Eine gnadenlose Route
Der spanische Kletterer Jorge Díaz-Rullo hat es geschafft: Nach vier Jahren zähem Ringen um jeden Zug, nach unzähligen Sessions an der steilen Wand und einem Kampf gegen die eigenen Grenzen steht fest: "Café Colombia" ist geknackt! Und nicht irgendwie – nein, der 27-Jährige schlägt den Grad 9c vor. Damit wäre die Route im katalanischen Racó de la Finestra nicht nur die erste ihrer Art in Spanien, sondern eine der absolut härtesten der Welt.
Doch was macht diese Route so verdammt schwer? Es ist nicht nur ein einzelner Move, der alles killt, es ist die brutale Kombination aus allem:
- 40 Züge am Stück – kein Platz für Fehler, kein Moment zum Verschnaufen.
- Extreme Fingerkraft – Zweifingerlöcher und winzige Taschen, die selbst Profis zum Zittern bringen.
- Ultrapräzise Fußarbeit – ein falscher Tritt, und du fliegst.
- Keine Gnade – kaum Ruhepositionen, kaum Komfort. Die Wand frisst dich auf.
"Es war wie ein einziger, endloser Albtraum", sagt der Scarpa-Athlet. "Wenn die Finger nicht mehr wollten, wenn die Ausdauer nachließ – dann war es vorbei. Und der Rhythmus? Ein einziger Fehler, und du bist raus."
Warum 9c?
Jorge Díaz-Rullo ist kein Anfänger. Der Mann hat über 90 Routen im 9. Grad geklettert, darunter 12 im Bereich 9b bis 9b+. Er weiß, wovon er spricht. Und trotzdem sagt er: "Café Colombia ist etwas anderes. Etwas, das ich noch nie erlebt habe."
Seine Begründung für den 9c-Vorschlag:
- Kein Vergleich zu 9b/9b+ – Die Route ist komplexer, länger, gnadenloser.
- Physisch und mental am Limit – Selbst kleinste Schwächen (ein bisschen weniger Fingerkraft, ein bisschen weniger Ausdauer) machen die Route unmöglich.
- Keine Referenz – Jorge gibt offen zu: "Vielleicht ist sie sogar schwerer als 9c. Aber ohne Wiederholungen bleibt das Spekulation."

Die Route führt über weite Strecken durch lange Spannungspositionen, meist an kleinen Zweifingerlöchern und feinen Taschen.
Café Colombia – Die Fakten
- Ort: Racó de la Finestra, Margalef (Spanien)
- Schwierigkeit: 9c (vorgeschlagen)
- Länge: ca. 30 Meter
- Züge: ca. 40 (am Stück!)
- Absicherung: 17 Bohrhaken + Umlenker
- Projektzeit: Herbst 2021 – März 2026 (4 Jahre!)
- Einsatztage: 240





