Wandern im Elbsandsteingebirge Jörg Klaus

Wanderungen und Radtouren im Elbsandsteingebirge

Elbsandstein: Die Top-Touren

Für viele ist das Elbsandsteingebirge Deutschlands schönste Ecke. Wir zeigen die besten Wanderungen und Radtouren im Elbsandsteingebirge und geben Tipps zu Anreise, Unterkünften und Outdoor-Aktivitäten in der Sächsischen Schweiz.

Der Morgen zieht in einem zarten Orange über die Felsen und lässt die graue Struktur des Steins blau schimmern. Erste Strahlen der Spätsommersonne und Vogelgezwitscher treiben uns den Schlaf aus dem Körper. Mein Blick fällt auf die Wipfel der Fichten am Fuß des Felsens.

Hoch oben haben mein Begleiter und ich das nächtliche Lager im sandigen Boden unter einem Überhang aufgeschlagen. Boofen nennt man diese Art des wilden Campens, es ist die einzige erlaubte Übernachtungsart im Nationalpark Sächsische Schweiz. Vor allem Kletterer nutzen sie gern, denn die Plätze liegen meist abseits der offiziellen Wanderwege und sind über schmale Trampelpfade erreichbar.

Das strahlende Wetter vertreibt die klamme Kälte der verregneten Nacht und weckt Energie für einen weiteren Tag im Elbsandsteingebirge. Wir wollen es per Rad und zu Fuß erkunden, ein verlängertes Wochenende über.

Heute werden wir über die Affensteine bis zu den Schrammsteinen durch diese wildromantische Landschaft wandern, die sich mit ihren tiefen Schluchten, bizarren Felsformationen und unberührten Waldflächen beidseits der Elbe vom sächsischen Pirna bis zum tschechischen Decin zieht.

Als „Schönste Schweiz Deutschlands“ bezeichnet der ortsansässige Tourismusverband das Gebiet, und 2008 wurde ihm von der Bundesregierung der Titel „Ort der Vielfalt“ verliehen. Dank des Schengener Abkommens ist unser Wander- und Radtourenplan grenzüberschreitend auch im tschechischen Teil des Nationalparks möglich, der Böhmischen Schweiz.

Die 5 Top-Touren im Elbsandsteingebirge:

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outdoor Jochen Fischer
Das Elbsandstein-Gebirge liegt zwischen Dresden und Tschechien.

Durch das Kerngebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz

Mit dem Gepäck auf dem Rücken machen wir uns auf den Weg durch das Kerngebiet des Nationalpark Böhmisch-Sächsische Schweiz, der sich vom kleinen Kurort Bad Schandau an der rechten Seite der Elbe bis zur Grenze erstreckt. Der Morgentau sitzt wie Perlen in Gräsern und Blaubeersträuchern, glitzernd hängen Spinnweben zwischen den ersten bunten Blättern des Jahres.

An der Kirnitzsch machen wir eine Frühstückspause und halten die Füße ins kalt plätschernde Wasser. Ich versuche mir vorzustellen, wie es hier wohl zugegangen sein mag, als der kleine Fluss mit seinen 16 Mühlen noch der wichtigste Floßbach der Sächsischen Schweiz war. Vom Mittelalter bis ins letzte Jahrhundert wurde Holz auf dieser Triftstrecke bis zur Elbe transportiert und dann nach Dresden verschifft, den Spuren dieser Ära kann man heute auf einem Lehrpfad folgen. Das träge Summen ein paar müde taumelnder Wespen nähert sich, sobald wir das Frühstück auspacken, für eine Weile halten wir der Belästigung stand, beobachten ein paar Bachforellen, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Der erste Wanderer, den wir treffen, warnt uns vor den Folgen des Regens: „Seid vorsichtig, grade die steilen Wegpassagen sind noch rutschig!“ Schon bei unserer Ankunft in Bad Schandau fiel uns auf, dass die Menschen ausgesprochen offen und hilfsbereit sind. Ob Passanten, Fährmann oder Kellner, jeder half und versorgte uns noch mit persönlichen Tipps.

„Unbedingt mit dem Rad durchs Kirnitzschtal bis Hinterhermsdorf, das wurde zu Deutschlands schönstem Dorf gewählt. Dort die Obere Schleuse ansehen und dann zurück durch den Nationalpark. Mit Pause am Zeughaus, die haben gute Bio-Produkte.“ – „Das Prebischtor würde ich mir nicht entgehen lassen“. Oder: „Auch wenns alle machen: Bastei muss sein!“ Und da wir zum ersten Mal hier sind, halten wir uns an die Ratschläge und besuchen die Highlights, wissend, dass wir dort nicht allein sein werden.

OD 2014 Fernwanderweg Malerweg Sächsische Schweiz Elbsandstein
Frank Exß / Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.

Beeindruckende Felsformationen als Zeugnisse der Kreidezeit

Am späten Vormittag stehen wir auf dem Carolafelsen, dem bekanntesten Aussichtspunkt im Massiv der Affensteine. Beim Anblick der zerklüfteten Felsgruppe kann ich mir gut vorstellen, wie Wind, Wasser und Witterung die aus der Kreidezeit stammende Sandplatte über Jahrtausende hinweg geformt haben, nachdem die Strömungen des Urmeeres abgeflossen waren.

Barbarine, Lokomotive oder Herkulessäule heißen einige der Felsformationen, die nicht selten wie schmale Finger aus dem Wald herausragen. Die Schönheit der Landschaft mit diesen einzigartigen, von der Natur geformten Steinskulpturen hielten schon Maler wie Caspar David Friedrich und Ludwig Richter fest, nach ihnen ist auch einer der beliebtesten Wanderwege benannt – der 112 Kilometer lange Malerweg, dem wir nach dem Abstieg im Bereich des Unteren Affensteinweges ein Stück folgen.

Natur pur im Elbsandsteingebirge

Das Elbsandsteingebirge ist zwar kleiner als Berlin, trotzdem ist es Europas größter Erosionskomplex aus Kreidesandstein. Zudem wartet seine Flora und Fauna mit einer beeindruckenden Artenvielfalt auf. So gibt es beispielsweise in keiner anderen Mittelgebirgsregion Deutschlands so viele verschiedene Moose und Farne, Rot- und Schwarzwild ist ebenso ansässig wie der Dachs, der Otter und 16 der 18 in Deutschland heimischen Fledermausarten. Und auch wenn er sich noch nicht höchstpersönlich hat blicken lassen, so findet man in den letzten Jahren auch wieder Spuren vom Luchs, der 1743 ausgerottet worden war.

Das stete Auf und Ab der Wanderwege und der überraschend warme Altweibersommer bringen uns zur Mittagszeit ganz schön ins Schwitzen, und so lassen wir uns am Wegesrand ermattet in ein Kissen aus sternförmigem Moos fallen, das so weich und nachgiebig ist wie Omas dickste Daunendecke.

Während mein Atem langsam ruhiger wird, ertastet die rechte meiner weit ausgestreckten Hände etwas Hartes unter dem Moos. Das Fundstück stellt sich als Tierkiefer heraus. Groß und spitz sind die Zähne, und sofort ist er da, der Gedanke an Wölfe, die nur zu gut in das tiefe Grün der Tannen passen würden. Dicht und dunkel stehen sie zu beiden Seiten des Weges. Als wir später auf einen Förster treffen, nutzen wir die Gelegenheit, um Gewissheit über die Herkunft des Fundstücks zu bekommen.

Über die Schrammsteine im Elbsandsteingebirge

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Bernd Jonkmanns
Aussichtsreich führt eine Wandertour über die Schrammsteine und die Felsenwelten des Elbsandstein.

„Ist doch zu groß für einen Fuchs, oder?“ frage ich. „No!“ antwortet der Förster. „Aber die Zähne sind doch zu spitz für Rotwild?“ hakt mein Begleiter nach, und wieder besteht die Antwort aus einem „No“. Denn auch das sollte man über die Region wissen: No heißt hier „ja“, was oft zu Verwirrung führt, denn woher soll der Zugereiste das wissen? Schließlich klärt der Förster uns auf, dass der Kiefer zu einem Wildschwein gehört. „Die waren hier zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ausgerottet, haben sich aber seit den 50ern wieder angesiedelt und vermehren sich schneller, als mir lieb ist.“

Das letzte Ziel des Tages – die Schrammsteinaussicht – ist nur über eine schmale Leiter zu erreichen, die bis zur Plattform in schwindelerregender Höhe führt. Oben angekommen erfasst mich sogleich das Gefühl von unendlicher Weite. Lange verharrt mein Blick auf den schroffen Felstürmen vor mir, weit überragen die bizarren Gebilde die Kronen der hochgewachsenen Fichten.

Unten auf der Elbe fährt ein Dampfschiff. Von oben erscheint es so winzig wie ein Spielzeug, bis es schließlich nach einer Weile in den Biegungen des Flusses zwischen den bewaldeten Hügelkuppen verschwindet. Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu und taucht die Szenerie in ein warmgoldenes Licht. Weitere Wanderer erscheinen auf der kleinen Aussichtsfläche und setzen sich auf die noch warmen Felsen. Wein und Knackwürste werden ausgepackt und geteilt, die offene Mentalität der Elbsandsteingebirgler steckt an.

Abends suchen wir uns einen neuen Felsvorsprung mit einer Aussicht wie aus einem Adlerhorst. Es dauert nicht lange, bis erste Fledermäuse durch die Höhle über unsere Köpfe flattern, das aufgeregte Schlagen der Flügel ist das einzige Geräusch in der nächtlichen Stille, die sich wie ein schützender Umhang über die Felslandschaft gelegt hat. Und trotz der kleinen Gäste im Unterschlupf schlafe ich sofort ein, fühle mich geschützt und geborgen wie lange nicht mehr, weil es sich hier einfach richtig und gut anfühlt.

Video: Elbsandstein – meine Heimat

Elbsandstein: Draußen Zuhause - Heiko Hesse
Elbsandstein: Draußen Zuhause - Heiko Hesse

Reiseinfos: Nationalpark Böhmisch-Sächsische Schweiz

Lage: Das Elbsandsteingebirge erstreckt sich südöstlich von Dresden entlang der Elbe bis nach Tschechien. Der in Deutschland liegende Teil des Nationalparks wird als Sächsische, der tschechische als Böhmische Schweiz bezeichnet.

Charakter: Abwechslungsreiche, beeindruckende Mittelgebirgslandschaft mit gut ausgebautem Wander- und Radwegenetz. Vielfältige, wilde Natur auf kleinstem Raum.

Anspruch: Das Tourenspektrum reicht von technisch leicht bis anspruchsvoll. Manche Wegstrecken sind recht steil, einige Aussichtspunkte können nur über schmale Pfade oder Klettersteige erreicht werden. Man sollte für diese Passagen schwindelfrei sein.

Anreise: Mit dem Auto ab Dresden über die B 172. Mit der Bahn bis Dresden, von dort mit der S1 bis Pirna, Wehlen, Kurort Rathen oder Bad Schandau. Mit dem Rad auf dem Elberadweg bis Pirna, Wehlen, Kurort Rathen oder Bad Schandau.

Beste Zeit: Ganzjährig. Am schönsten ist es jedoch im Frühling und im Herbst, da es im Sommer sehr heiß und voll sein kann und im Winter einige Wege, besonders die Stiegen und Bergpfade, nicht passierbar sind.

Unterkünfte: Hotels Pensionen, Jugendherbergen, Privatquartiere und Campingplätze können über die Kurverwaltungen und Fremden- oder Verkehrsbüros gebucht werden.

Infos hier:

Bad Schandau: Tourist-Service im Haus des Gastes, Markt 12, 01814 Bad Schandau, Tel.: 035022/ 90030, www.bad-schandau.de

In Pirna: Tourismus­verband Sächsische Schweiz e.V., Bahnhofstr. 21, 01796 Pirna, Tel. 03501/470130, www.saechsische-schweiz.de

Kurort Rathen: Haus des Gastes, Füllhölzelweg 1, 01824 Kurort Rathen, Tel. 035024/70422, www.kurort-rathen.de

Auch im kleinen Fischerdörfchen Schmilka hat man eine große Auswahl an unterschiedlichsten Unterkünften. Rustikal und gemütlich ist das Berghaus Rauschenstein mit Bio-Frühstücksbuffet, DZ ab 88 Euro. pension-rauschenstein.de

Karten: Gute Dienste leisten die detailreichen Wanderkarten von Dr. Rolf Böhm für 6,80 Euro, Maßstab 1:10.000, boehmwanderkarten.de

Weitere outdoor-Tipps:

Der schönste Campingplatz des Elbsandsteingebirges ist vermutlich die »Berg-Oase« in Mittelndorf mit tollem Panoramablick über die Hintere Sächsische Schweiz. Man kann dort auch im Lager nächtigen oder ein Apartment mieten. Erwachsene zahlen 8,75 Euro pro Nacht, das Zelt kostet 7,50 Euro, Wohnwagen oder Wohnmobil 10,90 Euro: berg-oase.de

Das Elbsandsteingebirge ist eins der schönsten Klettergebiete Europas. Wer sich in die Geheimnisse des Kletterns an den über 1000 Türmen einweihen lassen und selber einmal Gipfelluft schnuppern möchte, tut dies am besten unter sachkundiger Führung. Ein breites Angebot an Kursen und geführten Klettertouren bietet die Kletterschule Lilienstein: kletterschulelilienstein.de

Sächsische Schweiz: Klettern im Elbsandstein

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Auch auf zwei Rädern lassen sich das Elbtal oder das Gebirge schön erkunden. Tourenräder, Mountainund E-Bikes verleiht das Aktiv-Zentrum am Marktplatz in Bad Schandau. Bikemiete je nach Modell ab 15 Euro pro Tag. bad-schandau.de

Zur völligen Entspannung nach einer Tour bietet sich die Toskana-Therme in Bad Schandau an – mit Badelandschaft, Saunawelt, Beachbar und Restaurant. Die Tageskarte inklusive Thermalbad, Saunalandschaft und Liquid-Sound-Tempel kostet 27 Euro, toskanaworld.net

Die besten Touren im Überblick:

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