magnetkompass bis zu Höhenmesser, Barometer und Kamera. Auch bei den vorinstallierten Karten zeigen sich die Hersteller großzügig: Neben Landkarten verfügen diese GPS-Geräte auch über Straßenkarten – dadurch kann die Navigation schon an der Haustüre starten. Mit den Garmin-Modellen GPSMAP 67i und Montana 700er Serie kannst du dank integriertem Handyempfang via Satellit sogar fernab klassischer Handynetze per SMS, E-Mail und Live-Tracking Kontakt halten oder im Notfall einen SOS-Ruf an eine rund um die Uhr besetzte Rettungsstation senden.
Die größten Vorteile: GPS-Handgeräte oder Radcomputer sind stoßfest, staub-und wasserdicht, stecken zorniges Wetter und rüden Umgang locker weg. Zudem punkten sie mit Displays, die man selbst in praller Sonne bestens ablesen kann. Ein entscheidender Faktor ist auch die lange Batterie- oder Akkulaufzeit solcher Navigationsgeräte – das macht sie ideal für mehrtägige Wildnistreks oder Mehrtageswanderungen entlang unbewirtschafteter Hütten.
Schon Basismodelle wie das Garmin Etrex SE (150 €) überzeugen mit Empfang auf Topniveau, Routen- und Tracknavigation. Über eine Handy-Schnittstelle lassen sich Touren aus Webportalen, Wetterberichte, Nachrichten und andere Infos abrufen. Allerdings stellen günstige Geräte Touren nur als feine Linie auf einer Blankokarte dar. Hinterlegte Karten, ein Farbdisplay und Routing gibt es bei Modellen ab 400 Euro, etwa Garmin GPSMAP 67 und – mit Touchscreen – TwoNav Terra und Garmin Montana 700.
Die Topmodelle bieten vor allem mehr Extras, vom Magnetkompass bis zu Höhenmesser, Barometer und Kamera. Mit den Garmin-Modellen GPSMAP 67i und Montana 700i/750i kannst du dank integriertem Handyempfang via Satellit sogar fernab klassischer Handynetze per SMS, E-Mail und Live-Tracking Kontakt halten oder im Notfall einen SOS-Ruf an eine rund um die Uhr besetzte Rettungsstation senden.
Die seit Jahren bewährten Navigationsgeräte zum Wandern oder Biken etc., wie sie insbesondere Garmin, aber auch Sigma-Elektro oder TwoNav anbieten, haben also auch heute noch handfeste Vorteile (siehe FAQ dazu oben). Besondere Beachtung finden dabei die Handhabung und die Zielführung – gelingt beides wirklich ähnlich einfach wie mit einem Auto-Navi? Ganz klar: Ja. Die Zieleingabe? Findet man sofort. Die Trackaufzeichnung starten? Ein Kinderspiel. Wegpunkt markieren? Klappt auf Anhieb – wie auch die übrigen Funktionen. Besonders begeisterte unsere Tester seit Jahren das Garmin GPSMAP (in der aktuellsten Version 67, s.u.).
🏆 Das sind die besten GPS-Geräte aus unseren Tests
Platzhirsch Garmin hat gleich drei empfehlenswerte GPS-Modelle am Start:

Allroundtalent: Garmin GPSMAP 67
Kaum Wünsche offen lässt das Garmin GPSMAP 67 – ob Farbdisplay, vielseitige Navigation mit Routing, vorinstallierte Europakarte, Smartphone-Anbindung oder ausdauernder Akku. Mehr GPS ist kaum möglich. Preis: ca. 550 €.

Einsteigermodell: Garmin etrex SE
Präziser Empfang, lange Laufzeit und eine Schnittstelle zu Handys - das Einsteiger-Navi Garmin etrex SE mit Graustufendisplay hat für günstige 150 Euro viel zu bieten. Karten lassen sich allerdings keine aufladen.

Kommunikator: Garmin Montana 750i / 760i
Das Garmin Montana 750i begeistert nicht nur mit Kamera und XXL-Touchscreen. Via integrierter Satellitenkommunikation können Wanderer auch abseits von Handynetzen Messages und Notrufe absetzen (Preis: ca. 800 €). Der Nachfolger 760i steht schon in den Startlöchern - und kommt u.a. mit
- vorinstallierten City Navigator-Karten
- inReach Technologie
- MCX-Anschluss für die GPS-Antenne
- einer 8 MP Kamera
- Preis (UVP): 949,99 €
Alpinisten, Trekker und Weltenbummler finden sicherlich auch im kleinen Satelliten-Kommunikator Garmin inReach Mini 2 (ca. 300 Euro) den passenden Begleiter. Mit ihm lässt sich im Notfall auch ein SOS Ruf mit den Standortkoordinaten an eine rund um die Uhr besetzte Rettungsstation (Geos) senden. Um alle Funktionen des Garmin inReach Mini nutzen zu können, ist jedoch der Abschluss eines Satellitenabos nötig.
So testen wir GPS-Geräte
Empfang & Handling: Beim Empfang prüfen wir in unseren Praxistests, wie schnell die Geräte die Position bestimmen und wie genau sie Tracks aufzeichnen. Einsteiger und erfahrene GPS-User bewerten das Handling. Dabei checken sie, wie einfach die Bedienung gelingt, wie gut sich das Display ablesen lässt und wie fein etwa Karten dargestellt werden.
Navigation & Karten: Auf vielen Touren müssen die Navis zeigen, ob sie sicher ans Ziel führen. Werden Abzweigungen rechtzeitig angekündigt? Beherrscht der Lotse Routing? Fallen die Streckenvorschläge attraktiv aus? Bei den Karten zählen die Qualität der Darstellung, der Funktionsumfang sowie das von ihnen abgedeckte Gebiet. Auch ein großes Angebot käuflicher Karten gibt Punkte. Erste Wahl für Touren in den Alpen sind die Karten des Deutschen Alpenvereins in der Version für Garmin-Navis (130 Euro). Sie decken in 75 Kartenblättern einen großen Bereich der Nordalpen (Deutschland, Österreich) ab. outdoor-GPS-Profi Uli Benker war in den Tests stets davon begeistert: "Die Karten geben nicht nur das Gelände anschaulich und präzise wieder. Sie bieten auch eine Reihe überaus praktischer Extras – etwa eine dicke Sammlung alpiner Sonderziele, darunter auch Gipfel, Gletscher, Wanderwege und Klettersteige."
Ausstattung und Strom: Pluspunkte sammeln die getesteten GPS-Handgeräte für Extras, etwa Höhenmesser und Kompass, Kamera, Handy-Schnittstelle oder Bikehalterung und anderes Zubehör. Die Laufzeit messen wir stationär – etwa um den Strombedarf der Displaybeleuchtung zu bestimmen – und in der Praxis: Dabei ermitteln wir, ob das Gerät Tagestouren mit einem Satz Batterien respektive einer Akkuladung schafft.
Navigation per Smartphone – darauf solltet ihr achten

Ihr lasst euch lieber von eurem Smartphone ans Ziel führen? Warum auch nicht, damit kann man sich ja die Anschaffung eines GPS-Empfängers sparen. Apps wie Apemap, Viewranger oder komoot machen das Handy für wenige Euro, manchmal sogar umsonst, ebenfalls zum GPS-Lotsen. Allerdings mit vielen Einschränkungen: Viele moderne Smartphones sind nicht nur sturz-, sondern auch nässeempfindlich, ihr Display lässt sich im hellen Sonnenschein oft kaum ablesen, und der Akku ist in der Regel flotter erschöpft als gedacht – worunter auch die Sicherheit leidet, denn ein Notruf ist dann nicht mehr möglich. Zwar lassen sich Smartphones mit einem wasserdichten, stoßfesten Case schützen und Akkus mit Powerbanks nachladen, doch das schadet der Ablesbarkeit, dem Handling und schlägt nicht zuletzt auch auf das Budget. Dazu kommt: Für die meisten Apps gibt‘s nur OpenStreet-Maps, Google Maps und andere Gratiskarten zum Nulltarif. Für Touren abseits ausgetretener Pfade, wo es auf Detailgenauigkeit ankommt, braucht man hingegen zusätzliche, topografische Karten – die meistens kostenpflichtig sind.
Wie gut sind GPS-Uhren?
Neben den bereits etablierten Navigationsmethoden per GPS-Gerät oder Smartphone wird auch die Navigation via GPS-Uhr immer beliebter. Die aktuellen Top-Modelle von Suunto oder Garmin sind mittlerweile mit umfangreichen Navigationsfunktionen ausgestattet. So gibt es die Möglichkeit im Vorfeld geplante Touren auf die Uhren zu laden und sich von der Uhr auf der Route leiten zu lassen. Weitere wichtige Funktionen, die aktuelle GPS-Uhren beherrschen, sind die "Brotkrümelnavigation" (englisch breadcrumbs, breadcrumb navigation), die einen durch unbekanntes Terrain zu einem Ausgangspunkt zurück leiten kann und die einfache Routenaufzeichnung.

Top-Modelle wie die Suunto Race S sind unter anderem auch mit den Features ausgestattet, die man vor allem bei Fitness-Armbändern vorfindet. Herzfrequenzsensor, Schrittzähler und Kalorienrechner überwachen mithilfe unterschiedlicher Sportmodi die persönlichen Aktivitäten, die dann mittels App gesammelt und ausgewertet werden können.
Mondkalender, Sonnenstandsanzeigen, Tidekalender, Höhenmesser, Barometer, Kompass, Gyroskop, GPS-gestützte Unwetterwarnungen, Thermometer sowie bei manchen Modellen auch Sonderfunktionen fürs Angeln und Jagen, erweitern den Nutzwert der GPS-Uhren ebenfalls. Man sollte darauf achten, ob die GPS-Uhr auch robust ist. Eine IP67-Zertifizierung sollte sie mindestens haben. Besser ist aber IP68. Interessant ist darüberhinaus, auf welche Satelliten-Netzwerke die GPS-Uhren zugreifen können. Neben dem amerikanischen GPS gibt es noch das russische GLONASS-System, sowie die chinesischen Beidou-Satelliten. Je mehr Systeme die Multifunktionsuhr unterstützt, desto präziser und schneller kann der Standort bestimmt werden.
Problem bei vielen dieser GPS-Smartwatches: Die hochauflösenden Bildschirme mit Touchscreen-Bedienung verbrauchen immer noch viel Energie, die man auf Tour schlecht nachladen kann. Mit energiesparendem Display können solche Uhren zwar je nach Modell zwischen 3 Tagen und einer Woche ohne Nachladen durchhalten – jede weitere aktivierte Funktion an der Uhr verkürzt die mögliche Betriebszeit aber zusätzlich.
GPS-Geräte zum Radfahren
Die modernen GPS-Radcomputer gleichen heutzutage mehr einem Smartphone als einem läppischen Tacho. Wie sich die neuen GPS-Geräte für Radfahrer in der Praxis, abseits von idealem GPS-Empfang schlugen, klärte der Test unserer Kollegen vom Bike-X. Im Test: Sechs Bike-Navis in zwei Preisklassen von 170 bis 400 Euro.
Beim Kauf eines Bike-GPS-Gerätes, sollte man sich aber immer vorher fragen, ob man die umfangreichen Trainingsfunktionen einiger Geräte eigentlich benötigt oder mehr Wert auf komfortables Navigieren legt. Garmin Edge 1040 oder 1050 und Sigma Rox 12.1 beherrschen beide Tugenden, beim Garmin Edge 540 steht hingegen das Navigieren klar im Mittelpunkt.
Lexikon: GPS – Deutsch
- Kompass: Eine Zusatzfunktion in GPS-Geräten zur Richtungsbestimmung. Vorteil: Der Kompass zeigt beim Navigieren auch im Stand die Wegrichtung an, was GPS-Geräte ohne Kompass nicht können.
- Rasterkarte: Topografische (Wander-)Karten, die wie eine gedruckte Karte aussehen. Beispiele: Top 25/ 50, AV-Karten Digital, MagicMaps.
- Route: Geplante Strecke, die durch eine Reihe von Wegpunkten festgelegt wird. Mit der Routenfunktion navigiert man dann von einem Punkt zum nächsten.
- Routing: GPS-Geräte mit Routingfunktion erstellen zu einem eingegebenen Ziel automatisch eine Route mit allen Abzweigungen. Vorausetzung: routingfähige Karten, wie sie z. B. Garmin und MyNav anbieten. Routing war lange Straßennavis vorbehalten, ist aber auch bei Outdoor-GPS-Geräten im Kommen (mehr dazu siehe unten).
- Top 25/50: Digitale topografische Rasterkarten der Landesvermessungsämter im Maßstab 1:25000 bzw. 1:50000, für das gesamte Bundesgebiet erhältlich.
- Track: Mit dem GPS-Gerät aufgezeichnete Wegstrecke, die gespeichert und wieder zur Navigation benutzt werden kann, zum Beispiel auch zurück zum Ausgangspunkt.
- Vektorkarte: Straßen- oder topografische Karte mit schematischem, stark von gedruckten Karten abweichendem Kartenbild.
- Wegpunkt: Gespeicherte Position, die vor Ort mit dem GPS bestimmt wird, oder aus der Karte beziehungsweise vom Computer aufs GPS-Gerät übertragen wird.
Die Bedeutung der GPS-Karten
Kartenbild

Rasterkarten sehen aus wie Papierkarten, bieten also eine vertraute Ansicht.
Beispiele sind die Karten der Landesvermessungsämter (Top 25/50) und die des Alpenvereins (AV). Vektorkarten zeigen dagegen ein eher schematisches Abbild des Geländes. Und das muss nicht nachteilig sein, bieten etwa die Vektorkarten von Garmin dank Schummerung eine sehr plastische Darstellung.

Geländewiedergabe
Topografische Rasterkarten geben das Gelände oft detaillierter wieder als Vektorkarten. Karten wie die Garmin Topo Schweiz und Topo Deutschland reichen inzwischen aber an das Niveau von Rasterkarten heran.
Vergrößerung
Rasterkarten sind nur in einem engen Zoombereich scharf. Vektorkarten hingegen lassen sich beliebig vergrößern, ohne an Schärfe zu verlieren.
Sonderziele (POI)
Vektorkarten enthalten umfangreiche Sonderziele – vom Parkplatz bis zur Berghütte. Die Punkte sind meist mit Infos hinterlegt wie beispielsweise der Adresse. Weiterer Vorteil: POIs können wie Wegpunkte als Ziel aufgerufen oder in Routen eingebaut werden.












