Morgens kurz vor 7 Uhr, ein Bahnhof im Münchner Speckgürtel: Der Bahnsteig ist voller Büromenschen in Hemden und Blusen, dazwischen stehe ich als grellbunter Wanderpapagei mit Rucksack und Stöcken. Die S-Bahn rollt pünktlich ein, das grüne Mikroabenteuer beginnt. Mein Ziel, der Klassiker Benediktenwand, ist alles andere als ausgefallen. Die Anreise per Bus und Bahn umso mehr. Eine Umfrage des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Jahr 2022 ergab, dass 70 Prozent seiner rund 1,5 Millionen Mitglieder mit dem Auto in die Berge fahren. 540 Kilogramm Emissionen stoßen sie damit jährlich pro Kopf aus – dabei will der DAV eigentlich bis 2030 klimaneutral sein. "Wenn die Mitglieder nichts an ihrer Anreise ändern, sind alle Klimaschutz-Bemühungen der Alpenvereine für die Katz", sagt Michael Vitzthum. Den drahtigen Mittfünfziger treibt das Thema schon lange um. 2008 verzichtete er auf sein Auto und begann, seine Wander- und Skitouren per Bus und Bahn zu organisieren. Auf Facebook bekam er so viel Resonanz, dass er mit Freunden einen Skitouren- und dann einen Wanderführer schrieb: "Natürlich mit Öffis".
Einige Alpenregionen und DAV-Sektionen bieten mittlerweile Bergbusse. Und die neue Buslinie durchs Graswangtal ermöglicht Touren wie die Überschreitung vom Schloss Linderhof nach Unterammergau mit Zwischenstopp im August-Schuster-Haus." ... Wie es unserem Autor auf seiner "Öffi-Tour in die Bayerischen Berge erging und welche Touren auf dem Programm standen, erfahrt ihr hier:
Die fünf schönsten Touren
Schloss Linderhof-Unterammergau
Vom Schlosspark folgt man dem Schild zum Brunnenkopf und Pürschling und steigt zum August-Schuster-Haus auf. Dann auf den Teufelstättkopf, kurz vor seinem Gipfel (1758 m) geht es steil den mit einem Drahtseil gesicherten Steig hinauf. Über den Ostgrat lange bergab, hinter der Kuhalm (1360 m) auf dem Schleifmühlenweg hinunter nach Unterammergau.
14 km, 6 h, 880 Hm, mittel
Von Hinterstein nach Oberstdorf
Per Bus ins Ostrachtal (Allgäu), über Schwarzenberghütte (1380 m) und Engeratsgundsee (1884 m) zum Großen Daumen (2280 m). Auf Höhenweg Richtung Nebelhorn, an der Abzweigung zum Hindelanger Klettersteig links hinab zum Edmund-Probst-Haus (1932 m). Am nächsten Morgen Schild zum Zeigersattel folgen und hinab zum Oytalhaus. Per Tretroller nach Oberstdorf (9 €, roller-oberstdorf.de).
24 km, 10 h, 1375 Hm, schwer
Oswaldhütte-Krün
Ab Bushaltestelle Oswaldhütte über Paindlalm (975 m), Galgenstangenkopf (1806 m), Femerskopf (1851 m), Baierkarspitze (1909 m) und Krapfenkarspitze (2109 m). Teils weglos hinab zum Sattel der Jägersruh (1894 m) und zum Soiernhaus (1616 m). Am nächsten Morgen zur Schöttelkarspitze auf 2050 m, dann auf stahlseilgesichertem Steig zum Seinskopf (1961 m) und durch Latschen und Wald hinab nach Krün (875 m).
24 km, 11 h, 2080 Hm, schwer
Zum Spitzingsee
Von Bayrischzell zum Soinsee (1462 m) und durch die Schnittlauchrinne zu den Ruchenköpfen (1805 m) kraxeln. Hinab zum Rotwandhaus (1737 m), am nächsten Morgen über Untere Wallenburgalm und Schwarzenkopfhütte (1331 m) hinab zum Spitzingsee.
18 km, 8 h, 1220 Hm, schwer
Benediktenwand
Von Jachenau zur Lainlalm (907 m) und zum Glasbach-Wasserfall. Hinter der Peteralm (1086 m) über Kuhweiden zur Bichleralm (1436 m), steil zum Gipfel (1800 m), unter der Nordwand steil ab zur Tutzinger Hütte (1327 m) und quer durchs Dorf hinab zum Bahnhof Benediktbeuern.
23,5 km, 9 h, 1175 Hm, schwer
Alle im Artikel erwähnten Wanderungen sind mit Bahn und Bus erreichbar. Für die Tour auf die Benediktenwand geht es mit dem Zug nach Lenggries, von dort mit dem Bus zur Haltestelle Jachenau Post. Zurück nimmt man die Regionalbahn von Benediktbeuern. Den kompletten Reisebericht lest ihr in outdoor Ausgabe 03/2026, oder hier im PDF zum Download:
Wann ist die beste Reisezeit?
Im Hochsommer hat man lange Tage für weite Touren, im Herbst klare Luft und grandiose Fernsicht. Die von uns ausgewählten "Bus-Bahn-Bergtouren" erfordern gute Kondition und Trittsicherheit. In den meisten Fällen ist es entspannter, die Wanderung auf zwei Tage zu verteilen und in einer Hütte zu nächtigen (siehe Übernachtungstipps unten).

Wie kann ich mich auf Tour orientieren?
Die Wege sind markiert und beschildert, an manchen Stellen sind GPS-Tracks hilfreich.
Wo kann ich auf Tour übernachten?
Mit einer Übernachtung auf der Tutzinger Hütte (1327 Meter) lässt sich die lange Benediktenwand-Wanderung auf zwei Tage verteilen. Sie liegt am Fuß der Nordflanke und ist von Mitte April bis Ende Oktober geöffnet. Im Zimmer und im Matratzenlager gibt es 100 Schlafplätze.
Auf dem Weg von Hinterstein nach Oberstdorf bietet sich das Edmund-Probst-Haus (1932 m) als Domizil an, geöffnet von Juni bis Anfang Oktober. Unterhalb des Nebelhorns können 94 Gäste in Vierer- und Sechserzimmern oder im Lager übernachten.
Unterwegs von der Oswaldhütte nach Krün wählt man das Obere Soiernhaus (1616 m) als Dach über dem Kopf. König Ludwig II. ließ es im Jahr 1866 als Jagdhütte oberhalb der gleichnamigen Seen erbauen. Es ist von Mitte Mai bis Mitte Oktober geöffnet, im Matratzenlager finden 45 Gäste Schlafplätze.
Wer auf Tour 5 im Rotwandhaus übernachtet, kann locker noch den namensgebenden Gipfel mitnehmen. Das Rotwandhaus ist nach Problemen mit der Wasserversorgung und der fristlosen Kündigung der ehemaligen Pächter seit Juni 2025 wieder geöffnet. Dank seiner Logenlage in 1737 Meter Höhe bietet es eine grandiose Aussicht, in den Zimmern und im Matratzenlager finden 69 Gäste Platz.

Wo kann ich unterwegs gut einkehren?
Auf der Tutzinger Hütte kann man auch Halbpension buchen. Dazu gehört ein reichhaltiges Frühstück, abends erwartet einen ein Drei-Gänge-Menu mit einem wahlweise vegetarischen oder Fleischgericht. Doch auch ohne Halbpension steht abends immer ein fleischfreies Gericht zur Auswahl.
Auf der Bichleralm (nahe Benediktenwand) gibt es deftige Spezialitäten wie Leberkas mit Ei und Brot und hausgemachte Kuchen. Ab Ende Mai mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Wo kann ich mich über Züge, Anreise und Busse informieren?
Neben den Fahrplänen auf DB und DB Regiobus Bayern findest du auf zuugle.de tausende Touren, dazu wird jeweils die beste Anreise per Öffis angezeigt.
Tourentipps, Blogs und Events zum Thema Anreise mit den Öffentlichen finden sich auf der Webseite verein.bahn-zum-berg.at
Buchtipp: "Natürlich mit Öffis! Die besten Bergtouren ab München mit Bahn und Bus" von Angelika Feiner, Michael Vitzthum, Heidemarie Isele, Rüdiger Köhler und Andreas Kaiser. Das Buch enthält 38 Überquerungen und Durchschreitungen in den Bayerischen Alpen inklusive GPS-Tracks.





