Schmetterlinge und ihre Bedeutung für das Ökosystem
Wer war zuerst da? Die Pflanze mit ihrem langen Kelch oder der Schmetterling mit seiner langen Zunge? Klar ist, dass manche Pflanzen nur von Schmetterlingen bestäubt werden können, die sich auf sie spezialisiert haben. Ein Extrembeispiel ist die Sternorchidee mit ihrem bis zu 30 Zentimeter langen Blütensporn (Kelch). Nur der Falter Xanthopan morganii kommt mit seinem ungewöhnlich langen Saugrüssel an den Nektar. Die Orchidee hat damit den Vorteil, nur mit arteigenen Pollen bestäubt zu werden und die Schmetterlingsart braucht die Nahrung mit keinem anderen zu teilen. Generell sind Schmetterlinge wichtige Bestäuber und damit ein bedeutender Baustein für gesunde Ökosysteme und die Artenvielfalt. Diejenigen, die sich auf wenige Pflanzenarten spezialisiert sind, gelten als Zeigertiere beziehungsweise Bioindikatoren. Sie reagieren früh auf veränderte Umweltbedingungen – zum Beispiel bei Änderung von Feuchtigkeit, Licht, Nährstoffverhältnissen des Bodens, Wasser- oder Luftverschmutzung. So wird schnell ersichtlich, dass mit dem Naturraum, dem Wasser oder Boden etwas nicht stimmt.
Ein oft unterschätzter Teil dieser Vielfalt sind Schmetterlingsraupen. Die Larven vieler Falter sind hochspezialisiert und auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen. Brennnesseln etwa gelten als wichtige Kinderstube für Arten wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs oder Admiral. Was im Garten manchmal wie Fraßschaden wirkt, ist in Wahrheit ein Zeichen für ein funktionierendes Ökosystem – denn Raupen sind nicht nur der Anfang eines Schmetterlingslebens, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Tiere.
Top 10 der schillerndsten Schmetterlinge der Welt

Atlasspinner – Attacus atlas
Merkmale: Mit seiner Spannweite von bis zu 30 Zentimetern gehört der Atlasspinner zu den größten Schmetterlingen der Welt. Seine Färbung ist imposant und die Flügelspitzen ahmen Schlangenköpfe nach, um Feine abzuschrecken.
Vorkommen: Atlasspinner mögen die tropischen und subtropischen Wälder in Südostasien, im Süden Chinas und Indiens sowie einiger japanischer Inseln.
Besonderheiten: Die Falter nehmen keine Nahrung zu sich und leben nur etwa zwei Wochen. In dieser Zeit pflanzen sie sich fort und legen die Eier ab. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei wachsen die Raupen über mehrere Wochen heran, bevor sie sich verpuppen. Aus dem Kokon stellen Menschen die Farganseide her. Sie ist robuster als gewöhnliche Seide, die vom Seidenspinner (Bombyx mori) gewonnen wird.

Blauer Morphofalter – Morpho peleides
Merkmale: Türkisblau schillert der Blaue Morphofalter und ist noch dazu ziemlich groß. Bis zu 12 Zentimeter reicht seine Flügelspannweite. Seine blaue Färbung ist im Tierreich sehr ungewöhnlich und kommt nicht durch Pigmente zustande, sondern durch die Art des Schuppenaufbaus. Das Licht wird so gebrochen, dass nur das Blau reflektiert wird. Zusammen geklappt ist er braun mit einigen Augenflecken und gut getarnt.
Vorkommen: Blaue Morphofalter leben im tropischen Regenwald von Mexiko, Mittelamerika, Südamerika und westindischen Inseln.
Besonderheiten: Um als auffälliger Schmetterling Feinden zu entkommen, fliegen Morphofalter im Zickzackflug und machen es Vögeln nahezu unmöglich, sie zu fangen.

Mittlerer Weinschwärmer – Deilephila elpenor
Merkmale: Anders als von anderen Nachtfaltern gewohnt, ist der Mittlere Weinschwärmer nicht langweilig braun getarnt, sondern olivgrün-pink gefärbt. Im kolibriartigen Schwirrflug fliegen sie zu Blüten und nehmen eine wichtige Rolle als Bestäuber ein. Sie sehen dem Kleinen Weinschwärmer sehr ähnlich, die jedoch eher an offenen, sonnigen Orten leben.
Vorkommen: Mit Ausnahme vom hohen Norden kommen Mittlere Weinschwärmer in ganz Europa vor. In Mitteleuropa sind sie die am häufigsten vorkommende Art der Schwärmer und leben in feuchten Gegenden wie Auwäldern, an Gewässern, in Parks und Gärten.
Besonderheit: Die Raupen tarnen sich nicht nur durch ihre braune Färbung, sondern betreiben auch Mimikry: Mit großen Scheinaugen auf ihrer Brust geben sie sich als Schlange. Bei Gefahr ziehen sie den Kopf ein, sodass die Augen hervortreten. Außerdem ahmen sie die Bewegungen einer Schlange nach.

Oleanderschwärmer – Daphnis nerii
Merkmale: Seine prächtige Färbung macht den Oleanderschwärmer zu einem der eindrucksvollsten Schwärmerarten. Dennoch ist er zwischen Blättern gut getarnt. Typisch Schwärmer ist sein Körper recht dick. Wie der Totenkopfschwärmer gehört er mit seiner 12 Zentimeter langen Flügelspannweite zu den größten Schwärmerarten Europas. Auch die Raupen sind wahre Giganten. Beim Schlupf sind sie nur drei Millimeter lang, wachsen aber auf bis zu 13 Zentimeter Länge.
Vorkommen: An sich sind Oleanderschwärmer Wanderfalter. Wenn das Klima stimmt, sind sie aber auch länger an einem Ort, wie in Hawaii, wo ideale Temperaturen um die 28 Grad herrschen. Ansonsten sind sie in den Tropen Afrikas und Asiens unterwegs und kommen im Sommer auch nach Südeuropa. Weiter nördlich sind die Tage zu lang und die Bodentemperaturen zu niedrig, damit die Eier überleben.
Besonderheiten: Der Gattungsname leitet sich von der wichtigsten Nahrungspflanze der Raupe ab, dem Oleander. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné gab ihm im Jahr 1758 seinen lateinischen Namen.

Totenkopfschwärmer – Acherontia atropos
Merkmale: Der Totenkopfschwärmer macht einen angsteinflößenden Eindruck: Er ist einer unserer größten heimischen Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von bis zu 13 Zentimetern. Sein pelziger Körper ist bis zu sechs Zentimeter lang, das gestreifte Ende ähnelt der einer Hornisse und ein schwarz-gelber Totenkopf prangt auf seiner Oberseite. Kein Wunder, dass er als unheilbringend galt. So kennzeichnet er zum Beispiel im Roman „Das Schweigen der Lämmer“ das Böse und ziert die Titelseite des Buchs. Aufgrund des dicken Schmetterlingskörpers müssen schon die Raupen sehr groß werden. Sie fressen sich in wenigen Wochen dick und werden imposante 13 Zentimeter lang.
Vorkommen: Totenkopfschwärmer leben an sonnigen und trockenen Orten in offenen und verbuschten Landschaften. Heimisch sind sie in Afrika südlich der Sahara und an südlichen Küsten des Mittelmeers. Als Wanderfalter fliegen sie im Sommer bis nach Nordeuropa und halten sich in niederen Höhenlagen auf. Honig gibt ihnen die Energie, lange Strecken über Meere und Gebirge zurück zu legen. Da die Raupen hauptsächlich Kartoffelpflanzen fressen, besiedelt die Art in Mitteleuropa fast ausschließlich Kartoffelfelder. In den kalten Monaten überwintern sie als Puppe in selbst gegrabenen Erdhöhlen.
Besonderheiten: Mit ihren breiten und stabilen Saugrüssel durchstechen die Falter Bienenwaben, um Honig und Nektar raus zu saugen. Die Bienen greifen nicht an, da sich die Falter durch ihren Geruch tarnen. Außerdem schützt ihre dicke Körperhülle vor Stichen und das Gift macht ihnen nur wenig aus. Lange dachte man, seine Pfeifgeräusche würden die Bienen besänftigen. Das Pfeifen dient allerdings der Abwehr und ist einzigartig unter den Schwärmern.

Skabiosenschwärmer – Hemaris tityus
Merkmale: Schmetterlinge der Gattung Hemaris betreiben Mimikry und ahmen mit ihrem Aussehen Hummeln nach. So hat auch der Skabiosenschwärmer durchsichtige Flügel und ist schwarz-gelb gestreift. Die Falter sind jedoch flinker und aktiver als Hummeln.
Vorkommen: Skabioseschwärmer kommen in fast ganz Europa und bis zum Altaigebirge in Asien vor. Leider ist die Art in vielen Regionen selten geworden und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Man findet sie noch am Kaiserstuhl, auf der Schwäbischen Alb und im Tauberland.
Besonderheiten: Anders als die meisten der 40 in Europa vorkommenden Schwärmerarten sind Skabioseschwärmer tagaktiv statt nachtaktiv.

Hornissen-Glasflügler – Sesia apiformis
Merkmale: Auch der Hornissen-Glasflügler ahmt ein gefährliches Insekt nach, ist aber ganz harmlos. Er gehört nicht zu der Familie der Schwärmer, sondern den Glasflüglern. Entsprechend ist er nicht so stark behaart, hat aber auch durchsichtige Flügel und einen schwarz-gelb gestreiften Körper.
Vorkommen: Die Art kommt häufig in Mitteleuropa nahe Gewässern vor, wo Pappeln wachsen – die Futterpflanze der Raupen.
Besonderheiten: Die Falter legen die Eier in die Rinde der Futterpflanzen. Nachdem die Raupen geschlüpft sind, bohren sie sich in die Rinde ein und fressen sich durch die Rinde. Dicht unter der Rindenoberfläche verpuppt sie sich. Kurz vor dem Schlüpfen des Falters schiebt sich die Puppe mit Hilfe von Dornenkränzen ins Freie. Am Stamm bleibt ein etwa ein Zentimeter großes Austrittsloch zurück.

Osterluzeifalter – Zerynthia polyxena
Merkmale: Der Osterluzeifalter ist wohl einer der schönsten aber auch seltensten Falter. Er ist etwa fünf Zentimeter groß und hat einen wellenförmig gezeichneten Flügelrand mit roten Punkten.
Vorkommen: Nur wo der Gewöhnliche Osterluzei wächst, kann auch der Osterluzeifalter leben. Leider ist diese Pflanze in Österreich und Deutschland selten geworden und so auch der Schmetterling. In Deutschland ist er vom Aussterben bedroht und kommt nur noch extrem selten vor - im östlichen und südöstlichen Österreich nur noch in der Nähe von Auen und Weinbaugebieten. Wer hier wohnt und die Pflanze im Garten anpflanzt, kann dem Falter einen Lebensraum bieten und sich an seiner Schönheit erfreuen.
Besonderheiten: Die Raupen warnen Feinde mit ihrer leuchtend orangenen Farbe vor ihrer Ungenießbarkeit. Tatsächlich reichern sie den Giftstoff ihrer Futterpflanze im Körper an. Das Gift kann beim Menschen Nierenversagen auslösen.

Taubenschwänzchen – Macroglossum stellatarum
Merkmale: Das Aussehen vom Taubenschwänzchen ist vielleicht nicht besonders eindrucksvoll, sein Flugverhalten dafür umso mehr: Wie ein Kolibri bleibt dieser Falter in der Luft stehen, um mit seinem Saugrüssel Nektar aus Blüten zu saugen. Darum wird er gerne mit dem Nektar fressendem Vogel verwechselt.
Vorkommen: Taubenschwänzchen leben im südlicheren Europa bis China das ganze Jahr über, in nördlichen Gebieten auch im Sommer. Da sie überall dort leben, wo genug Nektarpflanzen blühen, können sie auch in Gärten, Parks und auf städtischen Balkonen beobachtet werden. Als Wanderfalter legen sie bis zu 3000 Kilometer in weniger als zwei Wochen zurück. Den Winter verbringen sie wahrscheinlich an geschützten Orten zum Beispiel in Oberschwaben.
Besonderheiten: Der deutsche Name leitet sich vom zweigeteilten Haarbüschel am Hinterleib ab. Diese ähneln den Schwanzfedern von Tauben, sind allerdings verlängerte Schuppen. Damit können sie sich beim Schwirrflug geschickt navigieren.

Tagpfauenauge – Aglais io
Merkmale: Das Tagpfauenauge ist durch seine vier großen, farbenprächtigen Augenflecken auf der rotbraunen Flügeloberseite unverwechselbar. Diese „Augen“ dienen zur Abschreckung von Fressfeinden wie Vögeln. Klappt es seine Flügel zusammen, ist es durch die fast schwarze, zerklüftete Unterseite auf Baumrinde oder am Boden hervorragend getarnt.
Vorkommen: Als einer der häufigsten Tagfalter Mitteleuropas ist das Tagpfauenauge fast überall anzutreffen, wo es sonnige, blütenreiche Plätze und Brennnesseln gibt. Es lebt in Gärten, Parks, an Waldrändern und auf Wiesen. Da es als Falter überwintert, gehört es zu den ersten Schmetterlingen, die an warmen Tagen im Vorfrühling zu sehen sind.
Besonderheiten: Im Gegensatz zu vielen anderen Schmetterlingen überwintert nicht die Puppe oder Raupe, sondern der erwachsene Falter. Er sucht sich dafür geschützte, kühle Orte wie Dachböden, Keller oder Schuppen. Eine weitere Besonderheit ist die alleinige Abhängigkeit der Raupen von der Großen Brennnessel als Futterpflanze.
Gefährliche Arten – und deren Raupen
Bei aller Vielfalt und Schönheit der Tiere: Manche Schmetterlingsarten können auch Probleme verursachen. In der Landwirtschaft gelten etwa Kohlweißlinge als Schädlinge, deren Raupen Kohlpflanzen mitunter bis auf die Blattrippen abfressen. Auch Motten machen sich gelegentlich unbeliebt – etwa die Kleidermotte, deren Larven Wolle, Federn und andere tierische Fasern zerstören. In Gärten sorgt zudem der aus Ostasien eingeschleppte Buchsbaumzünsler immer wieder für kahlgefressene Buchsbüsche. Und auch manche Raupen können für Menschen unangenehm werden: Die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners lösen Hautreizungen und Atemwegsbeschwerden aus. Doch solche Ausnahmen ändern wenig daran, dass die meisten Schmetterlinge wichtige Bestandteile von Ökosystemen sind – und mit ihrer Farbenvielfalt zu den faszinierendsten Insekten zählen.
Wie sich um die 180.000 Schmetterlingsarten entwickeln konnten und welche Strategien sie entwickelten, um nicht als Beute zu enden, interessierte Marion Jaros schon als Kind. Sie verliebte sich früh in die Welt der Schmetterlinge. Mit neun begann sie zuhause in Österreich heimische Schmetterlingsarten zu züchten, um ihre Lebensweise zu erforschen. Heute bringt sie in Schmetterlings-Workshops Kindern und Erwachsenen die faszinierenden Insekten näher.
Neues Buch: Die fabelhafte Welt der Schmetterlinge

In ihrem Buch "Die fabelhafte Welt der Schmetterlinge" erzählt sie auf unterhaltsame Art von den Überlebenskünstlern, ihrer faszinierenden Biologie und welche Überraschungen sie erlebte. Zahlreiche hilfreiche Tipps warten auf die Leser, um den eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten. Übersichtliche Tabellen beschreiben genau, welche Pflanzen Nahrung für Schmetterlinge und Raupen bieten – von Kräutern über Sträucher bis zu Bäumen. So können Gartenbesitzer Inseln heimischer Pflanzenvielfalt schaffen und Schmetterlinge retten, die selten geworden sind.





