Hiking Asia: Christine Thürmer über die wilden Trails in Japan & Korea

Die meistgewanderte Frau der Welt
Weitwanderin Christine Thürmer im Interview

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.03.2026
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Christine Thürmer / Hiking Asia
Foto: Jimmy Beunardeau

Man könnte meinen, nach über 60.000 Kilometern zu Fuß schreckt Christine Thürmer so schnell nichts mehr. Doch ihre jüngste Reise durch Japan, Taiwan und Südkorea war selbst für die erfahrenste Weitwanderin Deutschlands eine völlig neue Dimension. Sie suchte bewusst den Kulturschock – und bekam mehr, als sie sich je hätte träumen lassen. In ihrem neuen Buch "Hiking Asia" erzählt sie von Taifunen und Erdbeben, von extremer Luftfeuchtigkeit, die dich mürbe macht, und von kulturellen Unterschieden, die weit über die Speisekarte hinausgehen. Wir haben mit ihr über die größten Herausforderungen im "Wilden Osten" gesprochen und darüber, warum man dort manchmal zum gläubigen Menschen wird.

Christine Thürmer / Hiking Asia
MALIK
outdoor: In deinem neuen Buch erzählst du vom Wandern in Japan, Taiwan und Südkorea. Was hat dich in diese Länder gezogen?

Christine: Ich bin ja schon 60 000 Kilometer weit gewandert, also anderthalbmal um die Erde. Allerdings habe ich mich hauptsächlich in der westlichen Welt bewegt. Ich war in Nordamerika, ich war ganz viel in Europa. Letztendlich in derselben Kulturregion. Ich wollte herausfinden, wie man in einer komplett anderen Kultur wandert. Und leider Gottes habe ich mehr davon gekriegt, als ich mir gewünscht hätte. Sei vorsichtig, was du dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen ... (lacht)

Wie kommt man mit der Sprachbarriere klar? Ist die in allen drei Ländern gleich groß?

Theoretisch sprechen alle ein bisschen Englisch. Praktisch spricht, vor allem in Japan, niemand Englisch. Die Japaner sind unglaublich schüchtern und wollen keine Fehler machen. Aber man ist dort sehr auf Tourismus, sehr auf Ausländer eingestellt. Alle haben Übersetzungsgeräte um den Hals hängen. Und damit klappt das eigentlich gut. Also ich hatte tatsächlich wenig Verständigungsprobleme.

Christine Thürmer / Hiking Asia
Jimmy Beunardeau
Deine Geschichte beginnt mit Blutegeln und Hitze. Sind die Bedingungen überall so krass wie auf diesem ersten Trail in Japan? Oder bist du zuerst mal in einer sehr speziellen Gegend gelandet?

Nein, du hast in allen drei Ländern dasselbe Prinzip, sowohl klimatisch als auch topografisch. Du hast schweineheißen Sommer, wobei die Hitze gar nicht das Problem ist. Das ist die Luftfeuchtigkeit. Und die hast du, egal wo du bist, in Taiwan ist es am schlimmsten. Taiwan ist sozusagen Japan on Steroids. Da musst du schon sehr gut drauf sein. Du hast Höchsttemperaturen um 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, und das bis auf wenige Ausnahmen überall. Auf Hokkaido in Japan oder in Südkorea auf der Insel Jeju ist es etwas besser. Aber ansonsten hast du überall dieses Klima.

Man bekommt den Eindruck, die Weitwanderwege sind alle sehr mühsam. Ist das generell so, dass in diesen Ländern der Wanderer nicht so an die Hand genommen wird?

Da muss man unterscheiden! Auf der einen Seite hast du die Topografie, die sich in allen drei Ländern ähnelt. Das sind eigentlich alles Gebirge, die aus dem Meer herausragen. Wald bedeckt 71 Prozent Japans. Es ist dort so steil, dass du weder Landwirtschaft betreiben noch siedeln kannst. Es ist brutal steil, dazu kommt das Monsunklima. Man gibt sich zwar Mühe, Wege zu bauen, aber die sind ratzfatz wieder weg. Deswegen fällt das ausgesprochen schwer, man weiß nie, was einen da erwartet.

Das zweite Problem hat mit dem Arbeitsrecht zu tun. Der Urlaubsanspruch in Japan oder Korea beträgt 15 Tage im Jahr. Das geht bei denen aber meist für Krankheitsfälle drauf, denn es gibt keine Lohnfortzahlung. Das heißt, niemand hat Urlaub, um lange wandern zu können. Deswegen sind dort City-Trails oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossene Wege extrem gut ausgebaut.

Das komplette Interview im PDF zum Downloaden