Bergsteigerdörfer stehen seit 2008 für eine alternative, naturnahe Tourismusentwicklung. Zu den Beitrittskriterien gehören etwa ein regionaltypisches Ortsbild, ein überschaubares, aber hochwertiges Übernachtungsangebot, anspruchsvolle Bergsportmöglichkeiten und der weitgehende Verzicht auf technische Erschließungsmaßnahmen. Jahr für Jahr traten neue Orte in Österreich, Italien und der Schweiz dem Verbund bei, so zum Beispiel St. Antönien, Lavin, Guarda und Ardez in Graubünden, oder Dörfer wie Balme und Triora im italienischen Piemont/Ligurien. Damit spannte sich die Initiative nun auch über die Westalpen bis ans Mittelmeer.
Neuzugänge 2025
Letztes Jahr kamen diese drei Orte hinzu:
- Baška grapa (Slowenien): Dieses Tal liegt eingebettet zwischen den Julischen Alpen und erstreckt sich entlang des Flusses Bača zwischen Tolmin und Bohinj. Die Region ist geprägt von malerischen Dörfern und alten Eisenbahnviadukten, die das kulturelle Erbe des Tals widerspiegeln. Ein weit verzweigtes Wegenetz erschließt die abwechslungsreiche Landschaft für Wanderer und Mountainbiker. Die Beitrittsfeier fand am 24. Mai 2025 statt.
- Campo Vallemaggia (Schweiz, Tessin): Im hinteren Rovanatal gelegen, umfasst dieses Gebiet die vier Ortschaften Niva, Pian di Campo, Campo Vallemaggia und Cimalmotto. Umgeben von felsigen Gipfeln, lichten Lärchenwäldern und grünen Matten, starten vom Zentrum des Hauptorts verschiedene Wanderrouten. Besonders reizvoll sind Touren zur Alpe Magnello an der Grenze zu Italien oder über Cimalmotto zur Alpe Sfille ins Valle Onsernone.
- Lauenen (Schweiz, Berner Oberland)
Dieses charmante Dorf im Berner Oberland ist ein Vorzeigemodell für sanften Tourismus. Umgeben von geschützten Hochmooren und zwei Naturschutzgebieten, steht Lauenen für den Erhalt unberührter Lebensräume. Das größte Kapital ist die intakte Ökologie: Outdoor-Begeisterte finden am legendären Lauenensee und in den umliegenden Gipfeln ein Paradies für umweltbewusstes Wandern und authentische Naturerlebnisse – fernab vom Massentrubel.
Für 2026 ist auf Anfrage bei bergsteigerdoerfer.org bislang noch keine Aufnahme weiterer Dörfer geplant. In Deutschland stehen vier Alpendörfer für authentisches Flair und sanften Tourismus, sie liegen alle in Oberbayern: Ramsau, Kreuth, Sachrang und Schleching. Diese Orte erfüllen alle die strengen Kriterien der Alpenvereine.
Bergsteigerdörfer – unsere Top-Liste

Lungiarü, Südtirol. Italien
Vom Trubel im Gadertal bekommt man hier nicht viel mit: Das Dörfchen Lungiarü liegt im Campiller Tal umgeben von den Dolomiten-typischen, schroffen Bergen der Peitlerkofelgruppe, Geislergruppe und Puezgruppe. Wanderungen führen hinein in den Naturpark Puez-Geisler, über Wiesen, durch Wälder und zu Almen. Wie zum Beispiel der Gampenalm (5 Std. 9,7 km, 1470 hm), von der es hoch auf den Peiterlkofel (2875 m) geht. Bekannte Weitwanderwege wie die Via Venezia und der Europa Höhenweg, aber auch die Dolomitenrunde und der Dolomites Unesco Geortrail führen hier durch die Berge. Weitere Wandertipps gibt's hier

Lauenen, Berner Oberland, Schweiz
Dieses charmante Dorf liegt im westlichen Berner Oberland und ist von zwei Naturschutzgebieten, einem Hochmoor und imposanten Gipfeln umgeben. Die intakte Natur ist das große Kapital von Lauenen – der Lauenensee ist ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste und Einheimische. Eine Wanderung (2,5 Std., 9,1 km, 178 hm) zum viel besungenen See bietet Ausblicke zu beeindruckenden Wasserfällen und dem imposanten Spitzhorn. Eine Runde (45 min, 3,1 km, 23 hm) um den See ist auch mit Kinderwagen möglich. Danach lädt ein Restaurant zu traditionellem Käsefondue ein. Wer ab dem Lauenensee tiefer in die Berge wandert, kommt an mehreren Wasserfällen vorbei und gelangt zur Geltenhütte (4 km, 821 hm) am Fuße des Wildhorns (3250m). Infos auf: gstaad.ch

Vent im Ötztal, Österreich
Alpenüberquerung, Venter Runde, Via Alpina aber auch Wildspitze, Weißkugel, Similaun und der Mann aus dem Eis "Ötzi", die Aufzählung der Highlights aus Vent ließe sich noch beliebig fortsetzen. Fakt ist, dass Bergersteiger*innen in den Ötztaler Alpen rund um Vent unberührte Gebirgslandschaften, vergletscherte Gipfel und Wanderungen aller Art vorfinden, nicht nur im Sommer! Viele gute Wandertipps hier

Paularo, Friaul-Julisch Venetien, Italien
Wer den Plöckenpass von Österreich nach Italien nimmt, sollte einen Abstecher in das Val d'Incarojo einplanen. Am Talschluss liegt das Örtchen Paularo umgeben von sanften Bergrücken und schroffen Kalkwänden. Wasser prägt das Tal und so bekommt man hier viele Wasserfälle und Quellen zu sehen. Flussaufwärts am Wildbach Chiarsò entlang gelangt man zur spektakulären Klamm Las Calas. Der Tourismus ist in Paularo überschaubar, obwohl hier Berggeschichte geschrieben wurde. Im Jahr 1879 erreichten zwei Frauen den Gipfel des Monte Sernio (2187 m), der damals als unbezwingbar galt und ihm den Namen "Berg der Frauen" einbrachte. Einen Einblick in die Geschichte beschert eine Tour (2-3 St., 6,4 km, 600 hm) am Monte Zermula (2143 m). Hier verlief eine Frontlinie des Ersten Weltkriegs. Ein mittelschwerer Klettersteig führt zum Gipfel.

Sachrang und Schleching, Bayern, Deutschland
Westlich und östlich des Chiemgauer Blumenbergs Geigelstein (1808 m) lockt mit den Orten Sachrang (738 m) und Schleching (569 m) ein Bergsteigerdörfer-Doppelpack. Auf den Gipfel in ihrer Mitte steigt man besonders reizvoll von Sachrang auf (7–8 Std., 18 km, 1100 Hm), zu den besten Touren auf der Schlechinger Seite zählt die Rundwanderung zum idyllischen Taubensee (5 Std., 12,6 km, 862 Hm).

Steinberg am Rofan, Tirol, Österreich
Das selbst ernannte "schönste Ende der Welt" liegt versteckt über dem Achensee in Tirol. Steinberg am Rofan ist ein sonniges Hochtal in den Brandenberger Alpen und ein idealer Ausgangspunkt für Klettereien am Guffert (2194 m), Bergtouren an der Rofanspitze (2259m) sowie aussichtsreiche Wanderungen am Bergmassiv Unnütze (2078 m). Eine Reise in die Geschichte bietet eine Tour (7-8 Std., 15 km, 196 hm) zu rätischen Felsinschiften am Schneidjoch. Sie bezeugen, dass schon im Jahr 400 v. Chr. Menschen hier vorbeikamen!

Jezersko in Slowenien
In Nordslowenien rahmen die Gipfel der Karawanken und der Steiner Alpen das erste Bergsteigerdorf des Landes, die beschauliche Gemeinde Jezersko. Nicht verpassen darf man die Wanderung (3,5 Std., 663 Hm) vom Ortszentrum zur traditionsreichen Češka koča ("Tschechische Hütte") auf 1543 Metern, wer höher hinaus möchte, nimmt zum Beispiel vom See Planšarsko den Aussichtsgipfel Velika Baba (2127 m) in Angriff (7 Std., 1237 Hm). Infos auf: jezersko.info

Triora, Ligurien, Italien
Unweit der italienischen Riviera bettet sich die 360-Seelen-Gemeinde Triora (780 m) zwischen tiefe Wälder, alte Olivenhaine und schneebedeckte Berge. 22 offizielle Wanderstrecken durchziehen das Umland, direkt im mittelalterlichen Ortskern starten etwa die knackige Besteigung (7 Std., 1420 Hm) des ligurischen Gipfelkönigs Monte Saccarello (2200 m) und die genussvolle Tour (4 Std., 448 Hm) zum fast verlassenen Weiler Goina.

St. Antönien, Kanton Graubünden, Schweiz
Das typische Walserdorf liegt im Prättigau im Kanton Graubünden und grenzt an Österreich. St. Antönien ist im Winter ein bekanntes Skitourenparadies, wo eine Vielzahl an Gipfeln zu genussreichen Aufstiegen und herrlichen Abfahrten einladen. Wer im Sommer hoch hinaus will, findet im Rätikon griffige Kalkklettereien in allen Schwierigkeitsgraden und ein gut ausgebautes Wanderwegnetz in ursprünglicher Landschaft wie beispielsweise auf die Ascharineralp, zum Meierhofer Älpli, ins Gafiatal, nach Partnun, auf den Gipfel der Sulzfluh oder über die Grenze ins Montafon. Wer Entspannung sucht, wird an den Bergseen Partnun- oder Carschinasees fündig.

Lunz am See, Niederösterreich, Österreich
Dem Bergsteigerdorf Lunz am See im niederösterreichischen Mostviertel nähert man sich am reizvollsten per Bike: auf dem Herzstück (55 km) des Ybbstalradwegs, der von Waidhofen auf einer alten Bahntrasse zum Ziel leitet. Wer nun die Bergstiefel schnüren will, sollte sich zum Beispiel die teils hochalpin anmutende Panoramatour (2 Tage, 21,5 km, 1547 Hm) über die Ybbstalerhütte auf den Dürrenstein (1878 m) nicht entgehen lassen. Infos auf: ybbstaler-alpen.at
Ziele: Die Initiative fördert den Verzicht auf große technische Erschließungen (neue Skigebiete) und setzt auf lokale Produkte / umweltfreundliche Anreise.
Erweiterung: Die Zahl ist seit dem Start 2008 (damals 16) stetig gewachsen und wird durch Neuzugänge (z.B. Schweiz, Slowenien) weiter ausgebaut. Stand Februar 2026 sind es insgesamt 43 Bergsteigerdörfer im Alpenraum.
Standorte: Die meisten Bergsteigerdörfer befinden sich in Österreich (ca. 22), gefolgt von Italien, Deutschland, Slowenien und der Schweiz.
Deutschland: Hier gibt es vier offizielle Bergsteigerdörfer, alle in Oberbayern: Ramsau bei Berchtesgaden, Kreuth, Sachrang und Schleching.
Infos zum Weitwanderweg Bergsteigerdörfer
Vier Bergsteigerdörfer verbindet seit vergangenem Jahr der Weitwanderweg Bergsteigerdörfer: Guarda, Ardez und Lavin im Schweizer Unterengadin sowie Matsch im Südtiroler Obervinschgau. Auf sechs Etappen sammeln sich auf diesem alpinen Weitwanderweg etwa 5000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg an, verteilt auf knapp 100 Kilometer. Stellenweise kann per Bus abgekürzt werden. Übernachtet wird teils in Hütten, teils in Dörfern. Weitere Infos zum Weg: alpenvereinaktiv.com, Pauschalangebot unter eurotrek.ch












