Alpencross-Routen - Alpenüberquerungen

Die schönsten Wege über die Alpen

Foto: Boris Gnielka Tested on Tour  08/2011
Die Alpen aus eigener Kraft zu überqueren ist kein Ding der Unmöglichkeit! Die schönsten Routen und viele nützliche Planungstipps hier ...
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Die einen schütteln den Kopf: eine sinnlose Tortur. Die anderen wälzen Wanderführer, gehen joggen, schreiben Packlisten und kürzen sie, bis sie auf einen Bierdeckel passen. Im Juli, August oder September, wenn die meisten Pässe schneefrei sind, ist es dann so weit: Die Alpenüberquerer schultern ihren Rucksack. Der erste Tag ist der härteste. Der zweite ist noch härter. Zehn Kilo Gepäck und mehr fühlen sich nach ein paar Stunden Tragen überraschend schwer an. Der Selbstzweifel wiegt eine Tonne. Wer am dritten Tag nicht aufgibt, hat gute Chancen, ans Ziel zu kommen. Die längste Alpenquerung, die fast 2500 Kilometer lange rote Via Alpina, verläuft von West nach Ost. Mit ihren 161 Etappen eignet sie sich aber nur für Aussteiger.

Eine der beiden kürzesten Strecken zu Fuß ist die von Oberstdorf nach Meran (E5). Sie dauert eine Woche, das schafft man auch, ohne den Job an den Nagel zu hängen. Der Fernwanderweg E5 steht bei Anfängern hoch im Kurs, er wird jedoch oft unterschätzt.

Leichter fällt die ebenfalls einwöchige Route vom Tegernsee nach Sterzing, und auch der stolze 37 Etappen lange Weitwanderweg "Alpe-Adria-Trail" verläuft vorwiegend im nicht alpinen Bereich.

Der Klassiker unter den Alpenüberquerungen bleibt aber der Traumpfad München–Venedig: vier Wochen raufrunter, rauf. Tal, Pass, Tal, über die Alpen, bis zur Adria. Macht 20.000 Höhenmeter alleine bergauf. Jeden Tag sechs bis acht Stunden laufen, von Hütte zu Hütte, insgesamt 554 Kilometer. Hart. Aber ein Spaziergang ist keine dieser Alpenüberquerungen. Bergerfahrung, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Fitness sind Voraussetzung.

Die benötigte Ausrüstung bleibt überschaubar: Bergstiefel, Wanderstöcke, zwei Outdoor-Hosen und Merino-Shirts, zweimal Unterwäsche, zwei Paar Wandersocken, Fleece, Regenjacke, Handschuhe, Mütze, Sonnenbrille, Sonnencreme, Hüttenschlafsack, Zahnbürste. Damit ist die Liste schon fast komplett.

Auf beliebten Transalp-Routen wie dem "Traumpfad München–Venedig" bilden sich oft richtige Wandergemeinschaften. Man läuft im gleichen Takt, trifft sich abends auf den Hütten wieder, teilt Lust und Frust. Viel zu schnell liegt der letzte Alpenpass hinter einem. Mit stolzgeschwellter Brust und reichlich ausgeleierten Knien geht es zur Ziellinie. Alpencross geschafft! Und am Ende. Eine Alpenüberquerung geht selbst mit Pausentagen nicht spurlos am Körper vorüber. Für die einen bleibt es ein einmaliges Abenteuer. Die anderen ziehen immer wieder los. "Du kannst in ein Flugzeug steigen und ans Ende der Welt fliegen", sagen sie. "Aber nach dreißig Tagen Fußmarsch warst du viel weiter weg."

Zu Fuß über die Alpen: Für viele Wanderer eine der packendsten Erfahrungen. Entweder man geht das Abenteuer auf eigene Faust an, dann bedarf es einer guten Vorbereitung. Mit Gepäcktransport, Guide und festgelegten Unterkünften wird die Alpenüberquerung jedoch zu einem noch unbeschwerteren Vergnügen. Strecken-Beispiele, geführte Touren und mehr hier:

Die schönsten Wege über die Alpen

15.12.2018
Autor: outdoor | Lena Jauernig
© outdoor
Ausgabe 01/2018