Outdoor Hacks
Tipps & Tricks fürs Outdoor-Leben
OD Instructor 3 509 Wundversorgung Franz Scholz

Erste Hilfe auf Tour

Erste Hilfe auf Tour Unterwegs verletzt: Was ist zu tun?

Umgeknickt, Steinschlag, Knochenbruch: Was tun in einer Notlage in den Bergen? Erst einmal Ruhe bewahren. Alles andere erfährst du hier:

Die häufigsten Notfälle im Gelände

1

Knie und Knöchel

Die angeschlagene Körperstelle schmerzt häufig sehr, ist heiß und geschwollen. Hier hilft besonders gut ein PECH-Verband, ein Kompressionsverband, der kühlt. P steht für Pause, E für Eis, C für Kompression und H für Hochlagern. Kühlpack kann aus einem Einweghandschuh und Wasser gebaut werden.

2

Herzinfarkt

Symptome: Druck auf der Brust, ausstrahlende, diffuse Schmerzen, Atemprobleme bis zur Atemnot, Schock (Schweiß und Blässe). Maßnahmen: Notruf absetzen, enge Kleidung und Gurte öffnen, psychisch betreuen.

3

Herz-Kreislauf-Probleme

Anzeichen: körperlicher Leistungsabfall, Schwindel, Übelkeit, Gangunsicherheit, Schocksymptome. Behandlung: Beine hochlegen, Schattenplatz, Wadenwickel und Flüssigkeit zuführen. Wenn nötig Notruf.

4
Erste Hilfe auf Tour
Ortovox/Hansi Heckmair

Armverletzung

Armverletzungen mit Schlinge aus einem Dreiecktuch stabilisieren, in die der Arm abgelegt wird. In den 90-Grad-Winkel des Tuchs einen Knoten machen. Dieses dient als Tasche für den Ellbogen. Notruf absetzen je nach Schwere der Verletzung und Gelände.

5

Stumpes Bauchtrauma

Prellmarken wie Blutergüsse und blaue Flecken sind Indikatoren, Bauchschmerzen und eine harte Bauchdeckenspannung erst später. Sofort Notruf absetzen. Person warm halten und psychisch betreuen. Bei Bewusstlosigkeit Seitenlage oder Reanimation.

6

Wirbelsäule

Etwa 75 Prozent der Wirbelsäulenverletzungen sind stabil. Beim Rest sind Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühl, motorische Störungen in Beinen oder Armen und Schmerzen im Rücken erkennbar. Sofort Notruf absetzen. Person so wenig wie möglich bewegen. Achsengerechte Lagerung.

7
Erste Hilfe auf Tour
Mauritius Images

Schädel-Hirn-Trauma

Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Erbrechen, Sprachstörungen, Gedächtnislücken. Sogar Bewusstlosigkeit ist möglich. Die verletzte Person sollte mit dem Oberkörper hoch gelagert und warm eingepackt werden. Schneller Notruf!

8

Schürf-/Platzwunden

Stark blutende Wunden mit einem Druckverband versorgen. Leichte Wunden oberflächlich reinigen, dann steril mit einer Wundkompresse abdecken und verbinden. Wundnahtstreifen dienen der vorübergehenden Versorgung von Schnittwunden.

Interview mit DAV-Hochtouren und -Skitourenführerin sowie Einsatzleiterin der Bergwacht Krün Dani Hornsteiner

Was können Berggeher tun, um das Unfallrisiko von vorneherein schon bei der Planung zu minimieren?

Prävention ist ein unglaublich wichtiger Punkt. Dazu gehört eine fundierte Tourenplanung. Die Tour sollte immer den eigenen Fähigkeiten entsprechen. Im Hochsommer bietet sich ein früher Start an, um Hitzegewitter zu vermeiden. Wenn die Kräfte nachlassen oder die Zeit knapp wird, sollte man rechtzeitig umdrehen. In die Dunkelheit sollte man nicht geraten. Für den Notfall gehört eine Stirnlampe ins Gepäck – und genügend Essen und Trinken, um einem Hungerast oder einer Dehydrierung vorzubeugen. Sonnenschutz in Form von Creme, Mütze und Sonnenbrille sowie den Bedingungen angepasste Bekleidung wie Regenjacke, festes Schuhwerk und eine Daunenjacke sind ebenfalls essentiell. Auch Stöcke wirken präventiv, weil sie einem Stabilität geben. Dazu kommt ein Erste-Hilfe-Set und ein Biwaksack in den Rucksack.

Es gibt verschiedene Szenarien, in denen ich Hilfe benötige, aber einige Situationen kann ich sicher auch selbst lösen. Wann weiß ich, dass ich wirklich Hilfe brauche?

In dem Moment, in dem ich anfange, darüber nachzudenken, ob ich Hilfe brauche oder nicht, bin ich bereits in der Unsicherheit. Ab da kann ich aufhören, intern mit mir zu diskutieren, und setzte sofort einen Notruf ab. Natürlich gibt es Fälle, die man auch selbst bewältigen kann: Die Freundin fällt bei einer einfachen Wanderung hin, ihre Hand tut etwas weh und ist leicht geschwollen, sie kann sie aber noch gut bewegen – in diesem Fall kann ich mit einfachen Mitteln wie Kühlen und Ruhigstellen helfen. Solange sie gut absteigen kann, braucht es wahrscheinlich keine Rettung. Habe ich jedoch Zweifel und fühle mich überfordert, dann wähle ich sofort die 112.

Wie funktionieren Ihre alpinen Erste-Hilfe-Kurse?

Bei gutem Wetter sind wir komplett draußen. Wir versetzen unsere Teilnehmer in realitätsnahe Unfallszenarien, die sie von Anfang bis zum Eintreffen der Bergwacht selbstständig lösen dürfen. Anschließend wird alles nach-besprochen und reflektiert. Das vermittelt: Jetzt kommt es auf mich an! Der Adrenalinspiegel geht in einer nachgespielten Situation hoch. Die Teilnehmer fangen an zu schwitzen, ihr Herz rast. Irgendwann macht dein Verstand keinen Unterschied mehr, ob das echt ist oder nicht. Unser Ziel ist es, unsere Teilnehmer auf allen Ebenen zu erreichen, nur dann ist Lernen nachhaltig. Wenn ich Sorge und Betroffenheit spüre, aber auch die Freude, jemandem richtig gut geholfen

Das komplette Interview inklusive aller Tipps findet ihr als Paid-PDF zum Download hier:

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Erste Hilfe auf Tour
Die häufigsten Notfälle im Gelände aus Heft 10/2022 Die häufigsten Notfälle im Gelände
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Erste-Hilfe-Set für unterwegs

Um für den Notfall gut gerüstet zu sein, gehört in jeden Wanderrucksack ein gut bestücktes Erste-Hilfe-Set. Was alles hineingehört – und was du sonst noch so dabeihaben solltest.

  • Pflaster
  • Einmalhandschuhe
  • Tape (mindestens 2,5 cm breit)
  • 2 sterile Mullkompressen
  • Dreieckstuch
  • 2 Verbandspäckchen
  • Rettungsdecke
  • kleine Schere
  • Pinzette
  • Steri-Strips (Kletterer)
  • Desinfektionsmittel Eigenbedarf
  • Vaseline Gauze (MTB)
  • Schmerzmittel Eigenbedarf

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Weiteres Zubehör:

Was tun bei Wunden?

Ein Ausrutscher oder Stolperer – schon liegt der Tourenpartner am Boden. Mit etwas Pech nimmt dabei die Haut kräftig Schaden. Nicht weiter tragisch – sofern man die Wunde zügig und richtig behandelt: Handelt es sich bloß um Kratzer oder Schürfwunden, reicht es, eingedrungene Schmutzpartikel mit einer desinfizierten Pinzette sowie mit sauberem (Trink-)Wasser zu entfernen.

Wunde desinfizieren

Das Wundumfeld sollte man mit (Seifen-)Wasser abwaschen. Anschließend mit einem Alkoholtupfer aus dem Erste-Hilfe-Set einige Zentimeter von der Wunde nach außen wegwischen. Die Wunde selbst wird mit einem nicht alkoholischen Desinfektionsmittel abgetupft. Blutet die Wunde stark, sollte man das verletzte Körperteil hochlegen, um den Blutfluss zu reduzieren.

Richtig verbinden

OD Instructor 3 509 Wundversorgung
Franz Scholz
Lagern: Legen Sie bei stark blutenden Wunden das verletzte Körperteil höher, und verbinden Sie es in dieser Position.

Ein Fremdkörper, zum Beispiel ein Ast, sollte nicht aus der Wunde gezogen werden – sie könnte sonst stark bluten. Besser ist es, nach der Wundreinigung den Fremdkörper wie oben gezeigt, abzudecken – und flott einen Arzt aufzusuchen. Bei kleinen Wunden ohne Fremdkörper reicht zum Abdecken ein Pflaster, bei größeren hilft nur noch eine sterile Wundauflage, die man mittels Mullbinde fixiert.

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Verbinden: Abdeckung mitsamt Ringpolster mit einer Binde fixieren, so dass der Fremdkörper nicht belastet wird.

Nach einem Unfall können aber auch noch weitere Aufgaben auf euch zukommen. Es kann sogar sein, dass man einen Bruch schienen muss, Helfer alarmieren und den Verletzten eventuell zu einem Helikopter-Landeplatz schaffen muss. Keine einfachen Aufgaben – aber mit diesen Tipps schafft ihr auch das:

Alpine Notsignale und Heli-Rettung

Unfälle passieren meist anderen. Doch was, wenn man selbst in Not gerät? Wenn man aus eigener Kraft nicht mehr den Rückweg antreten kann? Dann – und nur dann – holt ihr euch Hilfe. Mit einem Handy kein Problem (europaweit: 112). Und ohne? Da gilt das alpine Notsignal: sechs kurze Licht- oder Schallsignale in einer Minute. Danach eine Minute Pause. Empfängt man ein Notsignal, bestätigt man es mit drei Signalen pro Minute – und holt sofort Hilfe. Die Bestätigung zeigt dem Notrufenden, dass er entdeckt wurde und Hilfe unterwegs ist. Als Signalgeber eignen sich Lampe, Pfeife oder reflektierende Gegenstände (z.B. Alufolie). Befindet sich ein (potenzieller) Helfer in Sicht-, aber außer Hörweite, sollte man ihm über die Körperhaltung mitteilen, ob man Hilfe braucht oder nicht. Wie's funktioniert, zeigen wir euch in der Bilderstrecke:

OD SOS Notsignal Körperhaltung
Franz Scholz
OD SOS Notsignal Körperhaltung OD SOS Signalfolge OD SOS Heli Anflug OD SOS annähern Helirettung 9 Bilder

Wenn der Hubschrauber kommt

Abseits von Pisten und Fahrwegen kommt die Rettung meist per Heli. Zum Landen braucht er einen festen, ebenen Platz von 25 mal 25 Metern. Achtet darauf, dass keine Gegenstände wie Jacken, Skier oder Äste herumliegen – sie werden sonst vom Abwind aufgewirbelt. Haltet stets Augenkontakt mit dem Piloten und nähert euch nur nach Aufforderung an – geduckt und von vorne.

Der Heli fliegt allerdings nicht bei jedem Wetter. Wer in einer solchen Lage stürzt, erschöpft oder bewusstlos liegen bleibt, muss – nach Erster Hilfe – in Sicherheit getragen werden. Am besten gelingt das mit der Römer-Seiltrage, zumindest, wenn man ein Seil (ab 30 m) und vier bis sechs Helfer auftreiben kann.

Behelfstragen
Illustration: Franz Scholz

Die 5 W-Fragen beim Notruf

Damit Einsatzkräfte alarmiert und gleich mit den wichtigsten Infos versorgt werden können, muss der Anrufer wichtige Informationen durchgeben. Dafür gibt es die fünf W-Fragen für Notfälle:

1. Wo ist der Unfall passiert?
Den Ort des Geschehens so genau wie möglich angeben (zum Beispiel Gemeindename oder Stadtteil, Straßen- oder Wegname, Berghütten o.ä in der Nähe, Besonderheiten, etc.

2. Wer ruft an?
Nenne deinen Namen, Standort und deine Telefonnummer für Rückfragen!

3. Was ist geschehen?
Das Ereignis kurz beschreiben und das, was Du konkret siehst (was ist geschehen? was ist zu sehen?), beispielsweise Verkehrsunfall, Absturz, Brand, Explosion, Einsturz, eingeklemmte Person!

4. Wie viele sind betroffen?
Schätze die Zahl der betroffenen Personen, ihre Lage und die Verletzungen! Gib bei Kindern auch das (geschätzte) Alter an!

5. Warten auf Rückfragen
Nicht gleich auflegen. Die Einsatzkräfte benötigen vielleicht noch weitere Informationen zum Notfall.

Und immer dran denken: Wenn andere Personen verunglückt sind, soll man Erste Hilfe leisten – soweit man sich nicht selbst in Gefahr bringt!

Wie ihr euch aus Seilen eine Behelfstrage bauen könnt


Das Seil auf dem Boden auslegen und in Seilmitte einen kleinen Sackstich (Schlaufe) knoten. Links und rechts davon kommen zwei große Schlaufen. Sie dienen später als Tragegriff. Ihr Abstand zueinander muss der Achselweite des Verletzten entsprechen (Seil dehnt sich!). Danach knotet ihr weitere, sehr kleine Schlaufen im 15-cm-Abstand bis auf Hüfthöhe des Verletzten. Bei sechs Trägern hier beidseitig eine große Schlaufe legen, ansonsten bis auf Länge des Verletzten nur kleine. Am Ende wieder zwei große Schlaufen knoten und kurz daneben beide Seile miteinander verknoten, so dass der Rahmen unten schmaler wird als oben. Nun ihre Enden (oder ein zweites Seil) kreuzweise durch alle kleinen Schlaufen führen und am Ende mit dem Rahmen verknoten (Sackstich).

OD 0318 Knoten Instructor Teaserbild neu
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Behelfstrage komfortabel polstern

Damit der Verletzte beim Transport bequem liegt, das Seilgeflecht mit Kleidung, Isomatte und Ähnlichem polstern, Kopf- und Fußbereich erhöhen. Sobald der Verletzte liegt, fixiert ihr ihn mit dem überschüssigen Seil.

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