Was als ambitioniertes Outdoor-Abenteuer begann, wurde zu einer der extremsten und ungewöhnlichsten Fußreisen der Expeditionsgeschichte: Am 1. November 1998 verließ Karl Bushby die chilenische Hafenstadt Punta Arenas an der Südspitze Südamerikas. Sein Ziel: Einmal rund um die Welt und zurück zur Haustür seiner Mutter im englischen Hull. Dafür legte der ehemalige Fallschirmjäger der britischen Armee zwei eiserne Regeln fest:
Keine motorisierten Verkehrsmittel auf der gesamten Route, und erst dann zurückkehren, wenn die Strecke lückenlos zu Fuß absolviert ist. Was ursprünglich auf rund zwölf Jahre ausgelegt war, wuchs zu einer 28-jährigen Odyssee heran.
Durch dichten Dschungel, eisige Wüsten und über offene Meere
Die Expedition führte Bushby durch rund 30 Länder und über vier Kontinente. Dabei bewegte er sich oft abseits jeglicher Zivilisation durch einige der unwirtlichsten Regionen unseres Planeten. Gleich zu Beginn wartete mit dem Darién Gap zwischen Kolumbien und Panama eine der härtesten Proben: Das schwer zugängliche Dschungelgebiet gilt als eine der gefährlichsten und unwegsamsten Passagen der Welt. Dichte Vegetation, unendliche Sümpfe, reißende Flüsse und eine brenzlige Sicherheitslage machten die Durchquerung zu einem echten Härtetest.
2006 nahm Bushby gemeinsam mit seinem Expeditionspartner Dimitri Kieffer die wohl kälteste und riskanteste Etappe in Angriff: die Überquerung der Beringstraße zwischen Alaska und Russland. Auf dem Weg durch die eisige Meerenge mussten sich die beiden über brüchige Eisschollen und durch eiskaltes Wasser kämpfen – mehrmals brach das Eis unter ihren Füßen weg. Nach geschaffter Ankunft in Russland folgte der nächste Schock: Beide wurden vorübergehend wegen Spionageverdachts festgenommen.
Auch politische Hürden erforderten kreative Outdoor-Lösungen: Als Konflikte und verwehrte Visa den geplanten Weg durch Russland und den Iran versperrten, zogen Bushby und Angela Maxwell 2024 die Konsequenzen – und schwammen kurzerhand durch das Kaspische Meer. Für die rund 300 Kilometer lange Passage brauchten sie 31 Tage. Fortgekommen sind sie mit Schwimmhilfen und einer speziellen Technik, die Bushby "Floatimming" taufte.
28 Jahre voller Rückschläge und unbändigem Willen
Neben den physischen Strapazen machten vor allem geopolitische Barrieren, endlose Visabürokratie und finanzielle Engpässe dem Zeitplan immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Sponsoren sprangen ab, Weiterreisen wurden untersagt, und selbst die Corona-Pandemie zwang ihn zu einer langen Zwangspause in Mexiko.
Gefährliche Begegnungen, Festnahmen, Bedrohungen mit Schusswaffen und der ständige Kampf gegen Naturgewalten sowie extremes Wetter begleiteten seinen Weg auf Schritt und Tritt. Sein ursprünglicher Traum, schon 2012 wieder daheim zu sein, rückte in weite Ferne – doch aufgeben war für Bushby keine Option.
Das große Finale: Schwimmend über den Ärmelkanal
Im Oktober 2026 stand der Abenteurer dann vor einer seiner allerletzten Hürden. Weil man ihm den Fußweg durch den Eurotunnel verständlicherweise verweigerte, blieb nur der Weg übers Wasser: der Ärmelkanal.
Am 5. Oktober erreichte der mittlerweile 57-Jährige nach rund 20 Stunden im Wasser, verteilt auf drei Tage, den Strand von Dover. Nach 28 Jahren setzte er damit zum ersten Mal wieder britischen Boden unter die Füße. Die letzten 400 Kilometer bis nach Hull legte er standesgemäß wieder zu Fuß zurück. In Hull wurde er von seiner Familie empfangen, darunter sein 36‑jähriger Sohn Adam und seine zwölfjährige Enkelin, die er bis dato noch nie persönlich getroffen hatte.
Was kommt nach dem Abenteuer seines Lebens?
Mit dem Ankommen in Hull schließt sich ein Kreis, der fast drei Jahrzehnte seines Lebens prägte: Rund 50.000 Kilometer, vier Kontinente, unzählige geografische und politische Grenzen.
Doch die größte Etappe könnte nun vor ihm liegen: das Ankommen im normalen Alltag! Bushby selbst gibt zu, dass er noch nicht genau weiß, wie das Leben ohne das nächste große Etappenziel aussehen wird. Schließlich war genau das über ein Vierteljahrhundert hinweg sein täglicher Antrieb.





