Olba – Frankenjura auf Spanisch
Es war der Zufall, der meine Freundin und mich 2009 nach drei Monaten on the road in das Tal des Alto Mijares verschlug. Den lochdurchzogenen Wänden in der Nähe des 300-Seelen-Dorfes Olba waren wir sofort verfallen. Und entgegen unserer Pläne blieben wir an diesem magischen Ort 100 Kilometer nordwestlich von Valencia. Nach vielen Jahren, in denen wir zunächst alleine neue Routen erschlossen, gesellten sich immer mehr Freunde und Kollegen dazu. Es herrschte Goldgräberstimmung, doch wir suchten kein Edelmetall, sondern Linien im teilweise gold-orangenen Kalkstein. Inzwischen sind es 580. Vor zehn Jahren bot sich die Gelegenheit, ein einsam gelegenes Haus in der Nähe von Casa Bolea mit dem wundervollen Blick auf die Kletterfelsen zu kaufen – die Erfüllung eines Traums. So entstand nicht nur unser Refugio, sondern auch ein Ort der Begegnung. Es ist ein Platz, um Gleichgesinnte zu treffen und die Natur zu genießen, den wir bis heute gerne mit Kletterern, Outdoor-Enthusiasten und deren Familien teilen. Wer Lochkletterei wie im Frankenjura mag, wird Olba lieben. Etwa 40 Prozent der Sektoren liegen im Schatten, 60 Prozent sind sonnig. Viele der sonnenexponierten und windgeschützten Sektoren erlauben angenehmes Klettern im Winter. Die schattigen Sektoren fordern oft etwas mehr und sind daher bei ambitionierten Kletterern sehr beliebt. Aber es gibt genug für alle!
Wandhöhe: 15 bis 40 m, ein 60-Meter-Seil reicht in etwa 90 Prozent der Routen. Ausrichtung der Sektoren: sämtliche Richtungen
Routenanzahl: 580 (davon bis 6a: 140; bis 6c: 220; bis 7c: 200)
Must-do-Routen:
- Negro (5b)
- Sancho Panza (6a+)
- Kurt-Albert-Gedächtnisweg (6a+)
- Don Quijote (6b)
- Tras Cabras (6b+)
- El Deseo Voraz (6c)
- El Poema (7a)
- Estrata Gemma (7c)
Jelašnica Gorge – Serbiens Kletterzentrale
Nur wenige Kilometer südöstlich der quirligen Universitätsstadt Niš verläuft die rund zwei Kilometer lange Jelašnica-Schlucht – nach wie vor der zentrale "Breeding Ground" der kleinen, aber lebendigen Sportkletterszene des Landes. Der Canyon zieht sich in mehreren Ebenen durch den Fuß des bis zu 1810 Meter hohen Gebirges Suva Planina im Südosten Serbiens. Hier öffnet sich auf engem Raum eine außergewöhnlich vielfältige Welt: scharf strukturierter dolomitischer Kalk mit Pfeilern, technische Platten, steile Wandpassagen und vereinzelt Überhänge. Rund 245 Sportkletterrouten, etwa 240 Boulderprobleme sowie einige Mehrseillängen verteilen sich auf 15 Sektoren. Die Kletterei reicht von gut zugänglichen Genussrouten bis zu anspruchsvollen Klassikern und macht Jelašnica zu einem idealen Gebiet für längere Aufenthalte. Das milde Mikroklima erlaubt nahezu ganzjähriges Klettern: Im Sommer folgt man dem Schatten durch die Schlucht, im Winter bieten sonnige Wände überraschend gute Bedingungen. Abseits des Kletterns laden Aussichtspunkte, Wanderungen, Mountainbiketouren, Paragliding und die Bergwelt bis hinauf zum Gipfel der Suva Planina zu weiteren Aktivitäten ein. Im Dorf Jelašnica gibt es kleine Restaurants und familiäre Pensionen, die seit Jahren Kletterer:innen beherbergen.

Verfolgt vom Efeu stützt sich Milica Tubin in den Plattenaufschwung von Poison Ivy (6c+) in der Jelašnica Gorge.
Wandhöhe: 10 bis 90 Meter, meist bis zu 30 Meter. Ausrichtung der Sektoren: alle Richtungen
Routenanzahl: 245 plus Boulder und einige Mehrseillängenrouten (davon bis 6a: 49; bis 6c: 93 ;bis 7c: 76)
Must-do-Routen:
- Samba Si Travaho No (5c)
- Šišmiš (6b+)
- H2O/Full contact (6b+)
- Karika koja nedostaje (6c)
- Starscream (7b)
- Solaris (8a)
- Lumbago (8a+)
- Future Land (8b+)
Cogollos de la Vega – Spanien vom Feinsten
Grauer und orangefarbener Kalk, griffig und kompakt – erstaunlich, dass sich die Qualitäten von Cogollos bei uns noch nicht herumgesprochen haben. 25 Kilometer nördlich von Granada lockt das Gebiet mit vorbildlicher Absicherung und hervorragenden Routenoptionen vor allem in den französischen Graden 6 und 7 – meist Sportkletterlinien zwischen 20 und 40 Metern Länge. Es gibt alle Wandneigungen, und im Sektor El Goterón ist sogar Tufakletterei möglich. Durch die südliche Ausrichtung bietet Cogollos besonders im Herbst, Winter und Frühling allerbeste Kletterbedingungen. Das kleine, sympathische Hostel "Solana de Granada" empfiehlt sich als zentrale Anlaufstelle. Es liegt direkt am Felsen, verfügt über private Klettermöglichkeiten im Garten und ist ideal, um Kletterpartner:innen zu treffen – man findet immer jemanden. Auch Material lässt sich dort leihen und eine breite Auswahl an Kletterkursen besuchen. Neben dem Hostel betreibt der junge Franzose Mathieu Brun "Akroche Climbing". Er lebt seit Jahren als Guide in Granada, hat nahezu jede Route in Cogollos geklettert und zeigt einem gerne die 5-Sterne-Linien. Ein weiterer Vorteil ist die zentrale Lage innerhalb der Region. Mit dem Auto erreicht man das bekannte Klettergebiet Alfacar in wenigen Minuten, ebenso wie mehrere andere Spots rund um Granada – das mit seiner Altstadt, der Alhambra, der Tapas-Kultur, Second-Hand-Shops und vielen Cafés Ruhetage zum Vergnügen macht. Die Umgebung eignet sich außerdem für Wanderungen oder Mountainbiketouren mit Blick auf die Berge der Sierra Nevada.

Zehn Gehminuten vom Hostel findet Ursin Flepp allerfeinstes Sintergestein in Puto Gringo (7c) im gleichnamigen Sektor.
Wandhöhe: bis 40 Meter, Ausrichtung der meisten Sektoren: Süden
Routenanzahl: 257 (davon bis 6a: 18; bis 6c: 52; bis 7c: 121)
Must-do-Routen:
- El culazo de la yoli (5b)
- La nuevas generaciones (5c)
- Alejandrito (6a)
- Diedrito (6a+)
- Vuelven Los 80 (6b)
- Finger Toaster (6b+)
- Jack Sparrow (6c)
- Coyote (6c+)
Maratea – Juwel in Süditalien
Steile Klippen, kleine Buchten und verwinkelte Gassen: Maratea ist ein Bilderbuchort ganz am Ende Süditaliens, knapp über dem Rist des Stiefels. Seit 2022 erschließe ich als Bergführer die Felsen der Umgebung, doch es bleibt noch jede Menge Potenzial. Wer Lust hat, packt also die Bohrmaschine und reichlich Haken ein. Aber es reicht schon jetzt für wunderschöne Tage in der Nähe des Tyrrhenischen Meeres: Derzeit warten fünf Sektoren darauf, entdeckt zu werden, allesamt Juwelen. Nachdem ich hier viele Routen mit meinen Freunden eingerichtet habe, ist mir aber nicht nur die Kletterei, sondern auch die Kombination aus kristallklarem Meer und sanften Bergen ans Herz gewachsen. Die Auswahl reicht von gut gesicherten, einfachen Routen im Sektor Placca bis zu einmaligen Tuffsteinplatten im Sektor Canyon. Nicht zu vergessen die beiden Mehrseillängenrouten, die direkt am Meeresspiegel starten – zum Einstieg wird abgeseilt. Die mit Inoxhaken ausgestatteten Touren sind mit 6a bewertet (5b+ obligatorisch) beziehungsweise 6a+ (5c obligatorisch). Der Tag endet mit einem Sprung ins Meer und vielleicht einer Pasta con i Peperoni Cruschi: Pasta mit in Olivenöl knusprig frittierten, getrockneten Paprikaschoten. Klettersteig-Fans steigen auf den Monte San Biagio (623 m), der am Gipfel bei der 22 Meter hohen Christusstatue endet.

Genni Carmando arbeitet sich die steilen 25 Meter in Suspiria de Profundis (6c+) zum Umlenker, Sektor Mezzo Secolo.
Wandhöhe: 12 bis 30 Meter, Ausrichtung der meisten Sektoren: Ost und West
Routenanzahl: 66 (davon bis 6a: 11; bis 6c: 37; bis 7c: 16)
Must-do-Routen:
- Il barbacane (5c+)
- Arcieri (6a)
- Anime dal Purgatorio (6a)
- La Grotta: Renicedda (6a+)
- Rena du nastru (6b)
- Minerva (6b)
- Il paese dei bocconotti (6b)
- Colonnelo Mandarini (6c)
- Suspiria de Profundis (6c+)
- La resistenza (7a)
- MC4 (7a)
- Cent’ammari (7a)
- Illicini (7b)
- Chiedimi se sono morto (8a)





