Schneeschuhwandern zu Füßen der Zugspitze

Schneeschuhwandern am höchsten Berg Deutschlands

Die Essenz des Schneeschuhgehens rund um die Zugspitze: Erst abseits der Wege wird die grenzenlose Freiheit der Berge spürbar.
Foto: © Daniel Litzinger / PIXELIO Zugspitze Alpenblick

Für einen Ausflug auf den höchsten Berg Deutschlands wird man mit einem Ausblick auf über 400 Alpengipfel belohnt.

Seit ein paar Jahren kommt dabei wieder ein uraltes »Wintersportgerät« in Mode: Schneeschuhe. Waren es damals Jäger oder Wilderer, die mit Schneereifen und Schrotflinte durch Bergwald und Hochkare streiften, auf der Suche nach Birkhahn, Gämse oder Schneehase, ist die alte Tradition längst zum Selbstzweck geworden: Viele machen sich auf, um allein oder in trauter Gruppe die Majestät einer verschneiten Bergwelt zu genießen, legen ihre Spuren in den unberührten Schnee und geben sich dem Reiz des kleinen Abenteuers hin.

Die schönsten Schneeschuhwanderungen rund um das Zugspitzmassiv:

Tour 1: Rund um die Zugspitze: Auf den Thörlen, 1540 m
Tour 2: Rund um die Zugspitze: Seebensee, 1657 m
Tour 3: Rund um die Zugspitze: Am Brand, 2130 m
Tour 4: Rund um die Zugspitze: Kleines Pfuitjöchle, 2133 m

Und von denen findet man aller Pisten und Loipen zum Trotz immer noch genug. Wie etwa auf den Thörlen, einem von eiszeitlichen Gletschern geschliffenen, welligen Plateau zwischen dem Garmischer Eibsee und Ehrwald in Tirol. Viele Lichtungen durchbrechen hier einen mit bis zu 30 Meter hohen Tannen bestandenen Hochwald. Schon im Sommer ist er recht einsam, doch im Winter lässt sich hier kaum eine Menschenseele blicken. Im Osten ragt die in der Zugspitze (2962 m) kulminierende Wetterwand als permanenter Bezugspunkt über dem Schneeschuhwanderer auf. Gegenüber im Westen steht, als höchster Gipfel des Ammergebirges, der kecke Spitz des Daniels (2340 m), das »Garmischer Matterhorn«. Und im Süden sieht man über der gleißenden Ebene des von Loipen und Winterwanderwegen durchzogenen Lermooser Beckens das in den Himmel stoßende Felshorn der Mieminger Sonnenspitze (2417 m; das »Ehrwalder Matterhorn«), während die Lechtaler Gartnerwand (2376 m) in finsterem Schatten verharrt. Schneeschuhgeher spuren abgekapselt wie in einem Raum-Zeit-Kokon durch den vier Quadratkilometer großen, auf über 1500 Meter Höhe liegenden Wald. Ein einsamer Hochgenuss.

Foto: Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG Zugspitze Hexenkessel

Berüchtigte Verkehsknoten des Skizirkus wie den Hexenkessel im Garmisch Classic Gebiet lässt man als Schneeschuhgeher linsk liegen und genießt die Abgeschiedenheit der verschneiten Landschaft.

Ganz anders bei den beiden Touren um die Ehrwalder Alm. Wer von Ehrwald, südwestlich der Zugspitze gelegen, mit einer Gondel ostwärts dorthin hinaufschwebt, den erwartet erst einmal ein richtiger Skizirkus. Von Kinderliften und Skihütten schallen rustikale Melodien, Freunde von DJ-Ötzi und Après-Ski werden ihre Freude haben. Alle anderen bewegen sich schnellstmöglich hangaufwärts neben der Loipenspur des Knappensteigs in den tief verschneiten Wald um den Igelsee – wo ein Wintertraum wahr wird. Der Rummel ist angesichts schneegekrönter Tannen und dem weißen Spiegel des Sees schnell vergessen. Durch lichte Bäume gelangt man unterhalb von verschneiten Schrofenflanken weiter zur aussichtsreichen Seebenalm und zum Seebensee (1657 m), mitten im schroffen Herz der westlichen Mieminger Kette gelegen. Spätestens hier sollten sich Wanderer zwischen den zerrissenen Kalkflanken ein sonniges Plätzchen suchen, die Brotzeit auspacken und einmal in Ruhe die klare Winterluft atmen. Gegenüber schießt fast senkrecht 800 Meter die Wettersteinwand in den Himmel.

Unterhalb fällt der Blick auf die neueste Errungenschaft des Ehrwalder Skigebiets: den Sessellift, der von der Ehrwalder Alm zum Issentalköpfl (1925 m) führt. Östlich davon bleibt für Schneeschuhgeher wieder weiße Weite: Zwei Kilometer breit liegt hier das Gaistal zwischen den vorgelagerten Felsköpfen der Mieminger Kette mit ihren weiß eingebetteten Karen und den Wänden des Wettersteins - eine Szenerie wie aus einem Kitschfilm. Und nicht von ungefähr hatte der Heimatromancier Ludwig Ganghofer hier ein Jagdrevier gepachtet. Gut möglich, dass er hier mit illustren Gästen wie Ludwig Thoma, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal oder Richard Strauss im Winter die ein oder andere Schneeschuhtour unternahm.

09.12.2009
Autor: Christian Schneeweiß
© outdoor
Ausgabe 12/2009