Klettern bei Olympia IFSC Dimitris Tosidis
Klettern bei Olympia
Klettern bei Olympia Tokio
Klettern bei Olympia Tokio
Klettern bei Olympia Tokio 17 Bilder

Klettern bei Olympia: Höher, schneller, stärker

Olympia: Klettern Höher, schneller, stärker: die Olympia-Bilanz

Inhalt von

Update: Die Meinungen von Alex Megos, Jakob Schubert und ZDF-Kommentator Julius Hilfenhaus – plus: unsere Bilanz zu Sportclimbing bei Olmpia.

In diesem Artikel: Alex Megos nach den Spielen: »Wir kletterer sind schon ziemlich klein« + Analyse: Höher, weiter, stärker + ZDF-Kommentator Julius Hilfenhaus: »Ich habe versucht, mich in die Materie reinzufuchsen« + Jakob Schubert: „Die emotionale Achterbahn hätte nicht größer sein können“

Älterer Beitrag: Sportklettern bei Olympia Mitschnitt Damen + Sportklettern bei Olympia Mitschnitt Herren + Ergebnisse Herren + Ergebnisse Damen + Update nach der Herren-Quali + Update nach der Damen-Quali + Termine: Sportklettern bei den Olympischen Spielen in Tokio + Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterinnen + Klettern bei Olympia: Jetzt geht's los + Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterer + Interview mit Alex Megos: "Bei mir steht und fällt es mit dem Bouldern" + Interview mit Jan Hojer: "Ich hoffe auf eine Medaille"

Alex Megos nach den Spielen: »Wir kletterer sind schon ziemlich klein«

"Woran lag‘s? Das ist die Frage, die ich nicht mehr hören kann. Da habe ich bislang meist mit dem Zitat dieses niederländischen Fußballers geantwortet, der minutenlang einfach nur wiederholt: "Woran‘s gelegen hat, ja woran hat‘s gelegen ..."

Alexander Megos beim BWC München
Marco Kost
Alexander Megos beim Boulder-Weltcup München 2019

Letztlich waren es verschiedene Dinge, die zusammen gekommen sind. Es war nicht ganz mein Tag, mir haben die Boulder nicht so gut gelegen, und im Lead war ich nervöser als sonst. Im Bouldern und Speed war ich noch entspannt. Unglücklich, dass mir bei zwei Bouldern der letzte Zug zum Top nicht gelungen ist. Das war leider entscheidend. Und dann war ich nervös, weil ich wusste, dass ich im Lead jetzt performen muss. Das ist eine schlechte Ausgangsposition, wenn man weiß, man müsste eigentlich ganz entspannt klettern. Das unter Druck umzusetzen, ist super schwer.

Die Routen waren richtig gut geschraubt, bei Damen wie Herren in beiden Runden. Beim Bouldern haben sie es meiner Meinung nach nicht getroffen, da hat einfach die Schwierigkeit nicht gepasst. Bei den Damen war es viel zu schwer, und bei den Herren war es auch nicht gelungen. Die Routenbauer hatten natürlich die schwierige Aufgabe, die Speedkletterer nicht komplett fehl am Platz aussehen zu lassen, und für die anderen eine gute Selektion zu ermöglichen, aber ich finde, im Bouldern haben sie es einfach verkackt. Bei den Boulder-Routenbauern habe ich auch das Gefühl, sie sind nicht ganz so kritikfähig wie die Setter im Lead. Wenn es nicht aufgeht, sind immer die Athleten Schuld, die die Boulder nicht kapiert haben und schlecht geklettert sind.

Das Beste an Olympia war definitiv das Olympische Dorf, das war mega cool. Die Atmosphäre war toll, mit tausenden Spitzensportlern am gleichen Fleck zu sein. Normalerweise ist es als Profi schon so, dass man heraussticht und immer angeschaut wird. Und im Olympischen Dorf weiß man genau: Alle, die hier sind, sind Weltklasse! Alle in Teamkleidung, hunderte von Flaggen, das war einfach ein cooles Erlebnis. Und man ist nichts besonderes. Das war sehr erfrischend. Man sieht wie andere Sportler ticken – oder auch aussehen! Mir ist dort aufgefallen, dass wir Kletterer schon ziemlich klein sind. Es gab – und das waren nicht alles Basketballer – echt viele riesige, richtig große Athleten; Leichtathleten, aber auch andere. Das war interessant.

Jetzt steht für mich wieder Felsklettern an, da hängt es jetzt auch an der Pandemie, was in nächster Zeit möglich sein wird. Im Winter hoffe ich, nach Spanien fahren zu können. Ob ich mich für Paris 2024 begeistern kann, werde ich auch davon abhängig machen, wer Bundestrainer wird. Für mich spielt das Team eine wichtige Rolle. Und wenn ich erst deutsche Nominierungswettkämpfe mitmachen muss, wird es vielleicht auch nichts, weil ich da traditionell eher schlecht abschneide."

Analyse: Höher, weiter, stärker

Als Bassa Mawem in der Qualifikationsrunde im Lead zu einem harten Schulterzug ansetzte, diesen dann unerwartet schnell abbrach und ins Seil fiel, drohte das bislang relativ glanzvoll verlaufene Spektakel von "Sportklettern bei Olympia" in leichte Schieflage zu geraten. Eigentlich war das Sportereignis des olympischen Kletterns halbwegs gut angelaufen: Die Athletinnen und Athleten hatten, wie üblich bei Kletterwettkämpfen, beeindruckende Leistungen an den Tag gelegt, waren motiviert und kameradschaftlich wie sonst kaum eine Sportlergruppe in Tokio an den Start gegangen. Die Bewegungen der Kletterer strahlten vor Kraft und Eleganz, selbst wenn die aus Japan kommenden Bilder nicht so optimal das Geschehen einfingen, wie man sich das aus deutscher Perspektive gewünscht hätte. Doch mit der gerissenen Bizepssehne von Bassa Mawem wurde es ein kleines bisschen unschön, und das lag nicht an der fiesen Verletzung allein.

Über die Jahre hat sich das Wettkampfklettern zu einer fernsehtauglichen und unterhaltsamen Disziplin gemausert: knappe Zeitlimits und spektakuläre Bewegungen sorgen für Spannung, die Weltcup-Übertragungen der IFSC werden weltweit hunderttausendfach angesehen. Der anfangs vielfach kritisierte Combined-Modus wurde – auch dank intensiver Marketingbemühungen der Verbände, zum Beispiel des DAV – schließlich weithin akzeptiert oder zumindest ertragen.

Der vermaledeite Modus

Die Kletterer nahmen die neue Herausforderung an und ließen sich aufs Combined ein, auch wenn dies für viele ausgemachte Spezialisten in ihrer Kerndisziplin Leistungseinbußen bedeutete, weil sie ihr Training nun umstellen mussten. Doch wie gravierend die Tücken des Combined-Modus sich auf der olympischen Bühne tatsächlich auswirken sollten, hatte wohl niemand geahnt. Zum Beispiel führte der Multiplikationsmodus unter anderem zu der absurden Situation, dass eine Sportlerin, die in Tokio einen neuen Weltrekord in ihrer Disziplin aufstellte, kaum in die Nähe einer Medaille kam: Die Polin Aleksandra Miroslaw ‚rannte‘ im Speed die olympische Bestzeit von 6.84 Sekunden, blieb aber erwartungsgemäß im Lead und Bouldern chancenlos, womit das Thema Medaille für sie vom Tisch war. Wiederholen wird sich diese Skurrilität wohl nicht, denn schon für die nächsten Spiele in Paris 2024 ist vorgesehen, Speed als Einzeldisziplin durchzuführen und "nur" noch Bouldern und Lead zu kombinieren. Immerhin.

Reglement ohne Antwort

Zurück zu Bassa Mawem und seinem unfreiwilligen Ausscheiden aus dem olympischen Wettkampf: mit gerissener Bizepssehne war Weiterklettern für den Franzosen undenkbar. Die Tatsache, dass er bereits fürs Finale qualifiziert war, brachte nun das Combined-Format an seine Grenzen – oder darüber hinaus, je nach Perspektive. Denn das Reglement hatte auf diese Situation keine Antwort parat. Nachrücken ist nicht vorgesehen, wenn bereits eine Rangfolge steht: Mit seiner starken Leistung im Speed und Bouldern war Bassa bereits vor dem Lead sicher fürs Finale qualifiziert und damit mindestens auf Rang 8. Doch weil das Finale in der Disziplin Speed im K.o.-Modus ausgetragen wurde (jeweils der Langsamere eines Duells verliert, unabhängig von den tatsächlichen Zeiten), bekam der erste Gegner des verletzten Bassa den Sieg in diesem Duell quasi geschenkt. Doch etwas unfair! Zwar müssen wir zugeben, etwas parteiisch zu sein, denn wir hätten natürlich liebend gern Alex Megos aufrücken sehen, der auf dem verflixten neunten Platz gelandet war. Doch man kann davon ausgehen, dass selbst Adam Ondra, dem Profiteur der Situation, die Sachlage unangenehm war. So erläuterte der Österreicher (und Bronze-Medaillist) Jakob Schubert im Nachhinein: "… es wäre wesentlich fairer gewesen, dem bestplatzierten Speed-Kletterer das Freilos zu geben, anstatt dem Schlechtestplatzierten in dieser Disziplin, der diesen Vierten Platz unter normalen Umständen wohl nie erreicht hätte. So wie ich Adam kenne, weiß ich, dass er der letzte ist, der etwas unverdient bekommen wollen würde. Wir haben unsere Bedenken an die Offiziellen weitergegeben, sie wurden aber zu unserer Enttäuschung nicht beachtet. "Einen Fehlstart (Colin Duffy) und mehrere Abrutscher (Narasaki, Schubert) später stand dann eine Speedrangliste des Olympia-Finales fest. Dass diese Rangfolge nicht ganz unter fairen Bedingungen zustande gekommen ist, lässt sich durchaus bemängeln – immerhin beansprucht das IOC für sich, den "Geist des Fairplay" im Sport zu fördern.

Wenn 2 von 3 Bouldern ausfallen

Nach diesem etwas schrägen und nicht gänzlich fairen Auftakt im Speed ging es mit einer ähnlich kritischen Boulderrunde weiter. Um den Zeitrahmen fernsehtauglich und attraktiv zu halten, war als letzte Reglementsänderung vor den Spielen die Anzahl der Boulder im Combined-Finale von vier auf drei gestutzt worden. Dies sorgte zwar für einen gestrafften Ablauf des Wettkampfs, doch war es auch eine riskante Änderung, denn nun musste an drei statt vier Problemen eine Reihenfolge zwischen den Kletterern erzielt werden, und wenn die Routenbauer in Sachen Schwierigkeit nur um Haaresbreite daneben liegen, wird es knapp, wie in Tokio geschehen: Nahezu alle Finalteilnehmer kletterten den ersten Boulder, niemand den letzten – das alles entscheidende Problem war also Nummer Zwei: für einen fairen und ausgewogenen Wettkampf etwas wenig.Glücklicherweise überzeugten wenigstens die Finalrouten auf voller Breite. Hier wurden nicht nur ausreichend Fähigkeiten abgefragt, um die Kletterer ins Schwitzen und an ihre Grenzen zu bringen, sondern es wurde auch Mut und mentale Stärke belohnt, denn durch diese Routen kam nur gut durch, wer furchtlos und locker alles geben konnte: Zögern sowie jeglicher Versuch, die grenzwertigen Moves zu "kontrollieren" wurden bestraft, denn das kostete zuviel Kraft, die später fehlte. Zumindest fürs Lead, und dies gilt auch fürs Damenfinale, muss man den Hut vor den Routenbauern ziehen: Das war richtig gut, spannend, selektiv und unterhaltsam – im Prinzip der Wow-Effekt, den man sich für die gesamten Kletter-Spiele gewünscht hätte.

Bei den Damen verlief der Wettkampf nicht viel weniger unfair, was jedoch in diesem Fall weniger an den Wettkampfregularien lag, sondern an der massiven Überlegenheit von Janja Garnbret. Das ist natürlich eine Übertreibung, denn zwar ist Janja überlegen stark, doch waren die Ausgangsbedingungen bei den Damen erfrischend fair im Vergleich zu der Situation bei den Herren. Und obwohl Janja klare Favoritin war, musste sie nichtsdestoweniger erst einmal liefern. In der Quali gelang ihr dies zwar schon, aber sie leistete sich die Schwäche, im Lead der Qualirunde nicht zu gewinnen. Zumindest machte sie es spannend! Erst im Finale fand sie zurück zu ihrer gewohnten Topform und kletterte verdient zu Gold.

Gar nicht mal so schlecht

Besonderes Mitleid von meiner Seite möchte ich an dieser Stelle an die Kommentatoren des öffentlichen Rundfunks aussprechen. Eine informelle Umfrage in meinem Kletterer-Freundeskreis ergab die erstaunlichsten Urteile über die Moderatoren: von "absolut unmöglich" bis "richtig gut" war alles dabei. Zugegebenerweise waren sowohl der ZDF-Mann Julius Hilfenhaus, Lieblingswort: "Nachkalken"; als auch der ARD-Mann Tobias Barnerssoi (Lieblingswort: der Torero!) keine Kletterer, sondern Spezialisten für Alpinski und entsprechend nicht immer ganz sattelfest im Kommentar. Zumindest für mich, die mit diesbezüglich wenig Erwartungen aufs Sofa gegangen ist, war das Vergnügen, von professionellen Stimmen begleitet zu werden, deutlich größer als der Unmut darüber, dass eine Fingerzange keine mir bekannte Vokabel ist.

Fazit: Adieu Combined-Modus

Olympia ist gelaufen. Die Pandemiesituation hat nicht geholfen, aber für die Zuschauer zu Hause wenig gestört, dies blieb vermutlich eher der Wermutstropfen für die teilnehmenden Sportler, die bei Ausscheiden aus den Wettbewerben binnen zwei Tagen das Land verlassen mussten und deutlich weniger Zeit im olympischen Dorf verbringen konnten als üblich. Die große Show ist halbwegs aufgegangen und war sogar für Überraschungen gut. Wenn Klettern olympisch wird, muss sich allerdings vielleicht auch das Reglement mit denen der olympischen Kernsportarten vergleichen lassen, nicht die Attraktivität der Performance allein. Hoffen wir, dass drei Jahre ausreichend lang sind, damit der Weltverband hier ein faireres Reglement auf die Beine stellen kann. Übrigens wurde Bassa Mawem natürlich längst operiert, die abgerissene Bizepssehne wurde befestigt, und er stellt sich auf mindestens ein halbes Jahr Reha ein, bevor – das haben die Brüder Mawem bereits bekanntgegeben – auch er beginnt, sich wie sein Bruder Mickaël auf Paris 2024 vorzubereiten.

(nach oben)

ZDF-Kommentator Julius Hilfenhaus: »Ich habe versucht, mich in die Materie reinzufuchsen«

"Als es darum ging, wer was kommentiert, habe ich mich relativ unbedarft gemeldet. Ich hatte ein paar Jahre zuvor eine Doku über David Lama gemacht. Daher hatte ich schonmal was mit Klettern zu tun, aber bin keinesfalls Spezialist. Bei der Deutschen Meisterschaft in Bochum hatte ich gemeinsam mit dem Megos-Trainer Dicki Korb kommentiert, das war mein erster Einsatz in dem Gebiet. Zur Vorbereitung habe ich Weltcups nachgeschaut auf Youtube und habe versucht, mich in die Materie reinzufuchsen. Speed ist ja offensichtlich, dafür muss man nicht studiert haben. Beim Lead und Bouldern ist es hingegen schon anspruchsvoller, da hoffe ich, dass mir die Experten nachsehen, wenn ich da Fehler gemacht habe. Es ist aber natürlich so, dass wir beim Öffentlich-Rechtlichen nicht für wenige Experten kommentieren, sondern für das breite Publikum; da hoffe ich, dass es mir gelungen ist, einen akzeptablen Mittelweg zu finden.

Julius Hilfenhaus
Jan Depken ZDF
ZDF-Kommentator Julius Hilfenhaus

Pandemiebedingt durften kaum Reporter vor Ort sein, die Bilder wurden von einer Weltregie gemacht und gesendet, wir hatten keinen Einfluss auf die Bild-Auswahl oder die Kameraperspektiven. Tragisch, dass die Topbegehung von Alexander Megos in der Boulder-Quali von keiner Kamera eingefangen wurde! Wir saßen, wie die Zuschauer auch, in Deutschland. Das bedeutete weniger Möglichkeiten als sonst, wo man schon mal vom Fernsehbild aufschauen kann und dann vielleicht noch zusätzliche Informationen bekommt, wo die Kamera gerade nicht ist ... Hilfreich war, dass der Weltverband IFSC detaillierte Updates geschickt hat mit Informationen von den Routenbauern: hier erwarten wir dieses und jenes, und ungefähr die Methode beschrieben wurde. Damit konnte man selbst als Laie wenigstens ungefähr einordnen, ob die Athleten die richtige Idee haben.

Besonders gefordert hat mich der Multiplikationsmodus. Ich hatte ja einen Datenmonitor, wo ich live sehen konnte, wer wo steht, allerdings ging das nicht immer so schnell, wie man es sich gewünscht hätte. Das war anspruchsvoll, mit den Faktoren zu überschlagen, wer jetzt wo landet: Das hat mich an diese absurden Textaufgaben aus der Schule erinnert. Aber es musste sein, denn einfache Addition der Punkte hätte nicht funktioniert, da hätte es zuviel Gleichstand gegeben.

Generell finde ich das Klettern attraktiv, es ist kurzweilig, leicht zu erfassen, hat viele fernsehtaugliche Aspekte. Ich habe mich gefragt, wenn es zumindest beim Bouldern eine abgestuftere Bewertung gäbe, ob das nicht das Format noch einmal besser machen würde. Schon nach der DM hatte ich Lust bekommen, das Klettern selbst einmal auszuprobieren, dann ist Corona dazwischen gekommen ... Das wird nachgeholt!"

Jakob Schubert: "Die emotionale Achterbahn hätte nicht größer sein können"

"Wie viele andere Wettkampfkletterer auch war ich vom Combined-Format samt Multiplikationsmodus nicht überzeugt, habe mich aber damit abgefunden, weil ich zu Olympia wollte. Ich finde, wie sehr die Multiplikation ein Ergebnis umdrehen kann, wurde bei den Spielen in einer neuen Dimension offensichtlich. Beispiel Lead-Finale: Wäre ich hinter Adam geblieben, hätte er Gold geholt und ich wäre Letzter geworden. Mit meinem Top wurde ich Dritter, während Adam auf Platz 6 zurückfiel. Hätte ich wiederum keine persönliche Speed-Bestleistung aufgestellt, wäre ich nach der Qualifikation eventuell an letzter Stelle gelegen und hätte somit das Glück gehabt, ein Freilos für den 4. Platz in dieser Disziplin zu bekommen. Nach diesem Szenario hätte ich Gold gewonnen.

Jakob Schubert
Simon Rainer
Profi-Kletterer Jakob Schubert

Beim Einstieg in die Lead-Route war ich bei weitem nicht mehr so nervös wie in den Runden davor. Ein Teil von mir hatte bereits aufgehört, an die Medaille zu glauben. Ich wusste, dass die Wahrscheinlichkeit mehr als gering war, ich wollte nur mein bestes Klettern in meiner Lieblingsdisziplin zeigen. Kaum eingestiegen, war ich komplett im Flow. Dass ich allerdings die ganze verbliebene Energie und jahrelange Erfahrung, gepaart mit dem Ärger und Frust über die vorigen Runden, in eine perfekte Route umwandeln konnte, ist mir noch nicht so oft passiert.

In meiner gesamten Karriere lagen Glück und Leid noch nie so eng beieinander. Doch wie immer in einem Einzelevent spiegelt das Ergebnis den Besten des Tages wider und nicht unbedingt den überhaupt Besten.Ich freue mich von ganzem Herzen für Alberto und Nathaniel; die Mathematik kann man nicht austricksen, und die beiden sind nicht ohne Grund auf dem Podest gelandet. Für mich persönlich weiß ich, dass ich mit ein bisschen mehr Glück auf meiner Seite ein Stückchen weiter oben am Podium hätte landen können, aber gleichzeitig lassen all die gerade genannten Umstände meine Medaille noch heller glänzen. Klettern wird sich in seinem Olympischen Format weiterentwickeln, davon bin ich überzeugt. Je näher wir an das Ziel kommen, Einzelmedaillen in allen drei Disziplinen zu vergeben, umso besser.

Doch zunächst brauche ich frische Haut auf meinen Fingern!"

(nach oben)

Älterer Beitrag:

Sportklettern bei Olympia Mitschnitt Damen

Sportklettern bei Olympia Mitschnitt Herren

Ergebnisse Damen

Die unangefochtene beste Wettkampfkletterin dieser Zeit, die Slowenin Janja Garnbret, hat ihre verdiente Goldmedaille errungen, die Japanerinnen Miho Nonaka und Akiyo Noguchi räumten Silber und Bronze ab.

  1. Janja Garnbret (SLO)
  2. Miho Nonaka (JPN)
  3. Akiyo Noguchi (JPN)
  4. Aleksandra Miroslaw (POL)
  5. Brooke Raboutou (USA)
  6. Anouck Jaubert (FRA)
  7. Jessica Pilz (AUT)
  8. Chaehyun Seo (KOR)

Ergebnisse Herren

Alberto Gines Lopez gewinnt olympisches Gold
IFSC Dimitris Tosidis

Nach einem spannend-turbulenten Finale stehen die ersten olympischen Medaillen im Sportklettern fest. Der Katalane Alberto Gines Lopez erkletterte Gold, der US-Amerikaner Nathaniel Coleman errang Silber und Jakob Schubert kletterte sich mit der besten Lead-Performance zur Bronze-Medaille. Die Ergebnisse im Überblick:

  1. Alberto Ginés López (ESP)
  2. Nathaniel Coleman (USA)
  3. Jakob Schubert (AUT)
  4. Tomoa Narasaki (JPN)
  5. Mickael Mawem (FRA)
  6. Adam Ondra (CZE)
  7. Colin Duffy (USA)
  8. Bassa Mawem (FRA)

(nach oben)

Update nach der Damen-Quali

Die üblichen Verdächtigen haben sich ins Finale gekämpft. Die Ergebnisse der Qualifikation:

  1. Janja Garnbret
  2. Chaeyun Seo
  3. Miho Nonaka
  4. Akiyo Noguchi
  5. Brooke Raboutou
  6. Jessica Pilz
  7. Aleksandra Miroslaw
  8. Anouck Jaubert

Update nach der Herren-Quali

Alex Megos und Jan Hojer haben sich wacker geschlagen. Leider reichte es knapp nicht: Alexander Megos zeigte Nerven und konnte nicht wie gewohnt beim Lead sein volles Potenzial abrufen. Er fiel verhältnismäßig früh und blieb im Lead auf Rang 6. Damit landete Alex in der Gesamtwertung auf dem 9. Rang. Jan Hojer erreichte Platz 12. Update: Nachdem Bassa Mawem, der auf Platz 7 fürs Finale qualifiziert ist, sich verletzt hat und im Finale nicht starten kann, wurde darüber spekuliert, ob nun Alexander Megos nachrücken darf und doch noch ins Finale kommt. Dem ist nicht so – Bassa Mawem behält den 8. Platz, auch wenn er im Finale nicht antritt. Dennoch hat dieses Ereignis Folgen für den weiteren Wettkampf: Nun könnte Adam Ondra, der im Speed-Teil gegen Bassa antreten sollte, einen Vorteil einstreichen. Ob, und falls ja, wie diese Veränderung ausgeglichen wird, ist unklar.

Ergebnisse der Qualifikation:

  1. Mickael Mawem (FRA)
  2. Tomoa Narasaki (JPN)
  3. Colin Duffy (USA)
  4. Jakob Schubert (AUT)
  5. Adam Ondra (CZE)
  6. Alberto Ginés López (ESP)
  7. Bassa Mawem (FRA)
  8. Nathaniel Coleman (USA)

9. Alexander Megos
12. Jan Hojer

(nach oben)

Termine: Sportklettern bei den Olympischen Spielen in Tokio

Alle Daten und Uhrzeiten (MEZ)

3. August 2021: Qualifikation Herren (zu sehen auf ZDF / Eurosport)

  • 10:00 – 10:35 Speed
  • 11:00 – 13:15 Bouldern
  • 14:10 – 15:40 Lead

4. August 2021: Qualifikation Damen (zu sehen auf ARD / Eurosport)

  • 10:00 – 10:35 Speed
  • 11:00 – 13:15 Bouldern
  • 14:10 – 15:40 Lead

5. August 2021: Finale Herren (zu sehen auf ZDF / Eurosport)

  • 10:30 – 10:54 Speed
  • 11:30 – 13:00 Bouldern
  • 14:10 – 15:00 Lead
  • 15:10 – 15:20 Siegerehrung

6. August 2021: Finale Damen (zu sehen auf ARD / Eurosport)

  • 10:30 – 10:54 Speed
  • 11:30 – 13:00 Bouldern
  • 14:10 – 15:00 Lead
  • 15:10 – 15:20 Siegerehrung

(nach oben)

Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterinnen

20 Athletinnen aus 16 Nationen haben sich für Olympia qualifiziert. Die ersten Acht buchten ihr Olympia-Ticket bei der WM in Hachioji 2019, weitere Sechs beim IFSC Combined Qualifier in Toulouse 2019. Vier Athletinnen qualifizierten sich über die Kontinentalmeisterschaften, zwei wurden wegen der ausgefallenen Asien-Meisterschaft nachnominiert.

Olympia in Tokio: Kletterer
Verband
Olympia in Tokio: Kletterer Olympia in Tokio: Kletterer Olympia in Tokio: Kletterer Olympia in Tokio: Kletterer 20 Bilder

(nach oben)

Klettern bei Olympia: Jetzt geht's los

Nach Jahren des Vorbereitens, Hoffens und Bangens geht es am 3. August 2021 endlich los: 20 Frauen und 20 Männer aus allen Kontinenten werden in Tokio im Combined-Format, einem Dreikampf aus Speed, Bouldern und Lead, um die Medaillen kämpfen.

Genau fünf Jahre zuvor, am 3. August 2016, hatte das Internationale Olympische Komitee der Aufnahme von Sport Climbing in den Sportkatalog der Olympischen Spiele 2020 in Tokio zugestimmt. Für die Wettkampfkletterer war das der Beginn einer sehr langen Zielgeraden. Auch wenn das Format anfangs umstritten war, begannen nahezu alle aktiven Wettkämpfer, darauf hinzuarbeiten. Manche wie Akiyo Noguchi aus Japan verschoben den bereits geplanten Rücktritt vom Wettkampfsport, andere wie Alexander Megos kamen wegen Olympia aus dem Wettkampf-Ruhestand zurück.

Dann kam Corona. Ausgerechnet im geplanten Jahr der Spiele breitete sich die Pandemie aus und erzwang schließlich die Verschiebung auf 2021. Hinzu kam, dass nahezu der gesamte Weltcup 2020 in Lead, Bouldern und Speed dem Virusangriff zum Opfer fiel. Ein einziger Leadweltcup und mit viel Glück vier Kontinental-Meisterschaften – wichtig für die Nominierung der letzten Olympia-Kandidaten – gingen im vergangenen Jahr über die Bühne. Um so wichtiger und erfreulicher, dass die internationalen Wettkämpfe seit diesem Jahr wieder stattfinden können. Zwar ist es nicht ganz wie früher, öffentliche Zuschauer waren zum Beispiel beim Weltcup in Innsbruck nicht zugelassen. Auch in Tokio werden die Zuschauerzahlen limitert, ausländische Zuschauer gar nicht zugelassen.

Starke Konkurrenten

Für die Olympia-Kandidaten und Kandidatinnen sind die Weltcups die letzte Möglichkeit der sportlichen Standortbestimmung vor Tokio. Erfreuliche Nachrichten kommen hier von den deutschen Olympioniken: Alexander Megos hat das Training am Fels im vergangenen Jahr offenbar nicht geschadet. Mit einem sechsten und einem zweiten Platz war er nach dem Wettkampf in Villars Führender im Worldcup-Ranking. Und auch beim Bouldern lief es für Alexander mit vier Platzierungen zwischen 8 (in Meiringen) und 14 (in Salt Lake City) nicht schlecht. Jan Hojer hat dieses Jahr bereits vier Boulder-Worldcups bestritten und belegte dabei trotz Fingerverletzung Plätze zwischen 19 und 23. Beim Speed-Worldcup in Salt Lake City kam er auf Platz 25, was im extrem schnellen internationalen Umfeld und für einen Combined-Athleten eine sehr gute Platzierung ist.

Von den anderen Nationen stechen vor allem drei hervor: Da ist das slowenische Frauenduo, Janja Garnbret und Mia Krampl. Janja ist Nummer Eins im Lead- und im Boulder-Ranking und dominiert das Wettkampfgeschehen seit geraumer Zeit fast nach Belieben. Wenn in Tokio nicht etwas ganz schief läuft, wird es für die anderen Athletinnen extrem schwer werden, ihr die Goldmedaille streitig zu machen. Ihre Landsfrau Mia Krampl ist ihr zumindest im Lead auf den Fersen. Daneben stellen die japanischen Gastgeber ein sehr starkes Team. Tomoa Narasaki ist als exzellenter Allrounder ein Medaillen-Kandidat, und auch Akiyo Noguchi wird im letzten großen Wettkampf ihrer langen Karriere sicher alles geben. Kai Harada und Miho Nonaka können vor allem im Bouldern ganz weit vorne mitmischen, wobei sich Miho zuletzt in Innsbruck am Knie verletzte. Bis zum 3. August wird sie aber hoffentlich wieder fit sein.

Schließlich muss das US-amerikanische Team erwähnt werden. Der erst 17-jährige Colin Duffy und die ebenfalls junge Brooke Raboutou zeigten sich zuletzt im Lead extrem stark, während Nathaniel Coleman und Kyra Condie im Bouldern überzeugten. Die Amerikaner waren schon immer ein starke Nation bei Olympia. Offenbar schaffen es auch die "Sport Climber", auf den Punkt genau fit zu sein.

Das tschechische Team besteht zwar nur aus einem Mann, aber der heißt Adam Ondra. Adam hat 2021 schon zwei Boulder-Worldcups gewonnen und scheint in Topform zu sein. Im Lead in Innsbruck fiel er im Finale schon früh, nachdem ihm zweimal der Fuß vom Tritt gerutscht war – sehr ungewöhnlich für den Meister der schnellen Präzision. Adams Selbstvertrauen scheint darunter nicht gelitten zu haben, über seinen Auftritt in Innsbruck meinte er nur: "Ich bringe einige sehr positive Gefühle mit nach Hause und habe eine Lektion gelernt." Auf jeden Fall gehört Adam genau wie Tomoa Narasaki, Jakob Schubert und Alexander Megos zu den heißen Medaillen-Kandidaten.

Ein besonderer Anreiz

Das deutsche Team – alle sind übrigens geimpft – wird sich am 19. Juli auf den Weg nach Tokio machen. Dort geht die Vorbereitung in verschiedenen Hallen weiter. Erstes Ziel im Wettkampf ist dann das Erreichen des Finales, denn wer in der Qualifikation ausscheidet, muss innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen und darf nicht mal mehr vor Ort das Finale anschauen. Jan Hojer dazu trocken: "Das ist noch einmal ein extra Anreiz, diesen Schritt ins Finale zu schaffen."

Egal wie und mit welchem Ergebnis: Diese Olympischen Spiele werden auf jeden Fall kein Kletterwettkampf wie jeder andere. Ob sie für den Klettersport den Schritt in eine neue Dimension bedeuten, wird sich zeigen.

In den Fotostrecken stellen wir die 40 kletternden Olympia-TeilnehmerInnen (direkt hier sowie weiter oben) kurz vor.

Fotostrecke: die in Tokio startenden Kletterer

20 Athleten aus 15 Nationen haben sich für Olympia qualifiziert. Wie bei den Frauen verlief die Qualifikation über die WM in Hachioji 2019, den IFSC Combined Qualifier in Toulouse 2019 sowie vier Kontinentalmeisterschaften. Wegen der ausgefallenen Aisen-Meisterschaften rückte Jongwon Chon als bei der WM in Hachioji bestplatzierter nicht-japanischer Teilnehmer aus Asien nach.

Olympia in Tokio: Kletterer
Verband
Olympia in Tokio: Kletterer Olympia in Tokio: Kletterer Olympia in Tokio: Kletterer Olympia in Tokio: Kletterer 20 Bilder

Interview mit Alex Megos: "Bei mir steht und fällt es mit dem Bouldern"

Letztes Jahr stand eine 9c-Erstbegehung auf dem Fahrplan, dieses Jahr die Olympischen Spiele: Alexander Megos (27) im Gespräch.

Olympia in Tokio: Kletterer
Verband
Alex Megos gehört im Lead zur Weltspitze

Freust du dich, dass es jetzt endlich losgeht?

Ja, schon. Das hat ja jetzt auch lange genug gedauert.

Hat dir die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 eher genutzt oder geschadet?

Ich denke, eher genutzt. Für mich war letztes Jahr wichtig, dass ich noch einmal ein Jahr Felsklettern gehen und so die Motivation aufrecht erhalten konnte. Außerdem habe ich noch ein Jahr Zeit gehabt, mich vorzubereiten.

Bist du denn momentan rundum fit und gesund?

Ausnahmsweise mal. Auch keine Fingerverletzungen, eigentlich ist alles fit und gut bei mir.

Du bist aktuell Nummer 1 im Worldcup Leadranking. Wie schätzt du deine Form im Bouldern und Speed ein?

Im Speed wie immer schlecht. Da spekuliere ich darauf, dass die anderen das auch wissen und vielleicht Fehler machen. Beim Bouldern kommt es stark auf die Boulder an.

Was hast du dir für Olympia vorgenommen?

Auf Platz 20 will natürlich keiner landen. Ansonsten kann ich es schlecht einschätzen. Im Lead bin ich tendenziell immer gut, im Speed eher schlecht. Insofern steht und fällt das alles mit dem Bouldern für mich. Und da kommt es drauf an, ob dir die Boulder liegen oder nicht. Da kann man ganz schnell statt auf Platz 17 auf Platz 1 oder 2 landen. Das kann man aber nicht kalkulieren.

Hast du Wettkampfbouldern zuletzt intensiv trainiert?

Vor den Weltcups im Frühjahr habe ich zwei Monate den Fokus aufs Bouldern gelegt. Und viele Wettkampfboulder machen hilft immer. Trotzdem fühlt man sich nie sicher. Insofern finde ich es schon ganz gut, dass ich bei allen Worldcups ins Halbfinale gekommen bin.

Wo liegen denn deine Schwächen beim Bouldern?

Sloper und das Koordinationszeug. Rüberläufer auf Platten, komplizierte Sprünge – da weiß ich nie, was ich machen soll.

Bereitest du dich mental speziell vor oder ist das für dich ein Wettkampf wie jeder andere?

Wir haben jetzt seit Hachioji 2019 keinen Wettkampf mehr im Combined Format gehabt, insofern ist es kein Wettkampf wie jeder andere. Aber von der mentalen Vorbereitung ist es nicht viel anders als ein normaler Weltcup.

Wen siehst du als Favoriten in Tokio an?

Bei den Frauen ist es relativ einfach. Da ist Janja ganz vorne dabei, Akiyo auch, wobei sie im Speed nicht so gut sein wird. Brooke scheint auch ziemlich fit zu sein in allen Diszplinen. Bei den Männern ist Tomoa klarer Favorit, weil er in allen drei Disziplinen gut ist. Jakob ist sicher auch stark, weil er sowohl im Bouldern als auch im Lead gewinnen kann. Genau dasselbe gilt für Adam.

Fühlt ihr euch als Teil der deutschen Olympia-Mannschaft oder eher als Individualsportler?

Im Moment sieht es so aus, als würde man von den anderen Sportlern gar nicht so viel sehen, weil man eher selbst im Zimmer sitzt oder in Quarantäne ist. Aber ich war noch nie in einem olympischen Dorf, insofern: mal sehen.

Was kommt nach Olympia?

Ich mache auf jeden Fall den Rest des Jahres Wettkampfpause und gehe Felsklettern. Und über Paris 2024 mache ich mir dann vielleicht in drei Jahren Gedanken.

Interview mit Jan Hojer: "Ich hoffe auf eine Medaille"

Jan Hojer gehört zu den beständigsten und vielseitigsten Wettkampf-Athleten. Für Tokio hat er sich viel vorgenommen.

Olympia in Tokio: Kletterer
Verband
Jan Hojer ist einer der erfolgreichsten deutschen Wettkampfkletterer.

Freust du dich, dass es jetzt endlich losgeht?

Ja, voll. So wie es zwischenzeitlich aussah, kann man froh sein, dass es überhaupt stattfindet. Es stand ja auch im Raum, dass es komplett abgesagt wird.

Hat dir die Verschiebung der Olympischen Spiele eher genutzt oder geschadet?

Ich wäre natürlich auch letztes Jahr fit gewesen. Aber 2019 war für mich ein langes Wettkampfjahr, ich habe mich ja erst Ende November in Toulouse qualifiziert. Deshalb war ich ganz froh, als im März 2020 klar war, dass die Spiele verschoben werden. Ich habe das Jahr genutzt, um noch einmal raus an den Fels zu kommen.

Du warst dieses Jahr bei vier Boulder- und einem Speedworldcup dabei. Wie schätzt du deine aktuelle Form ein?

Ich hatte ein bisschen Fingerprobleme, das hat in der Woche vor dem Weltcup in Salt Lake City angefangen und mich im letzten Monat etwas zurückgehalten. Aber das ist alles auf einem guten Weg und sollte für Tokio kein Problem mehr sein.

Was hast du dir für Olympia vorgenommen?

Ich trete natürlich auch in der Hoffnung an, mit einer Medaille zurückzukehren. So, wie das Ranking funktioniert, ist alles möglich. Eine richtig gute Disziplin reicht aus, um ins Finale und dann auch aufs Treppchen zu kommen. Ich hoffe auf jeden Fall, erst mal ins Finale zu kommen. Dann ist alles möglich.

Bereitest du dich mental speziell vor oder ist das für dich wie jeder andere Wettkampf?

Ich habe es in der Vergangenheit immer geschafft, bei den Jahreshöhepunkten meine Leistung auf den Punkt zu bringen, sowohl bei der WM 2018 als auch beim Qualifier in Toulouse. Von daher glaube ich, dass ich bisher immer auf einem ganz guten Weg war. Ich werde das jetzt auch nicht für Olympia ändern.

Wen siehst du als Favoriten in Tokio an?

Bei den Damen ist die Frage, wer hinter Janja Zweite wird. Gold ist da so gut wie vergeben, mit Janjas Leistungen auch im Speed sollte das eine recht sichere Nummer werden. Bei den Herren denke ich, dass Tomoa und Adam die besten Chancen auf Gold haben. Adam hat natürlich den Nachteil, dass er im Speed im Finale vermutlich Siebter oder Achter wird und dann schon einem Rückstand hinterher laufen wird im Vergleich zu Tomoa, der auch im Speed gute Chancen hat. Aber auch von den beiden hat keiner eine Medaille sicher. Tomoa hat zuletzt in Salt Lake City einen Fehlstart im Speed gemacht, Adam ist in Innsbruck im Lead ein Hook gerutscht. Und bei den Herren ist die Leistungsdichte deutlich höher als bei den Damen. Sobald sich einer der Top-Favoriten einen Fehler erlaubt, ist ein anderer da, der dann auch direkt um Gold mitklettert.

Wird Olympia dein letzter Wettkampf sein?

Nein. Hätte Olympia 2020 stattgefunden, hätte ich mir danach erst mal ein Jahr ohne Wettkämpfe gegönnt. Aber ich habe durch die Corona-Pause wieder Motivation getankt, auch dafür, über den Winter für 2022 zu trainieren. Dieses Jahr wurde ich in den ersten Wettkämpfen ein bisschen ausgebremst durch Fingerprobleme. Von daher würde ich gerne noch einmal eine ganze Bouldersaison starten, in die ich verletzungsfrei gehen kann.

Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen outdoor-magazin eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Zur Startseite
Mehr zum Thema Olympia
Bundesnationaltrainer Urs Stöcker
Kletterszene
Aleksei Rubtsov
Kletterszene
Victoria Meshkova, Europameisterin im Lead, Bouldern und Combined 2020
Kletterszene
Julia Chanourdie beim Combined Qualifier Wettkampf in Toulouse im November 2019
Kletterszene
Mehr anzeigen