Von gemütlichen Familienwanderungen bis zu anspruchsvollen Bergtouren auf zahlreiche 3000er – mit Seilbahn unterstützt oder komplett aus eigener Kraft – gibt es im Pitztal eine breite Auswahl an Sommeraktivitäten. Im Winter verwandelt es sich in ein Mekka zum Eisklettern und Skifahren. Zahlreiche Berghütten laden zur Einkehr oder Übernachtung ein und immer wieder warten atemberaubende Ausblicke.
Lage und Charakter vom Pitztal
Vom breiten Inntal durch Talorte mit Mittelgebirgscharakter bis zum bekannten Pitztaler Gletscher: Das Pitztal hat mehr zu bieten als kilometerlange Skiabfahrten. Die vorderen Orte haben ihren bäuerlichen Charakter bewahrt und bieten gemütliche Almwanderungen. Zwischen Kaunertal und Ötztal gelegen, haben Besucher des Pitztals eine große Auswahl an Wanderungen, Fahrradtouren und Winteraktivitäten. Westlich erstreckt sich der Kaunergrat mit seinen spitzen Gipfeln, östlich der schroffe Geigenkamm. Am Talschluss liegt die Wildspitze (3768 m) deren Gletscher Mittelbergferner und Taschachferner in die gleichnamigen Täler übergehen und bis ins Örtchen Mittelberg reichen. Sie speisen die Pitze, die durch das 40 Kilometer lange Pitztal fließt und bei Imst in den Inn mündet.
Durch die Barrierewirkung der umliegenden Bergketten gehört das Pitztal zu den niederschlagsärmsten Regionen Tirols. Die Sommer sind meist kühl und die Winter sehr kalt. Durch den Klimawandel wird wahrscheinlich immer weniger Schnee fallen. Dafür werden manche Wanderungen auch im Frühling und Herbst möglich.

Immer wieder warten Tiefblicke auf das Pitztal und die Ötztaler Alpen.
Wie komme ich ins Pitztal?
Durch seine Nähe zu Innsbruck ist das Pitztal gut mit dem ÖPNV erreichbar. Zuerst geht es zu dem Hauptbahnhof der Landeshauptstadt und anschließend mit der Arlbergbahn nach Imst. Von dort fährt stündlich der Regionalbus 310 bis nach Mittelberg und überwindet dabei gut 1000 Höhenmeter. Per Auto ist Imst über die Inntalautobahn schnell erreicht, von der die Pitztaler Landesstraße abzweigt.
Sommeraktivitäten
Die einzige Querverbindung in ein anderes Tal bietet die Pillerhöhe ab Wenns. Hier oben ist ein Moor entstanden, in dem leider lange Zeit Torf abgebaut wurde. Der barrierefreie Piller Moorwanderweg (4 km, 1,5 h) führt durch das Latschen-Hochmoor, zum Moorturm und informiert über Entstehung, Lebensraum sowie Zerstörung.
Das Pitztal ist bekannt für seine vielen Wasserfälle, die im Winter zum Eisklettern einladen. Im Sommer lohnen sich Wanderungen zu ihnen, wie dem Pitztaler Stuibenfall. Er ist mit 160 Metern genauso hoch wie sein Bruder im Ötztal, aber noch etwas wilder und unberührter. Hier führt keine Treppe hinauf, sondern man genießt auf Bänken den erfrischenden Nebel. Weitere sehenswerte Wasserfälle sind der Söllbergwasserfall, der Bichler Wasserfall sowie der Pfitschebachwasserfall, zu denen allesamt leichte Wanderwege führen.
In der Nähe des Stuibenfalls liegt der Zirbenpark, der ein Naturerlebnis für die ganze Familie verspricht. Auf der ein Kilometer langen Rundtour warten Erlebnisstationen wie Rutschen, Klettertürme und Aussichtsplätze. Nebenbei lernen Alt und Jung Neues über die Zirbe und können anschließend im Zeigerrestaurant an der Mittelstation der Hochzeigerbahn speisen. Wer noch mehr über das Pitztal erfahren möchte, bekommt auf dem Pitztaler Sagensteig (3,7 km) einen Einblick in die Sagenwelt am Mittelbergferner.
Ab der Gletscherstube wird es alpin. Ein Steig führt weiter zur Braunschweiger Hütte auf 2759 m Seehöhe. Nun kann man einem guten Steig zum Pitztaler Jöchl folgen, um einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Gletscher und Gipfel zu genießen. Oder man quert den Mittelbergferner, wofür mindestens Grödel angeraten werden, um zur Bergstation des Gletscher-Express zu gelangen. Anschließend geht es mit der Bergbahn ins Tal oder über den schweren Pitztaler Gletschersteig (14 km, 5 h) durch das Taschachtal. Der Weg folgt zuerst einem Grat und quert dann eine 50 Meter lange Hängebrücke über den Gletscherbach. Nach einer Stärkung im Taschachhaus führt ein sieben Kilometer langer Forstweg zurück ins Tal. Wer will, kann ab der Hütte mit einem vorher reservierten Mountainbike hinunter düsen.
Um den höchsten Gipfel Nordtirols zu besteigen, die Wildspitze (3768 m), ist Hochtourenerfahrung nötig: Wanderung durch Firn und Eis bis 40 Grad, ausgesetzte Kletterei im II. Grad und ein Klettersteig der Schwierigkeit C, wenn man den Hauptanstieg ab der Breslauer Hütte geht. Am Gipfel kann es dann schon mal voll werden im Sommer.

Wer es extremer mag, macht beim Pitz Alpine Glacier Marathon mit.
Wer lieber etwas zügiger unterwegs ist, kann am Pitztaler Gletscher und Taschachferner am höchsten Bergmarathon der Alpen teilnehmen. Vom 15 Kilometer langen Zirbensteig Trail bis zum 105 Kilometer langen Ultramarathon mit 6100 Höhenmetern bietet der Pitz Alpine Glacier Trail etwas für jede Könnenstufe. Der Marathon verläuft auch über schöne Bergtouren wie den Fuldaer Höhenweg (18 km, 7 h) und den Cottbuser Höhenweg (14 km, 8 h), die am Rifflsee beginnen – dem größten Karsee der Ötztaler Alpen.
Mit der Rifflseebahn ist das wertvolle Feuchtgebiet einfach zu erreichen, um auch einfach nur gemütlich drei Kilometer um den See zu wandern. Die Pitztaltour kombiniert beide Höhenwege zu einer viertägigen Hüttentour (33 km). Wer will, kann statt des normalen Hüttenzustiegs zum Taschachhaus den Pitztaler Gletschersteig nehmen.
Der Rifflsee ist das Eingangstor in den Naturpark Kaunergrat. Verschiedene Kaunergrat-Runden von drei bis fünf Tagen (23 bis 67 km) umrunden das Schutzgebiet mit seinen 39 Dreitausendern auf einsamen Wegen, die Alpinerfahrung voraussetzen. Zwischen Bergseen und Wiesen warten fantastische Ausblicke auf Gletscher und markante Berge. Vielleicht begegnet man sogar einem Steinbock. Nach ihrer Ausrottung wurden sie in den 1950er hier wieder angesiedelt. Stand 2024 leben etwa 1200 Tiere in der Naturparkregion – die größte Steinwildpopulation der Ostalpen. Infos dazu liefert das Tiroler Steinbockzentrum in St. Leonhard. Eine große Wahrscheinlichkeit, sie zu treffen, gibt es auf der mittelschweren Steinbockwanderung (9,4 km, 5 h) ab der Rüsselsheimer Hütte.
Hier befindet man sich dann auf der östlichen Seite des Pitztals am Geigenkamm, wo die vielen Hütten verschiedene Mehrtagestouren ermöglichen. Die Pitztaler Sonnenrunde (33 km) ab Jerzens führt über den Wildgrat zur Erlanger Hütte, über den Fundusfeiler (3079 m) zur Ludwigsburger Hütte und wieder zurück. Neun Tage und 78 Kilometer umfasst die Pitztaler Runde. Dabei durchquert man den gesamten Geigenkamm von der Erlanger bis zur Braunschweiger Hütte, wandert durch das Mittelbergfernertal und rüber zum Rifflsee. Am Kaunergrat warten dann noch zwei schwere Etappen, bis es zurück ins Tal geht.

Zum Klettern finden sich im Pitztal einige Möglichkeiten, wie der Klettergarten Hexenkessel.
Einige Hütten und Almen können auch mit dem Mountainbike erreicht werden, wie die Ludwigsburger Hütte, die Tiefentalalm, Leiner Alm, Arzler Alm oder die Söllbergalm. Die größte Auswahl an Biketrails im Pitztal gibt es in Jerzens, besonders mit den flowigen Trails am Hochzeiger (2560 m). Mit dem Rennrad bietet sich die Piller Runde an, die das Pitztal über den Piller Sattel mit dem Inntal verbindet (50 km).
Auch zum Klettern gibt es einige Möglichkeiten im Pitztal. Klettergebiete liegen an der Kaunergrathütte und im Plangeross-Hexenkessel. Klettern mit Gletscherblick geht im Klettergebiet Gletscherstube. An Klettersteigen gibt es zwar nicht so viele wie im Ötztal, aber doch lohnende Steige wie am Pitztaler Gletscher von B über C bis D sowie in der Steinwand in Arzl.
Winter im Pitztal
Die zahlreichen Wasserfälle ermöglichen mehr als 45 ausgewiesene Eisklettergebiete mit Routen in jedem Schwierigkeitsgrad.
Das Skigebiet auf dem Pitztaler Gletscher ist das höchstgelegene Österreichs und verspricht Skifahren von September bis Mai. 67 Pistenkilometer, Funpipe, Halfpipe und ein Kinderland bieten tagelanges Vergnügen. Nicht entgehen lassen sollte man sich die Auffahrt mit der Wildspitzbahn. Die Gondel führt auf den Hinteren Brunnenkogel mit Tirols höchster Aussicht von 3440 m Seehöhe. Dann geht es 600 Höhenmeter hinab zum Gletscherrestaurant. Auf den Variantenabfahrten neben den Pisten können dabei sogar erste Erfahrungen im Freeriden gesammelt werden. Und auch für Skitouren gibt es zahlreiche Möglichkeiten in unterschiedlichen Niveaus. Wer Langlauf trainieren will, findet Loipen auf 2300 m und am idyllischen Rifflsee.

Das Pitztal ist ein Paradies zum Ski fahren, Freeriden und Eisklettern.
Auch zu Fuß lässt sich der tief verschneite Rifflsee im Winter erkunden. Winterwanderungen führen durch die stille Bergwelt und zu gemütlichen Almhütten. Auf der Harbe-Runde (2,5 h) lädt das Naturparkhaus Kaunergrat zu gemütlichen Stunden bei schönem Ausblick ein. Nach der Wanderung zur Gogles Alm (1,5 h) kann man mit Schlitten zurück ins Tal rodeln und eine Wanderung durch die Kitzgartenschlucht (45 min) wird mit der Einkehr im Hotel Gasthof Wiese belohnt.
Übernachten im Pitztal
- Über 400 Unterkünfte verteilen sich im gesamten Pitztal. Von Wellnesshotels über Ferienwohnungen und Bauernhöfe gibt es eine große Auswahl. Auch Selbstversorgerhütten können gebucht werden, wie die Berghütte Graslehn.
- Zum Campen gibt es nur einen Campingplatz im Pitztal. Das Mountain-Camp in Jerzens ist ganzjährig geöffnet und hat sowohl Platz für Zelte als auch Wohnmobile. Außerdem gibt es Bungalows und umgebaute Heustadl zum Übernachten. Zelt ohne Auto 18 Euro, Camper ab 36 Euro.





