Abenteuer-Special
Ab in die Wildnis!
od-0219-schottland-inverpolly-StacPollaidh---ret (jpg) Ralf Gantzhorn

Inverpolly: Wildnis im Nordwesten

Schottlands einsamer Norden

Abenteuer weltweit: Die Top-Wildnistrips

Wer ein Faible für den Norden hat, wird das Inverpolly-Naturreservat in Schottland lieben. Nur wenige Schilder weisen Wanderern hier den Weg, und die Zivilisation grüßt allenfalls aus der Ferne ...

Die schottischen Highlands beginnen eine Autostunde nördlich von Glasgow. Selbst hier, im Naherholungsbereich für 600.000 geplagte Großstädter, kommt das Gefühl von Wildnis auf. Nur wenige Schilder weisen Wanderern den Weg, und die Zivilisation grüßt allenfalls von ferne. Je nördlicher man in Schottland kommt, desto stärker wird dieser Effekt.

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Schottland - Inverpolly - Reisebericht
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Oben an der Nordwestküste, 360 Kilometer von Glasgow, ist Ullapool die Metropole – eine Gemeinde von 1500 Einwohnern. Windumtoste Berge ragen in der Nähe auf. Der 590 Meter hohe Stac Pollaidh beispielsweise erhebt sich nur wenige Kilometer vom Meer, doch noch schöner ist der Blick ins Hinterland, über tausende Seen, weites Moor und zu anderen Gipfeln in der Ferne: das Inverpolly-Naturreservat, wo noch mehr Touren locken – zum Beispiel die ab der Ortschaft Lochinver vorbei am geheimnisvollen Suilven (731 m).

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Menschen und Abenteuer

Inverpolly – Tourentipps

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outdoor Jochen Fischer
Schottland - Highlands - Inverpolly - Karte

Tour 1: Wer ein Faible für den Norden hat, wird das Inverpolly-Naturreservat lieben. Es sieht so aus wie die Landschaft um den Uluru in Australien, nur unter Wasser gesetzt und mit Heidekraut bepflanzt – und mit ein paar ansehnlichen Nachbarn für den Uluru. Einen guten Überblick bietet der Stac Pollaidh (590 m), dessen Gipfel Wanderer vom Parkplatz am Loch Lurgainn recht schnell erreichen.
(3 h, 4,5 km, 510 Hm)

Tour 2:
Achnahaird Bay Circuit: Ausgangspunkt ist ein Parkplatz an der Kreuzung am Loch Raa südlich der Enard Bay. Auf Schafpfaden parallel zum Ausfluss des Loch Raa Richtung Küste. Oberhalb der Klippen folgt der Weg dem Küstenverlauf nach Osten. Am Loch Garvie zurück zur Straße und auf dieser zurück zum Parkplatz.
(4 h, 8,5 km, 200 Hm)

Tour 3:
Cul Mor: Spektakulärer, 849 Meter hoher Klotz, der sich leichter zu besteigen lässt, als es zunächst wirkt. Startpunkt ist ein Parkplatz an der A835 knapp nördlich des Besucherzentrumsan der Knockan Crag. Von dort leitet ein Pfad zunächst nach Norden, später knickt er nach Westen ab. Über den Meallan Diomhain erreicht man den höchsten Punkt. Auf dem Rückweg sollte man noch den Creag nan Calman besteigen. Dann auf dem Aufstiegsweg wieder zurück.
(6 h, 13,5 km, 800 Hm)

Tour 4:
Von Zuckerhut bis Matterhorn Schottlands: Der Suilven wechselt seine Gestalt mit der Seite, von der man ihn betrachtet. Der achteinhalbstündige Weg von Lochinver nach Elphin passiert ihn von der Zuckerhutseite kommend. Nicht so zuckrig ist allerdings der oft sumpfige Boden in der schottischen Wildnis (250 Hm ohne Suilven-Gipfel). Wer den Suilven besteigen will, startet am besten vom Wanderparkplatz eine Meile vor der Glen Canisp Lodge. Von dort wandert man das Tal Glen Canisp hinauf, bis man 500 Meter nach der Brücke über den Abhainnna Clach Airigh rechter Hand auf einen großen Steinmann stößt. Hier verläuft ein neuer Pfad auf den Sattel zwischen Ost und Westgipfel des Suilven. Weiter geht’s über den Grat zum höchsten Punkt. Rückweg wie Hinweg.
(20 km, 10 h, 950 Hm, schwer)

Tour 5:
Diese Tour führt zum höchsten Wasserfall Großbritanniens, den Eas a‘ Chùal Aluinn. Sie beginnt an einem Parkplatz an der A 894 am Loch Gainmhich zwischen Loch Assynt und Unapool. Der sumpfige, aber meist erkennbare Pfad führt nach Westen. Nach längerem Anstieg erreicht man den Loch Bealach a’ Bhuinch. Weiter geradeaus teilt sich der Weg nach rund einer Meile. Links haltend kommt man zu einem schönen Aussichtspunkt auf den Wasserfall. Rückweg wie Hinweg. (9,8 km, 6 h, 550 Hm)

Mehr Infos:
Schottland, Ralf Gantzhorn, Rother Wanderführer, 14,90 Euro
oder auf www.visitscotland.com

Weitere Impressionen aus Inverpolly gibt es auch im outdoor-Reisebericht unten – auch als PDF zum Download auf dieser Seite ...

Reisebericht: Wildes Inverpolly

700 Meter – eigentlich lächerlich. Wo wir doch normalerweise unsere Entfernungen in Flugstunden messen und Berge erst dann als hoch empfinden, wenn man mindestens drei Tage für die Akklimatisation benötigt. Und jetzt das! Zwei Nächte und einen ganzen Tag sitzen wir schon in der »bothy« von Suileag fest, einer unbewirtschafteten Hütte in der Wildnis des schottischen Nordwestens. Wir, das sind meine Freundin Conny und ich. Unser Ziel heißt Suilven. Ein Hügel, wie die Einheimischen verniedlichend sagen, genau 731 Meter hoch. Aber dieser Hügel ist eben ein richtiger Berg. Und er hat sich zumindest heute erfolgreich gegen all unsere Annäherungsversuche gewehrt. Aber morgen ...

Der Suilven gehört trotz seiner geringen Höhe zu den markantesten Zapfen im Inverpolly National Nature Reserve, rund 350 Kilometer nördlich von Glasgow. Wobei Inverpolly eine interessante Wortkreation ist: »Inver« kommt vom kleinen Fischerdorf Lochinver direkt am Atlantik, und das »polly« entstammt einem weiteren beliebten Aussichtsgipfel in der Region, dem Stac Pollaidh. Mit 613 Metern Höhe über dem Atlantikspiegel zählt er ebenfalls nicht gerade zu den Giganten unter den Bergen der Welt. Typisch Schottland eben: Es gibt hier vielleicht nicht die wildesten Berge oder die längsten Flüsse oder das feuchteste Wetter. Aber von allem eben ein wenig. Ursache für die markanten Formen der Berge ist die Geologie im Untergrund. Fergus Stewart, ein Künstler mit Wohnsitz in dem viktorianisch anmutenden Hotel Glen Canisp Lodge, klärt uns auf: »Es ist wirklich einfach: Die Basis besteht hier aus sogenanntem Lewissium. Dieser Gneis, der nach der Hebrideninsel Lewis benannt ist, gehört mit rund 2,7 Milliarden Jahren zu den ältesten Gesteinen Europas.« Darüber liegt – deutlich jünger, aber immer noch uralt – das Torridonian, ein rund 800 Millionen Jahre alter, rot gefärbter Sandstein. Zu unterscheiden sind die beiden Gesteine schon anhand der Topografie. Steht man auf einem Berg, hat man Sandstein unter den Sohlen. Die von Mooren und Seen geprägte flache Umgebung dagegen weist im Untergrund das Lewissium auf.

»Die Landschaft hat also eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Monument Valley«, sagt Fergus. Nun ja – nur dass Regen und Wind die übrig gebliebenen Zeugenberge hier deutlich stärker abgerundet haben als die spektakulären Felsen im trockenen Südwesten der USA. Manchmal hilft nur rennen Einer der am schnellsten und leichtesten zu besteigenden Berge im Inverpolly Nature Reserve ist der halbe Namenspatron Stac Pollaidh. Wir haben ihn gleich zu Beginn unseres Aufenthalts auf dem Programm, als eine Art Appetitmacher für das Gebiet. Und erleben dort auch gleich all das, was Schottland im Nordwesten an Abwechslung zu bieten hat: Angekommen am extra für Wanderer eingerichteten Parkplatz, starten wir bei Windstille in gleißendem Sonnenschein. Voller Vorfreude auf das zu erwartende Panorama gehen wir in den Wald hinein. Es sind nicht viele Meter, die wir zwischen Büschen und Bäumen zurücklegen, aber sie werden eindrücklich in Erinnerung bleiben. Erst juckt es in meinen Haaren, Sekunden später sehe ich bereits Conny wild um sich schlagen, eine gigantische Wolke kleiner schwarzer Punkte über dem Kopf.

»Midges« – die Geißel der Highlands

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Ralf Gantzhorn
Bei Regen entwickelt die Moorlandschaft von Inverpolly einen eigenen Charme.

Zumindest gilt das zwischen Mitte Juni und Anfang September in Inverpolly. Die sehr kleinen, aber äußerst aggressiv stechenden Insekten können einem den Aufenthalt im Freien gründlich versauen. Wir sehen die letzten Bäume und fangen an zu rennen. Mit dem Ende des Waldes ein erstes Lüftchen – puh. »Das gibt’s doch nicht«, sagt Schottlandnovizin Conny fassungslos, »kann man da etwas tun?« »Um Wind bitten!« Viel mehr kann ich ihr nicht anbieten. Eine Bitte, die in Schottland zumeist sehr schnell erfüllt wird.

Kaum erreichen wir auf unserem Rundweg um den Berg die Nordwestseite, kommt nicht nur ein kräftiger Wind auf, sondern es rasen auch fette Schauerwolken vom Atlantik her auf uns zu. Goldene Lichtfinger tanzen zwischen schwarzen Wolkenbänken, Strahlen wie Spotscheinwerfer tauchen die vorgelagerten Inseln von Inverpolly in ein Lichtermeer. Nur Minuten später stehen wir im pottendicken Nebel. Erste horizontal gegen unsere Jacken klatschende Regentropfen erinnern uns daran, sämtliche Taschen und Reißverschlüsse sorgfältig zu schließen. Eine halbe Stunde später ist der Spuk schon wieder vorbei, und letzte Nebelfetzen umspielen die Sandsteintürmchen des Stac Pollaidh.

Endlich sehen wir auch all die anderen Berge der Umgebung: Cul Beag (769 m), Cul Mor (849 m), den Canisp (847 m) und natürlich den Suilven. Wie ein gestrandetes U-Boot mutet Letzterer von hier aus an, ein langgestreckter Kamm mit zwei Gipfeln. Bereits die Wikinger kannten den Suilven. »Säulenberg« nannten sie ihn. Wer ihn als Tagestour angehen möchte, sollte eine gute Kondition mitbringen. Zehn Stunden dauert die Tour vom letzten mit dem Auto erreichbaren Punkt der Zivilisation, einem Parkplatz auf dem Weg zur Glen Canisp Lodge, und wieder zurück. Oder man macht es so wie wir und nächtigt als Zwischenstation beziehungsweise Basislager in der »bothy« von Suileag. Drei Nächte hatten wir in der Hütte eingeplant, um tagsüber entspannt und ohne großes Gepäck auf die Gipfel von Suilven und Canisp zu steigen. An Nummer eins sind wir im ersten Anlauf gescheitert – aber morgen ...

Inverpolly: Raues Terrain, Naturerlebnis pur

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Ralf Gantzhorn
Uriges Quartier: die »bothy« von Suileag, eine unbewirtschaftete, stets offene Hütte.

Besseres Wetter für den nächsten Versuch versprechen auch Anne und Dave, mit denen wir die »bothy« in der zweiten Nacht teilen. Die zwei Engländer haben den weiten Weg von Liverpool nach Inverpolly angetreten, um endlich auf den Berg ihrer Träume zu steigen. Nacheifern wollen sie dabei Edie, einer 83-jährigen Dame, die – nach dem Motto »Es ist nie zu spät« – in Begleitung der BBC im Jahre 2017 den Suilven bestieg. So hat es der Suilven in Großbritannien zu einer erstaunlichen Berühmtheit gebracht. Auch Anne und Dave sind nicht mehr die Jüngsten, haben die 70 überschritten. Doch der nächste Morgen weckt uns wie der Tag zuvor: grau, nass und windig. Während unsere britischen Kollegen beschließen, einen weiteren Tag zu warten, setzen wir auf das Prinzip Hoffnung. Zwei Tage durchgehend mieses Wetter hier in Inverpolly wollen wir uns nicht vorstellen. Und überhaupt: Auf einen nur 700 Meter hohen Gipfel werden wir schon rauf kommen. Und vielleicht reißt es ja genau am höchsten Punkt auf?

Wieder ziehen wir als Barriere zwischen uns und den Elementen alle Jacken und Hosen an, die wir dabeihaben. Ohne größere Höhenunterschiede führt ein breiter Pfad parallel zum Bach Abhainn na Clach Airigh nach Osten. »Hat eigentlich schon Mal jemand versucht, das auszusprechen?«, versuche ich die Stimmung aufzuhellen. »Wird es da nicht schon ein wenig heller im Grau?«, antwortet Conny. Nach einer Brücke über den Bach beginnt der eigentliche Anstieg auf den Suilven. Der aufgrund von Edies Gipfeltour komplett neu angelegte Pfad führt nach Süden und damit gegen den Wind. Wie Faustschläge treffen uns nun die Böen hinter jeder Biegung und jeder kleinen Erhebung. »Bamm« – es knallt, und die Regenhülle meines Rucksacks macht sich in Richtung Lee auf. Wir hinterher. 200 Meter später können wir das rote Stück Plastik in einer Senke einfangen, völlig außer Atem. Während Wasserhosen über die zahlreichen Seeaugen toben, nähern wir uns dem eigentlichen Berg.

Der Weg wird steiler, der Wind aber dafür endlich weniger. Kehre um Kehre kraxeln wir nach oben. Und während unsere eigene Atmung extrem aktiv funktioniert, hat die angebliche Atmungsaktivität unserer Jacken sämtliche Tätigkeit eingestellt. Es wird feucht, innen wie außen. Egal – der Berg ruft. Nach einer Stunde anstrengenden Aufstiegs zeigt sich das schottische Terrain flacher. Wir erreichen den Pass zwischen Ost- und Westgipfel des Suilven. Und – können nicht weiter! Sobald wir unsere Nasen über die Kante heben, zeigt uns die Natur, wer Herr im Haus ist. Nichts geht mehr. Natürlich probieren wir es trotzdem, werden aber schlichtweg umgeweht, landen in der nächsten Pfütze, kriechen auf allen vieren, um nicht über die Kante und damit den Berg runter gefegt zu werden. Scheitern auf 700 Metern. Man muss nicht ins Hochgebirge reisen, um zu erfahren, dass Wind menschlichem Tun und Träumen ein Ende bereiten kann. Aber ist es nicht auch diese ungezähmte Urkraft, die wir draußen in der Natur suchen? Und immerhin – keine Midges!

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