Schneeschuh-Touren im Oberallgäu

Winterfest - Schneeschuhträume im Oberallgäu

Erleben Sie den Allgäuer Winter auf Schneeschuhen! outdoor präsentiert die besten Touren für Einsteiger und Liebhaber.
Foto: Ben Wiesenfarth Touren im Allgäu

Das Gehen mit Schneeschuhen ist schnell erlernt.

Wenn im Winter ein scharfer Ostwind weht, wissen die Oberallgäuer, dass schönes Wetter kommt. Tagelang funkeln die Hänge dann in der Sonne, der Himmel leuchtet klar und blau, und die Gipfel locken in kalter Pracht. An solchen Tagen auf einem der Allgäuer Gipfel zu stehen und die weiße Wunderwelt von höherer Warte zu betrachten, ist ein Traum. Das Schöne an ihm: Er lässt sich recht leicht wahr machen. Längst vergangen sind die Winter, in denen die Bergeinsamkeit den Skitourengängern vorbehalten blieb und einfache Wanderer das Haus hüteten oder sich an geräumte Wege hielten.

Tourentipps im Allgäu:
Schneeschuh-Wanderung zur Schwarzwasserhütte
Schneeschuh-Wanderung über die Hörnergruppe
Schneeschuh-Wanderung über die Hörmoosalpe
Schneeschuh-Wanderung am Imberger Horn

Das Wundermittel: Schneeschuhe. Nicht umsonst erleben sie zurzeit einen Boom, denn die unkomplizierten Treter verlängern die Wandersaison um volle drei Monate. Geschätzte Einlernzeit: eine Viertelstunde, dann hat man sich an den breitbeinigen Gang gewöhnt und kann ins Gelände ziehen. Und dazu bieten die Oberallgäuer Berge reichlich Gelegenheit. Außerdem kommen Schneeschuhgeher hier in den Genuss eines sehr guten Sicherheitsservices: In der Alpinen Beratungsstelle Oberstdorf kriegen sie für ihr Tourenvorhaben eine fundierte telefonische Auskunft, ob gerade Lawinengefahr besteht.

Schneeschuh-Abenteuer Kleinwalsertal

Am besten beginnen Einsteiger ihr Abenteuer im Kleinwalsertal. Das landschaftliche Kleinod gehört politisch zu Österreich, ist aber, abgeschirmt von Bergen, nur von Deutschland aus zugänglich. Von Oberstdorf liegt es nur ein paar Kilometer entfernt in Richtung Südwesten. Schnell glaubt man, ans Ende der Welt gelangt zu sein, gerade im Winter, wenn der Schnee alle Geräusche dämpft und nur das Knarzen unter den Schneeschuhen ans Ohr dringt. Durch das stille Hochtal zieht man hinauf zur 1620 Meter gelegenen Schwarzwasserhütte, während im Nordwesten der Hohe Ifen (2229 m) das Blickfeld dominiert, der das Tal überragt wie ein Schiffsbug.

Foto: Ben Wiesenfarth Touren im Allgäu

Moderne Schneeschuhe sind sehr leicht und wendig.

Oben gibt es Kaiserschmarrn...
600 Höhenmeter sind es hinauf zur Schwarzwasserhütte – für eine Wanderung im Sommer wäre das nicht allzu viel. Aber auf Schneeschuhen wird man sie in den Beinen spüren, wenn man nach zweieinhalb Stunden oben an der Hütte ankommt – und einem selbst im tiefsten Winter der Duft von Kaiserschmarrn oder Kasknödel mit Sauerkraut entgegenschlägt.

Eine ähnlich zünftige Einkehr wie die Schwarzwasserhütte bietet das Schwabenhaus, das etwa zwanzig Kilometer nordwestlich von Oberstdorf in der Hörnergruppe wartet. Diese Bergkette ist wie geschaffen für Winterabenteuer, weil man ihre über sanft geschwungene Rücken verbundenen Gipfel wunderbar aneinanderreihen kann und dabei permanent die Aussicht auf die benachbarten höheren Gebirgszüge genießt. Ein Klassiker ist es, in zwei Tagen die Hörnergruppe abzuwandern, ein Traum von einer Schneeschuhtour, bei der man so richtig abtaucht und auf halbem Weg im gemütlichen Schwabenhaus übernachtet. Technisch und konditionell stellt sie keine höheren Anforderungen als die Tour zur Schwarzwasserhütte.

Mit stetigem Schritt durch den unberührten Schnee, hindurch zwischen wie mit Puderzucker bestreuten Fichten, geht es auf der ersten Etappe von Ofterschwang (864 m) zur Hörnergruppe. Auf Höhe der Weltcupalpe durchbricht man die Nebeldecke und sieht im Sonnenglanz die Allgäuer Berge: gegenüber die Sonnenköpfe, die beeindruckenden Wengenerköpfe, Großer Daumen sowie die Hindelanger Berge und den weitläufigen Allgäuer Hauptalpenkamm. Schritt für Schritt gleitet man über den Schnee vorbei am Sigiswanger Horn zum Rangiswanger Horn (1616 m) zum Schwabenhaus.

Foto: Ben Wiesenfarth Touren im Allgäu

Abseits befestigter Wege sind Schneeschuhe einfach unschlagbar.

Berge, so weit das Auge reicht...
Wer hier früh aufsteht, erlebt die Mystik eines Wintermorgens in den Bergen. Still ist es dann, langsam weicht der Nebel, die Sonne gewinnt an Kraft und taucht den Pulverschnee in Gold. Was kann es Schöneres geben, als in solch einer Kulisse loszuziehen, den Körper zu spüren, die klare Luft einzusaugen und mit Freunden Erlebtes zu teilen?
Vier bis fünf Stunden dauert die zweite Etappe der Hör­nergruppentour.

Ihr Höhepunkt ist im wahrsten Sinne des Wortes das Riedbergerhorn (1786 m), das ein Panorama bietet, wie es selbst im Allgäu seinesgleichen sucht: Im Osten grüßen die Oberstdorfer Alpen unter anderem mit dem Nebelhorn, ein Stück weiter nördlich ragt markant der einsame Grünten auf, der auch als der Wächter des Allgäus bezeichnet wird, weil er der erste Berg ist, den der von Norden kommende Besucher erblickt. Vom Riedbergerhorn sieht er aus wie eine überdimensionale Pyramide im Schnee. Richtung Westen streift der Blick über Balderschwang, übrigens die kleinste Gemeinde Bayerns (218 Einwohner) und zugleich diejenige mit dem höchstgelegensten Ortskern Deutschlands (1044 m). Im Süden schließlich reicht die Sicht bis hinein in die Vorarlberger und Tiroler Alpenwelt. Fernblicke wie diese, genossen an einem klaren Wintertag, gehen unter die Haut, es sind die wahren Souvenirs eines Schneeschuhabenteuers im Oberallgäu. Und natürlich der Stolz am Abend, einen Klassiker wie die Hörnergruppenüberschreitung geschafft zu haben!

Drei Länder auf einmal im Blick...
Es gibt aber noch viel mehr schöne Touren für Schneeschuhgeher im Oberallgäu, alle ohne technisch schwierige Passagen und mit etwas Ausdauer gut machbar. Zu den schönsten zählt zweifellos die sechsstündige Route über die traumhaft an einem zugefrorenen See gelegene Hörmoosalpe und hinauf zur Falkenhütte. Sie beginnt nur ein paar Kilometer nordwestlich von Balderschwang bei Steibis und bietet echte Postkartenmotive, und anderem das friedliche Ehernschwanger Tal, das wirkt, als sei es aus einer anderen Zeit. Auch die berühmte Dreiländersicht erhält man auf dem Weg. Der Säntis in der Schweiz beeindruckt durch seine exponierte Lage. Doch zuerst schweift der Blick durch Vorarlberg in Österreich, um über das Rheintal hinwegzuschauen.

Kitsch? Ja, aber ganz real und zum Niederknien schön. Und es gibt noch viel mehr davon. Hält das Wetter noch? Dann am besten gleich frühmorgens ab nach Osten, in das malerisch im Ostrachtal gelegene Bad Hindelang. Dort stellt man an der Talstation der Hornbahn das Auto ab, und los geht es in einen neuen Tag im Schneeschuhparadies Oberallgäu. Steil windet sich der Weg hinauf zum Burgschrofen (1355 m) und dem Restaurant Gletscherspalte, bei guten Bedingungen ist sogar noch eine Besteigung des Imberger Horns (1655 m) drin. Der Atem geht schwer, Schweißtropfen bleiben nicht aus. Doch es tut gut, Wärme zu spüren, denn der Ostwind kann schon sehr unangenehm werden. Andererseits gäbe es ohne ihn das gute Wetter nicht, und die Aussicht auf die Nagelfluhkette, die sich auf der Burgschrofen-Runde ab Hindelang bald auftut, würde viel von ihrem strahlenden Glanz verlieren.
Wer also den vollen Schneeschuhgenuss im Allgäu will, der sollte vorher genau den Wetterbericht verfolgen. Im letzten Winter gab es Schönwetterperioden von bis zu fünf Tagen am Stück, und wer sagt, dass es in dieser Saison nicht wieder genauso lange gut werden soll?

29.01.2009
Autor: Peter Melchin
© outdoor
Ausgabe 12/2008