Klettern im Norden Deutschlands: Göttinger Wald, Lüerdissen und Bisperode

GÖ-Wald, Lüerdissen & Bisperode
Klettern im Norden Deutschlands

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.06.2026
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Wir ­ stellen euch die schönsten Felsen für entspannte Klettertage in Deutschland vor.
Foto: Peter Brunnert

Und der Sandstein im unweiten Göttinger Wald ist genauso edel. Man kann also auch "hoch im Norden" Klettern. Und sogar richtig gut! Infos zu den beiden Klettergebieten in Niedersachsen hier:

GÖ-Wald für Genießer

Das vermeintlich so flache und langweilige Niedersachsen beherbergt nicht nur die großen Kalkklettergebiete von Ith & Co, sondern neben den Urgesteinsbrocken im Harz auch die Sandsteinfelsen bei Göttingen. In der Community hat sich für sie der Name "GÖ-Wald" eingebürgert. Vor allem die äußerst fotogenen klassischen Risslinien in den großen Steinbruchwänden lohnen die weiteste Anreise. Im Gegensatz zu den Kalkgebieten am Ith sind die Felsen im GÖ-Wald für reine Kletteranfänger allerdings ziemlich Hardcore. Ein Glück, dass es auch noch die Basaltwände des Scharfensteins bei Kassel gibt und die Kalkriffe der Hessischen Schweiz an der Werra. Dann mal los.

  • Touren 2 bis 5: ca. 300
  • Touren 6 und 7: ca. 400
  • Reiseführer: Göttinger Wald von Brunnert/Grage/Grage, 2022, Panico.de
Wir ­ stellen euch die schönsten Felsen für entspannte Klettertage in Deutschland vor.
Peter Brunnert

Top Göttinger Wald (inkl. Hessische Schweiz und Scharfenstein)Gebiet Mariaspring
Niveau 2 bis 5: Plattenschrammel (4), Bel Air (5). Niveau 6 und 7: Lady-Di-Ged.-Kante (6+), Miraculix (7)

Gebiet Arenshausen
Niveau 2 bis 5: 1-1-2 mach sie frei (5), Mitternachtskante (5+)
Niveau 6 und 7: Willkommen in der Bergwelt (6+), Natural born grillers (7)

Hauwand
Niveau 6 und 7: Das Physikum (6+), Und sie bewegt sich doch! (6+/7-)

Scharfenstein
Niveau 2 bis 5: Wändchen (3+), Schiefe Anna W-Wand (5+)
Niveau 6 und 7: Schuppenverschneidung (6), Fünferkante (7)

All you can Ith

An den bizarren Ithfelsen wurde immer wieder norddeutsche Klettergeschichte geschrieben. Berühmte Felsgestalten wie das Kamel oder das Krokodil mit Kletterrouten wie der Dachverschneidung oder der Anakonda sind auch südlich des Weißwurstäquators bekannt. Szenetreffpunkt der norddeutschen Klettergemeinde war und ist der Ith-Zeltplatz unmittelbar bei den Lüerdisser Klippen, einem der beiden Topgebiete im südlichen Ith. Trubel und Hallo sind garantiert. Wer es etwas ruhiger mag, ist im nördlichen Ith bestens aufgehoben. Marienau und auch Bisperode sind etwas kleinere und weniger bekannte Gebiete, bieten aber ebenfalls jede Menge griffigen Prachtfels der Premiumklasse und entsprechend exzellente Touren.

  • Touren 2 bis 5: ca. 400
  • Touren 6 und 7: ca. 340
  • Reiseführer: Hoch im Norden, Brunnert/Grage/Grage, 2026, Panico.de

Toptouren Lüerdissen und BisperodBisperoder Klippen
Niveau 2 bis 5: Friedensteinwand: Plattenverschneidung (3), Lochturm: Südwestwand (5-), Heidenstein: Schauerverschneidung (5+)
Niveau 6 und 7: Diagonale (6-), Lochturm: Hängepartie (7-), Türmchen: Direkte Talseite (7+)

Lüerdisser Klippen
Niveau 2 bis 5: Haderturm: Damenweg (2), Teufelstrichter: Mittelweg (4), Zwilling: NW-Wand (5), Kamel: Briefkasten (5+)
Niveau 6 und 7: Haderturm: Damenweg (6-), Mittagsfels: Talseite (6+), Wechselverschneidung (6+), Krokodil: Anakonda (7)

Hornberger Platte
Niveau 2 bis 5: Regenablaufrinne (4-), Sparroute (5-), Schwarze Platte (5), Little Red Rooster (6+)
Niveau 6 und 7: Pünktchen und Anton (6-), Alice im Wunderland (6-), Purple Rain (6+/7-)

Klettern im Weser-Leine-Bergland
Peter Brunnert

Lage und Anfahrt

Die niedersächsischen Kalkgebiete liegen im Dreieck zwischen Hameln, Hildesheim und Einbeck im Weser-Leine-Bergland. Sie sind von den Autobahnen A7 und A2 aus problemlos zu erreichen.

Unterkunft

Der zentrale Kletterer-Stützpunkt ist der DAV-Zeltplatz im südlichen Ith bei Lüerdissen. In den Ortschaften in unmittelbarer Umgebung der Felsen findet man aber auch überall Privatunterkünfte (weserbergland-tourismus.de).

Absicherung

Die klettersportliche Tradition in den niedersächsischen Gebieten hat von je her für eine gewisse Hakenarmut gesorgt. Das gilt vor allem für Routen bis zum fünften Schwierigkeitsgrad. Aber auch in vielen Klassikern des sechsten und siebten Grades blinkt nicht so viel Edelstahl wie in den Gebieten an den Ufern der Trubach oder der Ardèche. Am sichersten ist es, grundsätzlich ein geeignet sortiertes Bündel Klemmkeile und Schlingen am Gurt baumeln zu haben. Die neueren Routen sind jedoch alle im Stil der Zeit eingebohrt. Infos dazu findet ihr auch im oben schon erwähnten Kletterführer für Norddeutschland von Peter Brunnert, Arne und Stephen Grage: Hoch im Norden, aus dem Panico Alpinverlag.


Klettern im Selter

Was auf der Westseite der Ithkamm, sind auf der Ostseite die felsigen Mittelgebirgskämme von Selter, Steinberg und Thüster Berg. Der Verlust des Highend-Gebietes im Südlichen Selter war ein harter Schlag für alle leistungsorientierten norddeutschen Kletterinnen und Kletterer. Die müssen nämlich jetzt 400 Kilometer nach Franken fahren, um einen Elfer klettern zu können. So sind die Nördlichen Fredener und die Imsener Klippen der Rest, der vom grandiosen Selter geblieben ist. Allerdings sind dort in den letzten Jahren an einigen Felsen eine ganze Reihe richtig guter Touren in Selter-Premium-Fels eröffnet worden, wie zum Beispiel KFM (9-) an der Kogge, einem der besten Neuner weit und breit, oder die atemberaubende Dachhangel Trieste direkt (9+/10-) am Riesendach. Der etwas weitere Zustieg lohnt in jedem Fall. In den letzten Auflagen des Kletterführers "Hoch im Norden" gab es eher abfällige Kommentare für die Delligser Klippen, eine Handvoll wackerer Erschließer hat aber trotzdem noch mal ganz genau hingeschaut und 40 Neutouren eingebohrt. Die unteren Wandbereiche erfordern zwar etwas alpine Erfahrung, sind aber immer leicht und gut mit Bohrhaken gesichert. Weiter oben wird man dann mit Topfels belohnt, es warten fette Dächer, und zwischen 6 und 9 wird hier alles geboten. Wer ein echter Rodeo-Fan ist, muss sich natürlich am Schwebeblock (7+) versuchen. Keine Angst: Das Ding hält! Ach ja: Potenzial für einen echten Elfer gibt es auch ...

In den Gerzener Klippen befindet sich mit dem Pferdestall einer der Boulderhotspots des Nordens, der genug Stoff für mehrere Tage heiße Finger hat. Hier warten einige der schwierigsten Boulder Norddeutschlands auf die Mädels und Jungs mit den gestählten Fingern, zum Beispiel Curling kangaroo (8B). Für ebendiese wird auch in den Nördlichen Gerzener Klippen ein spannendes Betätigungsfeld geboten. Das Seil braucht man dort allerdings schon, um boulderlastige Routen wie Skadmor (10-) abzuhaken. Vor allem im Sommer erfreuen sich die schattigen Brunkenser Klippen großer Beliebtheit. Die Felsgruppe hat mit der Lippoldshöhle auch ein touristisches Highlight, man kann sich also zahlreicher Zuschauer sicher sein. Die Touren sind in jedem Fall bemerkenswert hübsch und vergleichsweise gut mit Bohrhaken ausgestattet. Der große Klassiker ist Lippolds Fluchtweg (5), den man auf jeden Fall gemacht haben sollte.

Mit fast 450 Wegen an 46 Felsen ist der Kanstein am Thüster Berg das größte Einzelgebiet im niedersächsischen Kalkrevier. Bereits um 1900 wurden die vielen freistehenden Türme bezwungen, allen voran die fantastische Liebesnadel, auf der jeder Nordlandbesucher einmal im Leben gestanden haben sollte.

Fazit