Bouldern am Furkapass Harald Röker

Granit für Gourmets: Bouldern am Furkapass

Bouldergebiet Furkapass Granit für Gourmets: Bouldern am Furkapass

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Am Furkapass lässt sich nicht nur perfekt alpinklettern: Auch ein Bouldergebiet verspricht im Sommer geniale Züge und Boulderspaß unter Gletschern.

Im Sommer ist es zum Bouldern fast überall zu heiß. Nicht so am Schweizer Furkapass: Hier warten edle Granitboulder vor alpiner Kulisse.

In diesem Artikel:

Wo, was, wann: Die wichtigsten Infos zum Bouldern am Furkapass

Achtung Alpin! Eine Grundkondition sollte man mitbringen und sich in alpinem Gelände orientieren und bewegen können. Gutes Schuhwerk ist zwingend nötig, eine topografische Karte hilfreich (Swisstopo Blatt 1231 Urseren). Warme Kleidung, Regenjacke, Sonnenbrille und -creme gehören ins Gepäck, vor dem Aufbruch sollte ein Wetterbericht für die Region konsultiert werden.

Bouldern am Furkapass
Harald Röker
Viel alpiner geht es beim Bouldern kaum. Die Sektoren Oben und Wasserfall zu Füßen von Galenstock, Gletschhorn und Tiefengletscher.

Bouldern Derzeit bietet der Furkapass rund 400 Boulder, verteilt auf zehn Sektoren. Die Blöcke liegen auf 2200 bis 2600 Metern. Der Granit ist relativ Haut-intensiv, die Kletterei sehr abwechslungsreich von technisch-plattig bis extrasteil-athletisch. Bis Fb 5 sind etwa 120 Boulder geboten, zwischen 6A und 6B+ sind es über 150. 90 weitere kommen im Bereich 6C bis 7A+ hinzu, nur der Bereich ab 7B ist mit rund 25 noch unterrepräsentiert. Es warten aber eine Menge ungeputzte Linien sowie einige Projekte. Das Absprunggelände ist meist mittel bis stark verblockt, von Low- bis Highball ist alles vorhanden.

Anfahrt Auf der Furkapassstraße von Andermatt-Realp bis zu Parkplätzen 200 Meter nach dem Ortsende von Tiefenbach (GPS 46.59437, 8.45843). Hier zweigt auch das Sträßchen zum Parkplatz "Tätsch" ab (GPS46.59536, 8.47048, 1,4 km ab Straße, Ticketautomat, 7 CHF). Oder mit dem Zug nach Andermatt, von wo zweimal täglich das Postauto nach Tiefenbach fährt.

Bouldern am Furkapass
Gebro Verlag
Das Bouldergebiet Furkapass im Überblick

Übernachtung Hotel Tiefenbach (Touristenlager, Zimmer), Albert-Heim-Hütte (Voranmeldung!), Gotthard-Camping in Andermatt.

Führer Ulrich & Harald Röker: swissBloc°1, 4. Auflage 2020. Die Schweizer Nationalkarte gibt es auch online (map.geo.admin.ch). Boulderführer Swiss Bloc 1 direkt hier im KLETTERN-Shop kaufen (36 Euro)

Beste Zeit Aufgrund der Höhenlage ist die Bouldersaison kurz. Die besten Bedingungen findet man von Ende Juni bis zum ersten großen Schneefall (meist Ende Oktober). Manchmal kann aber schon Ende September Schluss sein, in anderen Jahren ist Bouldern bis weit in den November möglich. Hilfreich ist ein Blick auf die Webcam unter albertheimhuette.ch – eine Kamera ist direkt auf die Sektoren Unten, Oben und Wasserfall ausgerichtet.

Bouldern am Furkapass
Joel Häfliger
Starke Schultern hilfreich: 'The Sentinel' (6C+)

Edle Steine: Das Bouldergebiet Furkapass

Wenn unter Kletterern vom Furkapass die Rede ist, denken die allermeisten sofort an mächtige Wände aus genialem Granit wie die Graue Wand mit der wunderschönen Niedermann oder Conquest, einem der ganz großen Klassiker des alpinen Sportkletterns. Oder an den Hannibal-Turm mit seinen neueren Routen. Oder an gemütliche Klassiker wie den Südgrat am Gletschhorn oder die Galengrat-Verschneidung. Wer nicht nur im Fels, sondern auch im winterlichen Gebirge unterwegs ist, denkt vielleicht noch an den 3586 Meter hohen Galenstock als Skihochtouren-Ziel. Nur ans Bouldern denkt keiner. Bouldern am Furkapass? Achselzucken, fragende Blicke. Während andere Schweizer Pässe wie Gotthard und Susten seit Jahren als perfekte Ziele für die heiße Jahreszeit bekannt und beliebt sind, geht es in der Furkaregion bouldertechnisch ziemlich ruhig zu. Sicher wurde schon Jahre oder gar Jahrzehnte zuvor Hand an einzelne Blöcke gelegt, doch erst 2014 begannen wir – eine Gruppe von Freunden aus dem Raum Luzern – mit der systematischen Erschließung der Bouldermöglichkeiten dort oben. Inzwischen findet man rund um die Albert-Heim-Hütte circa 400 Probleme, von denen etwa drei Viertel im moderaten Bereich bis 6C liegen. Der große Hype ist bislang aber nach wie vor ausgeblieben.

Bouldern am Furkapass
Harald Röker
Attacke ist für Joel Häfliger angesagt, um in 'Boomer' (7A+) im Sektor South Side zum Top zu kommen – wo der Panoramablick zum Galenstock wartet.

An der Qualität der Blöcke liegt dies sicher nicht! Denn egal, ob man sich in alpinen Wänden tummelt oder doch lieber in Absprunghöhe klettert, der Fels bleibt der gleiche: bombenfeste Granite und Gneise in allen möglichen Farben von gelb und rot über grau bis schwarz prägen die ganze Region. Und die Kletterei? Feine Reibungsplatten, Kanten und bissige Leisten, aber auch athletische, steile Boulder an großen Slo­pern – es ist alles da, was das Herz begehrt!

Bouldern am Furkapass
Samuel Burri
Benji Stadelmann schleicht über die feine 'Lil Mo' (6A+) zum Gipfelblick auf die Graue Wand. In der hohen, glatten Platte rechts warten noch Projekte.

Seit der Veröffentlichung im Swiss Bloc 1 aus dem Gebro-Verlag im Frühjahr 2020 liegt auch ein Boulderführer vor. Wer nun noch die Bürde der oft längeren Zustiege auf sich nimmt, wird mit großartigen Blöcken in einer genialen hochalpinen Szenerie belohnt: Bouldern unter Gletschern und hohen Wänden, inmitten von Fels, Eis und Schnee, reißenden Bächen und weiten Schwemmebenen. Egal ob Genussboulderer oder Profi – am Furkapass kommen Naturmenschen voll auf ihre Kosten. Die Zustiegszeiten zu den Sektoren des weitläufigen Gebietes rund um die Albert-Heim-Hütte betragen zwischen 15 und 75 Minuten, eine gewisse Kondition sollte man also mitbringen. Und das alpine Gelände nicht unterschätzen: Manchmal ist Trittsicherheit gefordert, eine gewisse Orientierungsfähigkeit im Gebirge ist ebenfalls sehr hilfreich. Einmal bei den Blöcken angekommen, wird man für alle Strapazen entschädigt. Da alle Sektoren auf deutlich über 2000 Meter liegen, wird das atemberaubende Panorama nirgends von Bäumen eingeschränkt. Nichtsdestoweniger ist die Landschaft in den einzelnen Sektoren sehr unterschiedlich.

Granit auf grüner Wiese

Bouldern am Furkapass
Joel Häfliger
Unten technisch anspruchsvoll, oben heißt es dranbleiben: Samuel Burri lässt in 'Dume Dröcke' (6C) im Sektor Oben nichts mehr anbrennen.

Der Sektor Schwemmebene liegt in einem Tal nordöstlich der Albert-Heim-Hütte, das – wie der Name schon ahnen lässt – von einer großen, bewachsenen Schwemmebene geprägt wird. Kleine Bäche durchziehen die Idylle und bieten an heißen Sommertagen eine willkommene Abkühlung. Nach etwa einer halben Stunde Zustieg erreicht man die ersten Blöcke. Das Gelände ist leicht verblockt mit einzelnen Ausnahmen zum Guten wie zum Schlechten, die meisten Blöcke sind gut zugänglich, und der Untergrund präsentiert sich weitgehend in Grün. Die meisten der rund 100 Boulder rangieren zwischen dem 5. und unteren 7. Fontainebleaugrad, was aber auch daran liegt, dass potenziell harte Linien schlicht noch nicht geputzt wurden.

Bouldern am Furkapass
Max Meier
Pressiges Vergnügen: Patrick Nussbaum kämpft sich durch seine Kreation 'Wildfire' (7A+), ein genialer, athletischer Handriss in der Schwemmebene oben.

Zu den schönsten Bouldern hier gehört sicherlich The Sentinel (6C+), eine überhängende, athletische Linie direkt an einem plätschernden Bach. Plattenfans kommen in The-exas (6A), Hey Sam (6A) und weiterer geneigter Kost zum Zuge. Meist lassen sich die Boulder mit einer Matte gut absichern. Einzelne Probleme wie Wildfire (7A+) oder The Explorer (7A) befinden sich jedoch in stärker verblocktem Gelände, dort sind mehrere Crashpads von Vorteil. Auf einem Plateau über der Schwemmebene thront der Sektor Universum. Bis hierher ist man rund eine Stunde unterwegs, der Aufwand lohnt sich aber allemal. Verglichen mit den anderen Sektoren ist das Universum eher klein, dafür sind Aussicht und Ambiente einzigartig. Längst verschwundene Gletscher haben zwischen den hohen Granitwänden von Winterstock und Lochberg glattgeschliffene Platten und zerfurchte Kuppen hinterlassen, in denen sich vereinzelt kleine Seen und Bäche bilden. Großartige Boulder wie Universum (6B), Super Troo­per (6C) und Milliways (7C+) werten das wunderbare Fleckchen Erde auch in sportlicher Hinsicht auf. Wie in den meisten Sektoren warten auch hier noch diverse Perlen darauf, geputzt zu werden.

Bouldern hochalpin

Bouldern am Furkapass
Harald Röker
Vereinzelt warten auch Highballs auf mutige Block-Artisten.

Die Sektoren Unten, Oben und Wasserfall sind Teil eines großen Blockfeldes, das deutlich höher liegt als die Schwemmebene, nämlich auf stolzen 2600 Metern. Grün sieht man hier selten, stattdessen dominiert ein raues, hochalpines Klima. Das Gelände ist leicht bis stark verblockt, mehrere Crashpads sind oft von Vorteil. An manchen Flecken liegt bis spät im Sommer Altschnee. Der Zustieg vom Parkplatz Tätsch dauert 50 bis 75 Minuten, vor allem die großen, roten Blöcke sind schon früh gut auszumachen. Zwischen den Blöcken tummeln sich gern Steinböcke, und die Nähe zum Tiefengletscher versorgt einen immer mit einer frischen Brise. Für perfekte "sending conditions" benötigt man hier keinen Ventilator. Die mehr als 200 Boulder sind sehr abwechslungsreich sowohl was Stil als auch Schwierigkeiten betrifft. Technische Linien wie Fury Road (6A+) oder Dume Dröcke (6C) werden kontrastiert von athletischen Bouldern wie Cinque Stelle (6B+), Team­line (7A), Crazy Diamond (7A) oder Game Control (7B). Und dank Harald Röker gibt es hier auch für Hardmover einiges zu tun: Flowtime (7C+), Rumo (8A+/B) und Zamomin (8B) sind grandiose Testpieces für echte Granitkönner. Schatzsucher kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Mit etwas Glück und Geschick findet man zwischen den Blöcken einen Rauchquarz, den man als Andenken mitnehmen kann.

Aber Vorsicht! Bei aller Begeisterung für edle Steine sollte euch stets bewusst sein, wo ihr euch befindet. Das Wetter kann rasend schnell von Sonnenschein zu dichtem Nebel oder einem heftigen Berggewitter umschlagen. Zieht also immer mit aktuellem Wetterbericht los und behaltet die Wetterentwicklung im Auge. Schafft ihr es doch nicht rechtzeitig vom Berg, finden sich überall Blöcke, unter denen ihr Schutz suchen könnt, bis sich die Lage beruhigt. Auf Masochisten wartet nur 20 Minuten entfernt ein Gletschersee. Vorsicht, der ist wirklich kalt, also nicht einfach reinspringen! Erholung für Körper und Gaumen Hinzu kommen weitere, kleine Sektoren sowie Einzelblöcke, die ebenfalls hervorragende Linien bieten. Wenn man sich den langen Zustieg einmal sparen möchte oder das Wetter unsicher ist, kann man sich im Sektor Hüttenzustieg oder – mit noch kürzerem Zustieg – im Sektor Zwischen den Bächen austoben. Etwas weiter ist es zum Sektor South Side. Dafür findet man dort rund 25 fast durchweg tolle Boulder zwischen 4A und 8A, darunter den erstklassigen Glacier Express (7B+). Wer zwischendurch doch mal zum Seil greifen möchte, für den gibt es an den eingangs erwähnten Gipfeln, am Winterstock oder an den Bielenhörnern reichlich zu tun. Wer "aktive Erholung" betreiben möchte, kann dies an leichten Dreier- und Viererklassikern wie dem Schildkrötengrat oder dem Strahlengrat tun. Sind Haut oder Muskeln komplett hinüber, warten Hochtouren oder viele hübsche Wandermöglichkeiten. Besonders zu empfehlen sind der Nepali Highway oder der Urschner Höhenweg. Spätestens wenn die Energie auch nicht mehr zum Wandern reicht, wird es Zeit, die Speicher stilvoll aufzufüllen: Das Hotel Tiefenbach, die Sidelen- und die Albert-Heim-Hütte bieten eine ausgezeichnete einheimische Küche. Willkommen am Furkapass: Granit für Gourmets.

Überblick: Die besten Boulder des Gebiets

Best of Furkapass: 30 Topboulder von moderat bis extrem

bis 6A+

  • Froschkante (4C),
  • T-Crack (5A)
  • Die Platte mit Charme (5B)
  • Max Muster (5B)
  • Softy (5C)
  • Hey Sam (6A)
  • The-exas (6A)
  • Ying & Yang (6A)
  • Furkaqueen (6A+)
  • Fury Road (6A+)

6B bis 7A

  • Rolling Stone (6B)
  • Meteora (6B)
  • Super Trooper (6C)
  • Dume Dröcke (6C)
  • Comfortably Numb (6C)
  • The Sentinel (6C+)
  • The Dark Matter (6C+)
  • Crazy Diamond (7A)
  • Teamline (7A)
  • Another Brick in the Wall (7A)

7A+ bis 8B

  • Carmina Burana (7A+)
  • Wildfire (7A+)
  • Glacier Express (7B+)
  • Aquarius (7B+)
  • Sundowner (7B+)
  • Mille Miglia (7B+)
  • Milliways (7C+)
  • Flowtime (7C+)
  • Rumo (8A+/B)
  • Zamomin (8B)
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