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Micro Adventures im Winter, Interview Christo Foerster Christo Foerster
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Mikroabenteuer im Winter: Podcast, Interview, Tipps

Podcast + Interview mit Christo Foerster Mikroabenteuer im Winter

Abenteuer vor der Haustür trotz Lockdown! Tipps dazu von Christo Foerster in unserer aktuellen Podcast-Episode ...

Was kann man im Winter 2020/21 mit all den Einschränkungen machen?

In dieser Podcast-Folge gibt der erfolgreiche Buchautor und Motivationstrainer Christo Foerster Tipps für mehr Abenteuer im Alltag trotz Lockdown, getreu seinem Motto "Raus und machen".

Micro Adventures im Winter, Interview Christo Foerster
Torsten Kollmer
Raus und machen! Das ist das Motto von Christo Foerster.

Winter-Tipps von "Mr. Microadventure" Christo Foerster – hier in unserer aktuellen Podcast-Folge:

Ihr könnt den Podcast entweder gleich hier auf dieser Seite anhören, oder auch auf einer der gängigen Plattformen: iTunes, Spotify, Deezer, Audio now, Soundcloud, Acast, The Podcast App, Google Podcast-App auf Android-Smartphones, Lecton sowie Castbox, Podcast Addict und vielen anderen Podcast-Apps und Verzeichnissen.

Das Interview mit Christo Foerster zum Nachlesen:

OUTDOOR: Unter dem Motto »Raus und machen« animierst du zu Mikroabenteuern. Besonders wichtig ist dir das Schlafen unter freiem Himmel. Machst du das auch im Winter, wenn es draußen nass, kalt und dunkel ist?

Christo Foerster: Ja, für mich ist die dunkle Jahreszeit tatsächlich noch reizvoller als der Frühling und der Sommer. Jetzt sind die Herausforderung und die Überwindung größer, weil es kälter, dunkler und ungemütlicher ist. Mit diesen Hürden wird auch das Abenteuer größer! Es gibt außerdem viele Vorteile in dieser Jahreszeit: Es ist ruhiger, weniger Menschen sind unterwegs. An klaren Tagen herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, wenn morgens der Nebel aufsteigt.

Du scheinst es ungemütlich zu mögen.

[Lacht.] Die interessanten Situationen sind doch nicht die, in denen nur die Sonne scheint. Wenn es ungemütlich wird, wenn Dinge schieflaufen, dann erst ist es ein richtiges Abenteuer und ein großartiges Erlebnis. An diesen Situationen wachsen wir und lernen uns selbst besser kennen. Ein Abenteuer ist schließlich kein Urlaub!

Micro Adventures im Winter, Interview Christo Foerster
Shutterstock/ OUTDOOR
Basics für Mikroabenteuer: Für die Übernachtung unter freiem Himmel gehören diese Teile ins Gepäck.
Was ist für dich ein Mikroabenteuer?

Es ist ein Abenteuer, für das wenig Zeit, Geld und Ausrüstung benötigt wird. Es findet in der näheren Umgebung statt, beinhaltet aber alles, was ein Abenteuer ausmacht: das Beschreiten neuer Wege, das Verlassen von gewohnten Mustern und vor allem das Akzeptieren von Ungewissheit. Es gehört zu einem Abenteuer dazu, nicht zu wissen, wie es abläuft oder wie das Wetter wird. Ich möchte meine Umgebung, aber auch mich selbst entdecken. All das macht für mich ein Abenteuer aus – und das hängt nicht davon ab, wie weit ich von zu Hause weg bin, sondern hauptsächlich von meiner Einstellung. Will ich ein Abenteuer erleben? Dann gilt: Machen! Jetzt! Direkt von der Haustür aus!

Kannst du das noch etwas eingrenzen?

Für mich selbst habe ich vier Regeln für Mikroabenteuer aufgestellt: Es dauert zwischen acht und 72 Stunden, zur Fortbewegung benutze ich kein Auto oder Flugzeug, eine Nacht draußen verbringe ich ohne Zelt, und wenn ich am Wasser geschlafen habe, springe ich morgens hinein. Das sollen aber keine allgemeingültigen Regeln sein. Wann ein Mikroabenteuer für jemanden beginnt oder endet, hängt von körperlichen Voraussetzungen, individuellen Komfortzonen und persönlichen Erfahrungen ab.

Warum kann ich nicht einfach ganz normal wandern gehen?

Was macht ein Abenteuer für dich zum Abenteuer? Ein Abenteuer beinhaltet für mich immer eine besondere Herausforderung. Zum Beispiel ziehe ich los, ohne zu wissen, wie ich wieder zurückkomme. Dann muss ich gucken, ob da ein Bus fährt, oder hoffen, dass mich jemand per Anhalter mitnimmt.

Was motiviert dich, im Winter rauszugehen?

Ich weiß, dass es mir draußen in der Natur gut geht. Dieses Gefühl habe ich abgespeichert. Um es zu erreichen, muss ich nur über die Türschwelle. Das ist der schwerste Schritt des ganzen Abenteuers. Wenn man weiß, was dahinter wartet, fällt das Rausgehen leicht. Beim ersten Mal muss man sich vielleicht etwas disziplinieren. Dafür kann man Motivationstipps vom Joggen übernehmen, sich zum Beispiel mit Freunden verabreden und unabhängig vom Wetter den Termin einhalten. Letztlich braucht man auch im Winter nur eine angemessene Ausrüstung und die richtige Einstellung.

Du bist Motivationstrainer. Was haben Abenteuer mit Motivation zu tun?

Mein Motto »Raus und machen« lässt sich auf verschiedene Bereiche des Lebens übertragen: nicht nur von etwas Großem zu träumen oder abzuwarten, bis bestimmte Bedingungen erfüllt sind, sondern einfach anzufangen, ohne zuerst online ein neues Tool zu bestellen. Vielleicht entsteht dabei nicht die perfekte, dafür aber die beste Lösung für den Moment. Sich auf neue Situationen einstellen zu können, das macht einen Abenteurer aus, egal ob groß oder klein.

Welche Mikroabenteuer bieten sich speziell für die kalte Jahreszeit an?

Unabhängig von der Jahreszeit gilt: Man muss nur Ideen haben, auch gerne verrückte! Gehe deinen Arbeitsweg zu Fuß oder wandere von Sonnenauf- bis -untergang nach dem Landstreicher-Prinzip ziellos umher, ohne einzukehren. Speziell im Winter bieten sich Wanderungen im Dunkeln an. Dabei darf auch gerne einmal die Stirnlampe ausgeschaltet werden, um eine andere Perspektive auf die Landschaft zu gewinnen und die eigenen Sinne zu schärfen.

Bitte erzähl uns von den letzten Mikroabenteuern, die du im Winter erlebt hast.

Letzten Dezember sammelte ich zwei Tage lang Müll am Strand von Sylt. Die Nacht verbrachte ich bei Windstärke neun (!) am nördlichsten Punkt Deutschlands, dem Lister Ellenbogen. Über Nacht legte sich das Unwetter, und am nächsten Morgen erlebte ich einen der schönsten Sonnenaufgänge – das war großartig! Ebenfalls bei mir im Norden liegt Lappland, ein unspektakulärer Straßenzug am Plöner See. Ich fuhr mit dem Fahrrad hin und übernachtete dort. Morgens sprang ich ins Wasser. Eisbaden ist ein super Immunsystem-Booster!

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Christo Foerster
Auf seiner Tour in Berchtesgaden wagt Christo den Sprung ins 5 Grad kalte Wasser des Königssees.
Und wenn ich in eine neue Umgebung will?

Geht auch. Einmal wollte ich von Hamburg in die Berge. Also stieg ich mit einem Freund in den Nachtzug bis Innsbruck. Dort bestiegen wir einen Berg. Wegen eines Schneesturms erreichten wir den Gipfel nicht und übernachteten stattdessen an einer Felsscharte. Am nächsten Tag ging es wieder bergab und zurück nach Hamburg. Das war viel Action! An zwei Tagen kann man richtig was erleben. Und Nachtzug fahren hat auch eine besondere Romantik.

Bist du auf Mikroabenteuern schon einmal in brenzlige Situationen geraten?

Ja, zumindest in Situationen, in denen es galt, richtig zu entscheiden. Als wir beispielsweise in den Schneesturm geraten sind, konnten wir nichts mehr sehen und liefen nur noch nach GPS. Wegen der Lawinengefahr beschlossen wir, unser Vorhaben, auf dem Gipfel zu übernachten, nicht durchzuziehen und unser Ziel anzupassen.

Verlaufen kann im Winter tödlich enden. Wie komme ich sicher wieder nach Hause?

Ich nehme mein Handy zum Fotografieren mit, stelle es aber in den Flugmodus. Wenn ich mich doch mal orientieren will, schalte ich das GPS-Signal ein. Alternativ eignet sich ein Kompass und eine Karte. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit, sich so weit von der Zivilisation zu entfernen, dass man nicht irgendwen um Hilfe bitten kann, jedoch relativ gering.

Ausrüstung sollte zwar kein Hinderungsgrund sein. Was darf trotzdem nicht fehlen?

Bei Übernachtungen braucht man natürlich einen ausreichend warmen Schlafsack und eine Isomatte. Ich bevorzuge meine Hängematte mit isolierendem Underquilt. In sehr kalten Nächten empfiehlt sich außerdem ein Biwaksack, der den Wind abhält. Mit einem Seiden- oder Baumwoll-Inlay für Schlafsäcke kann man auch noch ein paar Grad rausholen.

Micro Adventures im Winter, Interview Christo Foerster
Christo Foerster
Warum nicht mal eine Hängematte ausprobieren? - Geht mit entsprechender Ausrüstung auch im Winter!
Sollte ich einen Survival-Kurs besucht haben?

[Lacht.] In Deutschland geht es selten um das nackte Überleben in der Natur. Aber es macht sicher Spaß, solche Situationen zu trainieren. Ein Feuer ohne Feuerzeug zu machen kann auch Teil des Abenteuers sein.

Wie hältst du es mit dem Feuermachen?

Im Sommer mache ich kein Feuer mehr, im Winter hin und wieder an geeigneten Stellen, beispielsweise an einem Flussbett. Natürlich nur dort, wo es auch erlaubt ist. Um mir in der kalten Jahreszeit ein warmes Abendessen oder einen heißen Tee zu kochen, habe ich meist einen Kocher dabei.

Sieht man dich draußen in Tarnkleidung oder in Funktionssachen?

Der typische Bushcrafter im Army-Zeug bin ich nicht. Ich nehme einfach das, was ich habe, und mache keine Wissenschaft aus dem ganzen Ausrüstungsthema. Das hält mich sonst nur davon ab, rauszugehen.

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Torsten Kollmer
In warmen Schlafsäcken übernachtet es sich auf 2300 Metern während eines Schneesturms ganz okay.
Wie bleibe ich draußen unentdeckt?

Mein Lager schlage ich etwas versteckt auf und nicht direkt am Weg – außer ich bin in Gegenden unterwegs, wo ich die Wege nach Einbruch der Dunkelheit nicht verlassen darf, wie zum Beispiel in Schleswig-Holstein oder in Hessen. Dort hänge ich meine Hängematte auch schon mal an den Wegesrand. Gerade im Winter kommen am Abend meist nicht mehr viele Menschen vorbei. Und falls doch, gehe ich in die Offensive und grüße einfach freundlich!

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie zieht es immer mehr Menschen nach draußen. Warum, glaubst du, ist das so?

Viele hatten sicher große Träume für dieses Jahr und mussten sich nun notgedrungen überlegen, wie sie ihre Pläne hier umsetzen können. Sie entdecken die Idee des Mikroabenteuers und merken, dass es nicht von der Entfernung von zu Hause abhängt, ob man etwas erlebt oder nicht. Wenn ich mich frage, was eine große Reise so besonders macht, stelle ich fest, dass es von meiner eigenen Einstellung abhängt und davon, wie ich unterwegs bin – allein oder mit Freunden, zu Fuß oder mit dem Rad. Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass man Abenteuer hier in Deutschland erleben kann. Auch unabhängig von Corona werden wir künftig eine Alternative zur Fernreiserei brauchen. Und in Europa haben wir unfassbar viele Möglichkeiten, um Abenteuer zu erleben.

Woher kommt unsere Abenteuer-Sehnsucht?

Die Sehnsucht danach, draußen etwas zu entdecken, liegt in unserer Natur – Kinder zeigen es uns. Ein weiterer Grund ist möglicherweise, dass unser Leben wenig abenteuerlich geworden ist. Unser kleines Gerät in der Tasche verrät, wie lange der Regen noch dauert und wie wir nach Hause kommen. Im Alltag prasseln ständig künstliche Reize auf uns ein und halten uns davon ab, uns auf uns selbst und unsere Umgebung zu fokussieren. Wenn ich ein Abenteuer erlebe, erfordert das meine ganze Aufmerksamkeit – ich bin im Moment.

Micro Adventures im Winter, Interview Christo Foerster
Shutterstock/ OUTDOOR
Gut zu wissen: Hängematte mit Underquilt, Schlafsack und Wasserfilter sind besonders nützlich auf Micro Adventures.
Trotz vieler Träume und Sehnsüchte schaffen es manche dennoch nicht vom Sofa. Kannst du dir erklären, warum doch so wenige Menscheneinfach rausgehen und machen?

Ich betrachte das nüchtern: Es hängt von unseren Prioritäten ab. Wollen wir lieber abends auf dem Sofa sitzen und Netflix gucken, oder wollen wir ein Mikroabenteuer erleben? Ich möchte die Menschen dazu inspirieren, ihre Ausreden wegzuschieben und rauszugehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du ein großes oder ein kleines Abenteuer erlebst. Du musst nichts Neues entdecken oder etwas als Erste gemacht haben. Es sollte vielmehr dein eigenes, ganz persönliches Abenteuer sein. Wer lieber fernguckt, sollte ehrlich zu sich sein und das dann auch akzeptieren – oder das Rausgehen auf der Prioritätenliste nach oben schieben. Du triffst die Entscheidung.

Schon unseren Podcast zum Thema "Laufen im Winter" gehört?

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