Wandern in den Dolomiten - die Highlights
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Dolomiten – Fanes: Touren rund um Cortina Gerhard Eisenschink
Dolomiten – Fanes: Touren rund um Cortina
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Dolomiten – Fanes: Touren rund um Cortina
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Cortina d'Ampezzo: Basis für Touren in den Dolomiten

Cortina d’Ampezzo Basislager für Touren in die Dolomiten

Cortina d'Ampezzo ist umgeben von Dolomitengipfeln, die teilweise über 3000 Meter aufragen. Ein Paradies für Wanderer und Aktivurlauber! 

Cortina d'Ampezzo liegt in der italienischen Provinz Belluno in Venetien. Internationale Berühmtheit erlangte Cortina durch die Ausrichtung der olympischen Winterspiele 1956 und bereits in den 1930er Jahren durch die ersten Luis-Trenker-Bergfilme. Kein Wunder, denn mächtig ragen hier die Ampezzaner Dolomiten gen Himmel. Wer will, sucht sich in der Region um Cortina einen besonderen Wegweiser für seine Touren aus: das Wasser. Beste Jahreszeit dafür: Juli bis September.

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Dolomiten – Fanes: Touren rund um Cortina
Ampezzaner Dolomiten aus Heft 10/2021 Die Top-Touren rund um Cortina d'Ampezzo
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Die 5 Top-Touren bei Cortina d'Ampezzo im Detail

1. Fanes-Wasserfälle

Von der Ponte Felizon im Boitetal taleinwärts, über den Bach. Dann rechts vom Fanesbach zum Abzweig Pian di Loa. Über den Bach, hinauf zur Ponte Alto. Dahinter rechts, auf der Via ferrata G. Barbara zum Unteren Fanes-Wasserfall, hinab zum Grund und zur südl. Schluchtwand. Auf die Via ferrata Lucio Delaiti, weiter aufwärts. Auf Weg Nr. 10 zum Klettersteig Sbarco de Fanes, auf Sentiero attrezzato alla cascata abwärts zum Oberen Fanes-Wasserfall. Unter ihm durch und hinauf. Rechts vom Bach taleinwärts, ans linke Ufer, zur Fanesstraße. Auf ihr zum Start.

Mehr zum Thema:
Länge 10,30 km
Dauer 3:34 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 459 Meter
Höhenmeter absteigend 459 Meter
Tiefster Punkt 1334 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Auf abenteuerlichen Wegen erkunden Wandernde die Wasserfälle im Fanestal.

2. Lagazuoi-See

Per Lagazuoi-Bahn zur Bergstation. Abstecher auf den Kleinen Lagazuoi, dann über die Wege 401 und 20 hinab aufs Lagazuoi-Plateau, Abstecher zum Lagazuoi-See. Weiter zur Scotoni-Hütte. 100 Meter zurück, auf Weg 20 A durch ein Hochtal, zur Selares- Scharte. Hinab zum Falzarego-Pass.

Mehr zum Thema:
Länge 13,01 km
Dauer 5:32 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 527 Meter
Höhenmeter absteigend 1112 Meter
Tiefster Punkt 2687 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Lago Federa

Weg 437 führt vom Parkplatz Ponte di Rocurto (Giau-Passstraße) zum Rio Costeana. Auf der Ponte di Rocurto hinüber, zur nächsten Brücke und hinauf ins Valle Formin. Später nach links über den Bach, in Kehren hinauf zum Abzweig. Auf Weg 434 geradeaus bergauf. An der Ostseite des Croda da Lago entlang, hinab zu Lago Federa und Rif. Croda da Lago. Weg 434 hinauf zur Forcella. Hier auf Weg 435 nach rechts zur Westseite der Croda. Bergab, dann aufwärts zu einem Hochtal. Auf Weg 437 zurück.

Mehr zum Thema:
Länge 12,81 km
Dauer 5:38 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 810 Meter
Höhenmeter absteigend 810 Meter
Tiefster Punkt 1700 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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4. Valparola-See

Auf Weg 424 vom Fort Tre Sassi zum Rifugio Valparola und dem Weg 23 Richtung Col di Lana eine Weile folgen, dann auf unbeschildertem Weg hinab zum Valparola-See. Zurück auf Weg 23 und bergauf zum Kamm. Auf Weg 21 zu Monte Sief und Col di Lana. Langer Abstieg Richtung Castello, hinauf Richtung Valparola-Pass.

Mehr zum Thema:
Länge 17,51 km
Dauer 7:22 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1042 Meter
Höhenmeter absteigend 1049 Meter
Tiefster Punkt 2175 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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5. Lago Bai di Dones

Vom Rif. Bai di Dones (Falzarego-Passstraße) zum Lago Bai di Dones. Danach auf Weg 425 Richtung Rif. 5 Torri hinauf. Noch davor im Zickzack hoch zum Torre Grande. Links halten, im Uhrzeigersinn drumrum. Im Zickzack zwischen kleineren Torri hindurch und durch einen Einschnitt. Auf Weg 425 nach links zum Rif. Scoiattoli, Richtung Averau, abwärts auf Weg 440 zum Rif. Bai di Dones.

Mehr zum Thema:
Länge 8,37 km
Dauer 3:15 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 438 Meter
Höhenmeter absteigend 435 Meter
Tiefster Punkt 1893 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Tipps zur Planung eurer Reise

  • Hinkommen: Mit dem Auto über die Brennerautobahn und durchs Pustertal bis Toblach, von dort über die SS 51 nach Cortina d’Ampezzo. Mit der Bahn z. B. von München über Franzensfeste nach Toblach und mit dem Anschlussbus (sad.it) nach Cortina d’Ampezzo (45 Minuten). Info: bahn.de, serviziampezzo.it – die nächstgelegenen Flughäfen sind Venedig (Marco Polo, 160 km), Treviso (Canova, 130 km). Zum Flughafen Marco Polo und zum Bahnhof Venezia-Mestre besteht mehrmals täglich ein Bustransfer.
  • Rumkommen: Wer kein Auto dabei hat, kann auf das Bus-Netz zurückgreifen, Fahrpläne: serviziampezzo.it. Einige Berghütten sind gut mit der Seilbahn zu erreichen. Die Lagazuoi-Seilbahn verkehrt z. B. in der Sommersaison (12. Juni bis 24. Okt.) von 9 Uhr bis 17 Uhr alle 15 Minuten, der 5-Torri-Sessellift von 9 Uhr bis 16 Uhr 30. 5torri.it, lagazuoi.it
  • Orientieren: Die Carta Turistica »Parco Naturale delle Dolomiti d’Ampezzo«, 1 : 25 000, 7,50 Euro und den Wanderführer »Hiking In The Ampezzo Dolomites« (englisch), 10 Euro, beide herausgegeben vom Naturpark Dolomiti d’Ampezzo, bekommt man u.a. beim Info-Büro des Naturparks in der Via Frenademez 1 (Ciasa de Ra Regoles) in Cortina d’Ampezzo. Ebenfalls empfehlenswert: Rother Wanderführer »Dolomiten 6«, 14,90 Euro und Kompass Wanderkarte Nr. 617 »Cortina d’Ampezzo, Dolomiti Ampezzane«, 1 : 25 000, 9,99 Euro. Tipp: Wer sich für die Pflanzenwelt der Dolomiten interessiert (und Italienisch versteht), kann sich den Pflanzenführer »Atlante floristico delle Dolomite D’Ampezzo« (270 Seiten) auf der Internetsite des Naturparks Dolomiti d’Ampezzo kostenlos herunterladen: dolomitiparco.com Materiali Pubblicazioni
  • Informieren: lagazuoi.it, cortinadelicious.it, dolomitiparco.com. Oder am Info-Point Cortina (Corso Italia, 81).

Übernachtungsmöglichkeiten

  • Basislager für Outdoorer: Das auf 1550 Metern gelegene Hotel Villa Argentina im Cortinaer Ortsteil Pocol ist ein beliebter Stützpunkt für Wanderer und Radler (auch Gruppen). Entsprechend reichlich fallen die Mahlzeiten aus, am Abend gibt’s ein leckeres Salat und Vorspeisen-Buffet. Für Entspannung sorgen Finnische Sauna und Türkisches Bad. DZ (2 Pers.) ab 94 Euro. hotelargentinacortina.it
  • Historische Berghütte: Am Federa-See liegt das Rifugio Croda da Lago (2046 m) mit Blick auf gewaltige Bergwände. Zur Entspannung steht mitten in der Natur ein Saunabottich. Hüttenwirtin Monica ist bekannt für ihren hausgemachten Strudel. 33 Euro (Mehrbettzimmer), Frühstücksbuffet: 10 Euro. crodadalago.it
  • Eigenes Dach: Rotfichten und Lärchen beschatten den Campingplatz am Boite-Fluss drei Kilometer nördlich von Cortina d’Ampezzo. Er liegt direkt am Wanderwegenetz und am Dolomitenradweg. Eine Person, Zelt, Auto, in der Hauptsaison (Juli/August): 22,50 Euro. Tel. 00 39/04 36/50 57, campingolympiacortina.it
  • Hotel Al Larin : Zwei Kilometer entfernt von der Innenstadt Cortinas bietet es Wanderern eine gemütliche Basis; die Touren beginnen direkt vor der Haustür. DZ mit Frühstück ab 110 Euro., Tel. 0039/0436/861341, hotelallarin.com
  • Hotel Montana: Direkt in der Fußgängerzone gelegen, ist es das richtige Quartier für alle, die gern Einkaufsbummel unternehmen und durch Cafés ziehen. DZ mit Frühstück gibt es ab 120 Euro. Tel. 0039/0436/862126, cortina-hotel.com
  • Park Hotel Faloria: Viersterne-Hotel besitzt einen schönen Wellnessbereich mit Pool und Sauna. Es liegt etwas außerhalb von Cortina, der Fußweg dauert eine halbe Stunde. DZ mit Frühstück ab 110 Euro. Tel. 0039/0436/2959, parkhotelfaloria.it
  • Camping Cortina: Tel. 0039/0436/867575, campingcortina.it. Sechs Kilometer außerhalb von Cortina; beherbergt seit 1957 Urlauber mit Zelt oder Reisemobil.
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Gerhard Eisenschink
Schon allein für den Apfelstrudel von Hüttenwirtin Monica lohnt die Tour zum Rifugio Croda da Lago.

Einkehr & Restaurants

  • Schlemmen mit Aussicht: Auf der Terrasse des Rifugio Dibona sitzt man zu Füßen der gewaltigen Tofana, blickt weit über die Bergwelt und lässt sich mit Gerichten wie Ravioli mit Roter Bete und Ricotta verwöhnen. Tel. 0039/ 0436/860294
  • Feinschmecker-Hütte: Für seine gute Küche ist das Rifugio Averau nahe der 5 Torri bekannt. Es bietet Pasta mit frischen Wildkräutern und Wildgerichte, zur Nachspeise gibt es Süßes wie Prosecco-Torte mit Makronen. rifugioaverau.it
  • Restaurant El Zoco: Das Restaurant El Zoco liegt in der via Cademai 18 ist eine von Cortinas besten Adressen für Wildgerichte. Tel. 0039/0436/860041, elzoco.it
  • Ristorante Pizzeria Il Ponte: Das Ristorante Pizzeria Il Ponte in der via B. Franchetti 8 begeistert Freunde guter Holzofenpizza mit seinem Können. Tel. 0039/0436/867624, ilpontecortina.it

Tipps von Reiseautorin Sylvia Lischer

  • Mit Luft: Die Gegend um Cortina d’Ampezzo ist bekannt für ihre Klettersteige. Die leichtesten sind auch für Anfänger (mit Klettersteigausrüstung) gut zu meistern. Übersicht: dolomiti.org/de Cortina Erlebnisse Klettersteige
  • Mit Guide: Die Bergführer-Vereinigung von Cortina d’Ampezzo stellt erfahrene Bergführer ab für größere und kleinere Touren. guidecortina.com
  • Mit Rad: Auf der stillgelegten Bahntrasse der Dolomitenbahn führt der Dolomitenradweg über Viadukte, durch Tunnel, Wälder und am Boite-Fluss entlang. Ab Cortina bieten sich die Abschnitte nach Toblach (30 km) und Calalzo di Cadore (30 km) an. bahntrassenradwege.de

Unser Reisebericht aus den Dolomiten

Es geht gleich spannend los. Der Weg führt bergab zu einem rauschenden Bach und auf einer Brücke hinüber. Dann zwirbelt er sich bergauf zur nächsten Brücke über das sprudelnde Nass. Nach wenigen Schritten gleiten die Blicke über das wuchtige Tofane-Massiv mit seinen drei Gipfeln und die fünf Felsnadeln der Cinque Torri – beide herausragend schöne Formationen der Dolomiten um Cortina d’Ampezzo. Doch so faszinierend die Gipfel rund 80 Kilometer Luftlinie östlich von Bozen sind: Als Wegweiser für unsere fünf Touren durch die Ampezzaner Dolomiten haben Alessandro und ich uns nicht den Fels, sondern eines der vier Elemente erkoren: Wir wollen den Spuren des Wassers folgen. Denn die Dolomiten wurden zwar zu Recht vor allem wegen ihrer Berge 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe gekürt, verfügen aber über einen ebenso bezaubernden Naturschatz an Quellen, Seen, Flüssen und Wasserfällen in ihren Tälern, Schluchten und auf ihren Hochebenen. Heute soll das Wasser uns zum Lago Federa und zum Felsmassiv Croda da Lago führen.

In den Quellen sollen sich Feen tummeln

Dass das von uns gesuchte Nass in Kübeln vom Himmel herabregnet, damit hatte ich nicht gerechnet. Egal. Als Bergführer hatte mich Alessandro auf alle Eventualitäten seiner Heimat hingewiesen, und so bin ich gut ausgerüstet. Der Schauer geht vorbei, der Himmel reißt auf, die Luft ist klar und der Bergblick besser als zuvor. Der rot-weiß-markierte Weg Nummer 437 führt bergauf durch lichten Nadelwald. Mal geht es an den Klötzen eines alten Felssturzes vorbei, die aussehen wie gedrungene Kobolde. Mal säumen Farne und Heidelbeersträucher den Weg. Die Landschaft wirkt wie einem Märchenbuch entsprungen. Kein Wunder, dass hier die Fantasie Purzelbäume schlägt und den Dolomiten eine wunderbare Sagen-, Legenden- und Märchenwelt beschert hat.

Vor allem in den zahllosen Quellen und den aus ihnen hervorsprudelnden Bächen und Kaskaden soll sich allerlei Feen- und Nixenvolk tummeln. Bei der nächsten Bachüberquerung schaue ich genauer hin, doch außer blitzenden Lichtreflexen auf der Wasseroberfläche ist da nichts Außergewöhnliches. »Die ersten Bergführer der Dolomiten«, sagt Alessandro, »waren etwas handfester. Sie kamen nicht auf der Suche nach Feen in die Berge, sondern um Gemsen zu jagen.« Erstaunlich, aber wahr: Der Beruf des Bergführers hat seine Wurzeln in diesem Teil der Alpen in der Gemsenhatz. Da die scheuen Tiere meist in unwegsamen Felsengebieten zwischen 1500 und 2500 Metern Höhe durch steile Flanken springen, mussten die Verfolger gut zu Fuß sein und sich im Gebirge auskennen – ideales Bergführertraining. Heutzutage hat man die Gemsenjagd zum Glück erschwert: Ein Großteil der Ampezzaner Dolomiten zählt zum Naturpark Dolomiti d’Ampezzo, das Wild steht dort seit Gründung des Parks vor 31 Jahren unter Schutz. Außerhalb des Naturparks greift das Schutzgebietsnetz Natura 2000, das dem Erhalt wild lebender Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume dient. Bergführer müssen sich daher Fitness und Orientierung antrainieren, ohne den Gemsen nachzustellen.

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Gerhard Eisenschink
Karstgestein prägt das Gesicht an der Westseite des Croda-da-Lago-Massivs.

Etwas Fitness unsererseits ist auch noch gefragt, dann ragt die Croda da Lago auf – ein bis zu 2715 Meter hoher Gebirgsklotz aus Steilwänden und Gipfeln wie Sägeblättern, den wir umrunden wollen. Zu seinen Füßen liegt einer der idyllischsten Seen der Dolomiten: der Lago Federa, vielleicht das größte Glanzlicht unserer Tour heute. Aber bis dorthin ist es noch ein Stück. Über den Wanderweg 434 geht es in engen Kehren noch steiler als bisher bergauf. Der Schweiß fließt, ich komme – im Gegensatz zu Alessandro – ganz schön aus der Puste. Auch die anderen vier Touren auf den Spuren des Wassers, die wir in der Umgebung von Cortina d’Ampezzo unternehmen werden, verfügen über schweißtreibende Passagen – das kündigt Alessandro jetzt schon an. »Bei der Tour zu den Fanes-Wasserfällen mitten im Naturpark warten sogar kleine Klettersteig-Passagen«, setzt er hinzu. An Felswänden entlang hangelt man sich dort zu versteckten Kaskaden. Mit Helm, Karabinern, Klettergurt und Seilen ausgerüstet seien sie jedoch leicht zu meistern, und Alessandro verspricht mir jede Menge Kletterspaß. Seen wie der Lago Valparola oder der Lago Bai di Dones liegen bequem erreichbar gleich am Beginn zweier weiterer Wanderungen. Andere, wie der Lago Lagazuoi, den wir morgen besuchen möchten, geben sich unnahbarer: Um einen Blick auf sie zu werfen, muss man ein paar Kilometer auf teils steilen Wegen hinter sich bringen. Und auch für den Lago Federa heute müssen wir uns noch mal ordentlich ins Zeug legen.

Ich atme tief durch. Ein kleines Stück weiter taucht der Aussichtspunkt »Val Negra« auf. Von immerhin 2048 Metern schauen wir rund 850 Meter auf Cortina d’Ampezzo hinab, das sich ins Tal des Boite-Flusses schmiegt. Der Boite, ein Nebenfluss des Piave, sieht nicht nur prächtig aus, er teilt auch das Gebiet um Cortina d’Ampezzo geografisch unter den Regole-Familien auf. Wer einer der Familien angehört, kann seine Abstammung auf die ersten Siedler dieser Gegend zurückführen, die sich vor rund 1000 Jahren hier niederließen und drei Viertel des Landes bis heute gemeinschaftlich verwalten. Durch ihren Einfluss wird nur traditionell im typischen Ampezzaner Stil gebaut – Betonklötze oder Hochhäuser gibt es nicht. Auch keine Fastfoodkette. Dafür: einen 112 Quadratkilometer großen Naturpark und Blumenwiesen, deren Artenvielfalt sogar Touristen aus dem fernen Japan anlockt.

Fast erschlagen von der Bergschönheit

Auch die Pflege des Wegesystems hat in den Ampezzaner Dolomiten einen hohen Stellenwert. Der Weg Nummer 434, dem wir jetzt immer höher hinauf in die Bergwelt folgen, gehört zu dem mehrere hundert Kilometer langen Netz, das sich kreuz und quer durch die Bergwelt schlängelt, darunter auch 31 gesicherte Klettersteige und mit Infotafeln, Ausstellungsräumen und Tondokumenten versehene Passagen auf den Spuren des Ersten Weltkriegs. Unsere Route zieht sich eine Weile durch Weideland. Ich bin so vertieft in die Formenvielfalt vereinzelter Baumgestalten, dass ich den Federa-See erst bemerke, als er direkt vor uns liegt. Hinter ihm erhebt sich die Felswand der Croda da Lago und schimmert zugleich als Spiegelbild auf dem Wasser. Ich lege den Kopf in den Nacken, um die Gipfel der Bergkette sehen zu können, die sich wie ein zackiger Drachenrücken in den Himmel recken. Mit der Cima d’Ambrizzola erreicht sie eine Höhe von 2715 Metern – und ist damit zwar nicht der höchste, aber einer der markantesten Gebirgszüge der Dolomiten. Wir folgen dem Ufer-Rundweg. Felsen ruhen im Wasser, knorrige Bäume strecken Wurzeln hinein, und die kleine Halbinsel scheint im Sonnenschein zu träumen. Eine Wasseramsel wippt auf einem Stein. Ringsum herrscht meditative Stille. Unsere Blicke schweifen über den See hinüber zum Rifugio Croda da Lago (2046 m), dahinter bauen sich in der Ferne gewaltige Berge auf, darunter der Monte Antelao, mit 3264 Metern der zweithöchste Berg der Dolomiten.

Fast erschlagen von der Schönheit setzen wir uns vor das Rifugio Croda da Lago. Ein bestechend leckerer Apfelstrudel kommt auf den Tisch. »Von mir höchstpersönlich gezaubert«, sagt Hüttenwirtin Monica. Dann wandern wir weiter. Linker Hand pfeifen Murmeltiere. Rechter Hand versuchen sich Kletterer an den Steilwänden der Croda da Lago. An der Nordseite der Bergkette breiten sich Enzian, Edelweiß und Co. über die Wiesen aus. Plötzlich rennen Gemsen quer über die Felsen, leichtfüßig, wagemutig. Alessandro hält inne. Kurz scheint ein Impuls in ihm aufzuflackern: hinterher! Über Stock und Stein, Felsen und Klüfte – wie die Vorfahren der Bergführer des Ampezzo. Doch er besinnt sich. Lächelt. Geht gelassen weiter.

Mehr Wandertipps in der Region um Cortina

Noch mehr Toureninfos in der Region liefern die Wanderführer Dolomiten 6: Rund um Cortina d’Ampezzo und Dolomiten 5: Sexten, Toblach, Prags aus dem Bergverlag Rother (je 12,90 Euro).

Unterwegs helfen die Kompass Wanderkarten Nr. 617 "Cortina d’Ampezzo, Dolomiti Ampezzane" und Nr. 047 "Drei Zinnen", 1:25.000, je 7,95 Euro.

Geschichtliches erfahrt ihr im Buch: "Dolomiten. Krieg in den Bergen" von M. Wachtler und G. Obwegs, 21,90 Euro.

Weitere Dolomiten-Highlights

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