Klettersteigausrüstung & Technik

Klettersteige: Ausrüstungstipps

Foto: Klaus Fengler »Castiglioni«-Klettersteig in den Brentadolomiten
Die passende Ausrüstung und richtige Technik sind auf Eisenwegen das A und O ...

Grandiose Aussichten, saugende Tiefblicke, Nervenkitzel, schöne Bewegungen und am Ende ein Gipfelsieg: Klettersteige machen einen Heidenspaß – wenn man sich nicht überfordert. "Für den Anfang sollte man sich deshalb einen sehr einfachen Weg aussuchen, auch wenn man sich stärker einschätzt", rät Alpin-Experte Ralf Gantzhorn. Wobei mit einfach nicht nur die technische Schwierigkeit gemeint ist, sondern auch die Länge und Dauer der Tour. Diese Angaben finden sich zu jedem Steig – vor Ort im Bergführerbüro oder in speziellen Klettersteigführern (in Buchform oder zum Beispiel bei via-ferrata.de, klettersteig.com). Auskunft über die technische Schwierigkeit gibt im deutschsprachigen Raum eine Buchstabenskala: A gilt als wenig schwierig, E als extrem schwierig. Nach der Einrichtung extrem kräftezehrender "Sportklettersteige" wurden nachträglich die Schwierigkeiten G und F eingeführt.

Ein Frühstart am Klettersteig lohnt sich

Hat man einen passenden Eisenweg gefunden, die Ausrüstung beisammen und sich mit der Einbinde- und Umhängetechnik zumindest theoretisch vertraut gemacht (siehe Top-Liste unten), kann es losgehen. Und das am besten - wie bei allen echten Bergtouren - frühmorgens. So geht man nicht nur der Mittagshitze und eventuellen Hitzegewittern aus dem Weg, sondern hat auch reichlich Reserven, um in jedem Fall im Hellen zurückzukommen. Eine kleine Notstirnlampe sollte bei längeren Klettersteigen oder solchen, die einen langen Zustieg erfordern, dennoch nie fehlen. Ebenso wenig der Check der Wetterprognose. Besteht ein hohes Gewitterrisiko, bleibt man besser im Tal, wirkt doch das Stahlseil des Klettersteigs wie ein Blitzableiter.

Neben der Stirnlampe sollten Erste-Hilfe-Set, Handy und Wetterschutzkleidung mit in den Rucksack. Und natürlich ein paar Riegel und genug zu trinken, denn Bäche, Quellen oder Einkehrmöglichkeiten sucht man in der Felswand fast immer vergeblich. Ansonsten sollte man sich bescheiden, was den Rucksackinhalt angeht – schließlich trübt jedes Gramm mehr das Klettervergnügen. Eines jedoch nicht: ein sogenanntes Topo des geplanten Steiges. Dabei handelt es sich um ein Blatt Papier mit allen nötigen Infos zum Steig: Zu- und Abstieg, Höhendifferenz, Dauer, Exposition und – das Wichtigste – eine Zeichnung mit dem exakten Verlauf der Route und den zu erwartenden Schwierigkeiten. "Damit lässt sich im Vorfeld sehen, wo die Knackpunkte lauern", so Ralf Gantzhorn.

Ein paar Klettersteig-Grundregeln:

Vor dem Start in den Steig legen Sie die Ausrüstung an und kontrollieren – sofern Sie nicht allein gehen – gegenseitig, ob der Gurt richtig sitzt und das Klettersteigset richtig durch die Anbindeschlaufe des Gurtes gefädelt wurde (siehe unten). Sollten weitere Aspiranten zum Einstieg kommen, gewähren Sie ihnen ruhig Vortritt, so müssen Sie sich nicht beeilen. Grundsätzlich sollten Sie sich am Berg nie hetzen lassen, sondern lieber Schnellere vorbeiziehen lassen.

Steigen Sie in jedem Fall langsam und versuchen Sie, ein gleichmäßiges Tempo – Ihr Tempo – zu finden. Kommen Sie außer Atem, sind Sie zu schnell. Das kostet Kraft, die Sie vielleicht später noch brauchen können. Merken Sie, dass der Armsaft zur Neige geht, pausieren Sie. Zur Not – wenn sich keine bequeme Raststelle findet – hängen Sie sich mit Ihrer Standschlinge ins Drahtseil und "schütteln" die Arme nach unten hängend aus. Müssen Sie das gleich nach den ersten Metern machen, haben Sie sich wahrscheinlich einen zu schweren Steig ausgesucht. "Dann ist es besser, gleich umzukehren und abzusteigen als später", so Gantzhorn.

Um ein Auspowern zu vermeiden, sollten Sie nicht nur regelmäßig Pausen einlegen und langsam gehen, sondern vor allem Ihre Beine für den Aufstieg benutzen. "Wer viel mit Armkraft klettert, dem geht rasch die Puste aus", erklärt der Experte. Gute Bergstiefel (siehe Test 2018) mit steifen Sohlen und flexiblem Schaft erleichtern hingegen den Aufstieg, da sie selbst auf kleinsten Felsvorsprüngen haften bleiben.

Klettersteige: Ausrüstungstipps

04.09.2018
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Ausgabe 09/2018