Bouldern Tschinie Ralph Stöhr

Kletterjargon

Vokabeltest: A muerte bis Try hard Face

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Von A Muerte und Affenindex über Try-hard-Face bis Run-in: Hier werfen wir einen Blick auf das interessanteste alte und neue Klettervokabular. Kennst du die Begriffe?

So, wie das Wort "Bouldern" sich vor vielen Jahren im Deutschen Kletterjargon – und später auch im allgemeinen Sprachgebrauch – verbreitet hat, erscheinen natürlich auch weiterhin regelmäßig neue und alte Wörter im Klettervokabular. Zwar bieten wir an anderer Stelle schon einen großen Überblick über das Kletter-Fachchinesisch, doch wollen wir eine Handvoll neuere sowie wichtige Vokabeln hier betrachten.

A Muerte (wörtlich: bis zum Tod) Spätestens seit Chris Sharma im Norden Spaniens lebt, gehört ein nachdrückliches A Muerte! zum regulären Repertoire der Anfeuerungsrufe und verbreitet sich rasant. Klingt ein bisschen weltläufiger als gib alles! und bringt‘s auch dann, wenn ›Venga! nicht mehr wirkt.

Affenindex Die Differenz von Körpergröße zu Spannweite. Beispiel: Bei einer Größe von 1,70 Metern und einer Spannweite von 1,78 Metern beläuft sich der Affenindex (auch: Ape Index) auf plus acht. Je positiver der Index, desto günstiger die Hebelverhältnisse fürs Klettern, so nimmt man jedenfalls an.

Beta Information zur Lösung einer Kletterstelle. Heute lässt sich fast jede Lösung bei Youtube ergoogeln. Auch zu Beginn des Sportkletter-Booms war ein Video der richtigen Bewegungssequenz schon wertvoll. So soll der Begriff Beta vom Video-Format Betamax herrühren. Ähnlich wie auch das VHS-Format ist die Technologie passé, doch um eine Lösung zu finden, dafür sorgt erklärende Beta (oder eben ein Video) heute immer noch.

Crimp, crimpen Kleine Griffe zuballern kommt bei aller neumodischen Rumhüpferei (›Parkour-Style) vermutlich nie aus der Mode. Nur dass man eben auf Neudeutsch jetzt auch crimpen dazu sagt, von crimp (englisch), der Leiste.

Campussen Die deutsche Entsprechung wäre Hangeln, also das Fortbewegen von Griff zu Griff ohne Fuß-Einsatz – genau wie beim Training am (namensgebenden) Campusboard. Zur Verwirrung trägt natürlich bei, dass Hangeln in manchen Regionen bedeutet, auf Gegendruck zu klettern, also zu piazen oder dülfern, wie man es in wiederum anderen Regionen nennt.

Go aus dem Englischen stammende Kurzform für Versuch. Beim nächsten Go klappt's.

Low Percentage Move Wenn die Wahrscheinlichkeit des Gelingens bei einem Zug sehr gering ist. Oftmals gebraucht für bewegungstechnisch und krafttechnisch anspruchsvolle sowie präzisionslastige Züge, die man selbst mit gründlichem Ausbouldern und vielen Versuchen nur selten schafft. Auch als unsichere oder delikate Kletterei bekannt.

Kletterjargon Matchen Griffwechsel
Ralph Stöhr
Matchen: früher auch Griffwechsel genannt

Match, matchen Ähnlich dem ›Crimpen und ›Pinchen bürgert sich mit dem Matchen eine englische Vokabel ein, die eben kürzer (und cooler?) ist als ihr deutsches Gegenstück; in diesem Fall der Griff- oder Trittwechsel oder das entsprechende Verb.

New School steht als Überbegriff für heute angesagte Klettermoves, wie sie im ›Parkour-Style vorkommen. Umfasst meist bewegungstechnisch anspruchsvolle Züge wie Sprünge, ›Run-ins, Schieberei an ›Volumen oder auch schlichtweg stark überhängende Kletterei. Definiert sich auch aus dem Gegensatz zur Old School, bei der das Klettern hauptsächlich an senkrechten und kleingriffig-kompakten Wänden stattfand, die uns heute schon mal unverhältnismäßig schwer vorkommen und großteils unbeliebter sind als vor 20 Jahren. Außer natürlich bei Old-School-Kletterern.

Offene Tür Im normalen Sprachgebrauch sind offene Türen eher positiv besetzt, immerhin kann man hindurchgehen. Doch beim Klettern mündet die aufgehende Tür meist in einem Sturz, steht das Bild doch für einen seitlich aus der Wand kippenden Körper.

Parkour-Style, auch Zirkus-Style (ja, Style!) genannt, bezieht sich der Begriff auf hauptsächlich beim Bouldern auftretende Bewegungsanforderungen, die meist dynamisch und hochkoordinativ sind, wie zum Beispiel ›Run-ins oder ›Weiterleiter. Diese ›New School Moves kommen zwar auch gelegentlich am Seil vor, sind aber ob der spektakulären Bewegungen vor allem beim Boulderpublikum beliebt.

Kletterjargon Pinchen Zange
Ralph Stöhr
Zange, auch Pinch genannt

Pinch, pinchen bezeichnet einen Zangengriff, oder eben das Festhalten einer Zange, was vermutlich ob der Wort-Länge in gewissen Kreisen dem Pinchen weicht.

Pogo-Move Früher fand Pogen auf der Tanzfläche statt, heute nennt man auch das Schwungholen mit Körperteilen (hier dem linken Bein) so.

Kletterjargon: Pogobein im Einsatz
Ralph Stöhr
Das Pogo-Bein holt Schwung

Run-in – Wer den Boulder-Weltcups folgt, weiß Bescheid: Beim Run-in wird die Startposition dynamisch eingenommen, sie erfolgt durch Anlauf oder Springen zu den Startgriffen. Ich habe Routenbauer auch schon von Rennern sprechen hören.

Run-in-Start Renner Bouldern
Ralph Stöhr
Run-in-Start, früher hätte man vielleicht gesagt: mit Anlauf

Top, toppen Wenn mit dem Top der abschließende Griff eines Boulders (auch Topgriff genannt) erreicht ist, lässt sich der Durchstieg auch mit Toppen beschreiben. Abgeleitet vom englischen to top erinnert die andere umgangssprachliche Bedeutung des Wortes im Deutschen (etwas oder jemanden übertreffen) passenderweise an triumphale Überlegenheit. Also schon in etwa so, wie sich der Durchstieg anfühlt. Meistens.

Toe-catch Der Toehook hat sich schon etabliert, der Toe-catch ist sein dynamischer Bruder, also ein aus dem Schwung heraus geworfener Toehook. Ja: geworfen – denn zum Legen hat man nicht genug Zeit, bevor der Körper wieder zurückschwingt.

Try Hard Face Hat sich vor allem als Hashtag in diversen Netzwerken etabliert. Schriftliche Verlegenheitsgeste, die den von Anstrengung geprägten Gesichtsausdruck entschuldigt (oder auch feiert).

Venga Was in Frankreich Allez!, zu Deutsch Auf geht’s! und auf Japanisch Gamba!, lautet auf Spanisch: Venga!

Volumen Aus modernen Boulderhallen nicht mehr wegzudenkende, vorübergehend angeschraubte Kisten, Kugeln oder Pyramiden, die Topographie und Neigung der Wand verändern. Die auch Module genannten Volumen (oder englisch ausgesprochen Volumes) zählen grundsätzlich als Wand, dürfen also meist mitbenutzt werden. Oftmals muss man das auch.

Weiterleiter Auch Mehrfach-Dynos genannte, spektakuläre Kunststücke aus dem modernen Bouldern und ›Parkour-Style, bei denen der Sprung nicht vom einen zum nächsten, sondern vom einen Griff zum nächsten und über- oder überübernächsten Griff geht und der Schwung mitgenommen oder eben weitergeleitet werden muss. Weltcup-Kommentator Charlie Boscoe nennt sie auch gern One-two-three.

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