Johannifeuer Karwendel Iris Kürschner
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Johannifeuer im Karwendel: Wanderrouten und Tipps

Licht in der Finsternis Wandern zum Johannifeuer im Karwendel

Am längsten Tag des Jahres, zu Johanni, lodern im Karwendel Bergfeuer auf. Wer das Spektakel sehen will, wandert am besten in die Höhe.

Was ist das Johannifeuer?

Die Ursprünge der Sonnwendfeuer liegen in vorchristlicher Zeit. Bereits das Hineinschauen verhieß Glück, der Rauch sollte Krankheiten abwehren und heilen. Mit der Asche bestreute man Felder für eine üppige Ernte und Innenräume gegen das Böse. Die Kirche legte die Geburt Johannes des Täufers auf den 24. Juni, die Zeit der Sommersonnenwende. Die Legende um Johannes berichtet vom Verbrennen seiner Gebeine, eine Bibelstelle nennt ihn »Licht der Heiden«. So wurden aus den Sommersonnwendfeuern die Johannifeuer.

Wo starte ich mein Johanni-Abenteuer?

Der Zug fährt fast jede Stunde von München nach Mittenwald. Wer klimafreundlich beispielsweise zum Stützpunkt Wildensee oder zum Soiernhaus möchte, leiht ein Rad (s. Extratipps).

Wie orientiere ich mich?

Die Kompass-Karte Nr. 07, Werdenfelser Land, 1:25 000, 11,99 Euro, ist ideal für Touren westlich von Mittenwald. Für Touren auf der östlichen Seite im Karwendel und in der Soierngruppe bedient man sich der Kompass-Karte Nr. 26, Karwendelgebirge, 1:50 000, 9,99 Euro. Das gesamte Gebiet deckt die Karte von freytag & berndt ab: WK 322 Wetterstein – Karwendel, 1:50 000, 9,20 Euro. Buchtipps: Wanderführer Karwendel, E. Schmitt, Rother, 16,90 Euro. Amüsant: König Ludwig II. speist – Erinnerungen seines Hofkochs Theodor Hierneis, Stiebner Verlag 2013, 7,99 Euro.

Infos gibt es außerdem unter: alpenwelt-karwendel.de

Wanderrouten zu Johannifeuern im Karwendel gibt es hier in unseren komoot-Tourenkarten:

Wo kann ich auf der Tour essen?

  • Kuchen & Käse: Idyllisch in den weitläufigen Buckelwiesen zwischen Mittenwald und Krün gelegen, bietet die Goas-Alm rustikale Einkehr und einen Hofladen. Neben eigenem Ziegenkäse gibt es Käsesorten aus der Region. An warmen Tagen unbedingt das Speiseeis aus Ziegenmilch testen! Oder die leckeren, selbstgebackenen Kuchen. Montag ist Ruhetag
  • Frische Fische: Nirgends schmeckt die Forelle so gut wie im Gasthaus Ferchensee, fangfrisch und nach Müllerin Art. Sie wird allerdings nur mittags serviert.
  • Fast wie in Italien: Das beste Gelato in Mittenwald? Am Eisstand des Café Haller, Ecke Bahnhofstraße/Hochstraße.

Wo kann ich im Karwendel übernachten?

  • Zentral: Gemütlich und traditionsbewusst, mit bayrischen Schmankerln und Bio-Frühstück, Schwimmbad und Sauna – und dazu liegt das Hotel Post am Obermarkt in Mittenwald noch ideal für das Bestaunen der Karwendelfeuer. Ab 65 Euro/Pers. im DZ/F.
  • Schön ruhig: Der Berggasthof Wildensee bietet Abgeschiedenheit nur wenige Kilometer von Mittenwald entfernt an einem idyllischen Seelein. Hier können Gäste Karwendelgucken, mit dem Floß in See stechen, baden. Ein guter Stützpunkt für Wanderungen rund um den Kranzberg. 35,50 Euro/Pers. im DZ, mit Frühstück.
  • Märchenhaft: Wo die Terrasse ist, war einst König Ludwigs Wohnzimmer. Der urige Charakter der Hütte, die Historie und die familiäre Atmosphäre machen aus dem Soiernhaus ein Ziel für Wiederholungstäter. Mitte Mai–Mitte Okt., Lager 10 Euro (DAV-Mitglieder), sonst 20 Euro.
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Licht in der Finsternis (aus Heft 06/2022) Wandern zum Johannifeuer im Karwendel
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Extratipps zur Karwendel-Tour

  • Bikerbahnhof: Räder vom E-Mountainbike bis zum Tourenrad verleihen Michael Lochner und sein Team am Bahnhof Mittenwald, wertvolle Ausflugstipps inklusive. bikerbahnhof.com
  • Johannifeuer bequem: Starke Perspektiven liefert der Standpunkt oberhalb des Hotels Drachenburg an der Straße von Mittenwald zum Lautersee. Oder das Hotel Post (ostseitige Zimmer, mit Balkon in 2. oder 3. Etage).

Drei Johanni-Touren mit Karten

1. Schöttelkarspitze

Der Zustieg über den Lakaiensteig gibt schon ein spannendes Entree in den Soiernkessel, wo zwei glasklare Bergseen für Erfrischung sorgen. Die Schöttelkarspitze verwöhnt dann mit bestem Rundumpanorama – es gibt kaum einen Platz, von dem man mehr Johannifeuer sieht als von hier. Tipp: Mit dem E-Bike kombiniert, lässt sich die Tour weitaus entspannter angehen. Das Bike stellt man an der Fischleinalm ab; von dort sind es über den Lakaiensteig zur Schöttelkarspitze noch rund 3 Std.

Mehr zum Thema:
Länge 20,33 km
Dauer 8:44 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1228 Meter
Höhenmeter absteigend 1225 Meter
Tiefster Punkt 862 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

2. Wettersteinspitze

Auch am Gemsanger brennen Johannifeuer. Die Höhenterrasse liegt am Steig zur Oberen Wettersteinspitze, Teil der Runde ab Mittenwald mit spektakulärer Schau in die Leutasch, auf die Seen von Mittenwald und zum Karwendel.

Mehr zum Thema:
Länge 16,73 km
Dauer 8:43 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1402 Meter
Höhenmeter absteigend 1402 Meter
Tiefster Punkt 914 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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3. Kranzberg

Die Tour führt rund um und über den Mittenwalder Hausberg. Familienfreundlich, unterwegs kann man in den Barfußweg einfädeln. Bei klarer Sicht erfreut das Panorama des Karwendels vis-à-vis. Wer die Johannifeuer bewundern möchte, darf nicht vergessen, dass der Sessellift nur bis 16.30 Uhr läuft; für den Rückweg unbedingt eine Stirnlampe einpacken! Gut zu wissen: Ab drei Übernachtungen schenkt einem die Gästekarte eine Berg- und Talfahrt mit dem Kranzberg-Sessellift sowie einen Eintritt ins Karwendelbad.

Mehr zum Thema:
Länge 5,11 km
Dauer 1:38 Std
Schwierigkeitsgrad Leicht
Höhenunterschied 213 Meter
Höhenmeter absteigend 218 Meter
Tiefster Punkt 1156 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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"Licht in der Finsternis" – der Reisebericht vom Karwendel

Es könnte ein Tag irgendwann in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts sein, ein Tag zu Lebzeiten Ludwigs II. Die Bergspitzen zeichnen sich am Horizont ab. Die weite Sicht in die Ebene, wo sich München im Dunst vermuten lässt. Sanfter Wind streichelt die Gräser in den Schuttflanken, Dohlen feuern ihre Freudenpfiffe durch die Luft. Ein zeitloser Blick.

Drei Gestalten nähern sich auf dem Lakaiensteig von der Fischbachalm her den Soiernseen, ihr Ziel: der gut 2000 Meter hohe Gipfel der Schöttelkarspitze, die der Märchenkönig so liebte. Sie nutzen die anspruchsvolle Route einer neunstündigen Runde ab Krün; oben können Wandernde im Matratzenlager des Soiernhauses übernachten. Schwer beladen wie einst die Lakaien des Königs folgen die Burschen dem schmalen Pfad, der sich ausgesetzt an der Felswand entlangschlängelt. »Wenn ein König Ausflüge macht, dann ist das etwas anderes, als wenn unsereiner mit dem Rucksack in die Berge zieht«, schrieb dereinst Ludwigs Hofkoch Theodor Hierneis. Egal wie kurz die Abstecher, »ins geliebte Gebirge musste der ganze Bedarf an Lebensmitteln, Küchengeschirr, Tafeltüchern, Damastservietten und noch vieles andere, natürlich auch das ganze Speiseservice, mitgeschleppt werden«.

Wo der König in die Nacht träumte

Anno 1866 ließ Ludwig II. das Soiernhaus im sogenannten Vorkarwendel bauen und als Zustieg den Lakaiensteig, über den ein etwa zwanzigköpfiger Tross vorauseilen musste, um alles herzurichten, bevor der König eintraf. Weil Ludwig in die Sonnenuntergänge von der nahen Schöttelkarspitze vernarrt war, ließ er die Gipfelkalotte platt machen und mit einem Pavillon krönen, wo er, auf einer Chaiselongue am wärmenden Kachelofen liegend, ganze Nächte verbrachte, in den Sternenhimmel und ins Panorama träumend. Gerne auch das Lichtspiel von Feuerwerken bewundernd, die seine Dienerschaft vor der Kulisse der Felswände zünden musste. Längst ist der Pavillon abgebrannt. An seinem Platz steht jetzt ein Gipfelkreuz, an dem die drei Gestalten ihre Last abladen. Hannes, Martl und Christian heißen die jungen Kerle. Wenig später kommt Hans nach, der Opa von Martl, und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Bald zischt es. Aber die Gruppe möchte nicht nur ihr Feierabendbier genießen. Sie haben Brennbares den Lakaiensteig hochgeschleppt: Sägespäne und Biodiesel. Kein Benzin mehr, sagt Hans, wie dazumal, als man sich noch nicht um die Umwelt sorgte. Seit bald 50 Jahren steht der 71-Jährige zu diesem Datum hier oben. Für die Jungen ist es der Höhepunkt des Jahres, wenn sie in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni Johannes den Täufer mit Bergfeuern ehren. »Tatsächlich ist das Feuern außerhalb behördlich ausgewiesener Stellen in Bayern verboten«, sagt Hans. »Bei den Johannifeuern aber drückt selbst der Bundesforst ein Auge zu, weil es sich um einen uralten Brauch handelt.«

Johannifeuer Karwendel
Iris Kürschner
Überall rings um die Linderspitze leuchtet das Gebirge wie eine gigantische Geburtstagstorte.

Um die Feuer von nah oder fern anzusehen, gibt es viele Möglichkeiten: Neben der Schöttelkarspitze bietet sich auch noch die Wettersteinspitze an, über die eine schwere Runde von 17 Kilometern Länge und 1400 Höhenmetern ab Mittenwald führt. Wer auf ihr in die Dämmerung wandert, sollte nicht nur alpine Erfahrung, sondern unbedingt auch Ausrüstung für ein Biwak mitbringen. Ganz gemütlich hingegen beobachtet man die Feuer auf einer lockeren Runde am Kranzberg, dem Hausberg Mittenwalds. Für den Abstieg unbedingt eine Stirnlampe einpacken! Die vielfältigsten Chancen auf spannende Fotos hält die Bergstation der Karwendelbahn bereit. Allerdings muss man sich in dem alpinen Gelände dann auch im Dunkeln zurechtfinden. Von der Bergstation brauchen trittsichere Wandernde nur 20 Minuten auf die Nördliche Linderspitze (2372 m). Aber es gibt oben keine Übernachtungsmöglichkeit: Auch hier muss man ein Biwak einplanen oder zur Dammkarhütte absteigen.

Offene Flammen für günstiges Geschick

An der Schöttelkarspitze kann man im Soiernhaus (1616 m) übernachten, auch Hannes, Martl, Christian und Hans haben es auf ihrem Weg zum Gipfel passiert. Zum Teil führt der Weg sogar noch auf der alten Pflasterung des Königssteigs hinauf. Geschichtsträchtiges begegnet einem hier oben auf Schritt und Tritt. Bei den Sonnwendfeuern werden die Ursprünge in der Anfangszeit der Menschheitsgeschichte vermutet. Sowohl zum Mittsommer wie zum Mittwinter, wenn die Sonne ihren höchsten oder tiefsten Stand erreicht, tritt der Jahreszyklus in eine neue Phase. Solche Naturvorgänge wurden von den Menschen »seit jeher mit Ritualen begleitet«, schreibt der Ethnologe Kurt Derungs, »weil sie sich einerseits als Teil der Naturabläufe verstehen und andererseits mit den Ritualbräuchen im Mikrokosmos das Naturgeschehen im Makrokosmos beeinflussen möchten«. An ihren längsten Tagen schenkt die Sonne den Pflanzen ihre höchste Lebenskraft. Die Menschen feierten das mit Feuern, tanzten um sie herum als Zeichen der Verbundenheit mit dem Licht und im Einklang mit dem Vegetationszyklus. Sie hofften auf eine gute Ernte. Und je nachdem, wie ein gemeinsamer Sprung über das Feuer gelang, zogen Liebespaare Rückschlüsse über ihre Beziehung. Singles durften mit einem Sprung auf baldige Heirat hoffen, auch versprach das Ritual Schutz vor Bösem, vor Hexen und vor Geistern.

Johannifeuer Karwendel
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An der Schöttelkarspitze: Alt und Jung vereint das Brauchtum Johannifeuer.

Dieses heidnische Treiben passte nicht zur Lehre der Kirche. Deshalb legte sie bereits in der Antike die Geburt Johannes des Täufers auf den 24. Juni, in die Zeit der Sommersonnenwende, und die Geburt Christi ein halbes Jahr später auf die Wintersonnenwende. Und weil Johannes als Lichtgestalt gilt, werden die Feuer gerne auf Bergspitzen entzündet, damit sie weit leuchten.

Als offizieller Sommeranfang gilt der 21. Juni, dabei werden die Tage dann wieder kürzer. An Johanni merkt man das noch nicht. Die Sonne steht hoch, trotz später Stunde. »Wären wir jetzt ein Stück über dem Polarkreis, ginge sie den ganzen Tag nicht unter«, sinniert Hannes, auf seinen Hirtenstock gestützt. Langsam verwandelt der Dunst am Horizont die Sonne in eine rote Feuerscheibe. Die Sägemehl-Depots sind unterhalb des Gipfelkreuzes in weitem Halbrund sorgsam verteilt. Hans prostet den Buben zu. Brotzeit und Büchsenbier aus dem Rucksack machen die Runde. Viertel vor zehn trudelt das Okay per Handy ein. Die Feuer dürfen gezündet werden. Geschäftiges Treiben, bis sie alle brennen. Langsam verwandelt sich die Landschaft in eine Geburtstagstorte. An allen möglichen Gipfeln glimmt es auf. Als wären Geister am Werk, streichen Nebelschwaden um die benachbarten Plirschköpfe, wo Kollege Robbi mit seinem Team die Feuer legt. Mal tauchen sie auf, mal verschwinden sie. Man würde sich nicht einmal wundern, wenn Hexen auf ihren Besen durch diese Szenerie ritten.

Auf der anderen Talseite leuchtet es am Herzogstand und im Estergebirge, an der Zugspitze und am Wetterstein. Im Karwendel hat man sich selbst auf die spitzesten Spitzen hinaufgewagt: auf die Westliche Karwendelspitze, die Karwendelköpfe, die Viererspitze ... Man jauchzt sich zu, und eine geballte Ladung Lebensfreude hallt von den Felswänden wider. Windböen spielen mit den Funken, die wilde Leuchtspuren in die Nacht zeichnen. Ein Schauspiel, das hypnotisiert. Jeder hängt seinen Gedanken nach. So wie dereinst schon Märchenkönig Ludwig.

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