Helikopterrettung in den Alpen: Wer zahlt den Einsatz?

Hilfe per Helikopter
Bergrettung in den Alpen – wer zahlt?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.01.2026
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Bergrettung per Helikopter / Hubschrauber in den Alpen
Foto: Ralf Bücheler

Ein Sturz im steilen Gelände, Erschöpfung, Orientierungsverlust – in den Bergen ist der Helikopter oft das schnellste und manchmal einzige Rettungsmittel. Doch viele Bergsportler überschätzen, was Kranken- oder Reiseversicherung tatsächlich übernehmen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen medizinischer Rettung und reiner Bergung – und das Land, in dem der Unfall passiert.

Rettung oder Bergung – ein wichtiger Unterschied

Von einer medizinischen Rettung spricht man, wenn eine akute Verletzung oder Erkrankung vorliegt und ärztliche Hilfe notwendig ist. In diesen Fällen beteiligen sich Krankenkassen oft an den Kosten.

Anders sieht es bei einer Bergung ohne medizinische Notwendigkeit aus – etwa bei Erschöpfung, Verirren oder Blockierung im Gelände. Solche Einsätze gelten vielerorts nicht als medizinisch notwendig und können vollständig in Rechnung gestellt werden.

Helirettung in der Schweiz

In der Schweiz spielt die Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) eine zentrale Rolle. Wer Rega-Gönner ist (40 CHF/Jahr), dem werden die Kosten eines Einsatzes in der Regel erlassen. Nicht-Gönner müssen sich auf hohe Rechnungen gefasst machen, da Krankenkassen nur einen Teil der Kosten übernehmen – vor allem bei Bergungen ohne akute Verletzung. Die ASS (via DAV-Mitgliedschaft) übernimmt Kosten von Berg- und Helikopterrettungen in der Schweiz unabhängig davon, ob du Rega-Gönner bist.

Bergrettung in Österreich

Österreich gilt als besonders kostenintensiv. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt selbst bei Verletzungen meist nur einen kleinen Pauschalbetrag. Der Großteil der Hubschrauber- und Bergrettungskosten – schnell mehrere tausend Euro – wird dem Verunfallten in Rechnung gestellt. Ohne Zusatzversicherung oder Mitgliedschaft in einem Alpenverein kann es teuer werden. Tipp: Eine Fördermitgliedschaft beim ÖBRD kostet ca. 36 € pro Jahr (Stand 2026). Sie deckt Such- und Bergungskosten (inkl. Hubschrauber) weltweit bis zu 25.000 € ab und gilt oft für die ganze Familie.

Notfälle in Italien

Italien hat kein einheitliches System. Je nach Region können Hubschraubereinsätze ganz oder teilweise berechnet werden, besonders wenn keine schwere Verletzung vorliegt. In einigen Gebieten werden Kosten auch bei medizinischen Rettungen weiterverrechnet. Eine zusätzliche Absicherung ist hier dringend zu empfehlen. Hier greift z.B. auch der DAV-Schutz in der Praxis sehr oft und übernimmt Rechnungen, die sonst mehrere Tausend Euro betragen können.

Bergrettung in Frankreich

Eine Besonderheit: In Frankreich ist die staatliche Bergrettung außerhalb von Skigebieten meist kostenlos – auch bei Helikoptereinsätzen. Das gilt jedoch nicht unbedingt auf Skipisten oder bei privaten Rettungsdiensten. Medizinische Folgekosten sind davon nicht automatisch abgedeckt.

Luftrettung in Deutschland

In Deutschland übernimmt die gesetzliche oder private Krankenversicherung einen Hubschraubereinsatz in der Regel dann, wenn er medizinisch notwendig ist. Wer unverletzt, aber hilflos geborgen werden muss, bleibt jedoch häufig auf den Kosten sitzen. Hier greifen nur spezielle Bergungs- oder Unfallversicherungen.

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Welche Absicherung ist sinnvoll?Wer regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, sollte sich nicht allein auf die Krankenversicherung verlassen. Bewährt hat sich eine Kombination aus Mitgliedschaft in einem Alpenverein (z.B. DAV, ÖAV, SAC, wodurch die Bergungs- und Rettungskosten inklusive Hubschrauber abgedeckt sind) + einer Auslandskrankenversicherung für medizinische Behandlung und Rücktransport. Optional: Unfallversicherung mit ausreichend hohen Bergungskosten.

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Als ausgebildeter Berg- und Flugretter kennt sich Thomas Widerin bestens mit den Themen rund um Notfälle am Berg aus. Außerdem schreibt der passionierte Radfahrer Reportagen für Fachmagazine und hat auch ein Buch über seine Weltumradlung herausgebracht: Fahrradabenteuer Weltreise, Pietsch Verlag, 22,90 Euro.

Bergrettung per Helikopter / Hubschrauber in den Alpen
Ralf Bücheler
Wann kommt der Hubschrauber? Abseits von Pisten und Fahrwegen kommt die Rettung meist per Heli. Zum Landen braucht er einen festen, ebenen Platz von 25 mal 25 Metern. Achtet darauf, dass keine Gegenstände wie Jacken, Skier oder Äste herumliegen – sie werden sonst vom Abwind aufgewirbelt. Haltet stets Augenkontakt mit dem Piloten und nähert euch nur nach Aufforderung an – geduckt und von vorne. Wichtig: Der Heli fliegt nicht bei jedem Wetter. Wer in einer solchen Lage stürzt, erschöpft oder bewusstlos liegen bleibt, muss – nach Erster Hilfe – in Sicherheit getragen werden (wenn möglich).

Wichtige Notrufnummern

Hier sind die wichtigsten Notrufnummern für Bergrettung und Helikopter-Einsätze in den Alpen – inklusive der europäischen Standardnummer 112, die du überall nutzen kannst, auch wenn du nicht in den Bergen unterwegs bist:

Die Rettung bei Sport- und Freizeitunfällen beim Wandern, Bergsteigen und Skifahren ist in ganz Mitteleuropa meist kostenpflichtig. Der Versorgte erhält danach eine Rechnung, die er bei privaten Versicherungen einreichen kann. Mitgliedschaften im Alpenverein (rund 80 Euro Jahresgebühr) und viele private (Zusatz-)Unfallversicherungen decken das wie bereits erwähnt ab. Denn der Heli-Einsatz kann sehr teuer werden. Die tatsächliche Summe hängt stark von diesen Faktoren ab:

  • Flugdauer & Flugminutenpreis: Hubschrauberkosten werden oft pro Minute berechnet; Minutenraten können im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Euro-Bereich liegen. Durchschnittliche Kosten pro Einsatz liegen oft zwischen 3000 und 6000 Euro, je nach Land und ...
  • Schwierigkeit des Einsatzes: Bergung aus schwer zugänglichem Gelände, Nachtflug, schlechtes Wetter usw. treiben die Kosten stark nach oben.
  • Anzahl der Rettungskräfte / Helikopter: Mehrere Maschinen oder Personal erhöhen die Rechnung natürlich ebenfalls.

Worauf bei Versicherungen besonders achten?

Wandernde und Bersportler sollten einige Versicherungsdetails beachten:

  • Manche privaten Reise- und Unfallversicherer bieten die Erstattung von Bergungs- und Rettungskosten bei Unfällen im Paket mit an. Die Würzburger und die HanseMerkur hatten in der Vergangenheit hier immer gepunktet. Der Deutsche Skiverband und der Deutsche Alpenverein decken Bergung und Rettung bei Bergunfällen und Bergnot. Der DAV-Schutz greift nur beim Alpinsport, der DSV Basic Tarif nur beim Wintersport, die DSV Tarife Classic/ClassicPlus decken andere Reisen mit ab. Eine Mitgliedschaft im DAV enthält den Alpinen Sicherheitsservice (ASS), der Such-, Bergungs- und Rettungskosten bei Bergnot oder Unfall deckt, inklusive Bergrettung/Hubschraubereinsatz und Transport ins nächste Krankenhaus. Je nach konkreter Version/AVB liegt die Versicherungssumme typischerweise zwischen 25.000€ und 50.000€. Mehr Infos: alpenverein.de und deutscherskiverband.de)
  • Bergführer haften nur, wenn sie einen Unfall fahrlässig verschulden. Darüber hinaus besteht kein automatischer Schutz für die Teilnehmer bei geführten Touren. Also: individuellen Leistungsumfang des Tourenanbieters prüfen und gegebenenfalls zusätzlich oben erwähnte Versicherungen abschließen.
  • Für Touren über 7000 Höhenmeter oder Expeditionen fernab jeglicher Zivilisation benötigt man eine spezielle Police, zum Beispiel den Expeditionsschutz des Deutschen Alpenvereins.
  • Wer einen Zusammenstoß mit dem Rad oder einen Crash auf Skiern verursacht, haftet. Eine private Haftpflicht deckt Personen- und Sachschäden. Die Versicherungspakete des Skiverbands enthalten eine Haftpflicht. Bergsportler sind über eine Mitgliedschaft im DAV speziell bei Alpinsportarten haftpflichtversichert. (Die Bedingungen sagen: Diese Haftpflicht tritt ein, sofern keine andere – z.B. private – Haftpflicht greift)
  • (alle Angaben ohne Gewähr. Bitte vor der nächsten Bergtour unbedingt nochmal prüfen im Einzelfall)

Weitere Versicherungstipps

In der EU gilt zwar der gesetzliche Krankenversicherungsschutz, doch werden Behandlungskosten nur in Höhe der deutschen Sätze erstattet, und die reichen oft nicht aus. Auch ein medizinischer Rücktransport zum Wohnort ist nicht über die Krankenkasse abgedeckt. Außerhalb Europas besteht in der Regel kein gesetzlicher Versicherungsschutz.

Und was, wenn einmal etwas richtig schiefgeht und ein Unfall auf Tour das Leben auf den Kopf stellt? Da Outdoorer in ihrer Freizeit unterwegs sind, greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht, sodass eine private Vorsorge gegebenenfalls sinnvoll ist.

  • Deutschland: Die Krankenversicherungskarte gehört immer ins Gepäck. Eine private Unfallversicherung übernimmt Kosten, die infolge von Verletzungen auftreten.
  • Europäische Union: Unbedingt vorab die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung im Zielland checken (z.B. auf dvka.de). Einen erweiterten Schutz bieten private Unfall- und Reisekrankenversicherungen. Die Kosten der Versicherung hängen unter anderem von Reiseland und Reisedauer ab.
  • Außerhalb Europas: Eine private Auslandskrankenversicherung ist ein Muss. Die private Unfallversicherung kann sinnvoll sein.

Fazit