Wer in den Dolomiten nicht nur ein paar Hüttenetappen sammeln will, sondern ein echtes Alpencross-Abenteuer sucht, findet im Dolomiten-Höhenweg Nr. 10 eine der großen Unternehmungen der Region. Die Route beginnt in Bozen und endet am Gardasee.
Die Highlights des Dolomiten Höhenweg Nr. 10
Der besondere Reiz dieses Dolomitentreks: Er verbindet eine große Alpen-Distanz mit stark wechselnden Landschaftsräumen. Der Weg, auch "Judikarien Höhenweg" genannt, ist mit rund 200 Kilometern in circa 18 Tagen der längste unter den Dolomiten-Höhenwegen.
Was den Höhenweg Nr. 10 außerdem auszeichnet: Er ist nicht nur lang, sondern verlangt über viele Tage Konzentration und Ausdauer. Dazu kommen drei Klettersteige, die der Route auch eine technische Würze geben: Der Sentiero Alfredo Benini in der nördlichen Brenta, der Sentiero Bocchette Alte zwischen dem Rifugio Graffer und der Tuckethütte (Rifugio Tuckett, s.u.) sowie der Sentiero Gustavo Vidi ebenfalls im Bereich des Grostè-Passes nahe dem Rifugio Graffer. Wichtige Option für die Tourenplanung: Du kannst die Klettersteig-Etappen in der Brenta auf anspruchsvollen, aber technisch einfacheren alpinen Wanderwegen umgehen. Aber auch diese sind keine "Spaziergänge". Sie führen oft über steile Geröllpassagen und sind mit erheblichen Ab- und Wiederaufstiegen verbunden, die ebenfalls eine sehr gute Ausdauer und absolute Trittsicherheit erfordern.

Die Brenta Dolomiten sind bekannt für spektakuläre Klettersteige und Bergwanderwege.
Wie verläuft der Weg genau?
Eine starre 18-Tage-Liste wird dem Weg kaum gerecht. Die Route lässt sich besser über ihre Schlüsselhütten und Regionen verstehen, die den Wegverlauf gliedern:
Teil 1: Vom Etschtal auf den Mendelkamm: Die Alta Via 10 startet in Bozen und führt zunächst auf den Mendelkamm. Ein erster wichtiger Stützpunkt ist hier die Überetscher Hütte. (Rifugio Oltradige)
Teil 2: Durch das Nonstal in die Brenta: Nach der Überschreitung des Mendelkamms geht es durch das Nonstal, bevor du über die Peller Hütte (Rifugio Peller) in das Herzstück der Tour einsteigst.
Teil 3: Das Herzstück – die Brenta-Durchquerung (siehe komoot Karte oben). Hier entfaltet der Höhenweg seinen alpinen Charakter. Du durchquerst die berühmte Brenta-Gruppe von Nord nach Süd. Typische Etappenziele sind die Hütten:
- Graffer Hütte
- Tuckett- und Sella-Hütte
- Brentei Hütte
- Alimonta Hütte
- Pedrotti Hütte
- Agostini Hütte
- XII Apostoli Hütte
Teil 4: Das Finale in den Gardaseebergen: Nach der Brenta führt die Route weiter südwärts durch die ruhigeren Gardaseeberge (italienisch Prealpi Gardesane). Wichtige Stützpunkte vor dem finalen Abstieg sind die Pernici Hütte und die Pirlo Hütte. Der "Zieleinlauf" danach endet schließlich direkt am Westufer des Gardasees in Gardone Riviera.
Planungstipps
- Etappen realistisch planen: Orientiere dich bei der Tagesplanung an den realen Übernachtungsmöglichkeiten, nicht nur an den Kilometern.
- Puffer einbauen: Bei einer so langen Tour sind ein oder zwei Reservetage Gold wert – für schlechtes Wetter oder zur Erholung.
- Ausrüstung checken: Eine vollständige Klettersteigausrüstung (Set, Gurt, Helm) ist für die entsprechenden Abschnitte Pflicht.
- Unterkünfte früh sichern: Gerade bei einer so langen Durchquerung gibt eine saubere Reservierungskette Sicherheit.
Steckbrief Dolomiten-Höhenweg Nr. 10 Name: Dolomiten-Höhenweg Nr. 10 ("Judikarien Höhenweg")
Route: Bozen – Gardasee
Länge: ca. 200 km
Dauer: ca. 18 Tage
Charakter: Sehr lange und ambitionierte Weitwanderung mit alpinen Passagen, hoher Planungs- und Ausdaueranforderung.
Technik: 3 Klettersteige, lange Etappen
Für wen: Für sehr ausdauernde, erfahrene Bergwanderer, die mit langen Tagen und komplexerer Logistik umgehen können.
Buchtipp: Dolomiten-Höhenwege 8–10, Rother, 19,50 €
Alle zehn Dolomiten-Höhenwege im Überblick
Wir stellen sie euch hier im Kurz-Porträt vor:

Dolomitenhöhenweg Nr. 1: Pragser Wildsee - Belluno
Der Dolomitenhöhenweg Nr. 1 ist der älteste der zehn Mehrtageswanderungen und führt von Nord nach Süd durch die Gebiete Ausserprags, Prags und die Dolomitenregion "Drei Zinnen" vom Pragser Wildsee (siehe Foto) nach Belluno. Auf insgesamt 106 km kann die Tour auf acht bis 12 Tagesetappen aufgeteilt werden. Einigermaßen ausdauernde und geübte Wandernde haben, mit Ausnahme der letzten Teilstrecke (die jedoch durch eine leichtere Variante ausgetauscht werden kann), kaum Schwierigkeiten.

Dolomitenhöhenweg Nr. 2: Brixen - Feltre
Von Brixen, der ältesten Stadt Südtirols, geht es auf dem Höhenweg Nr. 2 rund 15 Tage durch die Dolomitenregion Alta Badia nach Feltre. Während der Wanderung überqueren Outdoorer die drei Provinzen, Bozen, Trient und Belluno sowie zehn Gebirgsgruppen (Plose, Peitlerkofel, Geisler, Puez, Sella, Padon, Marmolada, Bocche, Pala, Feltriner Gruppe) wobei Plose-, Padon- und Bocche-Gruppe nicht zu den Dolomiten zählen. Insgesamt gilt der Dolomitenhöhenweg 2 mit seinen Kletterstellen (III), der Gletscheretappe am Marmolada und den 185 km als sehr anspruchsvoll.

Dolomitenhöhenweg Nr. 3: Niederdorf - Longarone
Großartige Hochgebirgsbilder und die östlichen Dolomiten warten auf dem 99 Kilometer langen Dolomitenhöhenweg Nr. 3, welcher in Niederdorf beginnt und durch die Region der Drei Zinnen führt. Zwischen sieben und zehn Tagesetappen muss man hier rechnen. Die meisten Abschnitte des Weges sind im Vergleich zu den Höhenwegen Nr. 1 und 2 entweder schwieriger oder länger - aufgrund der gravierenden Höhenunterschiede, den gesicherten, teils recht ausgesetzten Steiganlagen und den kurzen Klettersteigpassagen mit Schwierigkeitsgrad II auch deutlich beschwerlicher. Zwar sind für diese Abschnitte auch leichtere Varianten möglich - dennoch ist dieses Bergwanderweg für Familien mit Kindern oder Wanderanfänger nicht geeignet.

Dolomitenhöhenweg Nr. 4: Innichen - Pieve di Cadore
Der Dolomitenhöhenweg Nr. 4 gehört mit seinen 66 km zwar zu den kürzeren, jedoch auch zu den anspruchsvollsten Wegen. In acht bis zehn Tagesetappen geht es durch das gewaltige Felsenreich der Sextner Dolomiten und über die großartigen Dolomiten-Massive des Sorapis und Antelao. Die Tour ist nur erfahrenen Bergwanderern vorbehalten, da einige Abschnitte mitten durch senkrechte Wände und Kletterpassagen führen. Sie führt von Innichen im Pustertal durch die östlichen Dolomiten bis nach Pieve di Cadore in der Provinz Belluno.

Dolomitenhöhenweg Nr. 5: Sexten - Pieve di Cadore
In rund zehn bis 12 Tagen führt der Dolomitenhöhenweg Nr. 5 durch die traumhaften Sextner Dolomiten und die Drei Zinnen bis zum Endpunkt in Pieve di Cadore. Auf den drei Abschnitten Croda dei Tòni und Popèra; Marmaròle und Antelao wandert man auf insgesamt 67 km, die jedoch nur geübten, trittsicheren und enorm ausdauernden Wanderern zu empfehlen sind.

Dolomitenhöhenweg Nr. 6: Sappada - Vittorio Veneto
Lange, verlassene Strecken und faszinierende Umgebungen locken auf dem rund 180 Kilometer langen Dolomitenhöhenweg Nr. 6. Dabei durchquert die Route in elf Wandertagen Provinzen Udine, Pordenone, Belluno und Treviso und erreicht Vittorio Veneto durch den Rinaldo, die Tèrze und Clap Gruppen, die Monti di Sàuris, die Tiàrfin, die Crìdola, die Spalti und Monfalconi, die Duranno-Cima dei Preti und vom Col Nudo-Cavallo. Geeignet ist die mittelschwere Tour für erfahrene und trainierte Wanderer.

Dolomitenhöhenweg Nr. 7: Pieve d'Alpago - Segusino
Fünf Tagesetappen und rund 66 Kilometer umfasst der sehr schöne Dolomitenhöhenweg Nr. 7, der von Pieve d'Alpago durch die Karnischen Alpen und die Venetianischen Voralpen nach Segusino führt. Die Route verläuft am Kalksteinkamm der Col Nudo-Cavallo Gruppe und fällt nach Südwesten in die Provinz Belluno und nach Nordosten in die Provinz Pordenone. Bei einem maximalen Schwierigkeitsgrad II eignet sich der Höhenweg für Wander-Experten, die mit gemischtem, ausgesetztem Terrain und Kletterpassagen vertraut sind.

Dolomitenhöhenweg Nr. 8: Brixen - Salurn
Eine recht einfache Durchquerung der Dolomiten von Brixen nach Salurn bietet der Höhenweg Nr. 8. Dabei geht es über einen Kamm, der das Etschtal und das Eisacktal flankiert. Für die knapp 152 Kilometer lange Begehung sollten zwischen zehn und 13 Tage eingeplant werden, die als recht unschwierig und interessant für Familien gelten.

Dolomitenhöhenweg Nr. 9: Bozen - Santo Stefano
Die 176 Kilometer lange Route des Dolomiten Höhenwegs Nr. 9 verläuft im Gegensatz zu den meisten anderen Dolomiten-Höhenwegen als Transversale von Westen nach Osten über die zum Teil von Süd nach Nord verlaufenden Gratzüge der Dolomiten. Gestartet wird die Tour, die zwischen 12 und 14 Tage in Anspruch nimmt, in Südtirols Provinzhauptstadt Bozen, durchquert anschließend Südtirol und einen Teil der Provinz Belluno. Sie eignet sich auch gut für Wanderer mit weniger Kodition. Teilabschnitt ab Tiers, inkl. komoot-Karte hier

Dolomitenhöhenweg Nr. 10: Bozen - Gardasee
Von Bozen bis zum Gardasee, entlang der Zinnen des Etschtals und über die Karnischen Alpen geht es auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 10. Mit empfohlenen 18 Tagesetappen und 200 km ist diese Route die Längste der Dolomitenregion und für diejenigen geeignet, die viel Erfahrung im Klettern und eine gute Ausdauer mitbringen. Einige kritische Stellen sind zwar durch einfachere Varianten ersetzbar, allerdings ist dieser Weitwanderweg sehr ambitioniert.





