OD_0918_Klettersteig-Special_Klaus_Fengler_03 Klaus Fengler

Klettersteigausrüstung & Technik

Klettersteige: Ausrüstungstipps

Die passende Ausrüstung und richtige Technik sind auf Eisenwegen das A und O ...

Grandiose Aussichten, saugende Tiefblicke, Nervenkitzel, schöne Bewegungen und am Ende ein Gipfelsieg: Klettersteige machen einen Heidenspaß – wenn man sich nicht überfordert. „Für den Anfang sollte man sich deshalb einen sehr einfachen Weg aussuchen, auch wenn man sich stärker einschätzt“, rät Alpin-Experte Ralf Gantzhorn. Wobei mit einfach nicht nur die technische Schwierigkeit gemeint ist, sondern auch die Länge und Dauer der Tour. Diese Angaben finden sich zu jedem Steig – vor Ort im Bergführerbüro oder in speziellen Klettersteigführern (in Buchform oder zum Beispiel bei via-ferrata.de, klettersteig.com). Auskunft über die technische Schwierigkeit gibt im deutschsprachigen Raum eine Buchstabenskala: A gilt als wenig schwierig, E als extrem schwierig. Nach der Einrichtung extrem kräftezehrender „Sportklettersteige“ wurden nachträglich die Schwierigkeiten G und F eingeführt.

Ein Frühstart am Klettersteig lohnt sich

Hat man einen passenden Eisenweg gefunden, die Ausrüstung beisammen und sich mit der Einbinde- und Umhängetechnik zumindest theoretisch vertraut gemacht (siehe Top-Liste unten), kann es losgehen. Und das am besten – wie bei allen echten Bergtouren – frühmorgens. So geht man nicht nur der Mittagshitze und eventuellen Hitzegewittern aus dem Weg, sondern hat auch reichlich Reserven, um in jedem Fall im Hellen zurückzukommen. Eine kleine Notstirnlampe sollte bei längeren Klettersteigen oder solchen, die einen langen Zustieg erfordern, dennoch nie fehlen. Ebenso wenig der Check der Wetterprognose. Besteht ein hohes Gewitterrisiko, bleibt man besser im Tal, wirkt doch das Stahlseil des Klettersteigs wie ein Blitzableiter.

Neben der Stirnlampe sollten Erste-Hilfe-Set, Handy und Wetterschutzkleidung mit in den Rucksack. Und natürlich ein paar Riegel und genug zu trinken, denn Bäche, Quellen oder Einkehrmöglichkeiten sucht man in der Felswand fast immer vergeblich. Ansonsten sollte man sich bescheiden, was den Rucksackinhalt angeht – schließlich trübt jedes Gramm mehr das Klettervergnügen. Eines jedoch nicht: ein sogenanntes Topo des geplanten Steiges. Dabei handelt es sich um ein Blatt Papier mit allen nötigen Infos zum Steig: Zu- und Abstieg, Höhendifferenz, Dauer, Exposition und – das Wichtigste – eine Zeichnung mit dem exakten Verlauf der Route und den zu erwartenden Schwierigkeiten. „Damit lässt sich im Vorfeld sehen, wo die Knackpunkte lauern“, so Ralf Gantzhorn.

Ein paar Klettersteig-Grundregeln:

Vor dem Start in den Steig legen Sie die Ausrüstung an und kontrollieren – sofern Sie nicht allein gehen – gegenseitig, ob der Gurt richtig sitzt und das Klettersteigset richtig durch die Anbindeschlaufe des Gurtes gefädelt wurde (siehe unten). Sollten weitere Aspiranten zum Einstieg kommen, gewähren Sie ihnen ruhig Vortritt, so müssen Sie sich nicht beeilen. Grundsätzlich sollten Sie sich am Berg nie hetzen lassen, sondern lieber Schnellere vorbeiziehen lassen.

Steigen Sie in jedem Fall langsam und versuchen Sie, ein gleichmäßiges Tempo – Ihr Tempo – zu finden. Kommen Sie außer Atem, sind Sie zu schnell. Das kostet Kraft, die Sie vielleicht später noch brauchen können. Merken Sie, dass der Armsaft zur Neige geht, pausieren Sie. Zur Not – wenn sich keine bequeme Raststelle findet – hängen Sie sich mit Ihrer Standschlinge ins Drahtseil und „schütteln“ die Arme nach unten hängend aus. Müssen Sie das gleich nach den ersten Metern machen, haben Sie sich wahrscheinlich einen zu schweren Steig ausgesucht. „Dann ist es besser, gleich umzukehren und abzusteigen als später“, so Gantzhorn.

Um ein Auspowern zu vermeiden, sollten Sie nicht nur regelmäßig Pausen einlegen und langsam gehen, sondern vor allem Ihre Beine für den Aufstieg benutzen. „Wer viel mit Armkraft klettert, dem geht rasch die Puste aus“, erklärt der Experte. Gute Bergstiefel (siehe Test 2018) mit steifen Sohlen und flexiblem Schaft erleichtern hingegen den Aufstieg, da sie selbst auf kleinsten Felsvorsprüngen haften bleiben.

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Bergstiefel-Tipp: Salewa Crow GTX

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Benjamin Hahn

Mit dem Salewa Crow GTX erhalten Klettersteig-Fans einen äußerst agilen Schuh, mit dem sich gut Tempo machen lässt. Am wohlsten fühlt sich der Schuh auf Berg- und Talwegen sowie auf Klettersteigen aller Art.
Preis: 230 Euro
Gewicht: 1400 Gramm
Testurteil: Sehr gut (Kauftipp outdoor 09/2018)

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Handschuh-Tipp: Roeckl Kangata

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Roeckl Kangata

Ein Paar fingerloser Handschuhe mit Innenflächen aus Leder schützt vor aufspleißenden Drahtseilen. Kostenfaktor: 20 bis 30 Euro. Der Klettersteighandschuh Roeckl Kangata (30 Euro) schützt dank seines strapazierfähigen Synthetikleders und zusätzlicher Schaumstoffpolsterung an der Handschuhinnenseite nicht nur vor Verletzungen, sondern auch vor kalten Drahtseilen und Stahlleitern – eine lohnende Investition.

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Helm-Tipp: Camp Storm

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Camp
Kletterhelm-Test Storm Camp

Ein Kletterhelm gehört zum Pflichtprogramm, weil in den Bergen mit Steinschlag zu rechnen ist. Gute Helme wie der Camp Storm (ca. 70 Euro) wiegen wenig, bieten eine top Belüftung, sind bequem und lassen sich sehr genau an den Kopf anpassen.

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Klettersteig-Gurt:

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Petzl COrax

Ideal ist ein Modell mit verstellbaren Beinschlaufen – wie der Petzl Corax (70 Euro, 490 Gramm). So kann der Gurt jederzeit an die eigene Körperstruktur sowie an die variierenden Bekleidungsschichten angepasst werden. Dicke Polsterung sorgen für viel Komfort.

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Klettertsteig-Set:

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Lacd Ferrata Pro Evo

Moderne Klettersteigsets in Y-Form und mit Bandfalldämpfer, wie das LACD Ferrata Pro Evo (70 Euro), lassen sich extrem leicht handhaben und verhindern Abstürze. Man befestigt sie am Gurt (siehe nächster Slide), ihre beiden Karabiner laufen am Drahtseil des Klettersteiges mit. Ist man einmal in das Set gefallen, muss es getauscht werden.

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So sichert ihr euch auf einem Klettersteig:

Anseilen

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Patrick Rosche
Klettersteig-Knowhow

Stecken Sie die Schlaufe des Klettersteigsets durch den Anseilring des Klettergurts. Danach führen Sie beide Karabiner mit angenähten Elastikarmen und Bandfalldämpfer durch die Klettersteigschlaufe – das war es schon.

Abhängen

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Patrick Rosche
Klettersteig-Knowhow

Zum Ausruhen im Steilgelände empfiehlt sich eine etwa 80 Zentimeter lange, karabinerbestückte Bandschlinge (aus dem Bergsporthandel), die man wie das Klettersteigset am Anseilring des Klettergurtes per Ankerstich befestigt.

Abstand halten

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Patrick Rosche
Klettersteig-Knowhow

Wer am Steig stürzt, fliegt bis zur letzten Drahtseilverankerung zurück – und reißt unter ihm Steigende mit. Um das zu verhindern, sollte sich zwischen Ihnen und Ihrem Vordermann mindestens (!) eine Drahtseilverankerung befinden.

Umhängen

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Patrick Rosche
Klettersteig-Knowhow

Drahtseilverankerungen wirken wie ein Stopper. Hier muss man die Karabiner umhängen – und zwar immer einen nach dem anderen, nie gleichzeitig, auch wenn es einfacher wäre. One-Touch-Karabiner erleichtern die Prozedur erheblich.

Rucksack-Tipp: Vaude Prokyon 30

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outdoor/Hersteller
outdoor Wanderrucksäcke im Test

Zu guter Letzt noch ein Tipp für Kletterer, die einen Rucksack mit auf den Steig nehmen wollen: Hier genügt ein Wandermodell (20–40 l). Es darf nicht zu hoch aufbauen (Kopffreiheit mit Helm prüfen!) und sollte einen abnehmbaren oder nach hinten bindbaren Hüftgurt haben. In unserem Test 2018 entpuppte sich der Vaude Prokyon 30 als perfekter Kleintransporter für Berg-, Klettersteig- und Hüttentouren.

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