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Dolomiten - Val Badia - Gadertal - Wanderungen

Die 5 schönsten Tagestouren im Gadertal

Im Dolomiten-Hochtal Alta Badia finden Wanderer, wovon sie träumen: Einsamkeit und unberührte Natur. Wir stellen euch die Top-Touren vor ...

Da hat der Wan­der­führer aus Pedraces im Val Badia, dem Gadertal, recht. Dieses ur­tüm­liche Do­lomiten­tal zwischen La Val und Corvara gleicht einem perfekten Idyll: Bienen und Hummeln summen über Alm­wiesen – je nach Hö­henlage ge­sprenkelt mit Ranunkeln, Enzian, Anemonen, Steinrös­chen, Alpennelken und Zwergalpenrosen. Tiefgrüne Wälder durchziehen die Land­schaft, Kuhglocken bimmeln aus allen Richtungen, über die Hänge verstreut liegen uralte Bauernhöfe. Darüber thronen scheinbar unwegsame Schutt­hänge, und als Krone die für die Dolomiten typischen hell­grau leuchtenden, mächtigen Felsblöcke. Ein Traum für Naturfans und Bergwanderer!

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Die Top-Touren im Überblick

Tour 1: Auf die Fanes-Hochebene
Tour 2: Kaiserjägersteig-Runde
Tour 3: Ütia Puez, 2.418 m
Tour 4: Piz Boè, 3.152 m
Tour 5: Auf der Ferrata Tridentina

Tipps zur Anreise, Übernachtungen, Karten

Charakter:
Das Alta Badia, das ladinische Gadertal im südöstlichen Südtirol, war durch seine zurückgezogene Lage lange abgeschieden vom Rest Europas. Es bietet atemberaubende Dolomiten-Panoramen, eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft, italienisches Flair sowie Südtiroler Tradition und Küche. Für Outdoor-Sportler finden sich im Alta Badia neben Wandern und Klettern viele Alternativen wie Mountainbiken, Rennradfahren, Reiten, Golfen und Paragleiten.

Lage:
Das Hochtal Alta Badia liegt südlich des Alpenhauptkamms im südöstlichen Süd­tirol, zwischen dem Pustertal, Cortina d‘Ampezzo, Arabba, Canazei-Fassatal und Grödental. Besiedelt ist es auf bis zu 1700 Meter, die Gipfel reichen von 2500 bis über 3000 Meter.

Beste Zeit:
Ende Mai bis Ende September. Je nach Schneelage und Wettereinbrüchen kann auf den Höhen auch bis in den Juni hinein Schnee liegen; manchmal fällt auch schon im September Neuschnee.

Anreise:
Entweder über die Brennerautobahn (A 22) bis zur Ausfahrt Brixen, Pustertaler Straße SS 49 in Richtung Bruneck und weiter für 25 km bis St. Lorenzen (kurz vor Bruneck). Dort rechts auf die SS 244 Gadertal (Val Badia), Richtung Corvara, über Pedraces nach La Villa, Corvara oder Colfosco. Oder über Gröden: Brennerautobahn bis zur Ausfahrt Klausen, Staatsstr. 242 ins Grödnertal, und über das Grödner Joch nach Colfosco, dann Corvara, La Villa, St.Kassian, Pedraces, La Val.

Übernachtung:
La Majun, La Villa: Wunderschönes, familiär geführtes Hotel mit einem Mix aus Tradition und Moderne. Exzellente Küche, Schwimmbad und Wellnessbereich. Preise pro Person ab 77 Euro inkl. Halbpension. Via Colz, 59, I-39030 La Villa/Alta Badia, Tel. 0039/0471/847030 www.lamajun.it; Hotel Armentarola, St. Kassian: erstklassiges Hotel im traditionellen Stil. Preise pro Person ab 90 Euro inklusive Halbpension. I-39030 St. Kassian, Tel. 0039/0471/849522, www.armentarola.com

Gastro-Tipp:
Im uralten Bauernhof Maso Runch oberhalb von Pedraces serviert die Familie Nagler ein mehrgängiges Menü mit köstlichen ladinischen Spezialitäten wie Gerstensuppe, Schlutzkrapfen und Bauernbratl. Reservierung empfohlen!
Maso Runch, I-39036 Pedraces, Tel. 0039/0471/839796.

Karten:
Kompass-Wanderkarte Nr. 624, Hochabtei – Alta Badia, 1 : 25000, 5,95 Euro.

Buchtipps:
Bergwanderungen in den Dolomiten, Bd. 3. Gadertal, von Bruneck bis Corvara. Die schönsten Tal- und Höhenwanderungen, Rother, 10,90 Euro; Wanderführer Alta Badia, über Touristinfos im Alta Badia, www.altabadia.org

Info:
Tourismusverband Alta Badia, Str. Col Alt 36, I-39033 Corvara, Tel. 0039/0471/836176, www.altabadia.org

outdoor-Tipp:
Mit dem »Mountain Pass Alta Badia« zwölf Lifte und alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und umsonst ins Eisstadion in Corvara, das öffentliche Schwimmbad oder das Kino gehen; Bezug über Tourismusbüros, www.mountainpass.it

Reisebericht: Wandern im Val Badia - Gadertal

Nato, ehemals Leiter einer Bankfiliale und jetzt Wanderführer des örtlichen Alpenvereins, ist der Prototyp eines altein­ge­sessenen Ladiners: bescheiden, traditionsbewusst und voll Stolz auf die eigene Spra­che – eine Art Vulgärlatein, das neben deutsch und italienisch bis heute ge­sprochen wird. Die ladinischen Täler, deren Zentrum das Alta Badia ist, waren lange Zeit abgeschieden von den historisch-politischen Veränderungen Europas, und so konn­te in der ladinischen Region die eigene Kultur ebenso überdauern wie eine ursprüngliche, weitgehend unverbaute Natur. Kein Wunder, dass diese Gegend seit jeher auch Gegenstand von Gedichten, Geschichten und Sagen war.

Da hinauf? Nato steht vor der Heiligkreuz-Hütte und weist zu einer imagi­nären Scharte. Wo soll da bitteschön ein Weg verlaufen? Und wie soll man durch diese steilen Schutthänge und senkrechten Felsen ganz nach oben kommen – ohne die Kletterkünste der Gämsen, ohne die Hilfe irrealer Kräfte? Die Versuchung ist groß, sofort zu den drei Kruzifixen hinüberzulaufen, die vom Wiesenbalkon hinter der Heiligkreuzkapelle ins Tal hinabschauen, und um Beistand für die Wanderung zu beten. Doch ist man erst einmal losgegangen, zeigt sich schnell der diffuse, markierte Pfad im Geröll. Wie eine Murmelbahn, die mit einem riesigen Zeigefinger in einen gewaltigen Sandhaufen gezogen wurde, führt er im Zickzack nach oben, bisweilen durch Drahtseile gesichert. Spannend ist der Weg allemal, Fehltritte wären jedoch ungesund, und hat man endlich die Felskante erreicht und blickt hinüber auf die andere Seite, blickt hinunter auf die riesige Hochfläche der Fanes, die mit ihren karstigen Felsen, Rinnen und Mulden aussieht wie der Zen-Garten eines sanften Giganten, ist jede Mühe auf einen Schlag vergessen.

Man lauscht den uralten Geschichten von Nato, der anschaulich erzählt, wie einstmals die Könige der Fanes im Bündnis mit den Adlern ihr Reich immer weiter ausdehnten. Doch die Expansion erzeugte auch eine Gegenbewegung: Irgendwann schlossen sich immer mehr der Nachbarvölker zusammen, um gemeinsam den massiven Eroberungen Einhalt zu gebieten.

Liebe ist im Spiel, ebenso ein Zauberer und eine schöne Prinzessin. Der König wagt einen hohen Einsatz und setzt auf ein Doppel­spiel, und nach vielen Wirrungen und listigen Tricks wird die Königstochter getötet, die Königin zieht sich mit Hilfe einer Schar Murmeltiere in die unterirdischen Gänge der Fanes zurück, und der König, der verräterisch gemeinsame Sache mit den Feinden gemacht hatte, erhält seine gerechte Strafe: Er wird zu Stein. So ist das felsige Profil dieses »falschen Königs« (italienisch: falza rego, ladinisch: el fautso rego) noch heute einige Kilometer weiter am Felsstock des Lagazuoi am Falzaregopass zu sehen.

Genau dieser Ort wurde in der heutigen Zeit, vor knapp 100 Jahren im Ersten Weltkrieg, erneut Schauplatz erbitterter Kämpfe. Italiener und Österreicher belagerten sich in jahrelangem Stellungskrieg, durchlöcherten den Fels mit langen Stollen, um sich gegenseitig zu überrumpeln – und doch kamen weitaus mehr Soldaten durch Kälte, Lawinen und Steinschlag um als durch Kampfhandlungen.

Heute kann man vom Falzaregopass aus den sogenannten Kaiserjägersteig nach oben klettern, hier und da in die alten Stollen schauen. Die Emotionen schwanken dabei zwischen dem Grauen angesichts der Absurdität eines Kriegs in diesen Höhenlagen und dem Staunen über die wun­derschöne Landschaft rundherum. Oben am Gipfel des Kleinen Lagazuoi ist man noch einmal ergriffen von den vielen Münzen, Bildchen und Glücksbringern, die ans Gipfelkreuz gebunden oder in die klaffenden Ritzen seines verwitterten Holzes gesteckt wurden – doch spätestens wenn man nach Speckplatte, Schlutzkrapfen, einem guten Glas Roten, Tiramisu und einem starken Espresso aus der Lagazuoi-Hütte hinaus tritt und von der großen Terrasse des Hauses die Felskulissen der Marmolada, Cinque Torri und Ampezzo-Dolomiten betrachtet, hat man den Krieg vergessen, freut sich des Wandererlebens und auf den Abstieg durch das wunderschöne, einsame Seitental hinunter nach Armentarola.

Der eindrucksvollste Felsstock des Alta Badia ist jener der Sellagruppe im Südwesten des Tals. Skifahrer kennen und lieben den berühmten Klassiker »Sellaronda«: Mit dem Lift geht es hinauf, mit Ski hinunter, immer im oder gegen den Uhrzeigersinn einmal um den Berg herum, und selbst Bergsteiger können mit Hilfe von Aufstiegsanlagen und öffentlichen Bussen den Felsblock auf Wan­derwegen in guten acht Stunden umrunden.

Doch auf sie wartet noch eine ganz andere Herausforderung, nämlich mitten in die Felswelt einzutauchen. Auf der Ferrata Tridentina etwa, einem Klettersteig, der östlich des Grödner Jochs startet. Hier turnt man am stählernen Handlauf durch das Felsgelände, um den Brunecker Turm herum und fragt sich, ob einem nun die wahn­sinnige Aussicht auf das Tal mit sattgrünen Wiesen und bleichen Felszacken oder aber die senkrechten Felsaufschwünge und Eisenleitern den Atem rauben. Und wenn man nach gut zwei Stunden und vielen Klack-Klacks der Karabiner die abenteuerliche Hängebrücke betritt, die eine zehn Meter breite Felsschlucht überbrückt – darunter etwa 200 Meter von Felsen eingerahmtes Nichts –, fragt man nichts mehr, sondern sieht einfach zu, dass man schnell hinüber­kommt. Zehn Minuten später freut man sich umso mehr über den Ausblick von der Pisciadù-Hütte auf den gleichnamigen See und Gipfel.

Absoluter Höhepunkt dieses Plateaus ist aber die Wanderung zum Piz Boè auf 3152 Metern. Der Aufstieg ist dank Gondel und Lift verhältnismäßig kurz, doch selbst für erfahrene Berggeher kein Kinderspiel. Auf dem Gipfel erwartet einen jedoch ein 360-Grad-Panorama, das einem förmlich die Wanderschuhe auszieht: von den Sextner Dolomiten über To­fana, Lagazuoi, Sorapis, Antelao, Pelmo, Civetta, Marmolada und Palagruppe reicht der Blick bis zum Rosengarten, Schlern, den Glet­schern des Alpen­hauptkamms; über das Alta Badia sowie das Grödnertal bis Bozen und Meran.

Doch so wie ein Feuerwerk zum Schluss die besten Böller auspackt, so setzt hier der Abstieg noch einen drauf: Im Mittagstal, einem der wil­desten Felsentäler der Dolomiten, geht es unter gewaltigen Felszacken und mächtigen Wänden bergab. Irgendwo zwischen den Steinen verliert sich die Zeit, man läuft und schaut und staunt – und sinniert, nicht zuletzt über ein Gedicht: »Und alles ganz still – und so schön dass man weiß – dieses Leben lohnt sich – weil man glauben kann – dass es das wirklich gibt.«

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