Nach der Feier wird das Auto stehengelassen und mit dem Fahrrad zurück nach Hause gefahren – so wird es häufig praktiziert. Warum? Weil die Promillegrenzen für Radfahrer deutlich über denen für Autofahrer liegen. 1,6 Promille ist die Grenze für Radler, 0,5 Promille die für Autofahrer.
Aktuell flammt eine Debatte über diese Grenzwerte auf: Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Stephan Stracke (CSU), sagte der Rheinischen Post, es sei "sinnvoll, die Promillegrenzen für Fahrradfahrer zu überprüfen und gegebenenfalls zu verschärfen". Hintergrund sind Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach alkoholbedingte Fahrradunfälle in den vergangenen Jahren zugenommen haben.
Mehr Unfälle vor allem mit E-Bikes
Nach Angaben des Statistikamtes ist der Anstieg vor allem auf mehr Unfälle mit E-Bikes zurückzuführen. Während die Zahl alkoholbedingter Unfälle mit klassischen Fahrrädern weitgehend stabil blieb, verzeichneten E-Bikes einen deutlichen Zuwachs. Insgesamt wurden für das Jahr 2024 mehr als 5.100 alkoholbedingte Fahrradunfälle registriert.
Stracke sieht darin ein Warnsignal. Offenbar werde es zunehmend auf die leichte Schulter genommen, "angetrunken aufs Fahrrad zu steigen und damit sich und andere zu gefährden". Neben Alkohol müsse auch der Cannabiskonsum stärker berücksichtigt werden. Dieser sei für die Sicherheit auf dem Fahrrad "genauso bedenklich wie Alkoholkonsum".
Aktuell gilt 1,6 Promille als Grenze
Derzeit liegt die Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit für Radfahrende in Deutschland bei 1,6 Promille Alkohol im Blut. Wer mit weniger Alkohol unterwegs ist, aber Ausfallerscheinungen zeigt oder einen Unfall verursacht, macht sich ebenfalls strafbar. Die möglichen Konsequenzen reichen vom Führerscheinentzug über eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) bis hin zu Geld- oder Freiheitsstrafen. Eine feste 0,5-Promille-Grenze wie im Autoverkehr gibt es für Fahrräder bislang nicht.
Unterstützung für strengere Regeln kommt auch aus der CDU. Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Christoph Ploß, forderte eine deutliche Senkung der Promillegrenze. Es könne nicht sein, dass man "sturzbetrunken mit dem Rad herumfahren kann", ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Auch höhere Bußgelder brachte er ins Spiel.
Grüne offen für zusätzliche Grenze
Auch bei den Grünen stößt die Debatte auf Offenheit. Die verkehrspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Swantje Michaelsen, erklärte, man unterstütze grundsätzlich einen zusätzlichen Grenzwert von 1,1 Promille für Radfahrende. Gleichzeitig betonte sie, dass Verkehrssicherheit nicht allein über Verbote erreicht werden könne. Entscheidend sei auch der beschleunigte Ausbau sicherer und durchgängiger Radwegenetze.
Mehrheit der Bevölkerung für strengere Regeln
Rückenwind erhalten die Forderungen aus der Politik durch eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Demnach sprechen sich 82 Prozent der Befragten für eine Promillegrenze von 0,5 oder weniger auf dem Fahrrad aus. Knapp ein Drittel befürwortet sogar ein absolutes Alkoholverbot für Radfahrende.
Der Präsident des Verkehrssicherheitsrates, Manfred Wirsch, sieht darin ein klares Signal: "Die Gesellschaft ist bereit für strengere Regelungen." Gleichzeitig zeigte die Umfrage, dass die geltenden Regeln wenig bekannt sind. Weniger als jeder Fünfte wusste, dass die absolute Fahruntüchtigkeit erst bei 1,6 Promille beginnt. Viele Befragte gingen fälschlicherweise von einer Grenze bei 0,5 Promille aus.
Diskussion geht weiter
In der kommenden Woche soll das Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar weiter diskutiert werden. Im Raum stehen verschiedene Optionen: die Einführung einer neuen 0,5- oder 1,1-Promille-Grenze als Ordnungswidrigkeit oder eine Absenkung der bisherigen 1,6-Promille-Regelung. Ob und in welcher Form es zu einer Gesetzesänderung kommt, ist derzeit noch offen.
Jeder, der Rad fährt, sollte dieses Verkehrs-Quiz bestehen
Getestet: Das sind unsere Bikes des Jahres

Rose Blend Gravel, ca. 10 kg
Graveln oder glücklich querfeldein: Der Schotter-Trend boomt! Unser Bike-Tipp - das Rose Blend Gravel - hat viel in petto für nur 1399 €. Das Rad mit Aluminium-Rahmen und modernem Design zeichnet ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Die Sitzposition fällt entspannt aufrecht aus, die einsteigerfreundliche hohe Front ist auf langen Touren komfortabel, der Lenker liegt angenehm in der Hand. Und auch beim Fahrverhalten verlässt das Blend nie den Pfad der Tugend, unschöne Überraschungen wie eine nervöse Rennrad-Geometrie muss hier niemand fürchten. Die hydraulischen GRX-Bremsen verzögern jederzeit verlässlich, der Rest der Ausstattung passt zum Rad und dessen Charakter. Nur Montagepunkte für Zusatzgepäck an Rahmen und Gabel sucht man vergeblich.
Ausstattung:
Shimano GRX 2 x 10, 46/30T x 11–34, Rose G20, Continental Terra Trail 700 x 40c (40 mm), Rahmen: Aluminium, Oberrohr: 558 mm, Sitzrohr: 520 mm, Sitz-/Lenkwinkel: 73,5/71,5°, Stack/Reach: 598/381 mm, max. Reifenbreite: 40 mm.

Carver Gravel 230, ca. 11 kg
In die gleiche Kerbe wie das Rose-Gravelbike (oben) schlägt auch das neue Carver Gravel 230, das uns als gewitzter Allrounder mit Komfort und Langstreckentauglichkeit überzeugte. Für knapp 1800 Euro bekommst du hier eine durchdachte, hochwertige Ausstattung in einem gelungenen Gesamtpaket. Angefangen beim Alurahmen, der trotz seiner Steifigkeit sehr guten Dämpfungskomfort aufweist. Und durch sorgfältig geschliffene Schweißnähte am Ober- und Sitzrohr mit einer Optik wie aus einem Guss gefällt. Den Fahrer empfängt das Bike mit einer angenehmen, nicht zu sportlichen Sitzgeometrie, die einen guten Mittelweg zwischen Langstrecke und sportlichem Fahren erlaubt. Die Conti-Terra-Trail-Pneus liefern Grip. Allerdings sind die derzeit verfügbaren Laufräder nicht für schlauchlose Reifen geeignet, an einer Nachrüstoption wird aber gearbeitet. Viele Montagepunkte für Gepäck unterstreichenden Tourencharakter des Neulings.
Ausstattung:
Alurahmen; Schaltung: Shimano GRX 820 (2x12), Hydraulikbremsen: Shimano GRX 820 (160/160 mm), Reifen: Continental Terra Trail, 40 mm; Reifenfreiheit: bis 45 mm

Kalkhoff Entice Light Advance E-Bike, ca. 22 kg
Ein Tipp für E-Bike-Fans: Das Kalkhoff Entice Light Advance begeisterte uns im Test als leichter, gut ausgestatteter Allround-Tourer. Bei diesem Touren-E-Bike wurde viel richtig gemacht: Die Niedersachsen setzen auf einen Motor der Bosch Performance Line SX: leicht, sanft, schlank, aber trotzdem leistungsstark. Im Entice Light wird der zwei Kilo leichte SX-Antrieb mit einem ebenso leichten 400-Wh-Akku im Unterrohr des Diamantrahmens kombiniert. Der weist so fast die elegante Rahmendimension eines normalen Trekkingrades auf. Nur 400 Wh? – Ja, der Motor arbeitet effizient, und für Reichweiten-Pessi-misten hält Bosch eine Erweiterung mit 250 Wh parat, die in den Flaschenhalter passt. Und durch das geringe Gewicht kommt man eben auch mal ohne Unterstützung klar!
Ausstattung:
Shimano-Cues-9-Gang, Shimano-MT-200-Bremsen (160/160 mm), Federgabel Suntour NCX 32 Air 75 mm, Reifen Schwalbe Racing Ralph 27,5 x 2,25‘‘, Motor Bosch Performance Line SX 250 W, Akku 400Wh (erweiterbar), Reichweite bis 80 km (je nach Gelände und Gegebenheiten).

Tenways AGO X , ca. 27,5 kg
Das Tenways AGO X entstand aus der Vision, hochwertige E-Bikes erschwinglich zu machen – breiter Einsatzbereich, schmaler Preis. Wir meinen, das gelang den Machern bestens! Bei diesem Trekkingrad sticht neben dem sauber verarbeiteten Rahmen mit schön verschliffenen Schweißnähten auch der Frontscheinwerferins Auge: Im Steuerrohr integriert und mit zwei innenliegenden Lampen, verleiht er dem AGO X einen eleganten Touch. Stilvoll wirkt auch der robuste Gepäckträger. Er ist für die Standard-Traglast (25 kg) ausgelegt, die er dank seines üppig dimensionierten Rahmens locker schultert. Mitgedacht: Das Rücklicht ist zwischen den stabilen Gepäckträger-Armen platziert und so gut bei Umfallern geschützt. Beim Antriebssystem vertrauen die Niederländer im AGO X dem Bafang-Mittelmotor M410, der von einem 504-Wh-Akku im Unterrohr versorgt wird. Den Härtetest an der 21-prozentigen Rampe steckt er locker weg, fünf Unterstützungsmodi dosieren die Energie zudem ausdauernd, dazu gefälltdie entspannte Sitzposition. Die Abstimmung der Reifen und 100-mm-Federgabel wirkt harmonisch und komfortabel. So gefällt das Rad als grundsolides, komfortables Tourenbike. Preis: 2199 Euro.
Ausstattung:
Schaltung: Shimano Deore (10-Gang), Hydraulikbremsen: Tektro HD M 275 (180/160 mm), Federgabel: Suntour XCM 32 ATB (100 mm), Reifen: CST 29’’, Motor: Bafang M410 (250 W), Akku: 504 Wh, Reichweite: Tour/Stadt 49/57 km (je nach Gelände und Gegebenheiten)

Radon Jealous Hybrid 9.0 750, ca. 25 kg
Das Radon Jealous Hybrid begeistert als günstiges E-MTB mit Bosch-Motor. Die perfekte Einstiegsdroge in die Geländewelt gibt es ab etwa 2400 Euro. Dafür bekommst du ein klassisches Hardtail-E-Mountainbike mit starrem Alu-Rahmen und 120-mm-Luftfedergabel an der Front. Ein smarter Mittelmotor, der Bosch Performance Line CX, treibt es an – und ein kräftiger 750-Wh-Akku. Der steckt im Unterrohr und ist werkzeuglos entnehmbar – top! Auch sonst verbaut Radon wertige Markenware: Die Bremse mit dicker 203-mm-Scheibe vorn kommt von Magura, die Schaltung aus Srams NX-Riege, die Gabel von Rock Shox und die Reifen von Schwalbe – hier passt für den Preis in unseren Augen wirklich alles. Beim Fahren merkt man das satte Gewicht des knapp 25 Kilo schweren Robustlings jedoch schnell. Im städtischen Alltag braucht es gute Führung, die Motorpower hilft hier immens. Sobald das Jealous Hybrid den Asphalt verlässt, geht der Fahrspaß dann erst richtig los - denn dort fühlt es sich am wohlsten!
Ausstattung:
Schaltung: Sram NX Eagle 12-fach, Hydraulikbremsen: Magura MT Trail Custom (203/180 mm), Gabel: 120 mm Rock Shox 35 Silver TK Air Luftfedergabel, Motor: Bosch Performance Line CX Smart, Akku: 750 Wh.












