KL Klopapier-Notstand © Peter Röhl / Pixelio
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Basiswissen für Draußen

Scheiße! Und das am Fels

Inhalt von

Jeder Mensch muss mal, ok. Aber bitte nicht am Fels! Hier erklären wir, wie man ohne Spuren draußen im Wald oder im Klettergebiet aufs Klo geht: Über die Unvermeidlichkeit, die Problematik, und die Lösung zu diesem alltäglichen Thema.

In diesem Artikel:

Draußen aufs Klo müssen

Was tun, wenn man draußen zum Klettern oder Wandern unterwegs ist, und die Not groß ist? Was für den einzelnen Menschen eine hoffentlich seltene Situation darstellt, wird für Klettergebiete zum Problem. Denn immer mal wieder "muss" jemand – die Folgen für Klettergebiete kann man sich ausmalen (und leider auch immer öfter besichtigen). Um so wichtiger wird, dass nicht nur Pfadfinder und Ranger sich auskennen, sondern auch du und ich.

Problematisch ist auch, dass viele Menschen Felsen als optimalen Sichtschutz betrachten und damit unwissend Kletter- und Bouldergebiete zum Klo machen.

Wie gehe ich draußen richtig aufs Klo? Am allerbesten ist es für alle Beteiligten (die Umwelt eingerechnet) wenn man es schafft, sein Geschäft auf einer regulären Toilette zu verrichten, sei dies zu Hause, auf dem Campingplatz, nach einem zweiten Frühstückskaffee im Gasthaus oder auch an einer Tankstelle.

Wenn es allerdings hart auf hart kommt und man sich im Wald und in der Natur erleichtern muss, gilt als oberster Grundsatz: Hinterlasse keine Spuren! Dies hat nicht nur optische Gründe, sondern betrifft auch Hygiene und Gesundheit.

Ist doch alles natürlich – oder?

Leider sind menschliche Fäkalien nicht nur Dünger. Doch man muss differenzieren. Urin stellt hauptsächlich eine geruchliche Belastung dar. Was die weitere Umweltverschmutzung angeht, kann Urin – grob betrachtet – noch als relativ harmlos angesehen werden, da seine Keimbelastung verhältnismäßig gering ist. Feste Ausscheidungen von Menschen hingegen beinhalten dermaßen viele Keime, Bakterien und Viren, dass es äußerst wichtig ist, dass der Kot unter die Erde kommt (wie das am besten geht, erklärt die Fotostrecke).

Spurlos draußen scheißen - Tipps für ein altes Klettererproblem

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Tipps zum draußen pinkeln

In den Wald pinkeln – eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Urin ist weniger keimbelastet als festere menschliche Ausscheidungen. Doch auch diese Flüssigkeit sollte man nicht wahllos hinterlassen.

  • Am besten dorthin pinkeln, wo es hinregnen kann – also nicht unter den dicken Baum oder den Felsüberhang!
  • Nicht auf Steine pinkeln. Hier bleibt der Urin (samt Geruch) länger erhalten als in normaler Erde.
  • Nicht auf Pflanzen zielen, viele Wurzeln vertragen die saure Flüssigkeit nicht.
  • Nicht in Bäche oder sonstige Gewässer pinkeln; ausreichend Abstand nehmen, damit auch der nächste Regen das Urin nicht in den Bach spülen kann.
  • Auch als Frau sollte man versuchen, auf Klopapier zu verzichten. Ein Tropfen Urin schadet so schnell nicht, Klopapier im Wald und am Wegesrand hingegen sind für die Umwelt ein größeres Problem als ein bisschen Pipi.
  • Wenn Klopapier sein muss, am besten danach wieder mitnehmen: Wer seinen Rucksack gut gepackt hat, hat auch an eine Mülltüte gedacht. Ziplock-Tüten eignen sich gut, um unhygienischen Abfall mitzunehmen und anschließend im Müll zu entsorgen.
  • Für Hygiene-Artikel wie Tampons und Co gilt dasselbe. Besonders Slipeinlagen mit Plastikbestandteilen sind eine Umweltsünde.

Warum Papiertaschentücher ein Problem sind

Wenn man kein Klopapier dabei hat, sind Taschentücher natürlich die nächste Wahl. Zu den Zeiten, als in der Hosentasche vergessene Taschentücher in der Waschmaschine noch eine Konfetti-artige Zellstoffparty veranstaltet haben, war das auch kein Problem, denn der Zellstoff hat sich schnell zersetzt. Heutzutage sind Tempos allerdings 'waschfest', und was auch immer die Hersteller damit angestellt haben, seither verrotten Papiertaschentücher deutlich langsamer. Sie liegen also nicht nur einige Tage herum, sondern Wochen und Monate. Auch Feuchttücher sind äußerst widerstandsfähig und sollten nicht einfach im Wald entsorgt werden.

Deshalb packen umweltfreundliche Kletterer und Wanderer lieber ein bisschen Not-Klopapier mit ein, und natürlich Desinfektionstücher für die Hände und Ziplock-Tüten für die Entsorgung. Die gefüllte Tüte kann dann in der Außentasche des Rucksacks mitwandern und wird zu Hause in der Mülltonne entsorgt.

Wie man im Wald scheißt

In Kathryn Meyers Buch "How to shit in the Woods" findet sich viel Wissenswertes zum Infektionsrisiko im Zusammenhang mit menschlichen fäkalen Resten, wie man diese vermeidet und warum das Mitführen einer Schaufel als sinnvolle Maßnahme bezeichnet werden kann. Hier gibt es die wichtigsten Tipps:

  • Man sollte sich grundsätzlich ein gutes Stück, am besten gut zwei bis drei Minuten Fußmarsch, vom Aufenthaltsort (Rastplatz, Klettergebiet, etc) entfernen, auch wenn man 'nur' pinkeln geht;
  • Man sollte immer ein Loch graben. Unter anderem, weil:
  • Regenwasser die Reste inklusive Fäkalbakterien oder etwaiger Krankheitserreger nicht ohne weiteres wegspülen kann;
  • die Enzyme, die Exkremente am wirkungsvollsten zersetzen, in den oberen 20 cm der Bodenschicht leben – also am besten ca. 15 bis 20 Zentimeter tief graben;
  • weniger andere Lebewesen darauf aufmerksam werden, also z. B. Fliegen oder Menschen.

Wie das mit dem Loch genau funktioniert (vor allem, wenn man gerade keine Schaufel zur Hand hat), zeigt die Fotostrecke. Was keinesfalls empfohlen ist, ist die Methode, das Klopapier nach Benutzung mit einem Feuerzeug abzufackeln – diese Methode ist vor allem in Zeiten steigender Waldbrandgefahr nicht empfehlenswert. Und sie löst auch das Problem mit den Fäkalien nicht. Wenn ich ein Loch grabe und hineinscheiße, dann kann auch das – hoffentlich sparsam verwendete – Klopapier mit hinein.

KL How to shit in the woods
Sarah Burmester / klettern.de
"How to shit in the Woods" von Kathleen Meyer, erschienen beim Conrad Stein Verlag (ISBN 978-3-86686-103-9).

Spurlos draußen scheißen - Tipps für ein altes Klettererproblem

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Gut geplant: So bereitet man sich auf einen Ausflug vor

Wenn man darüber nachdenkt, wird es bei einem Kletter- oder Wandertrip früher oder später einmal dazu kommen, dass man mitten in der Wildnis steht und sich ein dringendes Bedürfnis einstellt. Während in den US-Nationalparks sogenanne Poop-Tubes zu füllen sind, kann man sich auch in Europa auf diese voraussehbare Situation vorbereiten. Zum Beispiel darf eine Mini-Gartenschaufel oder ein Klappspaten immer im Auto liegen. Und im Kletterrucksack befindet sich immer folgende Grundausrüstung:

  • Klopapier
  • Kleine Mülltüten (ca 15l)
  • Desinfizierende Tücher
  • Ziplocktüten (gibt es auch in blickdicht)

Wer draußen wandern oder am Fels klettern gehen will und sich für diese Überlegungen zu fein ist, darf sich selbst allerdings nicht als naturverbunden und rücksichtsvoll bezeichnen.. etwas Vorausplanung macht so gut wie jeden Ausflug angenehmer!

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