Die "Oscar-Verleihung des Alpinismus", die Piolets D’Or, fand vom 9. bis 12. Dezember im italienischen San Martino di Castrozza im Trentino statt. Hier, im Herzen der Dolomiten, wurden passenderweise die herausragendsten alpinen Leistungen des letzten Jahres geehrt.
Bei der Preisverleihung Piolets d’Or 2025 vergab die internationale Jury drei Auszeichnungen für herausragende alpinistische Leistungen sowie eine "Special Mention". Diese besondere Erwähnung dient der Förderung des weiblichen Alpinismus und würdigt entweder eine außergewöhnliche Seilschaft aus Frauen oder die Leistungen einer Alpinistin über ein oder mehrere Jahre hinweg.
Im September 2024 gelang den Sloweninnen Anja Petek und Patricija Verdev die Erstbesteigung des Lalung I (6.243 m) im abgelegenen Zanskar-Gebiet. Sie durchstiegen in reinem Alpinstil den technisch anspruchsvollen Ostgrat ("Here Comes the Sun") mit rund 2.000 Metern Kletterei und vollzogen anschließend eine komplette Überschreitung des Berges mit Abstieg über Westgrat und Nordflanke. Trotz Schlechtwetters, Biwak unterhalb des Gipfels und großer objektiver Gefahren erreichten sie den Gipfel erfolgreich.
Ausgezeichnet wurden zudem drei bedeutende Erstbegehungen in großen Höhen: der Yashkuk Sar, der Gasherbrum III über den erstmals begangenen Westgrat sowie der Kaqur Kangri, dessen Südwestgrat erstmals von Spencer Gray und Ryan Griffiths durchstiegen wurde. Alle prämierten Touren zeichnen sich durch hohe technische Schwierigkeiten und große Wandhöhen aus.

Der Brite Tom Livingstone (links) darf sich erneut über eine Auszeichnung für seine alpinen Erfolge freuen. Und wieder gemeinsam mit Aleš Česen, mit dem er im vergangenen Jahr erfolgreich den Westgrat des Gasherbrum III (7.952 Meter) im Karakorum erstbegehen konnte. Ihre Route "Edge of Entropy" führte sie knapp 3.000 Meter vom Basislager auf den Gipfel. Eine Route, die von der Jury des Piolets D’Or als eine der bedeutendsten drei Begehungen des Jahres 2024 anerkannt wurde. Der Alpinist aus dem La Sportiva-Team wurde bereits 2019 gemeinsam mit Luka Stražar und Aleš Česen für die erste Besteigung über den Nordgrat des Latoki (7.145 Meter) im Karakorum mit dem Piolets D’Or ausgezeichnet.
Der Piolets d’Or gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für herausragende alpinistische Leistungen. Die internationale Auszeichnung wurde 1991 ins Leben gerufen. Der "goldene Eispickel" wird seitdem jedes Jahr von einer Jury ausgewählter Bergsteiger:innen und Journalist:innen an die bedeutendsten Begehungen im alpinen Stil vergeben. Besonders wichtig für die Jury sind dabei Werte wie Ethik, Innovation und der Respekt vor den Bergen.
Alexander Odintsov erhielt in diesem Jahr den Lifetime Achievement Award 2025 für seine Karriere, die den postsowjetischen Alpinismus neu definiert hat. Er brachte das russische Bigwall-Klettern auf neue Kontinente und inspirierte eine ganze Generation von Kletterern in den ehemaligen Sowjetrepubliken.
Das waren die Piolets D’Or 2024
Der Träger des "Lifetime Achievement Award 2024" hieß Jordi Corominas. Der 66-jährige Spanier ist ein Visionär des Light & Fast Alpinismus‘ mit vielen Erstbegehungen weltweit, auch gelang ihm die zweite Begehung der Magic Line am K2 (8611 m). Bekannter hierzulande ist indes die Italienerin Nives Meroi, an welche die neue geschaffene "Special Mention for Female Mountaineering" ging (Bild oben). Die italienische Alpinistin wurde für die Erstbegehung der Westwand des Kabru South (7318 m) in vier Tagen mit Peter Hámor, Bojan Jan und ihrem Ehemann Romano Benet ausgezeichnet.

Kazuya Hiraide und Kenro Nakajima wurden posthum für ihre 2200 Meter hoheThe Secret Lineam Tirich Mir mit einen Piolet d‘Or geehrt.
Der gemeinsame Piolet d‘Or für Kazuya Hiraide und Kenro Nakajima musste bedauerlicherweise posthum verliehen werden. Den Japanern war vom 17. bis 23. Juli 2023 die Erstbegehung der gewaltigen Nordwand des Tirich Mir (7708 m) gelungen, dem höchsten Gipfel des Hindukush in Pakistan. Doch seit Ende Juli 2024 sind die beiden in der Westwand des K2 verschollen.
Alan Rousseau, Jackson Marvell und Matt Cornell wurden für ihre vom 7. bis 12. Oktober 2023 in bestem Alpinstil praktizierte Neutour am Jannu (7710 m) prämiert. Im unteren Teil waren sie der russischen Expeditionsstil-Route von 2004 gefolgt, oben kletterten sie eine neue Linie. Kleines, aber verständliches ethisches Manko ihres Round Trip Tickets (M7, AI5+, A0, 2700 m): Sie ließen sich vom Basislager ausfliegen, um Erfrierungen an den Fingern früher behandeln zu lassen.
Der dritte Piolet d‘Or 2024 ging an ein eher unbekanntes Trio. Hugo Béguin, Matthias Gribi und Nathan Monard hatten vom 2. bis 6. Oktober 2023 eine elegante, direkte Linie durch die steile Nordwand des Flat Top (6100 m) im indischen Kishtwar Himalaya eröffnet.
Weitere Infos zur Preisverleihung unter pioletsdor.net





