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Reisebericht 03/2021: Ahrsteig Christopher Pfromm
Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
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6 Tage Wandergenuss auf dem Ahrsteig

Fernwanderweg Ahrsteig 6 Tage auf Tour: Von der Ahrquelle zum Rhein

Auf 100 Kilometern bietet der Ahrsteig Wandergenuss zwischen steilen Weinbergen. Alle wichtigen Infos zum Weitwanderweg hier ...

Im Ahrtal südlich von Bonn gedeihen edle Weine. Premium ist aber auch der Ahrsteig, der sechs Tage durch die besten Hanglagen führt – manchmal sogar ziemlich steil. Alle Etappen und viele Reisetipps findet ihr hier auf der Seite – oder als PDF zum Download:

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Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Fernwanderweg Ahrsteig (aus Heft 03/2021) Mehrtageswanderung auf dem Ahrsteig - Infos & Tipps
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Etappen und Reisetipps in der Übersicht

Etappe 1: Blankenheim – Aremberg

Von der Ahrquelle spaziert man durch die Altstadt hinab zum Weiher und durch die Auen des jungen Flusses. Im Buchenwald geht es über Holzbrücken zum Birker Berg hinauf und über die Wiesen des Bohrsbergs zum Freilinger See. Hier führt der Ahrsteig über die Staumauer, quer über die Landstraße und auf einem Wiesenpfad auf den Hühnerberg. Auf der alten Römerstraße durch Fichtenforst nach Aremberg.

Mehr zum Thema:
Länge 21,59 km
Dauer 5:57 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 377 Meter
Höhenmeter absteigend 357 Meter
Tiefster Punkt 480 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Etappe 2: Aremberg – Insul

Ein alter Pflasterweg leitet zur Schlossruine hinauf; von dort durch Mischwald nach Eichenbach. In einer Schleife leitet der Weg um Schuld herum zur Felspassage »Spicher Ley« und dann hinab zur Brücke von Insul.

Mehr zum Thema:
Länge 18,68 km
Dauer 5:33 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 435 Meter
Höhenmeter absteigend 770 Meter
Tiefster Punkt 555 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Etappe 3: Insul – Kreuzberg

Der Steig verlässt nun die Ahr. Durch ein Seitental wandert man nach Sierscheid und hinauf zur Dümpelhardt. Durch Wiesen und Wald geht es nach Lind und zur Krippenkapelle. Jetzt auf einem Kiesweg und einem Waldpfad hinab nach Kreuzberg.

Mehr zum Thema:
Länge 17,80 km
Dauer 5:18 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 530 Meter
Höhenmeter absteigend 576 Meter
Tiefster Punkt 219 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Etappe 4: Kreuzberg – Walporzheim

Die Königsetappe beginnt mit dem steilen Aufstieg zum Teufelsloch. Mit Blick auf Burg Are wandert man zum Schwarzen Kreuz, hinab zum Tunnel durch die Engelsley und durch Weinberge auf das Plateau Krähhardt. Die Abstecher auf die Felsspitze Teufelslei und auf die Saffenburg belohnen mit Top-Ausblicken. Danach ins Tal hinab und an der Ahr nach Dernau. Jetzt kommt der letzte Aufstieg des Tages: durch Buchen- und Krüppeleichenwald auf den Krausberg. In Kehren hinab nach Walporzheim.

Mehr zum Thema:
Länge 17,06 km
Dauer 5:31 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 553 Meter
Höhenmeter absteigend 590 Meter
Tiefster Punkt 175 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Christopher Pfromm
Ein kurzer Abstecher führt zur Saffenburg mit ihrem herrlichen Blick über steile Weinberge.

Etappe 5: Walporzheim – Bad Neuenahr

Durch die Maibachklamm geht es zum Kloster Calvarienberg, von dort hinauf zum Hardtberg und zur Lourdeskapelle. Man passiert die Karlsberghütte, steigt zum Neuenahrer Berg auf und in Kehren ab nach Bad Neuenahr.

Mehr zum Thema:
Länge 12,19 km
Dauer 3:38 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 306 Meter
Höhenmeter absteigend 345 Meter
Tiefster Punkt 136 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Etappe 6: Bad Neuenahr – Sinzig

Über den Niessen-Weg aus Neuenahr hinauf, in Schleifen hinab zur Unterführung der A 61. An der Ehlinger Ley wird der Weg wieder idyllischer, und im »Ännchen« stärkt man sich mit Kuchen für den Schlussspurt zum Schloss.

Mehr zum Thema:
Länge 15,83 km
Dauer 4:38 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 406 Meter
Höhenmeter absteigend 515 Meter
Tiefster Punkt 185 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Tipps zur Reise:

  • Hinkommen: Mit dem Zug fährt man über Köln nach Kall. Von dort bringen einen Busse zum Start in Blankenheim.
  • Herumkommen: Zwischen Kreuzberg und Bad Neuenahr fahren regelmäßig Züge. Die Verbindung zwischen den Orten an der Mittelahr und an der Oberahr dagegen ist sehr langwierig und umständlich. Vom Ende des Ahrsteigs in Sinzig kommt man wieder einfach per Zug nach Köln.
  • Orientieren: Der Ahrsteig ist durchgehend gemäß der Kriterien des Wanderverbands markiert und beschildert. An Abzweigungen ist allerdings manchmal das geschwungene ASLogo auf den Baumstämmen nicht leicht zu entdecken. Gute Orientierung bietet die topographische Karte »Ahrsteig Wandern« von ideemedia im Maßstab 1:25 000. ideemediashop.de, 7,95 Euro
  • Informieren: Zum Planen genügt die Webseite ahrsteig.de. Sie beschreibt die einzelnen Etappen und Sehenswürdigkeiten am Wegesrand und leitet weiter zu Listen der Pensionen und Hotels in den Orten. Der Ahrsteig wird auf der Seite in sieben Etappen gegliedert; Etappe 1 (bis zum Freilinger See) und 2 lassen sich problemlos in einem Tag bewältigen. Wer mehr über die Geschichte des Tals und die Hintergründe des Steigs lesen will, sollte sich den Wanderführer »Ahrsteig Wandern« von Olaf Goebel kaufen, ISBN: 978-3-934342-62-0, ideemediashop.de, 11,95 Euro. Allgemeine Infos zum Ahrtal stehen auf ahrtal.de.
  • Beste Zeit: Den Großteil des Wegs kann man das ganze Jahr gehen. Nur die felsigen Steige an der Mittelahr können im Winter vereist und rutschig sein. Im Sommer wird es in den steilen Weinbergen sehr heiß, der Ahrsteig verläuft jedoch meist im Schatten. Am schönsten ist der Herbst, wenn die Weinblätter sich verfärben.
  • Anspruch: Mit moderater Fitness ist der Ahrsteig gut zu schaffen. Einige Male steigt er steil an, und auf der Etappe zwischen Kreuzberg und Walporzheim gibt es kurze felsige Steige, die mit Stahlseil gesichert sind.

Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Christopher Pfromm
Zwischen Altenahr und Hausberg verlocken immer neue Traumblicke zu einer kleinen Pause.

Unterkünfte und Einkehr am Ahrsteig

  • Mühlen-Romantik: Die Lommersdorfer Mühle liegt etwas abseits des Wegs, dafür aber sehr idyllisch an der Ahr. Pro Person ab 30 Euro, Tel. 0 26 97/3 72, lommersdorfer-muehle.de
  • Dorf-Hotel: Gäste der Burgschänke Aremberg werden über fünf Häuser im Dorf verteilt. Die Terrasse des Restaurants verwöhnt mit einem herrlichen Fernblick. DZ mit Frühstück ab 85 Euro, Tel. 0 26 93/3 91, burgschaenke-aremberg.de
  • Hotel mit Ahrblick: Das Hotel Ruland in Altenahr bietet im neuen Brunnenhaus großzügige Zimmer. Vom Balkon blickt man auf die Ahr. DZ ab 90 Euro, Tel. 0 26 43/ 83 18, hotel-ruland.de
  • Einkehr am Weg: In den Dörfern am Ahrsteig kann man gut einkehren. Im Sommer und Herbst schenken Straußwirtschaften Wein aus und servieren Flammkuchen und kalte Speisen. Lohnend auf Etappe 4: die Krausberghütte. Sie ist sonn- und feiertags von 9 bis 18 Uhr offen – und dann, wenn die weiße Fahne auf dem Turm weht. Tel. 0 26 43/26 49, krausberg-dernau.de
  • Vor und nach der Tour: Einen Abstecher wert ist Steinheuers Restaurant zur Alten Post in Heppingen, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen, steinheuers.de
Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Christopher Pfromm
Kaum jemand kann das Wesen der Ahrweine besser erklären als die Önologin Julia Baltes.

Ganz schön sportlich – der Reisebericht des Ahrsteigs

Die steilsten Hänge dieser Reise müssen wir zum Glück nicht gehen. Schon gar nicht rückwärts, mit einer zwölf Kilo schweren Kiste unters Schienbein geklemmt, so wie Julia Baltes es jeden Herbst macht. Die 30-Jährige stand schon als Mädchen in den Steillagen mit bis zu 70 Grad Neigung und erntete Reben für das Weingut ihrer Familie. 2012 wurde sie zur Deutschen Weinkönigin gewählt, als studierte Önologin erklärte sie Sommeliers in New York und Shanghai die Vorzüge der Spätburgunder von der Ahr – jener Spitzenweine, die immer mehr Wanderer in das Tal im Südwesten von Bonn locken. Dabei war das Ahrtal noch vor wenigen Jahrzehnten für eine ganz andere Form des Weintourismus berühmt. »In den 70ern und 80ern war es hier wie am Ballermann«, erzählt Baltes. In Sonderzügen und Bussen rollten Kegelclubs aus dem ganzen Ruhrgebiet an, um in den Weinkellern zu Schlagergedudel zu picheln. Irgendwann aber stellten die Winzer von Masse auf Qualität um. Und damit änderte sich auch das Publikum.

»Heute kommen viele Gäste zu uns, die Wandern und Genuss kombinieren wollen«, sagt Baltes. Bisher spazierten sie vor allem über den Rotweinwanderweg, der ohne große Anstiege durch die Weinberge führt. Doch nun gibt es eine sportliche Alternative: den Ahrsteig. 106 Kilometer führt der zertifizierte Premiumweg über die Hügel entlang des Flusses, von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein. Bis wir im Weinberg von Julia Baltes ihre besten Tropfen verkosten, haben wir also einige Höhenmeter zu überwinden. Wilde Tochter des Rheins wird die Ahr genannt, doch an der Quelle in Blankenheim wirkt sie überaus zahm. In einem schiefergedeckten Häuschen, auf das groß das Baujahr 1726 gepinselt ist, entspringt sie hinter Gittern. »Aus jähem Felsen silberhell/entspringt die Ahr in vierfachem Quell« gravierten Hobbydichter vom Eifelverein auf eine Steinplatte darüber. Nun ja, die Felsen sind heute eher algengrün, und zwischen ihnen glänzen die unvermeidbaren Münzen. Aber das Wasser ist kristallklar wie eh und je.

Wünsche an Wäscheklammern

Kurz folgen wir dem in Stein gefassten Rinnsal durch die Altstadt, dann lassen wir uns von den verwinkelten Gassen hierhin und dorthin verführen. Durch ein steinernes Stadttor spazieren wir hinauf zur Burg aus dem 12. Jahrhundert. Seit mehr als 90 Jahren ist die Grafenburg eine Jugendherberge, man logiert hier mit sternewürdigem Blick über die Altstadt im Tal. In Pandemiezeiten aber sind ihre Tore verschlossen. Vielleicht nicht mehr lange – wenn der Wunschbaum auf dem Dorfplatz funktioniert. An dem Birnbaum neben dem alten Gildenhaus hängen bunte Schnüre an den Ästen, daran haben Gäste mit Wäscheklammern Zettel geklemmt. »Dass Corona aufhört« ist gleich auf mehrere Zettel gekritzelt. Ein Romantiker möchte, »dass die Liebe fließt«, und ein Kind hätte gern einen Monstertruck – oder einen Mops.

Wir dagegen wollen einfach nur loslaufen. Sanft und lieblich startet der Ahrsteig, führt vorbei am Schlossweiher, durch die Aue der jungen Ahr und über Holzbrücken hinauf in den Nadelwald über dem Flüsschen. Von den alten Eisenbergwerken ist nichts mehr zu sehen, die für Holzkohle gerodeten Wälder sind längst wieder die Hänge hinaufgewachsen. Wo einst die Kohlenmeiler rauchten, ist heute Idylle. Am Freilinger See weht Reggae aus dem Biergarten, am Ufer liegen Tretboote vertäut. Wir gehen über die Staumauer, hinauf ins Dorf und queren eine mehrspurige Landstraße. Ein kurzer Anstieg über einen Feldweg, schon stehen wir auf dem Hühnerberg und blicken über die sanften Eifelberge, über Wiesen und Wälder. »Sieht aus wie zu Hause«, sagt meine Begleiterin Vanessa aus dem Hotzenwald. Klatschmohn und Hornklee tupfen Rot und Gelb ins grüne Panoramabild, nur das Gebrumme der Straße nervt etwas. Aber Hochgebirgsstille darf man natürlich nicht erwarten hier in der alten Kulturlandschaft. Und ebenso wenig, dass der Weg durchs Mittelgebirge immer spektakulär ist. Vor Aremberg latschen wir lange über eine Forststraße. Eine »Wanderautobahn«, meckern manche Gäste, wenn sie in der Burgschänke Aremberg ankommen.

Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Christopher Pfromm
Blankenheims verwinkelte Gassen bezaubern. Viele Fachwerkhäuser wurden renoviert.

Schilder könnten hier helfen. Denn tatsächlich ist der fade Abschnitt eine alte Römerstraße, wie Monika Bojanowski abends erklärt. »Wenn man das im Hinterkopf hat, nimmt man den Weg vielleicht anders wahr.« Bojanowski, 55, hat den Ahrsteig mit entworfen und hält ihn heute als Wegepatin instand. Schon 2007 begannen Mitglieder des Eifelvereins mit dem Sondieren, erzählt sie. 90 Prozent der Pfade gab es bereits, nur ein paar Verbindungsstücke mussten neu angelegt werden. Bis der Ahrsteig vollendet war, sollten aber weitere neun Jahre vergehen. Denn vielerorts stellten sich Naturschützer und Landbesitzer quer, besonders an der Mittelahr. 2012 musste der Ahrsteig deshalb zunächst zweigeteilt eröffnet werden. Ausgerechnet die Königsetappe zwischen Kreuzberg und Walporzheim fehlte.

Was zählt, sind die Aussichten

Vier Jahre später war es dann endlich so weit: Die Bürgermeister hatten die widerspenstigen Besitzer umgestimmt, die Lücke wurde geschlossen – allerdings ohne Glanzstücke wie die Ahrschleife durchs Langfigtal. Die Begründung: Der Qualitätsweg würde zu viele Wanderer ins Naturschutzgebiet locken. Kritiker monieren zudem, dass der Ahrsteig über zu weite Strecken weg vom Fluss geführt wurde. »Wir wollten Aussichten präsentieren«, entgegnet Bojanowski, »und das geht unten im Flusstal nicht.«

Deshalb führt uns das AS-Logo am nächsten Morgen auf zerborstenem Pflaster hinauf zur Burgruine auf dem Aremberg, dem mit 623 Metern höchsten Punkt des Ahrsteigs. Das Barockschloss zerstörten mehrmals die Franzosen. Geblieben sind ein paar Mäuerchen unter Baumriesen, von Efeu umrankt. Und ein Turm, der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut wurde. Gerade jetzt wäre er praktisch, da unerwartet ein Platzregen einsetzt. Aber die Tür ist verschlossen. Also flüchten wir uns unter die mächtigen Blutbuchen, die rings um die Lichtung stehen. Als die Sonne wieder durch die Wolken drückt, dampft der Wald wie ein Tropendschungel. Zwischen turmhohen Buchen spazieren wir nach Eichenbach. Und sehen hinter einer Lichtung, wo Schmetterlinge über einer hohen Blumenwiese flattern, die erste Felswand aufragen. Sie ist der Vorbote des wilden mittleren Ahrtals. Die Hänge werden nun steiler, und an der Spicher Ley, der ersten felsigen Passage, wurde der Steig sogar mit einem Stahlseil versichert.

So übertrieben mir das als Alpen-Bergsteiger erscheint, so berechtigt ist es offenbar. Denn seit der Ahrsteig ausgeschildert wurde, sind viel mehr Wanderer auf den zuvor eher unbekannten Pfaden unterwegs. Die Bergrettungstruppe der Feuerwehr Altenahr rückt nun regelmäßig aus. »Manche Gäste unterschätzen den alpinen Charakter«, sagt Ulla Dismon. Die G.steführerin, 55, begleitet uns auf der Königsetappe. Bald erkennen wir, wie recht sie hat mit ihrer Warnung. Steil steigen wir über geschichtete Schieferfelsen hinauf zum Teufelsloch, nun froh über das Stahlseil. Der Lohn der Kraxelei ist eine grandiose Aussicht: Über Altenahr und die Ruine der Burg Are, über Waldhügel und steile Weinberge. Hier beginnt das Reich der Winzer. Selbst auf den winzigen Parzellen unter der Burgruine haben sie zwischen zerklüfteten Felsen ein paar Weinstöcke gepflanzt. Laut Lehrbuch dürften so weit nördlich eigentlich gar keine Rotweinreben gedeihen. Doch im engen Tal der Ahr staut sich die Hitze. Und das dunkle Schiefergestein der Südh.nge ist wie eine Fußbodenheizung für die Reben. Das erkannten schon die Römer, die hier den Weinbau starteten. Im 18. Jahrhundert brachten Mönche aus dem Burgund dann die Setzlinge jener Weinsorte, für die das Ahrtal berühmt ist: den Spätburgunder, bekannt auch als Pinot Noir.

Reisebericht 03/2021: Ahrsteig
Christopher Pfromm
Bei Altenahr hat der Fluss sich tief in die Felsen gegraben – ein Augenschmaus.

Bis heute bauen die Winzer auf den mit Steinmauern gestützten Terrassen an – allerdings mit anderen Mitteln: Als wir zur Saffenburg aufsteigen, knattert ein Helikopter über unsere Köpfe und besprüht im Tiefflug die Rebstöcke. Den Zauber der Burg mindert das kaum. Zwischen den Ruinen blühen bunte Sträucher, und der Rundumblick auf die Weinberge ist die schönste Aussicht der gesamten Tour – dicht gefolgt vom Krausberg, dem Hausberg von Dernau und letzten Höhepunkt dieser herrlichen Etappe. Steil führt der Waldweg hinauf. Die Bäume werden niedriger, und kurz vor dem Gipfel wähnen wir uns am Mittelmeer: knorrige Krüppeleichen krallen sich in die staubige Erde, gelbliches Moos polstert die Felsen, die heiße Luft duftet nach Kiefern.

Oben angekommen, überrascht uns die Hütte in ihren Dimensionen: Sie wirkt eher wie ein Ausflugslokal, mit Biergarten, Schaukel und Rutschen. Den Aussichtsturm, im Krieg gesprengt, baute der Eifelverein in den 60ern wieder auf. »Bei klarer Sicht kannst du von hier den Kölner Dom sehen«, sagt Dismon auf der Spitze. An diesem diesigen Tag reicht es immerhin fürs hogwarthafte Kloster Calvarienberg, den weißen Ball eines Radioteleskops und das Siebengebirge dahinter. Und für Dernau, wo Julia Baltes mit dem Wein wartet. An einem Picknicktisch schenkt sie uns zuerst Blanc de Noir ein, einen Weißwein aus roten Trauben, dann einen seltenen Frühburgunder, »die Diva der roten Rebsorten«, und natürlich diverse Spielarten des berühmten Spätburgunders. Baltes schwärmt von der »Paarung von Frucht und Mineralität«, von »Rauchigkeit und Erdigkeit«, von der »lebendigen Säurestruktur«. Wir nippen, nicken, schauen auf die terrassierten Steilhänge ringsum. Und stellen angedüdelt fest: gar nicht so übel, dieses Weinwandern.

Ausrüstungstipps:

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