Pineau & Ponzo klettern 100 Mehrseillängen in 43 Tagen
Im Frühjahr 2026 setzten Laura Pineau und Elsa Ponzo in der Provence ein Ausdauer-Ausrufezeichen: In 43 Tagen kletterte das Duo 100 Mehrseillängenrouten in Gebieten wie den Calanques, dem Verdon, Cap Canaille und den Dentelles de Montmirail (siehe Bild oben). Die Idee entstand aus Pineaus Wunsch, nach erfolgreichen weiblichen Erstbegehungen – zuletzt etwa Wet Lycra Nightmare (8b) im Yosemite – ein eigenes Abenteuer zu entwerfen, inspiriert vom Kletterführer Les 100 plus belles grandes voies de Provence. Insgesamt summierte sich das Unternehmen auf 681 Seillängen und 17.765 Klettermeter. Trotz Sturm, Schnee, Regen und körperlicher Erschöpfung absolvierte Ponzo sämtliche Seillängen von 4c bis 7b+ sturzfrei im Vorstieg. Während des Projekts legte das Duo nur sieben Ruhetage ein und verbrauchte dabei täglich jeweils rund 4.000 Kalorien.
Patagonien: South African Route am Central Tower
Julia Cassou, Amelie Kühne, Belén Prados und Caro North wiederholten im Torres-del-Paine-Massiv die South African Route an der Ostwand des Central Tower – die erste dokumentierte reine Frauenbegehung der rund 1200 Meter langen Bigwall (ca. 30 Seillängen, 7b+/5.12c). Sie kletterten im Capsule Style mit fixen Lagern, bei großem Materialaufwand sowie Schnee, Eis und Sturm.

Trotz aller Widrigkeiten bleibt das Ziel bestehen, die Route eines Tages komplett frei zu klettern. Die "South African Route" wurde in den 1970er-Jahren eröffnet und 2009 von Nico Favresse, Sean Villanueva O’Driscoll und Ben Ditto erstmals frei geklettert. Im Februar 2026 gelang Tommy Caldwell und Siebe Vanhee zudem eine 24-Stunden-Begehung der Route an den Torres del Paine.
Eva-Maria Hammelmüller: Erste 9a+ in Arco
Die Österreicherin Eva-Maria Hammelmüller kletterte mit "Bombardino" an der Bus de la Stria im Sarca-Tal ihre erste 9a+. Sie benötigte dafür nur vier Sessions und beschreibt die Route als extrem boulderlastig und stark stilabhängig. Bereits im Vorjahr hatte sie sich die Linie angesehen, damals jedoch noch nicht alle Crux-Züge klettern können. Rund zwei Drittel der Route teilt sich "Bombardino" mit "Bomba" (9b), zweigt dann aber nach rechts ab. Nach Laura Rogora und Babsi Zangerl ist Hammelmüller die dritte Frau, der die Route gelungen ist. Sie wurde 2022 von Altmeister Alfredo Webber eingebohrt und noch im selben Jahr von Adam Ondra erstbegangen, der zunächst 9a+/b vorschlug. Später fand Stefano Ghisolfi eine leichtere Beta und bewertete die Linie mit 9a+.
Aktuell wird der Schwierigkeitsgrad erneut diskutiert: Mitte April schlug der 17-jährige Italiener Gianluca Vighetti nach einer Begehung im zweiten Versuch sogar eine Abwertung auf 9a vor. Auch Hammelmüller sieht die Route eher im leichteren Bereich der 9a+, nicht zuletzt weil die Crux ihrem Stil entgegenkommt. Seit ihrem Rückzug aus dem österreichischen Nationalteam Ende 2025 konzentriert sich Hammelmüller vollständig aufs Klettern am Fels und ist regelmäßig im achten und neunten Franzosengrad unterwegs. Zu ihren stärksten Begehungen zählen unter anderem "WCR" (9a), "Sans Complexe" (8c+/9a) und "Dschungelfieber" (8c+). Ihre erste 9a gelang ihr 2024 mit "Hades" am Götterwandl in Nassereith.
Jana Švecová gelingt "Tokyo Drift" (8C-Vorschlag)
Ende März 2026 gelang Jana Svecová im Mährischen Karst die Erstbegehung von "Tokyo Drift". Für die Linie im Gebiet Lidomorna schlägt Jana Svecová den Grad 8C vor. Die Route führt direkt durch eine rund 60 Grad überhängende Wand und nutzt Strukturen von Adam Ondras Boulder "Drift" (8C). Nach insgesamt zehn Sessions gelang Švecová die erfolgreiche Begehung.

Sollte die Bewertung bestätigt werden, reiht sich "Tokyo Drift" neben Švecovás "Nova" (8C) unter die schwersten Boulder-Erstbegehungen einer Frau weltweit ein. Ihr Hauptprojekt bleibt jedoch "Terranova" (8C+), 2011 eröffnet von Ondra.
Janja Garnbret: "Bibliographie" (9b+) in Céüse
Am 6. Juni 2026 gelang Janja Garnbret in Céüse (Frankreich) die Begehung von "Bibliographie" im Schwierigkeitsbereich 9b+
Garnbrets Durchstieg ist dabei mehr als ein weiterer Erfolg in ihrer beeindruckenden Felsbilanz: "Bibliographie" gilt als lange, ausdauerbetonte Linie, in der man kaum echte Erholung findet und über viele Züge präzise liefern muss. Dass sie diese Referenzroute im 9b+-Bereich knackt, zeigt, wie nahtlos bei ihr Wettkampfathletik und Felsklettern auf höchstem Niveau zusammenkommen.





