Rund 4000 Höhenmeter im Aufstieg und 5000 Hm im Abstieg kommen auf der grenzüberschreitenden Weitwanderung zusammen. Für die Gesamtstrecke brauchen fitte Wanderer rund sieben Tage. Dabei ist der Name des Weges Programm: Vom Quellgebiet am Formarinsee geht es immer entlang des türkisfarbenen Lech-Wasserlaufes über Steeg, Holzgau und Weißenbach durch die Lechtaler Alpen bis nach Füssen im Ostallgäu. Im Vergleich zu vielen alpinen Steigen ist der Lechweg vom Anspruch her eher moderat und erfordert keine alpine Erfahrung. Aber unterschätzen sollte man ihn trotzdem nicht. Immerhin bedeutet es doch so einige Wandertage, um dem Lech von der Quelle bis zum Fall zu folgen.
Wie komme ich nach Lech?
PKW: Nach Füssen und dort das Auto abstellen (City Sparkassenhaus) oder zum Start nach Lech und Auto dort nach der Tour wieder holen (Anger Tiefgarage). Jeweils von Füssen nach Lech mit Bus (Linien 110 und 100).
Bahn: Mit ÖBB oder DB bis Füssen, Reutte, Langen oder St. Anton. Von dort nach Lech mit öffentlichen Bussen.
Wie kann ich mich auf Tour orientieren?
Lückenlose und gut sichtbare Beschilderung in beiden Richtungen.
Richtungspfeile und regelmäßige Zeitangaben leiten vorbildlich. Hauptroute: weißes "L" auf grauem Grund (Schilder) oder nur ein gemaltes weißes "L", Erweiterungsschleifen: grünes "L" mit entspr. Wegenummer.
Der komplette Reisebericht zum Download
Im türkisfarbenen Wasser des Formarinsees spiegeln sich die Wiesen der Alpe Formarin und die Felsen der Roten Wand. Es ist ruhig und friedlich hier oben auf 1793 Metern, inmitten des Lechquellgebietes, etwa 15 Kilo meter westlich des Wintersportortes Lech in Vorarlberg. Ein verliebt wirkendes Pärchen, das neben uns auf einer Bank sitzt, scheint ebenso begeistert von dieser alpinen Perle. Kim und Noah stammen aus New York und wollen ihre Hochzeitsreise auf dem 125 Kilometer langen Lechweg nach Füssen verbringen. Wir müssen schmunzeln. Meine Lebensgefährtin Silvia und ich sind zwar nicht auf Hochzeitsreise, aber auch vor uns liegt mit dem Lechweg einer der schönsten Fernwanderwege Österreichs.
Wo kann ich mich informieren?
Unter lechweg.com finden sich viele Infos zum Weg, zur Umgebung, zu Unterkünften und Events. Zudem gibt es ein Serviceheft vom Tourismusbüro als Wegbegleiter. Kostenlos anfordern über: lechtal.at
Wanderführer: Rother Führer Lechweg mit Lechschleifen, Kompass Wanderführer Lechweg mit Karte.
Wie komme ich herum?
Zwischen Lech und Füssen fahren regelmäßig Busse (Linien 110 und 100). Alle Lechweg-Etappen können verkürzt oder ausgelassen werden (Bushaltestellen prüfen).
Tipp: Wer nur mit Tagesrucksack wandern möchte, dem steht ein Gepäcktransport zur Verfügung, Infos und Buchung: Firma Feuerstein
Wann ist die beste Reisezeit?
Von Mitte/Ende Juni bis Anfang Oktober. Während dieser Zeit ist die gesamte Strecke begehbar. Vorher liegt in den oberen Teilen meist noch Schnee. Ab Mitte Mai verkürzte Frühjahrsvariante möglich.
Wo kann ich übernachten?
Spezielle Lechweg-Partnerbetriebe entlang der Route. Vorteile: Wanderapotheke, Wasch- und Trockenoptionen, Infos über Wege, Begehbarkeit, Öffis.
Der urtümliche, gemütliche Gasthof Alphorn bei Lech-Zug am Arlberg ist ein sauberer, herzlicher Familien-betrieb mit guter regionaler Küche, Biergarten und Sauna. Seine ruhige Lage zwischen Lech und dem Formarinsee machen ihn als Starthotel strategisch zur ausgezeichneten Wahl.
Im schicken Hotel Schlosskrone im Zentrum von Füssen erholen Gäste sich von anstrengenden Wanderungen unter anderem im Spa-Bereich, das vielfältige Frühstück leitet die Regeneration nach der Wanderwoche ein.
Wo kann ich auf Tour einkehren?
Das Hus Nr. 8 gilt als Institution und eines der ältesten Gasthäuser in Lech am Arlberg. In gemütlichem Ambiente lassen sich die Energiespeicher mit wechselnden regionalen Spezialitäten bestens auffüllen. Unsere Tipps: die Vorarlberger Kässpätzle und die Knödelvariation mit Schlutzkrapfen, Spinatknödel und Käsknödel.
Im Altstadt-Gasthaus zum Schwanen erwarten Wandernde in Füssen Traditionsgerichte wie Allgäuer Käsespätzle. Wer möchte, lässt sich von ausgefallenen Interpretationen wie Spinatknödel an Senfrahmsoße mit sautiertem Fenchel überraschen.
Infos zum Weg + Etappenübersicht
Der Lechweg kann entweder klassisch in sieben Tagen bewandert werden oder auch in acht oder sehr gemütlichen 10 Wandertagen. Außerdem gibt es noch die Frühlings- und Herbstvariante, die ab Mitte Mai bzw. bis in den November als verkürzte Wanderroute von Steeg im Lechtal bis Füssen im Allgäu führt (rund 80 Kilometer). Darüber hinaus erweitern acht Lechschleifen die einzelnen Abschnitte. Wir stellen euch hier die klassische 7-Tage-Variante des Lechwegs vor:
Etappe 1: Quelle–Lech a. a.
15 km, 4,5 h, 500 Hm, mittel
Im Wanderbus (Linie 707) von Lech am Arlberg zur Lechquelle am Formarinsee. Ein naturbelassener alpiner Steig führt am Bach entlang stetig leicht bergab zurück in den Ort Lech. Sehr schöne, einfache Etappe zum »Eingehen«.
Etappe 2: Lech–Lechleiten
14,5 km, 4 h, 430 Hm, mittel
Meist breiter Wanderweg oberhalb von Lech zum Grenztobel Lech-Warth. Dann abschnittsweise am Fluss entlang, ehe ein langgezogener Anstieg hinauf nach Warth folgt, von dort noch etwa 30 Minuten bis Lechleiten.
Etappe 3: Lechleiten–Holzgau
17 km, 5 h, 610 Hm, mittel
Vom Start bis Steeg ein abwechslungsreicher Steig in leichtem Bergauf-bergab. Immer wieder schöne Aussichten. Nach Steeg wird es flacher, Schotterwege leiten parallel zum Fluss ans Ziel.
Etappe 4: Holzgau–Elbigenalp
13,5 km, 4 h, 490 Hm, mittel
Oberhalb von Holzgau über die wackelige Hängebrücke, Alternative durchs Höhenbachtal möglich. Anschließend bis Stockach über mehrere Holzstege und kleine Brücken, dann bis Bach teilweise recht steiler Steig über Benglerwald nach Bach. Dann überwiegend flach am Lech zum Ziel.
Etappe 5: Elbigenalp–Stanzach
19,5 km, 6 h, 510 Hm, schwer
Bis Häselgehr flach durch Auen, dann auf dem Panoramaweg nach Elmen: Zunächst durch Buchenwald auf eine Anhöhe mit Blick auf den Lechzopf und anschließend auf einem Feldweg zum Lech. Dem bis Stanzach folgen.
Etappe 6: Stanzach–Wängle
21,5 km, 6 h, 150 Hm, schwer
Zunächst flacher Schotterweg am Fluss, bei Ehenbichl zweigt der Weg Richtung Norden ab und führt durch einen Wald und ausgedehnte Wiesen nach Wängle.
Etappe 7: Wängle–Füssen
25 km, 8 h, 810 Hm, schwer
In Serpentinen hoch zur Costarieskapelle, anschließend hinab nach Hinterbichl und am Lech nach Pflach. Zum Finale ein langer Anstieg zum Alpsee und über den Lechfall hinab nach Füssen.
7 interessante Fakten aus den Lech-Regionen
Wusstet ihr zum Beispiel, dass...
1. ...eine Lechtaler Destillerie nur durch Zufall exzellenten Gin gebrannt hat? Der "Lechweg Kramat" besteht aus Minze, Kamille, Lavendel, Engelwurz, Hagebutte und natürlich aus Wacholder. Wer ihn probiert, schmeckt leichte Harztöne und einen frischen Hauch Zitronenmelisse. Der Begriff Kramat stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet den Hauptbestandteil dieses Brandes: den Wacholder, der hier überall im Lechtal wächst. Entstanden ist der Gin eigentlich eher aus Zufall, als die Destillerie "Lechtaler Haussegen" einen neuen, regionaltypischen Brand kreieren wollte und dabei der Lechweg Kramat herauskam. Tipp: Wer möchte, kann die Brennerei Lechtaler Haussegen besuchen und verschiedene, hausgemachte Brände testen.

2. … sich die Lechtaler Kräuterhexen zusammengetan haben, um einen ganz besonderen Kräutertee zu kreieren? Sieben Kräuterexpertinnen haben ihr fundiertes Wissen ausgetauscht und die hochwertigsten Kräuter und Blüten des Lechtals zu einem Tee gemischt. Alle Zutaten wachsen an besonderen Orten entlang des Lechs, vom Ursprung am Formarinsee bis nach Füssen. Sie werden von Hand gepflückt, getrocknet und anschließend in liebevoller Kleinarbeit verpackt. Tipp: Mehrere Geschäfte entlang des Lechwegs bieten den Tee zum Verkauf an.
3. … Licht hoch über Lech neu wahrgenommen werden kann? Verantwortlich für dieses einzigartige Erlebnis ist das Skyspace Lech. Er befindet sich am Tannberg auf 1.780 Metern Höhe und ist teils in den Berg hineingebaut. Die begehbare Kunstinstallation, mit der Idee des amerikanische Lichtkünstler James Turrell, ist ein mystischer Lichtraum mit auffälliger Kuppel, die bei schönem Wetter offen ist und das Licht geheimnisvoll einfängt. Highlight ist das sogenannte Ganzfeld, das den Betrachter die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung hautnah erleben lässt. Tipp: Zum Sonnenaufgang oder -untergang kommen, hier sind die Farben des Lichts besonders schön.

4. ... dass die Füssener Geigenbauer einst den Geigenmarkt in den großen europäischen Kunstmetropolen beherrschten? Der in Wien ansässige Franz Geißenhofer setze im 18. Jahrhundert mit seinen Instrumenten so hohe Maßstäbe, dass sich die österreichische Hauptstadt neben Paris und London als führendes europäisches Geigenbau-Zentrum etablieren konnte. In Wirklichkeit aber kam der angesehene Geigenbauer aus Füssen, wo dieses Handwerk damals bereits seit vielen Jahren perfektioniert wurde. Allein im 18. Jahrhundert waren 80 Geigenmacher in der kleinen Stadt tätig, deren Instrumente in ganz Europa sehr begehrt waren. Tipp: Das Stadtmuseum im Benediktinerkloster St. Mang dokumentiert die Geschichte der Füssener Saiteninstrumente.
5. … der Lechweg seine Entstehung einem sturen Einheimischen zu verdanken hat? Der in Lech am Arlberg heimische Hubert Schwärzler leitete über Jahrzehnte die Geschicke des Verkehrsamtes Lech und prägte nachhaltig die touristische Ausrichtung der Region. Seit er in den 90er-Jahren den Jakobsweg für sich entdeckt hatte, war ihm klar, dass so etwas in seiner Region fehlte. Mit dieser Idee war er seiner Zeit voraus, sein Traum ging 2011, erst zehn Jahre nach seiner Pensionierung, in Erfüllung. Heute ist der Lechweg das Bindeglied zwischen den einzelnen Orten entlang einer der letzten Wildflüsse Europas.
6. ... dass die Geierwally die erste weibliche Schülerin der Münchner Kunstakademie war und später eine erfolgreiche Porträt- und Blumenmalerin? Die Geschichte des mutigen Tiroler Bauernmädchens, das im Ötztal, an einem Seil hängend, in einer steilen Felswand einen Adlerhorst ausnahm ist nicht nur eine Geschichte. Die Geierwally gab es wirklich. Anna Stainer-Knittel kam aus dem Dorf Elbigenalp im Lechtal und war ein frühes Beispiel für Frauenemanzipation, sie trug Hosen, kurze Haare und wählte sich ihren Ehemann selbst aus. Später wurde sie auf der Kunstakademie als erste weibliche Schülerin aufgenommen und wurde für viele Frauen zum Vorbild. Tipp: In Elbigenalp im nach ihr benannten Restaurant den Wirt nach der Geschichte fragen – niemand kann sie lebhafter erzählen.
7. ... der Doser Wasserfall im Herbst pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk versiegt, um dann fünf Monate später wieder loszusprudeln? Jahr für Jahr versiegt sein Wasser pünktlich am 11. November und sprudelt dann wieder ab dem 23. April. Noch hat niemand das Rätsel für dieses Phänomen endgültig klären können. Die Wissenschaftler glauben an einen unterirdischen See, der durch die Schneeschmelze überläuft. Die Legende allerdings erzählt von einem Drachen, der vor der Quelle seinen Winterschlaf hält und im Frühjahr pünktlich erwacht












