Die besondere Herausforderung dabei war das Zeitlimit. Ich wollte die komplette Strecke in nur fünf Tagen schaffen. Jeden Tag mussten also im Schnitt mindestens 46 Kilometer bewältigt werden, ohne wirkliche Pausentage oder große Reserven. Gleichzeitig wollte ich die Tour komplett autark gehen. Ich musste also die gesamte Nahrung für fünf Tage, die komplette Ausrüstung und alles, was ich zum Leben brauchte, von Anfang an im Rucksack mitnehmen, ohne unterwegs nachzukaufen. Gerade deshalb spielte auch ultraleichte Ausrüstung eine wichtige Rolle, denn mit klassischer schwerer Ausrüstung wäre eine solche Distanz kaum realistisch gewesen. Wasser kam meistens aus natürlichen Quellen oder Brunnen und musste gefiltert oder desinfiziert werden.
Für dieses Vorhaben eignete sich Südschweden perfekt
Die Region Skåne ist deutlich schmaler als der Rest des Landes und damit einer der wenigen Orte, an denen eine komplette Durchquerung in so kurzer Zeit überhaupt realistisch erscheint. Gleichzeitig bietet die Gegend mit ihren riesigen Waldgebieten, Seen, Mooren und Küstenlandschaften genau die Mischung aus Natur und Freiheit, die man sich für eine solche Tour wünscht.

Besonders überrascht hat mich dabei, wie unberührt und abgelegen sich auch Südschweden stellenweise angefühlt hat. Obwohl man sich im südlichsten Teil des Landes befindet, gab es Abschnitte, auf denen stundenlang kein Mensch zu sehen war. Teilweise hatte ich längere Zeit kein Handynetz und im Umkreis von vielen Kilometern gab es weder Dörfer noch Straßen. Genau diese Mischung aus Zugänglichkeit und echter Einsamkeit macht die Region für Trekking so spannend. Dazu kommen Lagerplätze, Feuerstellen und das schwedische Jedermannsrecht, das einem erlaubt, mitten in der Natur zu übernachten.
Ein großer Teil meiner Route verlief über den Skåneleden, einen der bekanntesten Fernwanderwege Schwedens. Der Trail verbindet Wälder, Seen, Küsten und kleine Dörfer miteinander und zieht sich in vielen verschiedenen Teilabschnitten durch ganz Skåne. Gerade für längere Trekkingtouren eignet sich der Weg hervorragend, weil er viel Natur bietet, gleichzeitig aber immer wieder Zugang zu Wasserstellen und einfachen Lagerplätzen ermöglicht.

Gleichzeitig zeigte sich Südschweden deutlich wilder, als ich es vorher erwartet hatte. Viele Trails waren komplett überwachsen und oft eher schmale Pfade mitten durch dichtes Buschwerk als klassische Wanderwege, wie man sie aus Deutschland kennt. Dazu kamen sumpfige Abschnitte, Zecken, Kühe, Elektrozäune, Umwege, leere Wasserstellen und Lagerplätze, die plötzlich doch belegt waren. Gleichzeitig wurde der Rucksack zwar mit jedem gegessenen Riegel leichter, aber die Beine wurden mit jedem Tag müder. Es war keine perfekt planbare Tour, sondern ein echtes Abenteuer.
Tourenverlauf & Übernachtung
- Start in Sölvesborg: Der erste Tag führte von der Ostküste hinein in die Wälder. Anfangs lief alles ruhig und fast meditativ. Später wurde es durch einen überfluteten Weg, Kühe, einen unfreiwilligen Umweg durch dichtes Gelände und die Suche nach einem freien Schlafplatz am See dann doch noch abenteuerlich. Nach rund 45 Kilometern fand ich schließlich einen traumhaften Zeltplatz am Wasser.
- Tag zwei war geprägt von tiefen Wäldern, kleinen Seen und der ersten richtigen Einsamkeit. Die Landschaft wurde immer schwedischer: Moos, Tannen, Birken, Heidelbeeren und stille Wasserflächen. Gleichzeitig wurde Wasser zum Thema, weil nicht jede Quelle funktionierte. Am Abend erreichte ich einen Lagerplatz auf einem kleinen Hügel und konnte zum ersten Mal Feuer machen.
- Der dritte Tag war die Königsetappe. Rund 50 Kilometer standen am Ende auf der Uhr. Schon morgens wurde ich durch schlechte Wegführung, Zäune und einen Hof ausgebremst. Später folgten Moore, Forstwege, Seen und die Halbzeit der Durchquerung. Am Ende erreichte ich einen Campingplatz direkt am Wasser. Dusche, Regen auf dem See und direkt verfügbares Trinkwasser fühlten sich nach drei harten Tagen fast luxuriös an.
- Tag vier wurde mental der schwierigste. Die Hitze, die vielen Zecken und die Belastung der Vortage machten sich deutlich bemerkbar. Dazu kam die ständige Frage nach Wasser. Mehrfach musste ich improvisieren, einmal half mir ein älterer Schwede mit dem Gartenschlauch weiter. Am Abend erreichte ich nach rund 41 Kilometern einen Lagerplatz in einer Moorlandschaft.
- Am fünften Tag ging es nur noch darum, irgendwie die Westküste zu erreichen. Noch einmal standen geplant fast 50 Kilometer an, am Ende wurden es sogar noch einige mehr. Die Füße brannten, der Körper wollte nicht mehr, aber irgendwann tauchte zwischen den Bäumen tatsächlich das Meer auf. Kurz darauf stand ich an einem kleinen Strand an der schwedischen Westküste (nahe Båstad). Genau dieser Moment war das große Ziel der gesamten Tour.
Geschafft: In 5 Tagen von Küste zu Küste

Nach fünf Tagen, rund 230 Kilometern und einer kompletten autarken Durchquerung hatte ich Schweden tatsächlich zu Fuß von Küste zu Küste überquert. Gerade dieser Zielmoment hat die ganze Herausforderung für mich besonders gemacht. Nicht einfach nur an einem Parkplatz oder Ortsschild anzukommen, sondern wirklich das Meer zu sehen und zu wissen, dass man das ganze Land aus eigener Kraft durchquert hat. Genau dafür war Südschweden perfekt: wild genug für ein echtes Abenteuer, aber gleichzeitig offen genug, um eine solche Tour überhaupt möglich zu machen.












