Bär tötet Pony in Tirol: DNA-Analyse bringt traurige Gewissheit

DNA-Analyse bringt traurige Gewissheit
Shetlandpony in Tirol von Bär getötet

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.08.2026
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Europäischer Braunbär in freier Wildbahn, Alpen
Foto: imageBROKER / David & Micha-Sheldon via GettyImages

Der Vorfall ereignete sich Anfang August auf einer Alm im Gemeindegebiet von Pfunds (Bezirk Landeck). Nachdem das 17-jährige Tier tot aufgefunden worden war, deuteten die Spuren bereits auf einen großen Beutegreifer hin. Zur Klärung wurden vor Ort Tupferproben für eine DNA-Analyse genommen.

Offizielles Ergebnis liegt vor: Es war ein Bär

Die genetischen Untersuchungen haben die Vermutungen bestätigt, wie das Land Tirol am 21. August offiziell mitteilte. Ein Bär ist für den Riss des Ponys verantwortlich. Damit herrscht Gewissheit für die Besitzerfamilie und die gesamte Region.

Welcher Bär war es? Weitere Analysen laufen

Welches Tier genau für den Angriff verantwortlich ist, ist noch unklar. Laut der Mitteilung des Landes steht die sogenannte Genotypisierung – die exakte Bestimmung des Individuums – noch aus.

Fest steht, dass im Tiroler Oberland in den Jahren 2025 und 2026 mindestens ein männlicher Bär mit der Kennung "Tirol_05" mehrfach genetisch nachgewiesen wurde. Dieses Tier war bereits 2024 in Ried im Oberinntal identifiziert worden. Zudem wurde 2024 in Pfunds ein weiteres männliches Tier mit der Bezeichnung "Tirol_04" nachgewiesen, das seither aber nicht mehr eindeutig identifiziert werden konnte. Ob es sich bei dem Angreifer um einen dieser bekannten Bären oder ein neues, durchziehendes Tier handelt, müssen weitere Analysen zeigen.

Behörden: Keine gezielte Annäherung an Menschen

Die Behörden betonen in ihrer Kommunikation, dass es weiterhin keine Hinweise darauf gebe, dass sich ein Bär gezielt Menschen oder Siedlungsgebieten nähert. Angriffe auf Pferde seien zudem äußerst selten. Der Vorfall werde sehr ernst genommen, und das Land Tirol stehe laut eigenen Angaben in engem Austausch mit der Jägerschaft und den Gemeinden vor Ort.

Mehr Bären, mehr Probleme?

Auch im italienischen Trentino und in der Slowakei kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Bärenproblemen. Besonders tragisch war eine Begegnung zwischen Bär und Mensch im Trentino, die für einen Jogger tödlich endete. Verantwortlich für diesen Angriff war die Bärin JJ4, die Schwester des "Problembären" Bruno, der bereits 2006 in Bayern für Aufsehen sorgte und schließlich erlegt wurde.

In Rumänien gibt es ebenfalls seit Jahren eine große und wachsende Population, weshalb die Bären aufgrund des knapper werdenden Lebensraums immer häufiger in die Nähe von Dörfern und Städten vordringen. Bären sind in Osteuropa weit verbreitet, vor allem in der gesamten Karpaten-Kette, die sich in einem Bogen von Rumänien über die Westukraine bis in die Slowakei und Polen erstreckt.

Doch keine Sorge: Der Kontakt zwischen Mensch und Bär ist bei uns in Deutschland weiterhin so gut wie ausgeschlossen. Für den unwahrscheinlichen Fall einer Begegnung in den Alpen oder den oben gannenten Gebieten, haben wir hier vier wichtige Tipps, wie du dich schützen kannst:

Braunbär im Dinarischen Gebirge, Slowenien
imageBROKER / Robert-Haasmann via GettyImages

Was tun bei Bärenkontakt?
1. Aufmerksam bleiben
Bären gehen dem Menschen in der Regel aus dem Weg. Allerdings nur dann, wenn sie ihn rechtzeitig wahrnehmen. Werden Bären überrascht, weil plötzlich jemand um die Ecke biegt oder aus dem Unterholz bricht, können sie angreifen. Wanderungen sollten deshalb bevorzugt über offenes Gelände oder durch weite Flussbetten führen. Hier könntet ihr den Bären sehen, bevor er euch wahrnimmt. Beachtet unterwegs die Windrichtung: Bei Gegenwind hat ein vor euch laufender Bär keine Chance, euch zu wittern. Erhöhte Vorsicht ist geboten in der Nähe von Kadavern und beerentragenden Büschen, da hier vielleicht gerade ein Bär frühstückt. Wandert ihr in der Gruppe, solltet ihr zusammenbleiben, sonst besteht die Gefahr, dass ein Bär inmitten der Gruppe auf den Weg tritt und sich "umzingelt" fühlt.

2. Krach machen
Vor allem dort, wo Bären schlecht auszumachen sind, also im Wald oder in verbuschtem Gelände, solltet ihr euch lautstark bemerkbar machen. Dann haben die zotteligen Tiere die Möglichkeit, euch rechtzeitig aus dem Weg zu gehen. Je mehr Umgebungsgeräusche (zum Beispiel Bachrauschen), desto lauter müsst ihr sein. Wenn ihr euch unsicher fühlt, singt beim Wandern, unterhaltet euch lautstark oder bindet euch eine klappernde Stahltasse oder eine spezielle Bärenglocke an den Rucksack. Alles, was Krach macht, hilft – fast alles: So spricht sich die Verwaltung des Denali-Nationalparks in Alaska ausdrücklich gegen das Pfeifen aus: Bären könnten es als Schrei eines Beutetieres deuten.

3. Zeltplatz sichern
Bären haben einen unglaublich guten Geruchssinn, achtet also unbedingt darauf, keine Essensreste liegenzulassen. Auch euer Müll muss ordnungsgemäß und luftdicht weggeräumt werden. Seid ihr mit Zelt unterwegs, dürft ihr nicht direkt davor kochen oder essen. Sucht euch sich dafür lieber einen Platz in zirka 100 Metern Entfernung auf einer von allen Seiten einsehbaren Fläche. Auch zum Lebensmitteldepot sollte man 100 Meter Abstand halten. Wichtig: Nichts Duftendes/Riechendes mit ins Zelt nehmen, auch keine verpackten Lebensmittel. Kleidung, die man beim Kochen getragen hat, muss ebenfalls draußen bleiben.

4. Direkter Kontakt mit einem Bären
Nähert sich ein Bär, nicht weglaufen! Bleibt stehen und macht euch durch lautes Reden und Armbewegungen auf euch aufmerksam. Versucht nicht den Bären zu vertreiben, auf gar keinen Fall Steine oder Äste nach ihm werfen. Das könnte er als Bedrohung verstehen. Bleibt ruhig, haltet Abstand und versucht langsam euch zu distanzieren. Sollte sich der Bär aufrichten, nicht in Panik geraten, das bedeutet nur, dass er sich einen besseren Überblick verschaffen möchte. Sollte euch ein Bär tatsächlich angreifen, legt auch auf den Boden und nehmt die Hände in den Nacken. Der Bär erkennt so, dass ihr keine Gefahr seid. Falls ihr einen Rucksack aufhabt, könnt ihr euch auch damit schützen.nhalt

Podcast zum Thema

"Wenn sich ein Bär aufrichtet, will er nicht angreifen, sondern nur einen besseren Überblick – wie ein Fußball-Fan im Stadion beim Elfmeter." Diese und andere Facts zum Verhalten der Braunbären verrät Wildtier-Experte und Verhaltensökologe Andreas Zedrosser in der neusten Episode von "Hauptsache raus". Und wusstest du, dass wir Europäer freundlichere Bären haben als die Nordamerikaner?