Welttag der Ozeane trifft "Home is the Ocean"
Seit 25 Jahren segeln Dario und Sabine Schwörer um die Welt – und ihre sechs Kinder Salina, Andri, Noé, Alegra, Mia und Vital kennen kein anderes Zuhause als ihr Boot: die "Pachamama" (übersetzt: "Mutter Erde"). Das Schiff ist auf ein Leben im Einklang mit der Natur ausgelegt: nachhaltig, möglichst autonom – gebaut, um selbst in den härtesten Meeresumgebungen zu bestehen. Alltag und Ausnahmezustand liegen dabei oft nah beieinander: Geburtstage, Weihnachten, Krisen und Glücksmomente passieren nicht im Wohnzimmer, sondern zwischen Horizont und Bugwelle.
Genau diesen Mikrokosmos hat die Schweizer Regisseurin Livia Vonaesch sieben Jahre lang begleitet. Ihre Doku "Home is the ocean" feierte beim 20. Zürcher Film Festival Premiere – und kam letzten September ins Kino.
Ein Leben auf See – und mittendrin der Klimawandel
Der Welttag der Ozeane ist mehr als Symbolik – für die Schwörers ist er Realität. Sie leben so nah an der Natur, dass sie die Folgen des Klimawandels immer wieder direkt erleben. Und genau deshalb sind sie überhaupt aufgebrochen: Dario Schwörer, selbst Klimatologe, sah früh, wie Ökosysteme kippen – und wollte Öffentlichkeit schaffen für Respekt, Schutz und Verantwortung.
1999 gründeten sie mit Freunden die gemeinnützige Initiative "Top to Top Global Climate Expedition": eine Expedition, die alle Klimazonen verbinden, die sieben Weltmeere durchqueren und die Seven Summits erreichen sollte – angetrieben "nur" von Naturkraft: zu Fuß, per Rad, auf Skiern und eben per Segelboot.
Expedition als Familienleben – und als Auftrag
Mit den Kindern musste sich die Mission nicht ändern – sie wurde nur größer: Freiheit, Abenteuer, Familienalltag und Umweltbildung gehen bei den Schwörers zusammen. Sie sammeln Klimadaten an Orten, die du oft nur per Schiff erreichst, haben nach eigenen Angaben bereits 85.000 kg Plastikmüll eingesammelt und schon vor über 100.000 Schülerinnen und Schülern gesprochen, um die nächste Generation für Meeresschutz zu begeistern.
Und dann ist da noch die Kehrseite des Ozeans: seine Wucht. Ein Sturm zerstörte ihr Boot – ein Einschnitt, der im Film mitschwingt und die großen Fragen auf den Tisch legt: Weitermachen? Aufhören? Wurzeln schlagen? Oder ist das Meer längst Heimat geworden?
Warum das perfekt zum Welttag der Ozeane passt
Der Welttag der Ozeane fragt im Kern: Wie gehen wir mit dem größten zusammenhängenden Lebensraum der Erde um? "Home is the ocean" gibt darauf keine Predigt, sondern eine radikal persönliche Perspektive: Wenn das Meer dein Zuhause ist, wird "Ozeane schützen" vom abstrakten Auftrag zu etwas sehr Konkretem – zu Verantwortung im Alltag.
Und ganz nebenbei bleibt beim Zuschauen diese eine Frage hängen, die am Welttag der Ozeane vielleicht besonders gut passt: Wie, wo und mit wem willst du leben – und was soll von deinem Fußabdruck bleiben?





