Zahlreiche Burgen und Schlösser zieren die Hänge entlang des Rheinverlaufs von Koblenz bis Bingen. Ein Blick in lang vergangene Zeiten, eine Kulisse, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Das wusste auch William Turner zu schätzen, einer der bedeutendsten Maler der englischen Romantik. Er zeichnete sich einen Sommer lang in südlicher Richtung am Fluss entlang und machte das Mittelrheintal während der folgenden Monate zum stillen Helden zahlreicher Aquarelle. Während der folgenden Tage wollen wir ihm auf seiner Reise folgen, teils mithilfe der Bahn und der Rheinschiffahrt, und dabei sowohl seinem künstlerischen Schaffen als auch der Schönheit dieser Region auf den Grund gehen ...
Die Turner-Route im Gesamtverlauf
Die Wegpunkte auf der Karte markieren in etwa die Orte seines Schaffens. Genau wie wir, zeigte sich auch Turner fasziniert von der Landschaft rund um den Loreleyfelsen. Hier, wo Licht und Schatten ein besonderes Spiel spielen, entstanden die meisten Skizzen seiner Reise. Dieses besondere Gefühl lässt sich am Abend auf der Terrasse des Hotels Schloss Rheinfels in Sankt Goar nachempfinden, das einem Teil von Burg Rheinfels eine neue Bestimmung gibt. Das Licht fällt weich ins Tal, die Loreley (Motiv 14) glüht im letzten Schein. "Wie schön!", entfährt es einem unwillkürlich beim Betrachten dieses Naturschauspiels!

Die Ruinen von Burg Rheinfels rückte Turner eindrucksvoll an die umliegende Landschaft heran.
Bingen schließlich markiert das Ende unserer mehrtägigen Reise in die Romantik. Der Mäuseturm (Motive 24 und 26) steht schmal auf seiner Rheininsel, rechts darüber thront Burg Ehrenfels über den Rebenhängen. Ein letztes Mal treten wird in die bronzenen Fußabdrücke von William Turner und richten unseren Blick aus. Einmal mehr verdichtete der Künstler die Sicht, zog den Raum zusammen. Die reale Landschaft hingegen wirkt offen, beinahe heiter.
Weitere Wanderwege am Mittelrhein
Das Obere Mittelrheintal führt nicht nur auf Turners Spuren, sondern bietet auch einige der eindrucksvollsten Wanderpassagen Deutschlands. Drei Touren haben wir auf unserem Weg zusätzlich erkundet. Jede davon zeigt das Tal aus einer eigenen Perspektive und bietet eine ausgewogene Mischung aus Anspruch, Aussicht und historischem Kontext.
Sankt Goar bis Oberwesel – Rheinburgenweg
10 km, 3,5 h, 300 Hm, mittel
Die Etappe von Sankt Goar bis Oberwesel gehört zu den intensivsten Abschnitten des rund 200 Kilometer langen Fernwanderwegs Rheinburgenweg, der am Rolandsbogen in Remagen startet und am Mäuseturm in Bingen endet. Steile Treppenanlagen führen unterhalb von Burg Rheinfels durch felsiges Gelände, vorbei an einem kleinen Wasserfall und weiter hinauf zu offenen Hangkanten. Der Weg verbindet Burgruinen, Rebhänge und panoramareiche Höhenzüge – eine ideale Ergänzung zu Turners Motiven rund um Sankt Goar.

Ruppertsklamm – Rheinsteig
1,5 km, 0,5 h, 235 Hm, mittel
Oberhalb von Lahnstein lockt mit der Ruppertsklamm eine der spektakulärsten Schluchtpassagen des insgesamt 320 Kilometer langen Rheinsteigs. Er leitet rechtsrheinisch von Bonn nach Wiesbaden. Über Leitern, Tritte und Steige folgt man dem Bachlauf durch eine enge, grün überwachsene Klamm. Die Tour zeigt die wilde Seite des Mittelrheintals, ein starker Kontrast zu den offenen Flusslandschaften der Turner-Route.

Die Marksburg in Braubach wurde im 13. Jahrhundert errichtet und in ihrer langen Geschichte nie zerstört.
Marksburg-Etappe – Rheinsteig
20,5 km, 6 h, 660 Hm, mittel
Zwischen Osterspai und Braubach verläuft einer der klassischsten Abschnitte des Rheinsteigs. Waldpfade, lichte Höhenwege und der finale Anstieg zur Marksburg verbinden Natur und Kultur auf engem Raum. Der Blick hinab auf Braubach und die Hänge des Mittelrheins knüpft direkt an mehrere Turner-Motive an, die hier entstanden sind.
Wie komme ich nach Koblenz (und zurück)?
Koblenz erreicht man bequem mit dem Auto oder per Bahn über die Rheinstrecke. Das Mittelrheintal mit seinen Weinbergen und Burgen zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Wer für die Turner-Route in Koblenz geparkt hat, kommt von Bingen aus direkt mit der Bahn am Rhein entlang zurück zum Auto. Außerdem gibt es regelmäßige Verbindungen in Richtung Mainz und Frankfurt. Alternativ mit dem Auto via B9 in alle Richtungen – für Anschlussziele oder Heimfahrt.
Übernachten: Das Hotel Schloss Rheinfels thront in der historischen Burg über Sankt Goar und dem Rhein. Das Traditionshaus bietet regionale und saisonale Küche sowie Rheintal-Weine im Schloss-Restaurant und der Burgschänke – Ausblicke über das Obere Mittelrheintal und die sagenumwobene Loreley-Felslandschaft inklusive.





