Innsbruck bis Brenner: Outdoor-Destination Wipptal

Urlaub in Tirol
Innsbruck bis Brenner: Outdoor-Destination Wipptal

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.05.2026
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Lage und Charakter des Wipptals

Wer in den Alpen unterwegs ist, ist bestimmt schon einmal durch das Wipptal in Österreich gefahren. Von Innsbruck erstreckt es sich bis zum Brennerpass und weiter nach Südtirol. Ab Sterzing wird es meist Eisacktal genannt und endet schließlich in Franzenfeste. Gleichwohl es seit Jahrtausenden eine wichtige Alpenüberquerung darstellt, ist es vielen weniger bekannt als die Nachbarn Stubaital und Zillertal.

Fünf bewohnte Seitentäler zweigen vom Haupttal ab und bieten unberührte Natur fern vom Massentourismus. Gleich zwei Bergsteigerdörfer stehen hier für nachhaltigen Tourismus mit kleinen familiengeführten Unterkünften und ursprünglichen Berglandschaften. Von den Hauptorten Matrei, Steinach und Gries gelangt man schnell in die Bergtäler, genießt aber auch die Nähe zur Landeshauptstadt Innsbruck.

Westlich ragen das Gschnitztal sowie das Obernbergtal in die Stubaier Alpen, östlich liegt das Navistal in den Tuxer Alpen. Ab dem Schmirntal beginnen die Zillertaler Alpen, in denen außerdem das Valsertal liegt und auch bewaldete Berge. Rings um das Haupttal ragen also zum einen die schroffen Gipfel dieser Gebirgsgruppen auf, aber auch sanfte bewaldete Berge, Talstufen und die idyllische Sill kennzeichnen die reizvolle Landschaft des Wipptals.

Wie komme ich ins Wipptal?

An einer der wichtigsten Alpenüberquerungen gelegen, ist das Wipptal einfach zu erreichen: mit dem Auto über die Brennerautobahn A13, die Innsbruck mit Modena in Italien verbindet, sowie der kurvigen Brennerstraße 182. Durch die Brennerbahn ist das Wipptal zudem gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Die S-Bahn-Linie 3 fährt jede halbe Stunde ab Innsbruck über Matrei, Steinach, St. Jodok und Gries bis zum Bahnhof Brenner. Busverbindungen führen in die Seitentäler. Wer im Wipptal übernachtet, bekommt an der Unterkunft die Wipptalcard ausgehändigt und darf damit kostenlos alle öffentlichen Verkehrsmittel des Tals nutzen. Zusätzlich gibt es Ermäßigungen bei Bergbahnen, Skitickets und geführten Touren.

Gemütlich zu Bergseen wandern, anspruchsvolle Gipfel besteigen oder eine Hüttentour angehen: Das Wipptal bietet abwechslungsreiche Bergerlebnisse für jeden Geschmack und in jedem Schwierigkeitsgrad. Im Haupttal kann es noch etwas trubelig zugehen, doch die Bergtäler schenken Ruhe und Einsamkeit. Hier zwischen Stubaier, Tuxer und Zillertaler Alpen lassen sich noch einige geheime Juwelen entdecken und teilweise trifft man sogar eher auf Einheimische als auf Touristen.

Westlich des Wipptals: Sommeraktivitäten im Obernbergtal und Gschnitzertal

Aus dem Obernbergtal zweigt das unbekannte Fradertal nach Süden ab; am Talschluss liegt der Hohe Lorenzenberg (2313 m), der auf einer mittelschwere Wanderung (4 Stunden) erreicht wird. Nun kann man weiter am Kamm zu Italien den Ausblick auf Südtirol genießen, zur Allerleigrubenspitze (2131 m) wandern oder zum Obernberger See absteigen. Im glasklaren Wasser spiegeln sich die umgebenen Stubaier Gipfel, mittendrin thront eine Kapelle über dem türkisfarbenen See. Die leichte Rundwanderung dauert etwa zwei Stunden und ist auch für Familien möglich. Das frische Wasser lockt zwar zu einem Bad, das ist jedoch verboten.

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Tourismusverband Wipptal / Johannes Bitter

Aus dem Obernbergtal ist der Zustieg zum See auf dem Forstweg sogar mit Kinderwagen möglich. Oder man wandert auf schmalen Pfaden über den Almenweg. Für eine Einkehr lädt die Steineralm ein, die jedoch zusätzliche 40 Minuten Wanderzeit verlangt. Über eine mittelschwere Bergtour ist ab hier die Besteigung des Obernberger Tribulaun (2780 m) möglich; drahtseilversichert geht es zum Gschnitzer Tribulaun (2946 m). Der höchste der drei, der Pflerscher Tribulaun (3097 m), gehört zu den am schwierigsten zu erreichenden Gipfeln in den Stubaier Alpen mit Kletterei ab dem dritten Grad und hoher Steinschlaggefahr. Wer hier auf der Stubaier Grenzrunde (52 km, 5000 hm) weiterwandert, erreicht über hochalpine und einsame Pfade den Übeltalferner und damit den größten Gletscher Südtirols.

Über die Gschnitzer Tribulaunhütte geht es von den Tribulaunen bergab ins Gschnitzertal. Es gilt als sanftes Tal voller Hütten. Seine beiden Gemeinden Trins und Gschnitz sind als Bergsteigerdörfer ausgezeichnet. Schon seit dem 18. Jahrhundert versuchen sich Menschen an den herausfordernden Gipfeln wie etwa dem Habicht (3277 m). Die zahlreichen Hütten verbinden die beiden alpinen Weitwanderwege Gschnitztaler Hüttentour (60 km, 6000 hm) als Rundtour sowie Gschnitztaler Hüttenstern (82 km, 5500 hm) ohne einen Wechsel der Unterkunft.

Dabei wandert man auch auf den Blaser (2241 m), der als blumenreichster Berg Tirols bekannt ist. Die Blütenpracht mit rund 20 Orchideenarten, Primeln und Edelweiß erleben Wandernde vor allem Ende Juni/Anfang Juli auf einer mittelschweren Tagestour (4,5 Stunden). Auch eine Mountainbiketour auf diesen Blumenberg ist möglich. Die gesamte Schönheit des Tals erfährt man am besten mit dem Fahrrad auf dem Gschnitztalradweg (15 km, 250 hm). Familien mit Kindern erleben bei einem Ausflug in die Erlebniswelt Bärenbachl einen großen (Wasser-)Spielplatz, interaktive Stationen und einen Abenteuerpfad (1 Stunde) im Wald. Ein mittelschwerer Kammweg führt ab hier am bezaubernden Lichsee vorbei ins Obernberger Tal.

Östlich des Wipptals: Schmirntal, Valsertal und Navistal

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Tourismusverband Wipptal / Johannes Bitter

Ein weiteres Bergsteigerdorf liegt umgeben zwischen den Tuxer und Zillertaler Alpen. Das Örtchen St. Jodok ist das Bindeglied von Schmirn- und Valsertal, deren Talschlüsse zu den schönsten Tirols zählen. Der höchste Berg der Region kann von hier bestiegen werden: der Olperer (3476 m) in den Zillertaler Alpen. Seinen pyramidenförmigen Gipfel zu erklimmen, verlangt Kletterei an ausgesetzten Graten. Ganz nah an ihm vorbei kommt man auf dem Schmugglerpfad (41 km, 2200 hm). In vier Etappen führt er am Grenzkamm zu Südtirol entlang, zu versteckten Gletscherseen und atemberaubenden Aussichten.

Um das mächtige Gebirgsmassiv herum verläuft die Peter-Habeler-Runde (57 km, 3500 hm). Eine Woche lang wandert man auf alpinen Pfaden von Hütte zu Hütte und bewundert den Olperer von allen Seiten. Natürlich gibt es auch einfache (Familien-)Wanderungen wie auf den aussichtsreichen Padauner Kogel (2066 m). Wer lieber sportklettert, kann sich an der Stafflacher Wand ausprobieren und den sportlichen Peter Kofler Klettersteig (B-C) testen.

Sanfte Gipfel liegen vor allem rund um das Navistal in den Tuxer Alpen. Dieses "Tal der Almen" ist ausgesprochen sonnig und für seine prächtige Alpenflora bekannt. Am Talschluss besteigt man den Gipfel des Kreuzjöchl (2536 m) und erlebt Ausblicke auf kleine Seen, die Spitzen des Tuxer Hauptkamms, das Wipptal, bis hin zu den Gletschern der Stubaier Berge. Oder man wandert gemütlich auf der Naviser Almenrunde – die auch mit dem Mountainbike möglich ist – und genießt die fünf Einkehrmöglichkeiten.

Winteraktivitäten im Wipptal

Das Skiangebot ist im Wipptal eher überschaubar. Die Ski- und Freizeitarena Bergeralm in Steinach am Brenner ist Zentrum des alpinen Skisports. Hier treffen 30 Kilometer präparierte Pisten für Genuss-Touren auf ein kinderfreundliches Angebot. Familien haben außerdem Spaß auf den zehn Rodelbahnen im Wipptal. Die längste Naturrodelbahn misst hier drei Kilometer und beginnt bei Maria Waldrast in Matrei.

Die weiß bepuderten Seitentäler lassen sich besser auf Skitouren und beim Schneeschuhwandern entdecken. Zum Beispiel auf der fünftägigen Wipp Traverse vom Stubaital zum Brenner. Da diese von Tal zu Tal führt, übernachtet man in einem Hotel und kehrt jeden Abend dorthin zurück. Ansonsten gilt der Sattelberg in Gries als Mekka für Skitouren. In St. Jodok sind Touren noch bis in den Frühling hinein möglich und an der Stafflacher Wand ist das Eisklettern beziehungsweise Drytooling möglich. Der Hotspot fürs Langlaufen ist das Gschnitztal mit etwa 40 Kilometer Loipen, die sogar kostenlos sind.

Wo einkehren und schlafen im Wipptal?

Ob Hotel, Pension, Ferienwohnung oder Bauernhof: Etwa 150 Unterkünfte gibt es in der Region Wipptal. Nach vorheriger Reservierung kann auch auf den Hütten übernachtet werden. Besonders das Bergsteigerdorf Gschnitztal hat eine hohe Anzahl an Berghütten und bewirtschafteten Almen. Sie bieten Tiroler Köstlichkeiten, wie verschiedene Knödelsorten, traditionellen Zwiebelrostbraten und süßen Kirchtagskrapfen.