Manchmal muss man einfach genauer hinschauen. Einen Stein umdrehen. Oder, noch besser, mit jemandem durch den Wald laufen, der einem erklären kann, warum dieser Wald überhaupt so aussieht, wie er aussieht – und was die Menschen hier über Jahrhunderte aus ihm gemacht haben. Das 13. Bloggerwandern Rheinland-Pfalz schickte seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom 28. bis 30. August 2026 auf eine Reise durch den Westerwald – das Mittelgebirge im Dreieck zwischen Rhein, Lahn und Sieg (ca. 30 Kilometer nordöstlich von Koblenz).
Tag 1: Basalt, Fossilien und ein Klosterbier. In dieser Reihenfolge.
Treffpunkt zum Auftakt war Montabaur. Karin Hünerfauth von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH und Eva Lehna vom Westerwald Tourismus begrüßten die Gruppe, kurze Vorstellungsrunde – und dann ging es direkt zur ersten Station: dem Stöffel-Park bei Enspel. Schon hier wartete das erste Highlight auf die zwölfköpfige Wandertruppe: ein gewaltiger Steinbruch, der zwei Geschichten in sich trägt: die der Basaltindustrie, die hier über Jahrzehnte arbeitete – und die einer der bedeutendsten Tertiär-Fossillagerstätten der Welt.
Wie das zusammenpasst? Ganz einfach: Vor rund 25 Millionen Jahren setzte im heutigen Westerwald eine Phase intensiver vulkanischer Aktivitäten ein. Aus zahlreichen Vulkanen drang Magma an die Oberfläche. Die nach dem Erkalten entstandenen magmatischen Gesteine bilden heute die geologische und landschaftsprägende Struktur des Westerwaldes. Und unter dem Basalt? Da wartete die eigentliche Sensation: eine bedeutsame Fossillagerstätte aus dem Oligozän, die Millionen Jahre alte Pflanzen- und Tierfunde birgt. Die Funde stammen aus den Ablagerungen eines durch einen Vulkanausbruch verschütteten Maarsees, die zu Ölschiefer wurden.
Der bekannteste Fund ist der des gleitfliegenden Säugetiers Eomys quercyi, umgangssprachlich Stöffelmaus genannt. Bis heute ist es der älteste Nachweis des Gleitflugs bei Nagetieren. Weitere Funde sind unter anderem Krokodilzähne, Insekten und Amphibien. Blogger Sven Becker bringt es auf den Punkt: "Ich stehe hier und versuche mir gerade vorzustellen, dass das alles mal unter einem Vulkansee lag. Das gelingt mir nur so halbwegs."

Förderbänder, Loren, Brecheranlagen, Werkstätten – wer durch den Tertiär- und Industrie-Erlebnispark läuft, spürt, wie hart das Leben hier einmal war.
Britta, die sich vorher kaum mit Industriegeschichte beschäftigt hatte, zog ihr persönliches Fazit: "Das hätte ich nicht erwartet – dass ein alter Steinbruch gleichzeitig eine der bedeutendsten Fossillagerstätten der Welt ist. Westerwald, du überraschst mich."
Nach so viel komprimierter Erdgeschichte: weiter nach Hachenburg, der viel zitierten "Perle des Westerwaldes", kurzer Rundgang durch den historischen Ortskern – und dann Wanderschuhe schnüren. Rund 6,5 Kilometer führten auf dem Druidensteig und dem WesterwaldSteig (Etappe 9) bis zur Abtei Marienstatt.
Das 1212 gegründete Zisterzienserkloster empfing die Gruppe nicht nur als Unterkunft, sondern entpuppte sich als echter Erlebnisort. Erst die Vesper der Zisterziensermönche in der Klosterkirche – Gregorianik unter gotischen Gewölben, eine Atmosphäre, die man so schnell nicht vergisst. Dann, als Kontrapunkt, die Führung durch das Marienstatter Brauhaus: Bierbrauen als uralte Kulturtechnik, die die Mönche hier seit Jahrhunderten pflegen. Ein gelungener Übergang vom Sakralen ins Gesellige.
Tag 2: Auf zu neuen Höhen – und Tiefen!
Frühstück in der Abtei, danach noch eine Führung durch Haus und Bibliothek – uralte Bücher und Schriften, bei denen man ehrfürchtig wird. Mit Christoph Eul vom Geopark Westerwald-Lahn-Taunus hatte die Gruppe dann den richtigen Begleiter für den kommenden Tag: Die Tour vom Kloster weg auf dem Druidensteig und der nagelneuen Wäller Tour "Bachgeflüster" führte direkt zur Schiefergrube Assberg – ein kleiner, aber wirkungsvoller Hinweis darauf, wie vielschichtig dieser Geopark tatsächlich ist.
Denn von der Vorgeschichte bis heute spielten Bergbau und die Verarbeitung von Rohstoffen eine wichtige Rolle für die Menschen dieser Region. Christoph erklärt hier kurz den Zusammenhang zwischen Geologie und Alltag: "Der Schiefer war jahrhundertelang ein wichtiger Rohstoff – die Platten wurden als Dachziegel verwendet und haben buchstäblich die Häuser der Region gedeckt. Man läuft heute durch den Wald und ahnt nicht, wie viel von dieser Landschaft früher auf den Dächern der Leute lag."

Wer vorher dachte, Steine seien Steine – spätestens hier war das Thema geklärt.
Weiter ging's dann an diesem Tag über den Felsen der Hohen Ley, in Richtung Limbach und Malberg. Rund elf Kilometer kamen an diesem Tag zusammen. Mittags noch ein leckerer Imbiss im Restaurant Malbergblick – und der Gang auf den 19 Meter hohen Barbaraturm, mit wunderbaren Ausblicken bis ins Siebengebirge am Rhein oder in Richtung Hachenburger Schloss.
Doch die eigentliche Wucht des Tages wartete in der Grube Bindweide: Das Eisenerzbergwerk war eines der größten Bergwerke im Siegerländer-Westerwälder Erzbergbau. Mit der Grubenbahn rattert man 800 Meter in den Berg; danach legt man 300 Meter zu Fuß zurück. Während der 90-minütigen Führung erfährt man, wie das Eisenerz einst abgebaut wurde und welche Werkzeuge und Maschinen den harten Arbeitsalltag der Bergleute prägten. In den Erzgängen spürt man die historische Bedeutung des Bergbaus, ergänzt durch rötlich-braune erzhaltige Felsgesteine sowie Stalaktiten und Stalagmiten. Renée, die aus den Niederlanden angereist war, fand beim Einfahren in den Stollen die passenden Worte: "This is incredible. I had no idea the Westerwald had all this underneath."

Den Abschluss machte eine rustikale Kaffeepause in der historischen Schau-Schmiede. Kaffee, Kuchen und Schmiedefeuer. Passt zum Westerwald!
Tag 3: Wolfsteine, Waldwege und ein gutes Ende
Sonntag. Umzug nach Bad Marienberg, Übernachtung im Wildpark-Hotel. Und ein letzter Morgen auf dem Weg.
Wanderführer Ulrich Seiler begleitete die Gruppe auf einer verkürzten Variante der "Kleinen Wäller Wolfsteine" – rund 6,5 Kilometer durch eine Landschaft, in der der Name Programm ist: markante Felsformationen, stille Waldwege, weite Blicke. An den Felsen angekommen, hatte Ulli noch eine Geschichte parat – die Sage der Wolfsteine: "Die Leute hier haben sich früher erklärt, warum diese Felsen so ungewöhnlich aussehen – der Teufel soll versucht haben, eine Treppe in den Himmel zu bauen. Als er scheiterte, warf er die Steine wütend in den Wald. Und da liegen sie bis heute."
Nach zwei Tagen voller Geopark-Informationen, Bergwerksführungen und Klostergeschichte war das ein wohltuend entspannter Abschluss. Einfach laufen. Schauen. Durchatmen. Und am Ende brachte Ulli noch etwas auf den Punkt, das wohl alle so empfanden: "Der Westerwald wird oft unterschätzt. Aber wer einmal hier war, kommt wieder. Das erlebe ich jedes Mal aufs Neue."
Zum Abschluss des Wochenendes noch ein gemeinsames Mittagsvesper in der Steig-Alm – dann die Taschen holen im Wildpark-Hotel und mit dem Bus zurück zum Bahnhof Montabaur, wo die kurze Reise in den Westerwald begann. Drei Tage Westerwald hinterlassen Spuren – in den Beinen, in den Kameras, und ganz sicher auch in den nächsten Blogbeiträgen.
ÜbrigensDie Berichte der teilnehmenden Blogger:innen findet ihr hier:
Fernwehyvi
The Backpacker
TrailPfoten
Buitenavonturen
Britta sieht die Welt
Saarfuchs on Tour
Outdoor-Familien-Glück
Rebeccpack
Borderherz Outdoortrails
Wandercroissant
Das 13. Bloggerwandern Rheinland-Pfalz wurde organisiert von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH und dem Westerwald Tourismus.
Geo Vibes Westerwald – Wandern durch die Erdgeschichte
Auf fast 4.000 Quadratkilometern können Besucherinnen und Besucher im Nationalen Geopark Westerwald-Lahn-Taunus über 400 Millionen Jahre Erdgeschichte und mehr als 2.500 Jahre Bergbautradition aktiv erleben. Geoparks machen sichtbar und verständlich, wo welche Gesteine und Rohstoffe unter unseren Füßen verborgen sind und wie die Geologie die Entstehung der uns umgebenden Landschaft sowie deren Nutzung beeinflusst hat.
Genau das war das Besondere an diesem Bloggerwandern: Man wanderte nicht einfach durch eine schöne Landschaft. Man verstand, warum sie so aussieht. Und warum Menschen hier über Jahrtausende gegraben, gehämmert und geschmiedet haben.
Mehr Infos: Geopark Westerwald-Lahn-Taunus · Stöffel-Park · Grube Bindweide
Der Basalt formte die Berge. Die Erzvorkommen schufen die Gruben. Und heute führen Wanderwege durch all das hindurch, insbesondere auch die beiden Etappenwege Westerwaldsteig und Druidensteig.












