Wer in den Dolomiten unterwegs ist, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Höhenmeter, sondern um Formen, Licht und Gestein. Die Berge stehen wie Türme in der Landschaft, die Übergänge schneiden wie Kerben durch die Wände – und hinter jeder Scharte wartet ein neues Panorama. Genau dafür ist der Dolomiten-Höhenweg Nr. 4 gemacht: eine Nord–Süd-Durchquerung von Innichen (im Südtiroler Pustertal) nach Pieve di Cadore (in der Provinz Belluno), die große Namen (Drei Zinnen, Sorapiss, Antelao) mit echtem Hochgebirgscharakter verbindet.
Zumindest einmal im Leben sollte jeder ambitionierte Bergwanderer diese steinerne Wunderwelt durchschritten haben – am besten auf einem der "Alte Vie delle Dolomiti", die das UNESCO-Weltnaturerbe durchziehen. Die meisten wählen den klassischen und vergleichsweise einfachen Dolomiten-Höhenweg Nr. 1. Doch wer es kürzer, direkter und alpiner mag, findet eine der spannendsten Linien auf dem "Grohmann-Weg".
Warum eigentlich Grohmann-Weg?
Der Name verweist auf Paul Grohmann, dem die Alta Via 4 gewidmet ist. Und das passt: Der Höhenweg gilt als alpin und verlangt Übung und Erfahrung, nicht zuletzt wegen zahlreicher Eisenpassagen/Klettersteigen.
Der besondere Reiz dieser Route: Sie verknüpft die bekanntesten Dolomiten-Kulissen mit echten, oft rauen Hochgebirgsetappen.
Die Highlights des Dolomiten Höhenweg Nr. 4
Zu den Highlights und Schlüsselstellen gehören:
- Sextner Dolomiten und Innerfeldtal als kraftvoller Auftakt, bevor es richtig hinaufgeht.
- Drei-Zinnen-Region mit Übergängen über Großes Wildgrabenjoch und Gwengalpenjoch zur Drei Zinnen Hütte – ein Abschnitt, der den Ton setzt: hoch, steinig, konzentriert.
- Der markante Knotenpunkt Auronzohütte und der anschließende Sentiero Alberto Bonacossa.
- Eine ganze Kette von Forcelle (Scharten oder Gebirgspässe) auf dem Sentiero Durissini (u.a. Forcella della Torre, Forcella Sabbiosa, Forcella Cadin Deserto, Forcella Cristina).
- Das Sorapiss-Massiv mit Val Sorapis und Rifugio Vandelli als landschaftlicher Höhepunkt.
- Als technische Würze: die Via Ferrata Alfonso Vandelli, anschließend über Bivacco Comici und weiter über ausgesetztere Passagen wie Cengia Colli Neri zur Forcella Grande.
- Im Finale die wilden Übergänge Richtung Rifugio Antelao (u.a. über Forcella del Ghiacciaio) und schließlich der lange Abstieg nach Pieve di Cadore.

Sonnenaufgang in den Bergen Cadini di Misurina und Antelao.
Mögliche Etappeneinteilung (8 Tage, kompakt)
- Tag: Innichen – Sextental – Innerfeldtal – Dreischusterhütte
- Tag: Dreischusterhütte – Großes Wildgrabenjoch – Gwengalpenjoch – Drei Zinnen Hütte
- Tag: Drei Zinnen Hütte – Lange Alpe – Forcella Col de Mezo – Auronzohütte – Sentiero Alberto Bonacossa – Forcella di Rinbianco – Fonda Savio Hütte
- Tag: Fonda Savio Hütte – Sentiero Durissini – Forcella della Torre – Forcella Sabbiosa – Forcella Cadin Deserto – Forcella Cristina – Città di Carpi Hütte
- Tag: Città di Carpi Hütte – Maraia Alta – Federavecchia (Rifugio Cristallo) – Val Sorapis – Rifugio Vandelli
- Tag: Rifugio Vandelli – Via Ferrata Alfonso Vandelli – Bivacco Comici – Sentiero Carlo Minazio – Forcella Alta del Banco – Cengia Colli Neri – Forcella Grande – Rifugio San Marco
- Tag: Rifugio San Marco – Forcella Piccola – Rifugio Galassi – Forcella del Ghiacciaio – Forcella Piria – Sella di Pradonego – Rifugio Antelao
- Tag: Rifugio Antelao – Forcella Antracisa – M. Tranego – Pozzale – Pieve di Cadore
Weitere Infos zum Weg hier.
Steckbrief Dolomiten-Höhenweg Nr. 4 (kurz & klar)Name: Dolomiten-Höhenweg Nr. 4 (Grohmann-Weg / Alta Via 4)
Charakter: alpine Hütten-Mehrtagestour mit vielen Passübergängen (Joche/Forcelle), teils drahtseilversichert
Richtung: Nord–Süd-Durchquerung Innichen – Pieve di Cadore
Dauer: je nach Etappenschnitt mehrere Tage; häufig werden 6 Etappen genannt, in Wanderführern oft feiner unterteilt (z.B. 8 Tage, s.o., ca. 66 km)
Voraussetzungen: sehr gute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, solide Kondition, sichere Orientierung bei Nebel sowie Erfahrung im steilen, schottrigen und felsigen Gelände
Ausrüstung: stabiles Bergschuhwerk, Wetterschutz; Helm ist auf solchen Routen sinnvoll, Klettersteigset je nach Komfortzone und Tagesabschnitt
Praktische Hinweise: Von Pieve di Cadore kommst du mit dem Autobus zurück nach Innichen entweder über Santo Stefano, den Kreuzbergpass und Sexten, oder über Cortina nach Toblach und weiter nach Innichen.
Buchtipp: Dolomiten-Höhenwege 4–7, Rother.
Die Dolomiten-Höhenwege – Bergwandern deluxe!
Habt ihr gewusst, dass es insgesamt 10 Dolomiten-Höhenwege gibt? – Wir stellen sie euch hier im Kurz-Porträt vor:

Dolomitenhöhenweg Nr. 1: Pragser Wildsee - Belluno
Der Dolomitenhöhenweg Nr. 1 ist der älteste der zehn Mehrtageswanderungen und führt von Nord nach Süd durch die Gebiete Ausserprags, Prags und die Dolomitenregion "Drei Zinnen" vom Pragser Wildsee (siehe Foto) nach Belluno. Auf insgesamt 106 km kann die Tour auf acht bis 12 Tagesetappen aufgeteilt werden. Einigermaßen ausdauernde und geübte Wandernde haben, mit Ausnahme der letzten Teilstrecke (die jedoch durch eine leichtere Variante ausgetauscht werden kann), kaum Schwierigkeiten.

Dolomitenhöhenweg Nr. 2: Brixen - Feltre
Von Brixen, der ältesten Stadt Südtirols, geht es auf dem Höhenweg Nr. 2 rund 15 Tage durch die Dolomitenregion Alta Badia nach Feltre. Während der Wanderung überqueren Outdoorer die drei Provinzen, Bozen, Trient und Belluno sowie zehn Gebirgsgruppen (Plose, Peitlerkofel, Geisler, Puez, Sella, Padon, Marmolada, Bocche, Pala, Feltriner Gruppe) wobei Plose-, Padon- und Bocche-Gruppe nicht zu den Dolomiten zählen. Insgesamt gilt der Dolomitenhöhenweg 2 mit seinen Kletterstellen (III), der Gletscheretappe am Marmolada und den 185 km als sehr anspruchsvoll.

Dolomitenhöhenweg Nr. 3: Niederdorf - Longarone
Großartige Hochgebirgsbilder und die östlichen Dolomiten warten auf dem 99 Kilometer langen Dolomitenhöhenweg Nr. 3, welcher in Niederdorf beginnt und durch die Region der Drei Zinnen führt. Zwischen sieben und zehn Tagesetappen muss man hier rechnen. Die meisten Abschnitte des Weges sind im Vergleich zu den Höhenwegen Nr. 1 und 2 entweder schwieriger oder länger - aufgrund der gravierenden Höhenunterschiede, den gesicherten, teils recht ausgesetzten Steiganlagen und den kurzen Klettersteigpassagen mit Schwierigkeitsgrad II auch deutlich beschwerlicher. Zwar sind für diese Abschnitte auch leichtere Varianten möglich - dennoch ist dieses Bergwanderweg für Familien mit Kindern oder Wanderanfänger nicht geeignet.

Dolomitenhöhenweg Nr. 4: Innichen - Pieve di Cadore
Der Dolomitenhöhenweg Nr. 4 gehört mit seinen 66 km zwar zu den kürzeren, jedoch auch zu den anspruchsvollsten Wegen. In acht bis zehn Tagesetappen geht es durch das gewaltige Felsenreich der Sextner Dolomiten und über die großartigen Dolomiten-Massive des Sorapis und Antelao. Die Tour ist nur erfahrenen Bergwanderern vorbehalten, da einige Abschnitte mitten durch senkrechte Wände und Kletterpassagen führen. Sie führt von Innichen im Pustertal durch die östlichen Dolomiten bis nach Pieve di Cadore in der Provinz Belluno.

Dolomitenhöhenweg Nr. 5: Sexten - Pieve di Cadore
In rund zehn bis 12 Tagen führt der Dolomitenhöhenweg Nr. 5 durch die traumhaften Sextner Dolomiten und die Drei Zinnen bis zum Endpunkt in Pieve di Cadore. Auf den drei Abschnitten Croda dei Tòni und Popèra; Marmaròle und Antelao wandert man auf insgesamt 67 km, die jedoch nur geübten, trittsicheren und enorm ausdauernden Wanderern zu empfehlen sind.

Dolomitenhöhenweg Nr. 6: Sappada - Vittorio Veneto
Lange, verlassene Strecken und faszinierende Umgebungen locken auf dem rund 180 Kilometer langen Dolomitenhöhenweg Nr. 6. Dabei durchquert die Route in elf Wandertagen Provinzen Udine, Pordenone, Belluno und Treviso und erreicht Vittorio Veneto durch den Rinaldo, die Tèrze und Clap Gruppen, die Monti di Sàuris, die Tiàrfin, die Crìdola, die Spalti und Monfalconi, die Duranno-Cima dei Preti und vom Col Nudo-Cavallo. Geeignet ist die mittelschwere Tour für erfahrene und trainierte Wanderer.

Dolomitenhöhenweg Nr. 7: Pieve d'Alpago - Segusino
Fünf Tagesetappen und rund 66 Kilometer umfasst der sehr schöne Dolomitenhöhenweg Nr. 7, der von Pieve d'Alpago durch die Karnischen Alpen und die Venetianischen Voralpen nach Segusino führt. Die Route verläuft am Kalksteinkamm der Col Nudo-Cavallo Gruppe und fällt nach Südwesten in die Provinz Belluno und nach Nordosten in die Provinz Pordenone. Bei einem maximalen Schwierigkeitsgrad II eignet sich der Höhenweg für Wander-Experten, die mit gemischtem, ausgesetztem Terrain und Kletterpassagen vertraut sind.

Dolomitenhöhenweg Nr. 8: Brixen - Salurn
Eine recht einfache Durchquerung der Dolomiten von Brixen nach Salurn bietet der Höhenweg Nr. 8. Dabei geht es über einen Kamm, der das Etschtal und das Eisacktal flankiert. Für die knapp 152 Kilometer lange Begehung sollten zwischen zehn und 13 Tage eingeplant werden, die als recht unschwierig und interessant für Familien gelten.

Dolomitenhöhenweg Nr. 9: Bozen - Santo Stefano
Die 176 Kilometer lange Route des Dolomiten Höhenwegs Nr. 9 verläuft im Gegensatz zu den meisten anderen Dolomiten-Höhenwegen als Transversale von Westen nach Osten über die zum Teil von Süd nach Nord verlaufenden Gratzüge der Dolomiten. Gestartet wird die Tour, die zwischen 12 und 14 Tage in Anspruch nimmt, in Südtirols Provinzhauptstadt Bozen, durchquert anschließend Südtirol und einen Teil der Provinz Belluno. Sie eignet sich auch gut für Wanderer mit weniger Kodition. Teilabschnitt ab Tiers, inkl. komoot-Karte hier

Dolomitenhöhenweg Nr. 10: Bozen - Gardasee
Von Bozen bis zum Gardasee, entlang der Zinnen des Etschtals und über die Karnischen Alpen geht es auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 10. Mit empfohlenen 18 Tagesetappen und 200 km ist diese Route die Längste der Dolomitenregion und für diejenigen geeignet, die viel Erfahrung im Klettern und eine gute Ausdauer mitbringen. Einige kritische Stellen sind zwar durch einfachere Varianten ersetzbar, allerdings ist dieser Weitwanderweg sehr ambitioniert.





